Chartreuse: Eine Geschichte von Spiritualität, Likör und Tradition

Die Geschichte des Chartreuse-Likörs ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Spiritualität, Geheimnis und handwerklicher Tradition. Dieser Artikel beleuchtet die Ursprünge des Likörs, seine Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte und seine Bedeutung in der heutigen Zeit.

Ursprünge in der Abgeschiedenheit der Kartäuser

Die Geschichte des Chartreuse beginnt im Jahr 1084 mit der Gründung des Kartäuserordens durch den heiligen Bruno von Köln. Bruno, der sich nach einem Leben der Kontemplation und Abgeschiedenheit sehnte, zog sich mit sechs Gefährten in die entlegenen Berge der Chartreuse zurück. Dort, in der Nähe des heutigen Dorfes Saint-Pierre-de-Chartreuse im Südosten Frankreichs, gründeten sie das Mutterkloster des Ordens, La Grande Chartreuse.

Das Leben der Kartäusermönche war von harter Arbeit und strenger Askese geprägt. Sie lebten in Einsamkeit, widmeten sich dem Gebet und der manuellen Arbeit. Im Jahr 1127 wurden die Regeln des Ordens durch Prior Guigo de Chastel schriftlich fixiert und gelten bis heute in kaum modernisierter Form.

Das geheimnisvolle Rezept von 1605

Ein entscheidendes Jahr für die Geschichte des Chartreuse war 1605. In diesem Jahr erhielt das Kartäuserkloster in Paris ein Geschenk von Marschall François Hannibal d’Estrées, dem Marschall des französischen Regiments von Heinrich IV: ein altes Manuskript mit dem Rezept für ein "Elixier des langen Lebens".

Das Rezept war jedoch so kompliziert und geheimnisvoll, dass die Mönche zunächst nichts damit anzufangen wussten. Es dauerte über 100 Jahre, bis Bruder Jérôme Maubec, ein Apotheker der Grande Chartreuse, das Manuskript entschlüsseln konnte. Er entdeckte, dass es 130 verschiedene Pflanzen und Kräuter enthielt.

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Die Geburt des Elixiers Végétal

Im Jahr 1737 gelang es Bruder Jérôme Maubec, das erste "Elixier Végétal" herzustellen. Dieses hochprozentige (69% vol.) Kräuterkonzentrat wurde schnell als Wundermittel bekannt. Die Mönche hüteten das Rezept sorgfältig, und angeblich haben bis heute immer nur zwei Brüder Einblick in den Herstellungsprozess.

Turbulente Zeiten und die Bewahrung des Geheimnisses

Die folgenden Jahre waren von politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt, darunter Reformation, Revolution und Kriege. In diesen stürmischen Zeiten geriet das Geheimnis des Chartreuse immer wieder in Gefahr.

Während der Französischen Revolution wurden die Mönche aus ihrem Kloster vertrieben, und die Produktion des Likörs wurde unterbrochen. Die Mönche flohen nach Spanien und setzten die Produktion in Tarragona fort, wo sie den Likör unter dem Namen "Une Tarragone" verkauften.

Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich im Jahr 1929 übernahmen die Kartäusermönche ihre Rechte und gründeten die "Compagnie française de la Grande Chartreuse". Im Jahr 1935 wurde die Destillerie in Fourvoirie durch einen Erdrutsch zerstört, woraufhin die Produktion in das nahegelegene Voiron verlegt wurde.

Chartreuse heute: Tradition und Innovation

Heute wird der Chartreuse in der Nähe der Grande Chartreuse in Aiguenoire, Entre-Deux-Guiers, hergestellt. Die Mönche halten weiterhin an der traditionellen Rezeptur und den Herstellungsverfahren fest.

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Neben dem Elixier Végétal, das heute noch erhältlich ist und gerne als Cocktailbitter verwendet wird, ist der Chartreuse Verte (Grüner Chartreuse) die bekannteste Variante. Mit 55% vol. Alkohol ist er ein beliebter Likör bei Cocktail-Enthusiasten auf der ganzen Welt.

Eine mildere Variante ist der Chartreuse Jaune (Gelber Chartreuse), der seit 1838 mit 40% vol. Alkohol hergestellt wird. Er ist cremiger, süßer und weicher als der Grüne Chartreuse.

Darüber hinaus gibt es einige Spezialabfüllungen wie die V.E.P. (Vieillissement Exceptionnellement Prolongé) Qualitäten, bei denen es sich um länger gereifte Versionen des Grünen und Gelben Chartreuse handelt. Auch Jubiläumsabfüllungen wie der Chartreuse 1605 Liqueur d’Elixir zum 400. Jubiläum der Rezeptübergabe oder der seit 1984 produzierte Liqueur du 9° Centenaire erfreuen sich großer Beliebtheit.

Chartreuse in der Barkultur

Chartreuse hat sich zu einer unverzichtbaren Größe in der Barwelt entwickelt. Zahlreiche Cocktailklassiker, wie der Last Word oder der Bijou, wären ohne Chartreuse nicht denkbar. Viele Barkeeper schätzen den Likör auch pur als Shot.

Die Popularität des Chartreuse ist ungebrochen, und die Fangemeinde wächst stetig, nicht zuletzt aufgrund der permanenten Entwicklung der Bar- und Cocktailszene.

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Besondere Abfüllungen im Fokus

Neben den Standardabfüllungen gibt es auch einige besondere Chartreuse-Varianten, die einen Blick wert sind:

  • Chartreuse 1605 Liqueur d’Elixir: Diese Abfüllung wurde erstmals im Jahr 2005 zum 400-jährigen Jubiläum der Rezeptübergabe hergestellt. Mit 56% vol. Alkohol ist er eine kräftige und aromatische Variante des Chartreuse. Sein Aroma ist geprägt von Kräutern wie Minze, Wermut, Rosmarin, Fenchel, Kamille, Kiefernnadeln, Basilikum und Salbei. Im Geschmack ist er kraftvoll, voluminös und vielschichtig mit einer schweren Süße, die den Alkohol wunderbar umrahmt.

  • Chartreuse Liqueur du 9° Centenaire: Diese Abfüllung wurde 1984 zum 900. Geburtstag des Kartäuserordens kreiert. Die Flasche ist an das Design der Chartreuse-Likörabfüllungen des 18. Jahrhunderts angelehnt. Mit 47% vol. Alkohol ist er sanfter und weicher als der Chartreuse 1605. Sein Aroma ist geprägt von Anis, Zitronenmelisse, Minze, Wermut, Rosmarin, Salbei, Fenchel, Basilikum, Pfeffer und Honigsüße. Im Geschmack ist er voluminös und kraftvoll mit einer leichten Pfeffernote.

Die Destillerie Aiguenoire: Ein neues Kapitel

Im Jahr 2018 wurde eine neue Destillerie im Herzen des Chartreuse-Massivs in Aiguenoire, Entre-Deux-Guiers, eröffnet. Dieser Schritt war aufgrund verschärfter Vorschriften notwendig geworden. Mit der neuen Destillerie kehrten die Kartäusermönche und der Chartreuse in die Chartreuse zurück.

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