Seelische Belastungen und dauerhafter Stress führen oft zu einem Verlust des inneren Gleichgewichts. Laif® 900 Balance wird als pflanzliches Arzneimittel beworben, das stimmungsaufhellend und ausgleichend wirken soll. Es wird eingesetzt, um neue Lebensfreude und Kraft für den Alltag zu gewinnen, wieder ausgeglichener zu werden und erholsam zu schlafen. In diesem Artikel werden wir Laif 900 Balance genauer betrachten, insbesondere im Hinblick auf seine Inhaltsstoffe, Anwendung, mögliche Wechselwirkungen und Gegenanzeigen. Zudem werden wir auf die Rolle von 5-HTP, einer Vorstufe von Serotonin, eingehen, die ebenfalls zur Stimmungsaufhellung eingesetzt wird.
Was ist Laif® 900 Balance?
Laif® 900 Balance ist ein rezeptfreies, pflanzliches Arzneimittel, das in Apotheken erhältlich ist. Es enthält einen hochdosierten Johanniskraut-Trockenextrakt. Johanniskraut ist bekannt für seine stimmungsaufhellende und ausgleichende Wirkung, die in zahlreichen Studien belegt sein soll. Es soll dafür sorgen, dass die Verfügbarkeit und das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter), welches bei einem Stimmungstief gestört ist, wieder normalisiert wird. Diese Botenstoffe sind unter anderem für Ausgeglichenheit, gute Stimmung und unsere Schlafregulierung verantwortlich.
Anwendungsgebiete
Laif® 900 Balance wird bei folgenden Symptomen empfohlen:
- Seelische Belastungen
- Dauerhafter Stress
- Verlust des inneren Gleichgewichts
- Stimmungstief
- Mangelnde Lebensfreude
- Schlafstörungen
Anwendung und Dosierung von Laif® 900 Balance
Erwachsene nehmen jeden Tag nach dem Frühstück eine Filmtablette Laif® 900 Balance zusammen mit etwas Wasser ein. Die Einnahme ist einfach, da sie nur einmal täglich erfolgen muss. Sollte die Anwendung einmal vergessen worden sein, wird empfohlen, beim nächsten Mal einfach wieder die gewohnte Menge einzunehmen. Bereits nach einigen Tagen kann schon eine erste Besserung der Symptome spürbar sein. Laif® 900 Balance sollte dennoch über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen eingenommen werden, bis sich die volle Wirkung aufgebaut hat. Empfehlenswert ist eine Einnahme über mehrere Wochen, auch wenn die Symptome bereits nachgelassen haben.
Dauer der Anwendung
Prinzipiell ist die Dauer der Anwendung zeitlich nicht begrenzt. Ohne ärztlichen Rat sollte das Arzneimittel jedoch nicht länger als 4 Wochen angewendet werden, wenn keine Besserung der Beschwerden nach dieser Zeit eingetreten ist oder die Beschwerden regelmäßig wiederkehren.
Lesen Sie auch: Massagegeräte zur Neuropathie-Behandlung
Überdosierung
Bei einer Überdosierung kann es bei starker Sonnenbestrahlung zu sonnenbrandähnlichen Hautreaktionen sowie zu Hautschwellung, Juckreiz, Müdigkeit oder Unruhe kommen. Bei dem Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.
Gegenanzeigen
Laif® 900 Balance darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte vor der Anwendung ein Arzt konsultiert werden.
Was sollte beachtet werden?
- Die Wirkung der Anti-Baby-Pille kann durch das Arzneimittel beeinträchtigt werden. Für die Dauer der Einnahme sollten deshalb zusätzliche Maßnahmen zur Empfängnisverhütung getroffen werden.
- Der Urin kann verfärbt werden.
- Übermäßige UV-Strahlung, z.B. in Solarien oder bei ausgedehnten Sonnenbädern, sollte vermieden werden, weil die Haut während der Anwendung des Arzneimittels empfindlicher reagiert.
- Vorsicht ist geboten bei Allergie gegen Ascorbinsäure (Vitamin C), Bindemittel (z.B. Carboxymethylcellulose mit der E-Nummer E 466) und Propylenglykol!
- Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Deswegen sollte generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das bereits angewendet wird, dem Arzt oder Apotheker angegeben werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Johanniskraut-Präparate wie Laif® 900 Balance können die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinträchtigen, indem sie die Bildung eines bestimmten Enzyms anregen und so den Abbau der Arzneimittel in der Leber beschleunigen.
Gleichzeitige Anwendung kontraindiziert:
- Ciclosporin, Tacrolimus zur innerlichen Anwendung, Sirolimus
- Indinavir, Amprenavir, Fosamprenavir und andere Proteasehemmer
- Nevirapin
- Imatinib
- Irinotecan
Besondere Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung:
- Arzneistoffen, deren Metabolismus durch CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 oder p-Glykoprotein beeinflusst wird (z. B. hormonelle Kontrazeptiva, Warfarin, Phenprocoumon, Rivaroxaban, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, Fexofenadin, Benzodiazepine, Methadon, Simvastatin, Digoxin, Ivabradin, Verapamil, Finasterid, Omeprazol, Sorafenib, Larotrectinib): Verringerung der Plasmakonzentrationen dieser Wirkstoffe möglich.
- Andere Antidepressiva vom SRI- bzw. SSRI-Typ (wie Paroxetin, Sertralin), Buspiron (Anxiolytikum), Triptane (Migränemittel): Verstärkung serotonerger Effekte (wie z. B. Übelkeit, Erbrechen, Angst, Ruhelosigkeit, Verwirrtheit) möglich (sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung).
Vor der Einnahme hochdosierter Johanniskraut-Präparate sollte man sich daher unbedingt ärztlich oder in der Apotheke mit Blick auf die möglichen Wechselwirkungen beraten lassen.
Lesen Sie auch: Small Fiber Neuropathie verstehen: Ursachen, Symptome, Therapie
Johanniskraut: Die Heilpflanze in Laif® 900 Balance
Das echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) hat seit der Antike einen festen Platz in der Naturheilkunde. Es wird volkstümlich auch Herrgottsblut oder Teufelsflucht genannt. Verglichen mit anderen Arzneipflanzen sind bestimmte Johanniskrautextrakte sehr gut in klinischen Studien untersucht.
Inhaltsstoffe und Wirkung
Johanniskraut enthält entzündungshemmende Inhaltsstoffe, etwa Flavonoide (antioxidativ wirksame sekundäre Pflanzenstoffe) und ätherische Öle. Studien zeigen, dass Johanniskraut bei einer leichten oder mittleren Depression besser stimmungsaufhellend wirkt als ein Placebo und sogar vergleichbar gut wie synthetische Antidepressiva. Bei schweren Depressionen ist die Wirkung von Johanniskraut nicht nachgewiesen.
Der rote Pflanzenfarbstoff Hypericin und der sekundäre Pflanzenstoff Hyperforin sind die bekanntesten und am besten erforschten Inhaltstoffe des Johanniskrauts. Hyperforin trägt zur antidepressiven Wirkung bei, indem es offenbar die neuronale Aufnahme von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin hemmt. Um antidepressive Wirkung zu entfalten, müssen Johanniskraut-Präparate allerdings 600 bis 900 Milligramm Pflanzenextrakt enthalten.
Weitere Anwendungen von Johanniskraut
Johanniskraut entfaltet seine Wirkung zum Beispiel als Tee, Kapsel oder Öl. Oft wird die Heilpflanze als Stimmungsaufheller bei Depressionen eingesetzt. Das echte Johanniskraut ist für die äußerliche und innerliche Anwendung geeignet. Aus seinen Blüten, Trieben und Blättern wird das begehrte Rotöl gewonnen. Johanniskraut-Tee gilt als echter Stress-Killer. Eine ähnlich entschleunigende Wirkung wird auch Johanniskraut-Tinktur zugeschrieben, wenn sie mehrmals täglich in Wasser verdünnt eingenommen wird. Das aus dem Johanniskraut gewonnene Rotöl gilt als eines der besten Heilöle. Es lindert Sonnenbrand, Muskel- und Nervenschmerzen wie zum Beispiel Hexenschuss, Trigeminusneuralgie oder Nackenverspannungen. Das blutrote Öl soll entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken.
Nebenwirkungen von Johanniskraut
Johanniskraut hat zwar weniger Nebenwirkungen als synthetische Antidepressiva, aber sie sind nicht zu unterschätzen.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Polyneuropathie in den Füßen
5-HTP: Eine Alternative oder Ergänzung zu Johanniskraut?
5-HTP (5-Hydroxytryptophan) ist eine Aminosäure und die direkte Vorstufe von Serotonin. Das heißt, aus 5-HTP wird im Körper in nur einem Schritt Serotonin hergestellt. Bei Depressionen, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen wird daher gerne ein Serotoninmangel vermutet und infolgedessen empfohlen, Maßnahmen zur Erhöhung des Serotoninspiegels zu ergreifen.
Wie wirkt 5-HTP?
5-HTP umgeht einige der Probleme, die bei der Einnahme von L-Tryptophan auftreten können, einer anderen Vorstufe von Serotonin. Die Umwandlung von L-Tryptophan in 5-HTP kann von vielen Faktoren blockiert werden. Außerdem muss L-Tryptophan, um im Gehirn zu Serotonin werden zu können, erst einmal ins Gehirn gelangen - und genau das ist oft ein Problem. Das nächste Problem ist, dass L-Tryptophan nicht ausschließlich für die Serotoninherstellung zuständig ist.
Im Gegensatz dazu werden fast 100 Prozent des eingenommenen 5-HTP auch tatsächlich zu Serotonin umgebaut. Die Einnahme scheint somit ein verführerisch einfaches Mittel zu sein, den Serotoninspiegel zu heben und Probleme wie Depressionen, Stimmungsschwankungen und Angstzustände zu lösen.
Anwendungsgebiete von 5-HTP
- Depressionen: In einer jüngeren Übersichtsarbeit von 2020 zeigte sich bei Depressionen ein deutlicher Rückgang der Symptome durch 5-HTP. Unter 5-HTP sanken die Symptome stärker und Remissionen waren häufiger. Die Verträglichkeit war insgesamt gut.
- Migräne und Kopfschmerzen: Bei Migränepatienten oder Patienten, die häufig an Kopfschmerzen leiden, liegen oft niedrige Serotoninspiegel vor. Studien haben gezeigt, dass 5-HTP die Beschwerden verbessern kann.
- Appetitkontrolle und Gewichtsverlust: Eine wichtige Aufgabe des Serotonins ist u. a. die Regulierung des Appetits. In verschiedenen Studien zeigte sich, dass 5-HTP in etlichen Fällen den Appetit zügeln und erfolgreich beim Abnehmen helfen konnte.
- Schlafstörungen: Je gesünder der Serotoninspiegel, umso gesünder ist zumeist auch der Melatoninspiegel, der eine Voraussetzung für gesunden Schlaf darstellt. Wenn es daher gelingt, den Serotoninspiegel mit 5-HTP zu optimieren, dann reguliert sich u. U. auch der Schlaf.
- Fibromyalgie: Zur Fibromyalgie wurden bereits Anfang der 1990er Jahre klinische Studien mit 5-HTP durchgeführt.
Dosierung und Einnahme von 5-HTP
5-HTP wird meist aus der Afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) hergestellt. Nur standardisierte Extrakte bis 30 % sind zulässig. Reine 5-HTP-Kapseln gibt es also nicht. Ein bis zwei Stunden nach der Einnahme ist der Stoff vollständig im Blutkreislauf angelangt. Wenn man nach zwei Wochen keine Wirkung verspürt, kann man die Dosis auf je 100 mg dreimal täglich erhöhen. Auch hier beginnt man mit der niedrigen Dosis (100 mg) und steigert diese erst nach frühestens drei Tagen.
5-HTP kann - im Gegensatz zu L-Tryptophan - mit den Mahlzeiten eingenommen werden.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken von 5-HTP
Eine Überdosierung könnte auch das Serotoninsyndrom auslösen, was eine Folge von zu viel Serotonin darstellt. Bei einer Überempfindlichkeit oder auch Allergie auf 5-HTP kann es zu Juckreiz kommen. Auch könnte es sein, dass 5-HTP bei langfristiger Anwendung in hohen Dosierungen das Gleichgewicht im Neurotransmitterstoffwechsel verschiebt, z. B. weil 5-HTP dasselbe Enzym (AADC) wie die Vorläufer von Dopamin benötigt.
Der Peak-X-Skandal und 5-HTP
Im Jahr 1989 kam der Verdacht auf, Präparate mit L-Tryptophan könnten bei etwa 1.500 Personen in den USA (und 500 in Deutschland) der Auslöser des sog. Eosinophilie-Myalgie-Syndroms (EMS) gewesen sein. Die Erkrankung war bis dahin nahezu unbekannt. Grund für diese Verunreinigung soll ein bestimmtes mikrobiologisches Herstellungsverfahren bei einem japanischen Hersteller (Showa Denko) gewesen sein. Dennoch hieß es einst, dass auch manche 5-HTP-Präparate Peak X enthalten hätten.
Trotz eines weltweiten Einsatzes von 5-HTP ergaben sich in den letzten 20 Jahren keine Ereignisse, die auf eine Giftigkeit von 5-HTP hätten hinweisen können. Ausgiebige Analysen ganz unterschiedlicher 5-HTP-Quellen ergaben keine toxischen Verunreinigungen, die mit jenen vergleichbar wären, die sich seinerzeit in L-Tryptophan finden ließen, und auch keine anderen bedeutsamen Verunreinigungen.
tags: #laif #900 #bei #neuropathie