Erhöhte Leberwerte und Multiple Sklerose: Ursachen und Zusammenhänge

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem die Nervenhüllen angreift. Die genaue Ursache der MS ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Faktoren wie Virusinfektionen eine Rolle spielt. Die Diagnose erfolgt meist durch MRT-Aufnahmen, neurologische Tests und die Analyse der Nervenflüssigkeit. MS ist bisher nicht heilbar, jedoch können Medikamente, Physiotherapie und ein gesunder Lebensstil die Symptome lindern.

Laborwerte einer Blutuntersuchung können auf verschiedene Krankheiten hinweisen und unser Blut ist wie ein Spiegel, der zahlreiche Vorgänge im Körper abbildet. Durch die Analyse bestimmter Blutwerte können Aussagen darüber gemacht werden, ob die Organe ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, ob das Immunsystem richtig funktioniert oder ob bestimmte Stoffwechselerkrankungen vorliegen. Sobald Blutwerte außerhalb des Normalbereichs liegen, ist das zunächst nur ein Hinweis auf eine Erkrankung. Die Grenzwerte sind aber immer relativ und abhängig von Faktoren wie Geschlecht, Alter und Vorerkrankungen.

Leberwerte im Kontext von MS

Die Leberwerte geben Auskunft darüber, ob die Leber richtig arbeitet. Zu ihnen gehört das Enzym Cholinesterase sowie Bilirubin als Abbauprodukt der roten Blutkörperchen. Außerdem befinden sich in den Leberzellen bestimmte Eiweiße (ASAT oder GOT, ALAT oder GPT, GGT und AP).

Erhöhte Leberwerte: Ursachen und Bedeutung

Erhöhte Leberwerte können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, können die Leberwerte erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Dimethylfumarat (Tecfidera®).
  • Alkohol: Übermäßiger Alkoholkonsum kann die Leber schädigen und zu erhöhten Leberwerten führen.
  • Fettleber: Eine Fettleber kann durch Übergewicht, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte verursacht werden und ebenfalls zu erhöhten Leberwerten führen.
  • Virusinfektionen: Virusinfektionen wie Hepatitis A, B oder C können die Leber entzünden und die Leberwerte erhöhen.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen wie die Autoimmunhepatitis können die Leber angreifen und zu erhöhten Leberwerten führen.

Es ist wichtig zu beachten, dass erhöhte Leberwerte nicht immer auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen müssen. In manchen Fällen können sie auch durch vorübergehende Faktoren wie Stress oder eine ungesunde Ernährung verursacht werden.

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Erhöhte Leberwerte bei MS-Patienten

Bei MS-Patienten können erhöhte Leberwerte verschiedene Ursachen haben. Zum einen können sie durch die MS-Erkrankung selbst verursacht werden. Zum anderen können sie aber auch durch die Medikamente verursacht werden, die zur Behandlung der MS eingesetzt werden.

Ein Beispiel hierfür ist Dimethylfumarat (Tecfidera®), das ebenfalls bei MS zum Einsatz kommt. Unter den mehr als 475.000 mit Dimethylfumarat behandelten MS-Patienten seien bislang elf bestätigte PML-Fälle aufgetreten. Die Gemeinsamkeit bei allen Fällen sei eine reduzierte absolute Lymphozytenzahl gewesen, die einen biologisch plausiblen Risikofaktor für eine PML darstelle. Falls die Lymphozytenzahl unterhalb der Norm liegt, sollte vor Einleitung einer Therapie mit Dimethylfumarat eine umfassende Abklärung möglicher Ursachen durchgeführt werden.

Bei einer Therapie mit MS-Medikamenten sollten die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden, um eventuelle Leberschäden frühzeitig zu erkennen.

Autoimmunhepatitis

Die Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine Autoimmun-Erkrankung, bei denen das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Strukturen (Auto-Antikörper) bildet. Im Fall der Autoimmun-Hepatitis handelt es sich um Auto-Antikörper gegen das Lebergewebe: Sie greifen die Leberzellen an und zerstören sie letztlich, als ob es sich um fremde Zellen oder gefährliche Eindringlinge handeln würde. Oft tritt die Autoimmunhepatitis zusammen mit anderen immun-vermittelten Erkrankungen auf. Dazu zählen beispielsweise Multiple Sklerose (MS).

Eine akute Autoimmunhepatitis verursacht Symptome einer akuten Leber-Entzündung wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Oberbauch-Schmerzen sowie Gelbsucht. Selten verläuft die Erkrankung schnell und schwer (fulminant) mit akutem Leberversagen. Erkennbar wird das zum Beispiel an Gelbsucht, Blutgerinnungs- und Bewusstseins-Störungen.Die meisten Betroffenen entwickeln aber eine chronische Autoimmunhepatitis mit schleichendem Verlauf. Dabei treten meist über lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome auf:Müdigkeit und Leistungsschwäche, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Abneigung gegen fette Speisen und Alkohol, Bauch- und Kopfschmerzen, Fieber, Rheumaartige Gelenkschmerzen, Heller Stuhl und dunkler Urin, Gelbfärbung der Haut, Schleimhäute und der weißen Lederhaut im Auge (Gelbsucht). Meistens führt die chronische Autoimmunhepatitis zu einer Leberzirrhose.

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Eine Autoimmunhepatitis zu diagnostizieren ist nicht leicht - es gibt bislang keinen diagnostischen Test, mit dem sich eine AIH beweisen lässt. Stattdessen handelt es sich um eine Ausschluss-Diagnose: Erst wenn der Arzt alle anderen möglichen Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen hat (zum Beispiel eine virus-bedingte Hepatitis), kann er die Diagnose "Autoimmunhepatitis" stellen. Dafür sind verschiedene Untersuchungen notwendig, die von einem erfahrenen Facharzt durchgeführt werden sollten.

Die Autoimmunhepatitis ist bislang nicht ursächlich behandelbar. Das heißt: Die Fehlregulierung des Immunsystems lässt sich nicht korrigieren. Der Arzt wird jedoch Medikamente verordnen, die das Immunsystem unterdrücken. Diese Immunsuppressiva hemmen die entzündlichen Prozesse in der Leber. Das hilft gegen die Symptome und verhindert im Allgemeinen weitere Leberschäden (bis hin zu Leberzirrhose und Leberversagen).

Diagnose von MS

Für eine MS-Diagnose gibt es nicht die eine Untersuchung und auch nicht den einen Test. Am Anfang jeder Untersuchung steht die Anamnese, d. h. Ihre Krankengeschiche, die Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt in einem längeren Gespräch in Erfahrung bringen möchte. Es werden Ihnen viele Fragen gestellt, die Sie ehrlich beantworten sollten. Meist geht es dabei um frühere oder bestehende Erkrankungen bei Ihnen oder in Ihrer Familie. Oder darum, wie sich Ihre Beschwerden zeigen, was Sie dagegen unternehmen und ob dies Linderung bringt.

Den einen Blutwert oder den einen Test gibt es für die MS-Diagnose nicht. Gleichwohl können über Untersuchungen des Blutes andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Auch können Standardbluttests, beispielsweisedie Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte prüfen und Hinweise auf andere Erkrankung als MS geben.

Zusätzliche Faktoren, die MS begünstigen können

Rauchen, zu wenig Sonne und der westliche Lebensstil können Multiple Sklerose begünstigen - vor allem, wenn eine erbliche Veranlagung vorhanden ist. Mindestens 200 Genorte beeinflussen das Risiko für die Erkrankung. Weil offenbar alle MS-Patienten mit Epstein-Barr-Viren infiziert sind, sehen manche Forscher darin eine wichtige Voraussetzung für die Erkrankung. Geographische Faktoren wie zu wenig Sonne und in der Folge zu wenig Vitamin D bis zum 14. Lebensjahr machen das Immunsystem anfälliger für eine MS. Geschlechtshormone haben einen großen Einfluss auf Autoimmunerkrankungen wie die MS. Rauchen und zu viel Salz in der Nahrung sind dagegen beeinflussbare Risikofaktoren. Auch andere Ursachen werden diskutiert, etwa Viren in der Milch und bestimmte Mikroben im Darm.

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MS-Verlaufsformen

Die Entwicklung von Multipler Sklerose kann sich bei jedem Betroffenen anders darstellen. Häufig verläuft die Krankheit schubförmig, das heißt, es kommt immer wieder zu akuten Verschlechterungen. Bei den meisten an Multipler Sklerose Erkrankten (80 Prozent) äußert sich der Beginn der MS mit Schüben. Während dieser Schübe verschlechtert sich die bestehende Symptomatik oder neue Beschwerden tauchen auf. Bei einigen trifft beides zu: vorhandene Symptome verschlechtern sich und neue kommen zusätzlich dazu. Die Schub-symptomatik kann sich in nur wenigen Stunden ausprägen, aber auch innerhalb einiger Tage. Die Dauer eines Schubes variiert, er hält jedoch mindestens 24 Stunden an. Meistens bilden sich Schübe in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen komplett oder teilweise zurück. Es ist möglich, dass Behinderungen zurückbleiben. Während der schubfreien Zeiten kommt es zu keinen weiteren Beschwerden und die Erkrankung schreitet nicht voran. Wie lange krankheitsfreie Intervalle bestehen, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Manchmal liegen einige Monate zwischen den Schüben, in einigen Fällen vergehen Jahre, bis es zu einem erneuten Schub kommt. Wird MS nicht behandelt, führt der anfangs schubförmige Verlauf, bei mindestens 50 Prozent der Erkrankten, nach rund zehn Jahren zu einem Zustand, in dem sich die Beschwerden vermehren. Es kommt zu Beeinträchtigungen - sowohl mit gelegentlichen Schüben als auch ohne Schübe. Ausmaß und Schwere der Symptome nehmen innerhalb der kommenden Monate (sechs Monate oder auch mehr) stetig zu. Möglich sind jedoch auch Phasen, in denen die Erkrankung vorübergehend pausiert. Von der primär chro­nisch-pro­gre­di­en­ter Ver­laufs­form sind rund zehn bis 15 Pro­zent be­trof­fen. Hier kommt es gleich zu Be­ginn der Er­kran­kung zu ei­ner schlei­chen­den Zu­nah­me der Symp­to­me. Schü­be gibt es nicht. Mög­lich sind al­ler­dings ge­le­gent­li­che Un­ter­bre­chun­gen des Fort­schrei­tens und auch ge­ring­fü­gi­ge Ver­bes­se­run­gen.

Maßnahmen bei erhöhten Leberwerten

Wenn erhöhte Leberwerte festgestellt werden, ist es wichtig, die Ursache abzuklären. Der Arzt wird in der Regel weitere Untersuchungen durchführen, um die Ursache der erhöhten Leberwerte zu ermitteln.

Abhängig von der Ursache können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Leberwerte zu senken:

  • Medikamente: Wenn die erhöhten Leberwerte durch Medikamente verursacht werden, kann der Arzt die Dosis reduzieren oder das Medikament absetzen.
  • Alkohol: Bei übermäßigem Alkoholkonsum ist es wichtig, den Alkoholkonsum einzuschränken oder ganz auf Alkohol zu verzichten.
  • Fettleber: Bei einer Fettleber ist es wichtig, das Gewicht zu reduzieren, die Blutfettwerte zu senken und den Blutzucker zu kontrollieren.
  • Virusinfektionen: Virusinfektionen werden in der Regel mit antiviralen Medikamenten behandelt.
  • Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen werden in der Regel mit Immunsuppressiva behandelt.

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