Das Lehramtsstudium ist eine anspruchsvolle akademische Ausbildung, die Studierende auf die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen des Lehrerberufs vorbereitet. Für Studierende mit Epilepsie kann dieses Studium jedoch zusätzliche Hürden mit sich bringen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Lehramtsstudierenden und Lehrern mit Epilepsie, geht auf spezifische Herausforderungen ein und zeigt Möglichkeiten auf, wie diese bewältigt werden können.
Epilepsie: Eine Einführung
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn. Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über Hirnschädigungen bis hin zu unbekannten Ursachen. Die Anfallsformen sind ebenfalls sehr unterschiedlich und können sich in Zuckungen, Bewusstseinsverlust oder vorübergehenden Verhaltensänderungen äußern.
Herausforderungen im Lehramtsstudium und im Lehrerberuf
Für Lehramtsstudierende und Lehrer mit Epilepsie können sich im Studium und im Beruf verschiedene Herausforderungen ergeben. Dazu gehören:
- Studienorganisation und Zeitmanagement: Das Lehramtsstudium ist oft sehr zeitintensiv und erfordert eine gute Organisation, um alle Anforderungen zu erfüllen. Anfälle und deren Folgen können die Studienorganisation erschweren und zu Fehlzeiten führen.
- Praktika und Referendariat: Praktika und das Referendariat sind wichtige Bestandteile der Lehramtsausbildung. Hier müssen Studierende ihre Fähigkeiten im Umgang mit Schülern und im Unterrichten unter Beweis stellen. Anfälle während des Unterrichts oder in Pausensituationen können jedoch Unsicherheiten bei den Schülern, Kollegen und Vorgesetzten auslösen.
- Belastbarkeit und Stressresistenz: Der Lehrerberuf ist oft mit hohem Stress verbunden. Leistungsdruck, Lärm und Konflikte können Anfälle auslösen oder verstärken.
- Verbeamtung: In einigen Bundesländern kann eine Epilepsie die Verbeamtung erschweren oder sogar verhindern, da die gesundheitliche Eignung für den Beruf des Beamten nachgewiesen werden muss.
- Umgang mit der Erkrankung im Schulalltag: Lehrer mit Epilepsie müssen im Schulalltag offen mit ihrer Erkrankung umgehen und ihre Kollegen und Schüler darüber informieren. Dies kann jedoch mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden sein.
Erfahrungen von Lehramtsstudierenden und Lehrern mit Epilepsie
Trotz der genannten Herausforderungen gibt es viele Lehramtsstudierende und Lehrer, die erfolgreich mit Epilepsie leben und arbeiten. Ihre Erfahrungen zeigen, dass ein offener Umgang mit der Erkrankung, eine gute medizinische Betreuung und die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte entscheidend sind.
Einige Studierende berichten, dass sie durch ihre Erkrankung gelernt haben, besonders gut auf ihre Gesundheit zu achten und Stress zu vermeiden. Andere betonen, dass sie durch ihre Erfahrungen mit Epilepsie ein größeres Verständnis für die Bedürfnisse von Schülern mit besonderen Bedürfnissen entwickelt haben.
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Bewältigungsstrategien und Unterstützungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Strategien und Unterstützungsmöglichkeiten, die Lehramtsstudierenden und Lehrern mit Epilepsie helfen können, die Herausforderungen im Studium und im Beruf zu meistern:
- Offener Umgang mit der Erkrankung: Es ist wichtig, offen mit der Epilepsie umzugehen und Kollegen, Vorgesetzte und Schüler darüber zu informieren. Dies schafft Vertrauen und ermöglicht es, im Notfall schnell und angemessen zu reagieren.
- Gute medizinische Betreuung: Eine regelmäßige ärztliche Betreuung und eine optimale medikamentöse Einstellung sind entscheidend, um Anfälle zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern.
- Stressmanagement: Stress kann Anfälle auslösen oder verstärken. Daher ist es wichtig, Stress zu vermeiden und Entspannungstechniken zu erlernen.
- Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte: Die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte ist sehr wichtig. Sie können helfen, den Arbeitsalltag zu organisieren und im Notfall zu unterstützen.
- Nutzung von Hilfsmitteln und Technologien: Es gibt verschiedene Hilfsmittel und Technologien, die den Studien- und Arbeitsalltag erleichtern können, z.B. elektronische Notizgeräte, Spracherkennungsprogramme oder Apps zur Anfallserkennung.
- Beratungsangebote: Es gibt verschiedene Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Lehramtsstudierende und Lehrer mit Epilepsie unterstützen können.
Sibylle-Ried-Preis: Engagement für Menschen mit Epilepsie
Ein Beispiel für das Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen mit Epilepsie ist der Sibylle-Ried-Preis. Dieser Preis wird jährlich an Personen oder Gruppen verliehen, die sich in besonderer Weise für die Betreuung von Menschen mit Epilepsie eingesetzt haben. So wurde der Sibylle-Ried-Preis 2025 an Wolfgang Suchner und Hans-Werner Otto für ihr Buch «Wolfgang fällt um» verliehen, in dem Wolfgang Suchner seine Erfahrungen mit Epilepsie beschreibt.
Inklusion im Bildungswesen: Praktika und Förderschulen
Die Förderschule Kleinwachau bietet vielfältige Praktikumsmöglichkeiten für Lehramtsstudierende und Auszubildende (heil)pädagogischer Berufe. Gerade eine freie Schule ist als Ort für Praktika für Lehramtsstudierende sehr interessant. Die Praktikumsmöglichkeiten in Kleinwachau sind sowohl für angehende Lehrkräfte als auch für Studierende anderer pädagogischer und therapeutischer Fachrichtungen geeignet. Je nach Interessensgebiet und Studienschwerpunkt kann ein Praktikum beispielsweise in den Bereichen Sonderpädagogik, Grundschuldidaktik oder fächerbezogen für alle Schularten absolviert werden. Die Förderschule Kleinwachau legt großen Wert darauf, dass Praktikantinnen und Praktikanten aktiv in den Schulalltag eingebunden werden und eigenständige Aufgaben übernehmen können.
Epilepsie und Verbeamtung: Einzelfallentscheidung
Die Frage, ob eine Epilepsie die Verbeamtung verhindert, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In der Regel wird eine individuelle Prüfung der gesundheitlichen Eignung durchgeführt. Dabei werden die Anfallsfrequenz, die Anfallsform und die Auswirkungen der Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Es ist ratsam, sich frühzeitig bei der zuständigen Behörde zu informieren und sich gegebenenfalls beraten zu lassen.
Fallbeispiele: Erfolgreiche Lehrer mit Epilepsie
Es gibt zahlreiche Beispiele von Lehrern, die trotz ihrer Epilepsie erfolgreich im Beruf sind. Diese Beispiele zeigen, dass eine Epilepsie kein Hindernungsgrund für eine erfolgreiche Karriere im Schuldienst sein muss. Wichtig sind eine gute medizinische Betreuung, ein offener Umgang mit der Erkrankung und die Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte.
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Ein Beispiel ist die Lehrerin an einer berufsbildenden Schule, die blind ist und die Fächer Biologie und Ernährungslehre unterrichtet. Sie nutzt verschiedene Hilfsmittel und Technologien, um ihren Unterricht zu gestalten und die Schüler zu betreuen.
Forschung und Therapieansätze
Die Forschung im Bereich Epilepsie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es gibt verschiedene neue Therapieansätze, die die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie verbessern können. Dazu gehören:
- Medikamentöse Therapie: Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die Anfälle verhindern oder reduzieren können.
- Chirurgische Therapie: In einigen Fällen kann eine Operation helfen, den Anfallsherd im Gehirn zu entfernen oder zu isolieren.
- Stimulationsverfahren: Die Vagusnervstimulation und die tiefe Hirnstimulation sind Verfahren, bei denen elektrische Impulse eingesetzt werden, um die Hirnaktivität zu beeinflussen und Anfälle zu reduzieren.
- Neurofeedback: Neurofeedback ist eine Methode, bei der die Hirnaktivität gemessen und dem Patienten in Echtzeit zurückgemeldet wird. Dadurch kann der Patient lernen, seine Hirnaktivität zu beeinflussen und Anfälle zu reduzieren.
Eine Studie der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen hat gezeigt, dass durch im Schlaf vorgespielte kurze Laute die für die Rolando-Epilepsie charakteristischen, in der Hirnaktivität messbaren Ausschläge teilweise unterdrückt werden können.
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