Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle können von kurzen Aussetzern bis hin zu schweren Krampfanfällen reichen. Die Diagnose und der Umgang mit Epilepsie können sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige eine große Herausforderung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Lehrern mit Epilepsie, die Herausforderungen, denen sie begegnen, und die Unterstützung, die ihnen zur Verfügung steht. Dabei werden verschiedene Perspektiven einbezogen, von betroffenen Lehrern selbst über Eltern von Kindern mit Epilepsie bis hin zu Kollegen und Experten.
Epilepsie in der Kindheit und Jugend: Erfahrungen von Eltern und Betroffenen
Die Diagnose Epilepsie im Kindes- und Jugendalter kann eine einschneidende Erfahrung sein. Eltern berichten von Urängsten um ihr Kind, obwohl sie rational wissen, dass die Anfälle in der Regel nicht gefährlich sind. Eine Mutter schildert, dass sie ihre Tochter Hannah nicht mehr als ihre anderen Kinder beaufsichtigen musste. Ein anderes Elternteil beschreibt die Krankheit Epilepsie an sich als negativ, da sie unberechenbar und schwer steuerbar ist. Überraschungen und Wendungen erschweren die Planung, und die Behandlung basiert oft auf Versuch und Irrtum.
Eine Betroffene erinnert sich an ihre Diagnose in der 5. Klasse als einen Weltuntergang. Sie verbrachte viel Zeit in der Kinderklinik und auf der Intensivstation und musste sogar in der Klinik unterrichtet werden. Nach der Einstellung auf Carbamazepin traten Migräneanfälle auf. Obwohl sich die Situation nach einem Jahr besserte und sie bis auf nächtliche Anfälle wieder zur Schule gehen konnte, blieben Schwierigkeiten bestehen. In der 7. Klasse erlitt sie erneut gehäufte Krampfanfälle, woraufhin ihre Mutter sie in einem Epilepsiezentrum für Kinder anmeldete. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt konnte sie wieder am Unterricht teilnehmen und ihre Noten verbesserten sich deutlich. Sie betont, dass die Lehrer auf jeden einzelnen Schüler eingehen, was ihr sehr geholfen hat.
Ein wichtiges Thema für Jugendliche mit Epilepsie ist das Selbstständigwerden. Eltern müssen lernen, loszulassen und ihren Kindern mehr Verantwortung zu übertragen. Ein Beispiel dafür ist die Tabletteneinnahme, die die Betroffenen im Laufe der Zeit selbstständig übernehmen. Bei der Berufswahl ist es wichtig, die individuellen Fähigkeiten und Einschränkungen zu berücksichtigen. Eine Bekannte mit eingestellter Absencen-Epilepsie sagte einmal: "Diese Krankheit ist ein fieser Gegner".
Verbeamtung mit Epilepsie: Erfahrungen und rechtliche Aspekte
Eine Kollegin, die seit mehreren Jahren anfallsfrei ist und Medikamente einnimmt, beschäftigt die Frage, ob sie mit Epilepsie verbeamtet werden kann. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Bestimmte Indikationen gelten als Behinderung und dürfen nicht zu einem Ausschluss von der Verbeamtung führen. Allerdings kann die private Krankenversicherung eigene Kriterien anlegen und Zuschläge erheben oder Leistungen ausschließen. Es ist ratsam, sich rechtzeitig bei einem unabhängigen Versicherungsberater zu informieren.
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Bei der erstmaligen Verbeamtung muss die erste private Versicherung, bei der ein Antrag gestellt wird, den Beamten aufnehmen, gegebenenfalls mit einem Zuschlag von maximal 30 Prozent. Allerdings können auch Leistungsausschlüsse ergehen. Die Grundversorgung muss jedoch abgedeckt sein.
Epilepsie im Lehrerberuf: Eine Fallbeschreibung und Handlungsempfehlungen
Eine Fallbeschreibung des Netzwerks Epilepsie und Arbeit (NEA) schildert den Fall eines Berufsschullehrers, der nach langjähriger Anfallsfreiheit im Unterricht einen Grand mal-Anfall erlitt. Dies warf die Frage auf, ob er trotz der Epilepsie weiter im Theorieunterricht und im Werkstattbereich eingesetzt werden könne. Die Schule war besorgt hinsichtlich möglicher anfallsbedingter Verletzungsrisiken und der Aufsichtspflicht.
In Folge des Anfalls erlitt der Lehrer weitere Anfälle und wurde krankgeschrieben. Ein stationärer Aufenthalt in einer Epilepsieklinik führte zur Diagnose "primär generalisierte idiopathische Epilepsie" und einer Medikamentenumstellung. Um die berufliche Zukunft zu sichern, fand ein Ortstermin in der Berufsschule statt, bei dem Fachleute aus verschiedenen Bereichen die Einsatzmöglichkeiten des Lehrers besprachen.
Es wurde erörtert, wer durch einen epileptischen Anfall welchen Gefahren ausgesetzt wäre. Grundlage hierfür war der aktuelle medizinische Befund und die seit der Medikamentenumstellung bestehende Anfallsfreiheit. Als zentrales Risiko wurde die fehlende Aufsicht der Schüler während eines Anfalls und der Phase der Reorientierung genannt.
Bei der Besichtigung der einzelnen Räume für den Praxisunterricht wurden mögliche Selbstgefährdungsrisiken für den Lehrer sowie Fremdgefährdungsrisiken für die Schüler ermittelt. Die umfassende Betrachtung ergab, dass wegen des hohen Sicherheitsstandards in Schulen keine erhöhten Risiken vorliegen, die grundsätzlich gegen eine Weiterbeschäftigung als Lehrer sprechen. Lediglich wenige Teilaufgaben, wie z. B. der Umgang mit Benzin und Öl, mussten ausgeschlossen werden, bis eine einjährige Anfallsfreiheit vorliegt.
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Da im Praxisunterricht immer ein Kollege anwesend ist, der im Falle eines Anfalls die Aufsicht übernehmen kann, und von Berufsschülern ein adäquates Handeln in einer Notfallsituation erwartet werden kann, konnte einer Weiterbeschäftigung des Lehrers zugestimmt werden. Für die allgemeine Sicherheit wurde vereinbart, dass der Lehrer seine Schüler über seine Erkrankung informiert und in den Unterrichtsräumen entsprechende „Notfallpläne“ aushängen, auf denen Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem epileptischen Anfall genannt werden sowie die Notrufnummern angegeben sind.
Die zuständige Arbeitsmedizinerin erstellte eine arbeitsmedizinische Beurteilung, in der die ermittelten Risiken konkret benannt wurden. Die als gefährlich eingestuften Tätigkeiten wurden untersagt, bis eine einjährige Anfallsfreiheit nachgewiesen wird. Dank der guten interdisziplinären Zusammenarbeit der verschiedenen Experten und der Bereitschaft der Schule ist eine Weiterbeschäftigung des Lehrers in seinem bisherigen Tätigkeitsbereich möglich.
Unterstützung und Nachteilsausgleich für Schüler mit Epilepsie
Ein weiteres Beispiel schildert die Situation eines Schülers mit Autismus-Spektrum, der aufgrund seiner Epilepsieerkrankung und damit verbundenen Klinikterminen schlechtere Noten erhalten hat und keine Empfehlung für die gymnasiale Oberstufe bekommen soll. Die Eltern fühlen sich von den Lehrern im Stich gelassen und bemühen sich um ein Gespräch.
In solchen Fällen ist es wichtig, sich über die rechtlichen Möglichkeiten zu informieren und Unterstützung bei Beratungsstellen wie der Lebenshilfe oder einem Autismusbeauftragten des Schulamtes zu suchen. Dem Schüler steht ein Nachteilsausgleich zu, dessen Umfang jedoch im Ermessen der Schule liegt. Es ist ratsam, das Gespräch mit der Schulleitung zu suchen und die Situation des Schülers darzulegen. Gegebenenfalls kann auch ein Schulwechsel in Betracht gezogen werden.
Vorurteile und Realität: Leben mit Epilepsie
Oftmals bestehen Vorurteile gegenüber Menschen mit Epilepsie. Es ist wichtig zu betonen, dass 70 Prozent aller Epileptiker dank Medikamente vollkommen anfallsfrei sind und ein normales Leben führen können. Dazu gehören Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne weitere Hilfen, eine Familie, Kinder und ein Führerschein. Zwar gibt es Einschränkungen bei der Berufswahl, aber es gibt viele Möglichkeiten.
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