Kurze Bewusstlosigkeit und Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Kurze Bewusstlosigkeit, auch Synkope genannt, und Migräne sind zwei unterschiedliche, aber manchmal miteinander verbundene neurologische Zustände. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für kurze Bewusstlosigkeit im Zusammenhang mit Migräne, die verschiedenen Arten von Anfällen, die damit verwechselt werden können, und die verfügbaren Behandlungsoptionen.

Einführung

Benommenheit und Schwindel sind häufige Symptome, die viele Menschen im Laufe ihres Lebens erleben. Die richtige diagnostische Einordnung ist wichtig, damit ernsthafte Ursachen nicht übersehen und die richtigen Maßnahmen ergriffen werden können. Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Den meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man trifft sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen.

Ursachen von kurzer Bewusstlosigkeit im Zusammenhang mit Migräne

Migralepsie

Eine seltene Komplikation der Migräne ist die Migralepsie. Die seltene Migralepsie bezeichnet einen epileptischen Anfall, der innerhalb einer Stunde nach einer Migräne mit Aura auftritt. Dabei entstehen Krämpfe im Gehirn, Betroffene entwickeln dadurch Symptome eines epileptischen Anfalls: Bewusstseinsverlust und verkrampfte Muskeln am ganzen Körper, die zum Sturz führen können.

Migräne mit Hirnstammaura

Bei der Migräne mit Hirnstammaura kommt es zu folgenden Symptomen während der Aura-Phase: beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder, Sprachstörungen (Dysarthrie), Bewegungsstörungen (Ataxie), Hörminderung, Bewusstseinsstörungen.

Orthostatische Hypotonie

Die orthostatische Benommenheit ist sicherlich die häufigste Bewusstseinsstörung überhaupt. Sie ist von der Körperposition abhängig und tritt typischerweise beim ruhigen Stehen auf.

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Kardiale Ursachen

Herzrhythmusstörungen können eine wichtige Ursache für Benommenheit sein. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen zu langsamen (bradykarden) und zu schnellen (tachykarden) Herzrhythmusstörungen. Synkopen stellen bei Herzrhythmusstörungen ein wichtiges Warnzeichen dar.

Vasovagale Synkope

Vasovagale Synkopen sind klassische Ohnmachten, die durch emotionale Auslöser wie Schreck oder Angst ausgelöst werden.

Situative Synkopen

Situative Synkopen werden durch körperliche Aktivitäten wie starkes Husten oder Pressen verursacht.

Karotis-Sinus-Synkopen

Karotis-Sinus-Synkopen entstehen durch Druck auf die Halsschlagader.

Andere Ursachen

  • Hirntumore: Obwohl Kopfschmerzen ein häufiges Symptom bei Hirntumoren sind, ist ein Hirntumor selten die Ursache für Kopfschmerzen. Kopfschmerzen bei Hirntumoren treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in relativ kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind nicht selten mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.
  • Epileptische Anfälle: Bei einigen Patienten treten als erste Symptome eines Tumors epileptische Anfälle auf. Der Anfall kann aus völligem Wohlbefinden heraus auftreten. Manchmal geht eine sogenannte „Aura“ voraus, bei der der Betroffene ungewohnte, besondere Wahrnehmungen hat. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen („fokale Anfälle“). Kurze Episoden geistiger Abwesenheit können auftreten, in denen die Patienten immer wieder die gleichen Bewegungen durchführen („komplex-fokale Anfälle“).

Symptome und Anzeichen

Die Symptome einer Migräne mit Aura sind vielfältig und können individuell unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Aura-Symptome:
    • Flimmerskotom (Flimmern im Gesichtsfeld)
    • Negative oder positive Skotome (Gesichtsfeldausfälle)
    • Lichtblitze
    • Grelle Farbwahrnehmung
    • Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
    • Aphasie (Sprachstörungen)
    • Dysarthrie (Artikulationsstörungen)
    • Ataxie (Bewegungsstörungen)
    • Hörminderung
    • Bewusstseinsstörungen
  • Migräne-Symptome:
    • Einseitige, pulsierende Kopfschmerzen
    • Übelkeit und/oder Erbrechen
    • Licht- und Lärmempfindlichkeit
    • Schwindel
    • Erschöpfung

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, kurze Bewusstlosigkeit und Migräne von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

  • Epilepsie: Die Entscheidung darüber, ob eine Epilepsie vorliegt oder nicht, stützt sich ganz überwiegend auf die Beschreibung des Anfallsereignisses. Zusätzlich sind apparative Untersuchungen notwendig wie z. B. ein EEG oder eine Kernspintomographie (MRT) des Kopfes. Diese Untersuchungen können die Diagnose Epilepsie unterstützen, eine Epilepsie aber nicht beweisen. Die Beschreibung des Anfalls durch den Patienten und einen Augenzeugen sollte also möglichst genau sein.
  • Ohnmacht (Synkope): Am häufigsten wird eine Ohnmacht (Synkope) mit Epilepsie verwechselt. Hierbei handelt es sich um eine momentane Minderdurchblutung des Gehirns, die zu einem Bewusstseinsverlust und zu einem Zusammensacken führt.
  • Schlaganfall: Der Schlaganfall kann insbesondere dann, wenn er nur sehr kurz verläuft und sich vollständig zurückbildet, zur Verwechslung mit einem epileptischen Anfall führen. Nach einem Schlaganfall treten bei etwa jedem 6. Patienten vereinzelt oder dauerhaft epileptische Anfälle auf.
  • Dissoziative Anfälle: Bei Dissoziativen Anfällen verlieren Betroffene vorübergehend die Kontrolle über ihren Körper - mit Zuckungen, Ohnmachtsanfällen oder Verkrampfungen. Anders als bei Epilepsie fehlt jedoch eine krankhafte elektrische Entladung im Gehirn.
  • Schlafstörungen (Narkolepsie/Kataplexie-Syndrom): Bei manchen Schlafstörungen kommt es zusätzlich zu plötzlichen Anfällen mit Verlust der Körperspannung und Hinfallen, sog. kataplektischen Anfällen. Beim kataplektischen Anfall wird jedoch niemals das Bewusstsein verloren.

Diagnostische Verfahren

Um die Ursache für kurze Bewusstlosigkeit und Migräne zu ermitteln, können verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt werden:

  • Anamnese: Eine ausführliche Anamnese, die die Beschreibung des Anfallsereignisses, die Krankheitsvorgeschichte und die Familienanamnese umfasst, ist entscheidend.
  • Körperliche Untersuchung: Eine körperliche, neurologische und psychiatrische Untersuchung ist notwendig, um neurologische oder psychiatrische Störungen zu erkennen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG misst die hirnelektrische Aktivität und kann epilepsietypische Potentiale aufzeigen.
  • Kernspintomographie des Kopfes (MRT): Die MRT ist eine Schichtaufnahme des Kopfes und des Gehirns, die Veränderungen der Gehirnstruktur wie Vernarbungen, Missbildungen, Entzündungen, Tumore oder Schlaganfälle erkennen kann.
  • Blutuntersuchungen: Laboruntersuchungen des Blutes können Entzündungszeichen oder andere Auffälligkeiten aufdecken.
  • Kardiale Diagnostik: Bei Verdacht auf kardiale Ursachen können ein EKG, Langzeit-EKG, Herzultraschall oder andere kardiologische Untersuchungen durchgeführt werden.
  • Schellong-Test: Der Schellong-Test misst Blutdruck und Herzfrequenz in Rückenlage und im Stehen, um eine orthostatische Hypotonie festzustellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von kurzer Bewusstlosigkeit und Migräne richtet sich nach der Ursache:

  • Migräne:
    • Akutbehandlung: Schmerzmittel, Triptane, Mittel gegen Übelkeit
    • Prophylaxe: Vermeidung von Triggerfaktoren, Ausdauersport, Entspannungsverfahren, Biofeedback, psychologische Schmerztherapie, Medikamente (Lamotrigin, Flunarizin, Topiramat)
  • Epilepsie: Antiepileptika
  • Orthostatische Hypotonie: Behandlung der Grunderkrankung, Medikamente zur Erhöhung der Gefäßspannung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr, körperliche Aktivität
  • Kardiale Ursachen: Behandlung der Herzrhythmusstörungen oder anderer Herzerkrankungen (Schrittmacher, Katheterablation, implantierbarer Defibrillator)
  • Dissoziative Anfälle: Psychotherapie
  • Reflex-Ohnmachten: Vermeidung von Auslösern, Erkennen von Warnzeichen, Gegendruckmanöver

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, kurzen Bewusstlosigkeiten und Migräne vorzubeugen:

  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Identifizieren und Vermeiden von persönlichen Triggerfaktoren für Migräne und Ohnmacht.
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Kreislauf zu stabilisieren.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt den Kreislauf und die Muskeln.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und Stressmanagement.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken oder orthostatischer Hypotonie kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Kopfschmerzen sind ein Alarmsignal, wenn sie plötzlich und sehr heftig einsetzen. Plötzlich einsetzende Kopfschmerzen mit Fieber, heftigen Nackenschmerzen, Nackenstarre, extremer Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche deuten auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung hin. Sehr starke Schmerzen, die sich kontinuierlich verschlimmern, sollten in jedem Fall von einem Arzt auf ihre Ursache hin untersucht werden. Bei Kopfschmerzen, die mit Sehstörungen, Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentrationsfähigkeit oder des Gleichgewichtssinns einhergehen, besteht Verdacht auf eine schwere Erkrankung.

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Jede Ohnmacht sollte ärztlich abgeklärt werden. Auch wenn die Ohnmacht von selbst abklingt, sollte sicherheitshalber ein Arzt hinzugezogen werden.

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