Eingeklemmter Nerv und Autofahren: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Lange Autofahrten können zu Verspannungen der Rückenmuskulatur und anderen Beschwerden führen. Ein eingeklemmter Nerv kann diese Probleme noch verstärken und das Autofahren zur Qual machen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für einen eingeklemmten Nerv, insbesondere im Zusammenhang mit dem Autofahren, gibt Tipps zur Vorbeugung und zeigt Behandlungsoptionen auf.

Ursachen und Symptome eines eingeklemmten Nervs

Ein eingeklemmter Nerv entsteht durch die Kompression oder Einengung von Nervengewebe. Dies kann sowohl periphere Nerven (Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) als auch Nervenwurzeln (Teile des Rückenmarks) betreffen. Die Kompression kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Muskelverspannungen: Verhärtete Muskeln, z.B. im Nacken- oder Schulterbereich, können auf einen Nerv drücken.
  • Bandscheibenvorfälle: Eine Bandscheibe kann verrutschen und auf eine Nervenwurzel drücken.
  • Entzündungen: Entzündungen im Bereich der Muskeln oder Bandscheiben können zu Schwellungen führen, die Nerven einengen.
  • Fehlbelastungen: Wiederholte falsche Belastungen können zu Muskelverhärtungen und -ungleichgewichten führen.
  • Blockierte Wirbel: Eine unbedachte Bewegung kann dazu führen, dass Wirbelkörper nicht mehr in ihre normale Position zurückgleiten und Nerven komprimieren.
  • Piriformis-Syndrom: Hierbei komprimiert der Piriformis-Muskel im Gesäßbereich den Ischiasnerv.

Die Symptome eines eingeklemmten Nervs variieren je nach betroffenem Nerv und Schweregrad der Kompression. Typische Anzeichen sind:

  • Schmerzen: Stechende, elektrisierende oder brennende Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervs.
  • Gefühlsstörungen: Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle.
  • Muskelschwäche: Vorübergehende oder dauerhafte Muskelschwäche in dem vom Nerv versorgten Bereich.
  • Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit: Blockaden der Wirbelsäule oder verhärtete Muskeln können die Beweglichkeit einschränken.

Der eingeklemmte Nerv und das Autofahren

Langes Sitzen im Auto, insbesondere in einer ungünstigen Position, kann die Wirbelsäule und Bandscheiben übermäßig belasten und die Muskulatur einseitig beanspruchen. Dies kann zu Verspannungen und letztendlich zu einem eingeklemmten Nerv führen.

Spezifische Risiken beim Autofahren:

  • Lange statische Haltung: Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit und die statische Haltung während der Fahrt können Verspannungen fördern.
  • Geistige Anspannung: Das Fahren selbst erfordert Konzentration und kann zu einem erhöhten Muskeltonus führen.
  • Falsche Sitzposition: Eine falsche Einstellung des Autositzes kann die Wirbelsäule zusätzlich belasten.
  • Piriformis-Syndrom: Langes Sitzen, insbesondere mit einer harten Unterlage oder einer Brieftasche in der Gesäßtasche, kann den Piriformis-Muskel reizen und zu einer Kompression des Ischiasnervs führen.

Vorbeugung von Rückenproblemen und eingeklemmten Nerven beim Autofahren

Um Rückenschmerzen und einem eingeklemmten Nerv beim Autofahren vorzubeugen, gibt es verschiedene Maßnahmen:

Lesen Sie auch: Autofahren bei Demenz: Regeln und Empfehlungen

1. Autositz richtig einstellen:

  • Rückenlehne: Die Schultern sollten Kontakt zur Rückenlehne haben.
  • Arme: Die Arme sollten das Lenkrad mit leicht angewinkelten Ellenbogen halten.
  • Sitzfläche: Der Abstand zu den Pedalen sollte so sein, dass die Beine bei durchgetretenen Pedalen noch leicht angewinkelt sind. Wichtig ist, dass Sie dabei mit dem unteren Rücken bis an die Sitzlehne rutschen.
  • Kopfstütze: Die Kopfstütze sollte in Höhe des Kopfes, nicht des Nackens, eingestellt sein.
  • Sitzhöhe: Bei idealer Sitzhöhe haben Sie freie Sicht auf die Fahrbahn und Armatur. Es bleibt in etwa eine Handbreit Raum zwischen Kopf und Dachhimmel.
  • Lordosestütze: Wenn Ihr Autositz keine eingebaute Lordosestütze besitzt, empfiehlt der ADAC, diese aus dem Zubehörhandel nachzurüsten. Wichtig ist, dass sie fixierbar ist und nicht verrutschen kann.

2. Regelmäßige Pausen einlegen:

  • Pausen alle zwei Stunden: Versuchen Sie, sich bei diesen Stopps die Beine zu vertreten und den Körper etwas zu dehnen.
  • Reiseplanung: Planen Sie bei langen Strecken kürzere Tagesetappen mit möglichen Übernachtungen ein.
  • Verbindung mit anderen Aktivitäten: Verbinden Sie die Pausen mit einer längeren Mittagspause und einem anschließenden Verdauungsspaziergang.
  • Achten Sie darauf, während der Fahrt ausreichend zu trinken und für Frischluftzufuhr zu sorgen.

3. Übungen während der Pausen:

  • Rekeln und Schulterkreisen: Stellen Sie sich aufrecht hin, die Beine sind hüftbreit aufgestellt. Strecken Sie die Hände über den Kopf und ziehen Sie sie abwechselnd nach oben. Legen Sie Ihre Hände mit den Handflächen auf die Schultern und kreisen Sie Ihre Ellenbogen in dieser Position nach vorne. Ändern Sie anschließend die Richtung. Wiederholen Sie beide Übungen einige Male.
  • Beine dehnen: Um die Beinvorderseiten zu dehnen, stützen Sie sich mit einer Hand an Ihrem Fahrzeug ab, stellen sich auf ein Bein und beugen Ihr Knie. Mit der anderen Hand fassen Sie Ihren Fußrücken und führen die Ferse an Ihr Gesäß. Wechseln Sie die Seiten. Um die Beinrückseite zu dehnen, stellen Sie sich hüftbreit hin, beugen sich nach vorne über und versuchen, mit den Fingern Ihre Füße zu berühren. Wiederholen Sie diese Übungen mehrmals.
  • Wadenpumpe: Stellen Sie sich hüftbreit hin und halten Sie sich mit einer oder beiden Händen am Fahrzeug fest, um das Gleichgewicht zu halten. Heben Sie nun abwechselnd die Zehen und Fersen in einer wippenden Bewegung ab. Wiederholen Sie auch diese Übung.
  • Lockern Sie Ihre Schultern, indem Sie sie für ein paar Sekunden nach oben und unten ziehen. Dasselbe können Sie auch in Richtung vorne und hinten machen.
  • Bewegen Sie Ihr Becken, indem Sie es in der Sitzposition nach vorne und hinten kippen. Sie können auch Ihr Gesäß ein wenig von links nach rechts schaukeln, um den unteren Rücken etwas zu lockern.
  • Ihr Oberkörper lässt sich durch das "Zusammendrücken" und "Auseinanderziehen" des Lenkrads etwas lockern. Ihre Hände bleiben am Lenker, durch den Druck der Hände nach innen bzw. außen werden verschiedene Muskeln im Oberkörper aktiviert.

4. Autofahren nach Bandscheibenvorfall:

  • Ärztliche Rücksprache: Wer bereits Probleme mit dem Rücken oder einen Bandscheibenvorfall hatte, sollte besonders auf rückenschonendes Autofahren achten und vor längeren Fahrten ärztliche Rücksprache halten.
  • Schmerzmittel: Beachten Sie, dass sich eine medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln auf die Fahrsicherheit auswirken kann.
  • Ärztliches Fahrverbot: Attestiert die Ärztin oder der Arzt eine zeitweise Fahruntauglichkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, müssen Verkehrsteilnehmende dem nachkommen.

5. Piriformis-Syndrom beachten:

  • Entlastung: Vermeiden Sie Aktivitäten, die die Beschwerden hervorrufen.
  • Dehnübungen: Dehnen Sie den Piriformis-Muskel mehrmals täglich.
  • Sitzverhalten: Bei sitzenden Tätigkeiten sollten Sie alle 20 Minuten aufstehen und sich strecken. Vermeiden Sie langes Sitzen auf harten Unterlagen oder mit einer Brieftasche in der Gesäßtasche.

Behandlung eines eingeklemmten Nervs

Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Konservative Therapie:
    • Schmerzlinderung: Schmerzmittel (z.B. NSAR) können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
    • Entzündungshemmung: Entzündungshemmende Medikamente können helfen, Schwellungen zu reduzieren.
    • Wärme: Wärmeanwendungen können Muskelverspannungen lösen.
    • Manuelle Therapie/Osteopathie: Bei Blockaden der Wirbelsäule können manuelle Therapie oder Osteopathie helfen.
    • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Körperhaltung zu korrigieren. Dehnübungen sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
    • Faszienbehandlung: Mithilfe einer Faszienrolle können Verklebungen im Bereich der Muskeln gelöst werden.
  • Injektionen:
    • Lokalanästhetika: Ärzte mit spezieller Erfahrung können Lokalanästhetika in schmerzhafte Triggerpunkte spritzen.
    • Botulinumtoxin: Injektionen mit Botulinumtoxin können helfen, Muskelverspannungen zu lösen.
  • Operation: Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig, wenn konservative Maßnahmen nicht helfen. Dabei wird z.B. die Sehne des Piriformis-Muskels durchtrennt oder ein Bandscheibenvorfall operativ behandelt.

Spezifische Übungen zur Dehnung des Piriformis-Muskels:

  • Übung 1: Beugen Sie in Rückenlage Hüft- und Kniegelenk der rechten Seite. Die linke Hand umfasst den rechten Fußaußenrand und zieht ihn in Richtung der linken Schulter. Die rechte Hand drückt das rechte Kniegelenk nach unten rechts. Dabei sollte ein Dehnungsgefühl im seitlichen Gesäßbereich auftreten.
  • Übung 2: Legen Sie das schmerzende Bein über das Knie des gesunden Beins und ziehen Sie es mit den Händen zum Rumpf hin.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Schmerzen stark sind und nicht auf konservative Maßnahmen ansprechen.
  • Neurologische Ausfälle wie Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche auftreten.
  • Die Beschwerden nach einem Unfall oder Sturz auftreten.
  • Die Beschwerden chronisch werden und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Lesen Sie auch: Medikamentenliste für Myasthenia Gravis – Achtung!

Lesen Sie auch: Schwimmen trotz Epilepsie: Was Sie beachten müssen

tags: #darf #mann #wenn #einer #nerv #eingeklemmt