Migräneprophylaxe durch Vermeidung von Hunger: Ein umfassender Leitfaden

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Umweltfaktoren, die Migräneattacken auslösen können, gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel und Getränke sowie Hunger.

Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Der direkte Einfluss von Nahrungskomponenten lässt sich jedoch nur schwer abgrenzen.

Dieser Artikel konzentriert sich auf die Rolle von Hunger bei der Auslösung von Migräneattacken und bietet Strategien zur Vorbeugung von Migräne durch die Aufrechterhaltung eines stabilen Blutzuckerspiegels und die Vermeidung von Hunger.

Die Rolle von Hunger bei Migräne

Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden. Das zeigte sich bei Muslimen mit Migräne während des Fastenmonats Ramadan. Laut ihrer Kopfschmerztagebücher waren Häufigkeit und Intensität der Migräne-Episoden höher. Eine frühere Studie zeigte bereits, dass die Serotoninspiegel im Serum der TeilnehmerInnen in den ersten gegenüber den letzten Fastentagen signifikant niedriger waren.

Heißhunger spielt eine bedeutende Rolle bei Migräne. Er kann einerseits ein Vorbote für eine sich anbahnende Attacke sein oder als Begleitsymptom einer bereits bestehenden Migräne auftreten. Hinzu kommt, dass Heißhunger ein Resultat starker Blutzuckerschwankungen sein kann: Einerseits als Folge eines rapiden Abfalls nach einem starken Anstieg, anderseits kann eine Heißhungerattacke auch einen starken Blutzuckeranstieg und darauffolgenden Abfall herbeiführen - ein Teufelskreis gestörter Sättigung. Zudem haben sich starke Blutzuckerschwankungen als Migräne-Auslöser erwiesen.

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Aktuelle Studien bestätigen, dass ein Energiemangel im Gehirn aufgrund von unzureichender Energieversorgung eine Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt, so berichten Betroffene gerade während Fastenperioden oder nach dem Auslassen von Mahlzeiten häufiger von Migräne. Aber Heißhunger kann nicht nur ein Ausdruck eines Energiedefizit sein - also zum Beispiel eines starken Blutzuckerabfalls. Heißhunger kann auch ein Energiedefizits provozieren: denn meistens gelüstet es uns bei einer Heißhungerattacke nach zuckerhaltigen Lebensmitteln oder einfachen Kohlenhydraten, die einen starken Blutzuckerpeak herbeiführen können. Dieser hat zufolge, dass die Bauchspeicheldrüse eine große Menge Insulin ausschüttet, um die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Durch die großen Mengen Insulin im Blut kann es im Anschluss wiederum zu einer reaktiven Unterzuckerung kommen, d.h. zu einem Blutzuckerabfall. Bei einigen Lebensmitteln oder Personen kann der Blutzucker sogar unter das Niveau vor dem Essen fallen - du befindest dich somit in einem Teufelskreis, da deine Sättigungsphasen gestört sind.

Da es Hinweise gibt, dass bei Personen mit episodischer Migräne oft eine hohe Insulinsensitivität besteht, können diese Blutzuckerschwankungen noch stärker ausfallen. Wie hoch der Blutzucker steigt und anschließend fällt, ist aber abhängig von mehreren Faktoren und kann individuell ganz unterschiedlich sein.

Blutzuckerschwankungen stimulieren das Neuropeptid CGRP (Calcitonin gene-related peptide), welches nachweislich Migräneattacken begünstigt. Man vermutet, dass CGRP die Energieversorgung des Gehirns hemmt und somit wiederum an der Entstehung eines Energiedefizits und einer folgenden Migräneattacken beteiligt ist. Zweitens können hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen auf komplexe Weise entzündliche Prozesse im Körper fördern. Auch bei dem Auslösen einer Migräneattacke sind Entzündungsprozesse involviert: bei geweiteten Blutgefäßen im Gehirn wird nämlich die Freisetzung bestimmter Stoffe gefördert, die ab einem gewissen Schwellenwert einen Schmerzreiz in Form einer Migräneattacke auslösen können.

Strategien zur Migräneprophylaxe durch Vermeidung von Hunger

Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig-stabil hält, stellt somit eine effektive Migräneprophylaxe für Betroffene dar und kann zusätzlich Heißhungerattacken vorbeugen.

Welche Faktoren Kopfschmerzen oder Migräne auslösen, ist bei Betroffenen sehr verschieden. Ein Ernährungs- und Schmerztagebuch hilft, die sogenannten "Trigger" zu identifizieren. Darin werden alle Genussmittel, Stressfaktoren und Schmerzereignisse über mindestens vier Wochen protokolliert (Uhrzeit, Essen, Getränk, Besonderheiten, Beschwerden).

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Nicht nur was man isst, wirkt sich aus, sondern auch wie man isst. In Ruhe essen, drei Mahlzeiten pro Tag (Regelmäßigkeit beachten), davon eine warm. Ausreichend und regelmäßig trinken: mindestens 1,5 Liter pro Tag.

Besonders wenn dein Blutzucker im Keller ist, entsteht Heißhunger - und möglicherweise auch ein Migräne-Anfall! Tipps, wie du deinen Blutzucker eher niedrig-stabil hältst, bekommst du zum Beispiel über die Migräne-App sinCephalea. Denn Blutzuckerreaktionen sind individuell. Während der zweiwöchigen Sensorphase hast du die einmalige Gelegenheit mittels eines Gewebezuckersensors die Blutzuckerreaktion deines Körpers auf bestimmte Mahlzeiten zu beobachten, um anschließend eine blutzuckerstabilisierende Ernährung einzuführen.

Kompletter Verzicht muss dabei nicht sein. Du kannst zum Beispiel die Rheinfolge deiner Mahlzeiten ändern und einen Kuchen eher als Nachtisch anstatt auf nüchternen Magen zu verzehren. Auch die Kombination mit anderen Lebensmitteln kann helfen, dass dein Blutzucker nicht so in die Höhe schießt und Heißhunger als Folge entsteht. Zum Beispiel indem du etwas Rohkost (Ballaststoffe) vor einer Mahlzeit isst oder deine Beilagen veränderst. Aber nicht für jede und jeden funktionieren dieselben Tricks.

Was jedoch für die meisten gilt ist, dass lange Fastenperioden, wie zum Beispiel das Intervallfasten, eher gemieden werden sollten. Aber auch strenge Migräne-Diäten, wie beispielsweise die ketogene Diät, eignen sich eher weniger, da die Gefahr für Heißhunger und entsprechend starke Blutzuckerschwankungen steigt - von dem Verlust an Lebensqualität durch strengen Reglementierung ganz zu schweigen. Es ist daher empfehlenswert eher viele kleine Mahlzeiten zu sich zunehmen (alle 3-4 Stunden).

Detailliertere Strategien umfassen:

  1. Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie es, Mahlzeiten auszulassen, und essen Sie regelmäßig über den Tag verteilt, um einen stabilen Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten.
  2. Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und gesunden Fetten, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Heißhungerattacken vorzubeugen.
  3. Niedrig-glykämische Lebensmittel: Bevorzugen Sie Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index (z. B. Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte), die den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lassen.
  4. Ballaststoffreiche Ernährung: Essen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel (z. B. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte), um die Verdauung zu verlangsamen und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  5. Vermeidung von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken: Reduzieren Sie den Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränken, da diese zu schnellen Blutzuckeranstiegen und -abfällen führen können, die Migräneattacken auslösen können.
  6. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt, um den Körper hydriert zu halten und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
  7. Koffein- und Alkoholkonsum einschränken: Koffein und Alkohol können den Blutzuckerspiegel beeinflussen und Migräneattacken auslösen. Reduzieren Sie den Konsum dieser Substanzen oder vermeiden Sie sie ganz.
  8. Stressmanagement: Stress kann den Blutzuckerspiegel beeinflussen und Migräneattacken auslösen. Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen, z. B. durch Bewegung, Entspannungstechniken oder Hobbys.
  9. Schlafhygiene: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, da Schlafmangel den Blutzuckerspiegel beeinflussen und Migräneattacken auslösen kann.
  10. Kopfschmerztagebuch führen: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre Ernährungsgewohnheiten, Stressfaktoren und Schlafmuster zu verfolgen und potenzielle Auslöser für Ihre Migräneattacken zu identifizieren.
  11. Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Ernährungsberater, um einen individuellen Ernährungsplan zu entwickeln, der auf Ihre spezifischen Bedürfnisse und Auslöser zugeschnitten ist.

Weitere Überlegungen zur Migräneprophylaxe

Neben der Vermeidung von Hunger gibt es noch weitere Faktoren, die bei der Migräneprophylaxe eine Rolle spielen können:

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  • Magnesium: Ein Serum-Magnesiumspiegel < 0,75 mmol/l wird häufig bei Migränepatienten festgestellt. Die Einnahme von Magnesium kann die Anzahl der Attacken sowie die Schmerzintensität signifikant zu reduzieren vermag.
  • Riboflavin (Vitamin B2): Unterstützt die mitochondriale Energieproduktion; Supplementierung kann die Migränefrequenz senken.
  • Coenzym Q10: Antioxidativ wirksam und essenziell für die mitochondriale ATP-Produktion.
  • Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA): Reduktion chronischer Entzündungsmarker.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Moderate Bewegung, z. B. Ausdauersportarten wirken sich nachweislich günstig auf den Verlauf einer Migräne aus. Leistungsdruck und übermäßige Anstrengung sind dabei zu vermeiden.
  • Gezielte Entspannungsmethoden: Sie senkt das Aktivierungsniveau für Attacken. Denn sie reduziert einerseits die Empfindlichkeit für akute Schmerzreize und aktiviert andererseits Hirnbereiche, die für die Schmerzdämpfung zuständig sind. Das baut zudem Angstzustände ab, was wiederum die Schmerztoleranz erhöht. Dazu wird von der Leitlinie der DMKG und der DGN besonders die progressive Muskelentspannung nach Jacobson hervorgehoben. Positive Erwähnung in der Leitlinie finden zudem Biofeedbackverfahren und die kognitive Verhaltenstherapie.
  • Medikamentöse Langzeitprophylaxe: Anpassung und Optimierung der prophylaktischen Medikation.

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