Lateinische Begriffe in der Neurologie: Ein Leitfaden für Mediziner

Für ausländische Ärztinnen und Ärzte, die in Deutschland tätig werden wollen, stellt die deutsche Sprache oft eine große Herausforderung dar. Um eine Approbation zu erhalten, müssen sie neben allgemeinen Deutschkenntnissen auf dem Niveau B2 auch Fachkenntnisse der medizinischen Fachsprache nachweisen. Diese Fachsprache unterscheidet sich erheblich von der Alltagssprache und ist stark vom Lateinischen geprägt. Dieser Artikel soll eine Übersicht über wichtige lateinische Begriffe in der Neurologie geben und deren Bedeutung für die medizinische Praxis erläutern.

Die Bedeutung der lateinischen Fachsprache in der Medizin

Die medizinische Fachsprache in Deutschland unterscheidet sich stark von der Umgangssprache. So sprechen Ärzte beispielsweise von einer Cholezystitis, während im Alltag von einer Gallenblasenentzündung die Rede ist. Viele dieser Fachbegriffe stammen aus dem Lateinischen und sind im normalen Deutsch nicht gebräuchlich. Daher ist es für Ärztinnen und Ärzte unerlässlich, sowohl die lateinischen Fachbegriffe als auch die entsprechenden deutschen Wörter zu kennen, um sowohl mit Fachkollegen als auch mit Patienten effektiv kommunizieren zu können. Einige Begriffe sind sehr alt, werden aber speziell von älteren Menschen immer noch verwendet, beispielsweise „Wundstarrkrampf“ oder „Ziegenpeter“. Für die Ärztinnen und Ärzte ist beides wichtig.

Viele ausländische Ärzte haben ihr Studium in englischer Sprache absolviert. Obwohl viele Begriffe ähnlich sind, gibt es feine Unterschiede. So heißt ein Karzinom auf Englisch „carcinoma“. Besonders schwierig sind die langen Begriffe, wie beispielsweise „Protonenpumpeninhibitor“, die im Deutschen vorkommen. Auch die Grammatik mit ihren Fällen (Genitiv, Dativ, Akkusativ) und Präpositionen stellt eine Herausforderung dar, insbesondere für Personen, deren Muttersprache völlig anders aufgebaut ist.

Sprachliche Herausforderungen und Lösungsansätze

Nina Colette, Inhaberin und Geschäftsführerin der Sprachschule „ärztesprech“ in Köln, betont, dass es nicht sinnvoll ist, sich ohne allgemeine Deutschkenntnisse mit der Fachsprache zu beschäftigen. Ein normaler Deutschkurs sollte die Grundlage bilden. Die Fachsprachprüfung entspricht dem Sprachniveau C1, was eine hohe Anforderung darstellt. Um dieses Niveau zu erreichen, ist eine Basis im Alltagsdeutsch unerlässlich.

Es gibt in der deutschen medizinischen Fachsprache etwa 170.000 Begriffe. Es ist jedoch nicht notwendig, alle im Detail zu beherrschen. Ein gezieltes Wortschatztraining, beispielsweise mit 1.000 grundlegenden Begriffen, kann den Einstieg erleichtern.

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Tipps zum Sprachenlernen

Um eine Sprache effektiv zu lernen, ist es wichtig, viel zu sprechen. Das Ansehen deutscher Filme oder Serien kann ebenfalls hilfreich sein. Ein bewährter Tipp ist, sich einen Lieblingsfilm auf Deutsch anzusehen, da man die Handlung bereits kennt und sich so besser auf die Sprache konzentrieren kann. Es wird dringend empfohlen, direkt das Level C1 auch bei der Allgemeinsprache anzustreben, da ein niedrigeres Niveau im Berufsalltag an Grenzen stößt.

Aufbau der Fachsprachprüfung

Die Fachsprachprüfung besteht aus drei Teilen:

  1. Einem Patientengespräch
  2. Der Dokumentation
  3. Einem Kollegengespräch

Besonders der erste Teil, das Patientengespräch, ist anspruchsvoll. Prüfungssimulationen, in denen die Rolle eines Patienten übernommen wird, helfen bei der Vorbereitung. Dabei wird ein standardisierter Anamnesebogen verwendet, wie er auch im Medizinstudium unterrichtet wird. Kommunikation ist das A und O. Man muss seine Patienten ohne Probleme verstehen und sich selbst flüssig und verständlich ausdrücken können. Auch auf Kleinigkeiten, wie die korrekte Namensschreibung, wird geachtet.

Wichtige lateinische Begriffe in der Neurologie

Im Folgenden werden einige wichtige lateinische Begriffe aus der Neurologie erläutert, die im klinischen Alltag häufig vorkommen:

  • A. (Arteria): Schlagader. Dickwandige Adern, die Blut vom Herzen wegführen und deshalb hohem Blutdruck ausgesetzt ist. In ihnen ist der Pulsschlag zu tasten, deshalb zu deutsch „Schlagader“. Abgekürzt durch „A.“, Plural „Aa.“, in Atlanten i.d.R. rot dargestellt wegen des sauerstoffreichen und damit eher hellroten Bluts.
  • V. (Vena): Vene/Blutader. Dünnwandige, zusammendrückbare Ader, die Blut aus der Peripherie zum Herzen hinführt und deshalb nur niedrigem Blutdruck ausgesetzt ist. Abgekürzt „V.“, Plural „Vv.“. Phleps: Phlebologie (Venen(heil)kunde), Phlebothrombose (Venenverschluss durch ein Blutgerinnsel). In Atlanten i.d.R.
  • Ätiologie: Die Lehre von den Krankheitsursachen. Im Unterschied zur Genese, der Krankheitsursache, beschreibt die Genese die Entstehung einer Erkrankung bzw.
  • Apraxie: Eine Störung der Ausführung willkürlicher und zielgerichteter Bewegungen. Patienten mit buccofazialer Apraxie (Gesichtsapraxie) haben Schwierigkeiten Gesichts- und Zungenbewegungen sowie Geräusche zu imitieren.
  • Arteriitis temporalis (Morbus Horton): Eine Entzündung großer und mittelgroßer Gefäße, die gehäuft bei Frauen im höheren Alter auftritt. Oft sind Äste der Arteria carotis (Halsschlagader) betroffen.
  • Apathie: Beschreibt einen Zustand der Teilnahmslosigkeit mit Verringerung des zielgerichteten Handelns.
  • Dysdiadochokinese: Beschreibt, dass gegenläufige Bewegungen nicht mehr so schnell ausgeführt werden können wie normal. Dafür können verschiedene Erkrankungen verantwortlich sein.
  • Hämangiome: Meist angeborene, gutartige Geschwulste der Gefäße. Im Laufe der Zeit vergrößern sich die Angiome, die beteiligten Gefäße werden weiter, die Gefäßwände dünner und vor allem die überlasteten Venen können reißen und Hirnblutungen verursachen.
  • Intrakraniell: Bedeutet “innerhalb des Schädels gelegen”. Eine Blutung in die Gehirnsubstanz.
  • Ischämie: Wenn zu wenig arterielles Blut das Gehirn erreicht, wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dies führt zur Beeinträchtigung der Hirnfunktion und schlussendlich zur Nekrose, dem Untergang von Gewebe in Teilen des Gehirns.
  • Letalität: Das Verhältnis aus der Anzahl der an einer bestimmten Krankheit Verstorbenen und der Anzahl der akut an dieser Krankheit Erkrankten.
  • Meningen: Das Gehirn sowie das Rückenmark wird von drei Hirnhäuten, den Meningen umhüllt. Ganz außen ist die Dura mater, die harte Hirnhaut.
  • Neglect: Definitionsgemäß betrifft der Neglect meist mehrere Sinneswahrnehmungen gleichzeitig (Hören, Sehen, Sensibilität) wobei die eigentliche Wahrnehmung erhalten ist.
  • Pons: In ihm liegen sogenannte “Brückenkerne”, welche dem Erlernen und der Feinabstimmung von Bewegungen dienen und Ursprung verschiedener Hirnnerven sind. Der Pons kann durch einen Verschluss oder ein Aneurysma der blutversorgenden Gefäße (Äste der A.basilaris) geschädigt werden.

Weitere wichtige medizinische Begriffe

Neben den neurologischen Fachbegriffen gibt es auch eine Vielzahl weiterer medizinischer Begriffe, die im klinischen Alltag von Bedeutung sind. Hier eine Auswahl:

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  • Abdomen, akutes (auch: akuter Bauch): Ein plötzlich auftretender, starker Bauchschmerz, der oft eine sofortige medizinische Behandlung erfordert.
  • Adipositas (auch Obesitas oder Fettleibigkeit): Eine Stoffwechselerkrankung, die zu starkem Übergewicht führt.
  • Affekt: Eine besondere Art der Gemütserregung, wie Trauer, Wut oder Zuneigung.
  • Agoraphobie: Die Angst vor weiten Plätzen, Menschenansammlungen oder Reisen, verbunden mit der Befürchtung, keine Fluchtmöglichkeit zu haben.
  • Alkoholabhängigkeit: Die körperliche und psychische Abhängigkeit von alkoholischen Getränken.
  • Anämie (auch: Blutarmut/Blutmangel): Ein Zustand, bei dem zu wenig rote Blutkörperchen oder Hämoglobin im Blut vorhanden sind.
  • Aneurysma: Eine Ausbuchtung in der Wand eines Blutgefäßes, die platzen und zu Blutungen führen kann.
  • Antikoagulantium (auch: Gerinnungshemmer): Ein Medikament, das die Blutgerinnung hemmt.
  • Antipyretikum: Ein Medikament zur Senkung von Fieber.
  • Bradykardie: Ein zu langsamer Herzschlag.
  • Cholesterin: Eine wachsartige, fettähnliche Substanz, die im Körper vorkommt und eine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielt.
  • Delir: Ein akuter Verwirrtheitszustand, der durch Störungen der Aufmerksamkeit, des Bewusstseins und des Denkens gekennzeichnet ist.
  • Demenz: Ein Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen.
  • Depression: Eine psychische Erkrankung, die sich durch Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Interessenverlust äußert.
  • Diabetes mellitus: Eine Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist.
  • Diarrhoe (Durchfall): Häufige, dünnflüssige Stuhlgänge.
  • Dyspnoe (Atemnot): Schwierigkeiten beim Atmen.
  • Hypertonie (Bluthochdruck): Ein erhöhter Blutdruck.
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck): Ein zu niedriger Blutdruck.
  • Infektion: Das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper.
  • Inflammation (Entzündung): Eine Reaktion des Körpers auf eine Schädigung oder Infektion.
  • Ödem: Eine Schwellung aufgrund von Flüssigkeitsansammlung im Gewebe.
  • Pneumonie (Lungenentzündung): Eine Entzündung des Lungengewebes.
  • Tachykardie (Herzrasen): Ein zu schneller Herzschlag.
  • Tremor (Zittern): Unwillkürliche, rhythmische Muskelbewegungen.

Psychologische Fachtermini

Auch in der Psychologie gibt es eine Reihe von Fachtermini, die im klinischen Kontext relevant sind:

  • Abhängigkeitssyndrom: Ein Zustand, der durch ein unüberwindbares Verlangen nach einer psychotropen Substanz gekennzeichnet ist.
  • Anpassungsstörung: Eine Reaktion auf belastende Lebensereignisse, die sich in Form von depressiven, angstbezogenen oder sozial belastenden Symptomen äußern kann.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS): Eine Störung, die durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität gekennzeichnet ist.
  • Burnout-Syndrom: Ein Zustand der emotionalen, mentalen und körperlichen Erschöpfung, der durch chronischen Stress verursacht wird.
  • Dissoziative Persönlichkeitsstörung: Eine Störung, bei der verschiedene Persönlichkeiten innerhalb einer Person existieren.
  • Dysthymia: Eine chronische depressive Verstimmung, die jedoch weniger schwerwiegend ist als eine Major Depression.

Glossar wichtiger Begriffe rund um das Gehirn

  • Acetylcholin: Einer der wichtigsten Neurotransmitter des Nervensystems, beteiligt an Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis.
  • Amygdala: Ein wichtiges Kerngebiet im Temporallappen, das mit Emotionen in Verbindung gebracht wird und den emotionalen Gehalt einer Situation bewertet.
  • Aphasie: Sprachstörung, die das Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben beeinträchtigen kann.
  • Apraxie: Schwierigkeit, eine zielgerichtete Bewegung auszuführen, wie das Greifen eines Glases oder das Schneiden mit der Schere.
  • Axon: Der Fortsatz der Nervenzelle, der für die Weiterleitung eines Nervenimpulses zur nächsten Zelle zuständig ist.
  • Basalganglien: Eine Gruppe subcorticaler Kerne im Telencephalon, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielen.
  • Broca-Areal: Ein Areal des präfrontalen Cortex, das maßgeblich an der motorischen Erzeugung von Sprache beteiligt ist.
  • Cerebellum (Kleinhirn): Ein wichtiger Teil des Gehirns, der eine wichtige Rolle bei motorischen Prozessen spielt.
  • Dopamin: Ein Botenstoff (Neurotransmitter) des Gehirns, dessen gestörte Aktivität nachweislich mit Schizophrenie zusammenhängt.
  • Gliazellen: Zellen im Nervengewebe, die wichtige Hilfs- und Unterstützungsfunktionen haben und die Myelinscheiden bilden, welche die Nervenfasern umgeben.
  • Halluzinationen: Sinneswahrnehmungen ohne entsprechenden Sinnesreiz, die für einen wirklichen Sinneseindruck gehalten werden.
  • Neuron: Nervenzelle, spezialisierter Zelltyp, der für die Reizaufnahme sowie Weiterleitung und Verarbeitung von Nervenimpulsen zuständig ist.
  • Neurose: Bezeichnung für verschiedene seelische Störungen ohne nachweisbare körperliche Ursachen, bei der im Gegensatz zur Psychose der Realitätskontakt wenig oder gar nicht gestört ist.
  • Psychose: Sammelbegriff für eine Gruppe schwerer psychischer Störungen, die durch einen vorübergehenden weitgehenden Verlust des Bezugs zur Realität und eine weitgehend fehlende Krankheitseinsicht gekennzeichnet sind.

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