Leben mit Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der Millionen Menschen weltweit betroffen sind. In Deutschland leiden etwa 54 Millionen Menschen unter Kopfschmerzen, wobei Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp die häufigsten Formen darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, insbesondere im Zusammenhang mit Auren, und bietet Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die typischerweise mit wiederkehrenden, starken Kopfschmerzen einhergeht, oft verbunden mit Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Wahrnehmungsstörungen. Menschen mit Migräne werden oft missverstanden und als "Sensibelchen" abgestempelt, obwohl es sich um eine ernst zu nehmende Erkrankung handelt.

Die Migräne-Aura: Ein Vorbote des Schmerzes

Einige Migränepatienten erleben vor dem eigentlichen Kopfschmerz eine sogenannte Aura. Der Begriff "Aura" leitet sich von Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, ab, da die Aura-Symptome den Beginn einer Migräneattacke ankündigen können. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten sind von Auren betroffen.

Wie äußert sich eine Aura?

Eine Aura ist eine anfallsartige neurologische Störung, die sich auf unterschiedliche Weise äußern kann. Typisch sind Sehstörungen, wie:

  • Gesichtsfeldausfälle: Betroffene sehen im linken oder rechten Teil des Gesichtsfeldes zunehmende Flimmer-Erscheinungen.
  • Zickzacklinien: Zickzacklinien breiten sich immer mehr aus oder bilden farbige Randzacken.
  • Skotom: Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus.
  • Flimmerskotom: Das Flimmerskotom geht ebenfalls mit Gesichtsfeldausfällen einher. Flimmern oder Blitze in den betroffenen Bereichen des Gesichtsfeldes beeinträchtigen das Sehen.
  • Szintillationen: Szintillationen sind Flimmererscheinungen. Manchmal tritt das Flimmern auch bei geschlossenen Augen auf.
  • Farbige Girlanden: Einige Betroffene berichten von Girlanden, die sich fadenartig und in verschiedenen Farben quer durch das Sichtfeld ziehen.
  • Lichtblitze: Viele Patienten und Patientinnen leiden unter Lichtblitzen. Diese hellen, nur kurz aufflackernden Blitze durchzucken ohne äußeren Grund das Sichtfeld.

Neben Sehstörungen können auch andere neurologische Symptome auftreten, darunter Schwindel, Müdigkeit, Kribbeln in den Händen, Sprachstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten. In seltenen Fällen können sogar epileptische Anfälle oder Bewusstlosigkeit auftreten. "Grundsätzlich kann vor dem Beginn der Migräneattacke jedes Krankheitszeichen auftreten, das durch eine gestörte elektrische Erregbarkeit der Hirnrinde ausgelöst werden kann", sagt Hartmut Göbel. Die Hirnrinde ist der äußere Bereich des Gehirns.

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Atypische Migräne-Auren

Neben der typischen Migräne-Aura gibt es auch atypische Formen:

  • Migräne mit Hirnstammaura: Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
  • Hemiplegische Migräne: Die Aura geht mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einher.
  • Retinale Migräne: Diese seltene Form ist durch vorübergehende, visuelle Phänomene wie Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle oder Erblindung gekennzeichnet.

Augenmigräne

Die Augenmigräne (ophthalmologische Migräne) ist eine spezielle Form der Migräne mit Aura, bei der die Symptome vor allem die Augen und das Sehen betreffen. Zu den Symptomen gehören Skotome, Flimmerskotome, Szintillationen, farbige Girlanden und Lichtblitze. Die Symptome entstehen vermutlich durch eine verminderte Durchblutung der Sehrinde im Gehirn.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde eine Rolle spielt. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Patienten mit Aura eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt, was möglicherweise zu einem Sauerstoffmangel und den Aura-Symptomen führt. Genetische Faktoren scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen.

Bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, können Migräneattacken mit Aura provozieren. Dazu gehören Stress, Wetterumschwünge, bestimmte Gerüche, Schlafmangel und hormonelle Schwankungen. Auch bestimmte Lebensmittel wie Käse, Nüsse und Natriumglutamat können eine Migräne begünstigen. Ein Magnesiummangel wird ebenfalls als möglicher Faktor diskutiert.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose von Migräne wird in der Regel anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen neurologischen Untersuchungsbefunds gestellt. Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen, insbesondere bei erstmaligen oder sehr starken Kopfschmerzen. In manchen Fällen können apparative Verfahren wie Blutuntersuchungen, EEG, CT oder MRT erforderlich sein.

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Abgrenzung zum Schlaganfall

Besonders wichtig ist die Abgrenzung der Migräne mit Aura zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch auf einen Schlaganfall hindeuten können. Charly Gaul, Neurologe am Kopfschmerzzentrum Frankfurt, betont: "Tritt eine Migräneattacke zum ersten Mal auf, ist stark ausgeprägt oder beinhaltet untypische Symptome, ist ein Besuch in der Notaufnahme im Zweifel sinnvoll, um andere Erkrankungen nicht zu übersehen."

Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel warnt: "So könne die Fehldiagnose einer TIA als Migräne mit Aura zu einem vermeidbaren Schlaganfall führen." Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte umgehend der Notruf 112 gewählt werden, da die erste Zeit nach einem Schlaganfall entscheidend für das Ausmaß der Zellschäden im Gehirn ist.

Wenn mindestens zwei der folgenden Punkte erfüllt sind, spricht das eher für einen Schlaganfall:

  • Alle Symptome treten innerhalb von unter einer Minute mit maximaler Intensität auf und breiten sich nicht allmählich aus.
  • Es bestehen mehrere Symptome, die gleichzeitig auftreten.
  • Alle Symptome sind Defizite wie Sehverlust, Taubheit, Lähmungen.

Behandlung von Migräne

Es gibt verschiedene Therapieansätze zur Behandlung von Migräne, sowohl zur Akutbehandlung von Attacken als auch zur Vorbeugung.

Akutbehandlung

Zur Behandlung von Migräneattacken werden oft klassische Schmerzmedikamente wie Ibuprofen eingesetzt. Daneben gibt es spezifische Migränemedikamente (Triptane), die bei Migräne und Clusterkopfschmerz zur Anwendung kommen. Wichtig ist auch eine gezielte Behandlung von Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen.

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Vorbeugung

Vorbeugende Behandlungen können medikamentös oder nicht medikamentös sein. Eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne kann u. a. mit Betablockern oder Antiepileptika erfolgen. Inzwischen gibt es aber auch sehr spezifische Präparate, die gezielt auf die Auslöser bei der Migräne wirken (Hemmung von CGRP).

Nicht medikamentöse Maßnahmen sind u. a. Entspannungsverfahren, Akupunktur und Ausdauersport. Es ist hilfreich, ein Migränetagebuch zu führen, um individuelle Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

Was tun bei einer Aura?

Den Verlauf einer Aura kann man kaum beeinflussen. Charly Gaul rät: "Letztlich zwingt eine ausgeprägte Aura die Betroffenen eher dazu, ihre Aktivitäten wie Autofahren zu unterbrechen. Stattdessen muss man warten, bis die Symptome wieder abklingen." Um eine Aura leichter zu überstehen, ist es wichtig, mit Migräneattacken umgehen zu lernen und sich über die Aura zu informieren.

Triptane während der Aura?

Die Einnahme von Triptanen während der Aura ist umstritten. Ursprünglich dachte man, dass Triptane aufgrund ihrer gefäßverengenden Wirkung während der Aura vermieden werden sollten. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Wirkung von Triptanen vor allem auf die Ausschüttung von Botenstoffen zurückzuführen ist. Einige Studien weisen darauf hin, dass Triptane während der Aura möglicherweise nicht optimal wirken.

Leben mit Migräne: Tipps und Empfehlungen

  • Wissen ist Macht: Informieren Sie sich umfassend über Migräne und Ihre individuellen Auslöser.
  • Führen Sie ein Migränetagebuch: Dokumentieren Sie Ihre Attacken, Symptome und mögliche Auslöser, um Muster zu erkennen.
  • Vermeiden Sie Trigger: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Trigger und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung.
  • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Yoga, um Stress abzubauen.
  • Austausch mit anderen Betroffenen: Suchen Sie den Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder Online-Foren, um sich mit anderen Migränepatienten auszutauschen.
  • Ärztliche Betreuung: Lassen Sie sich von einem Neurologen oder Kopfschmerzspezialisten beraten und behandeln.

Migräne und Vorurteile

Menschen mit Migräne werden oft mit Vorurteilen konfrontiert. Es ist wichtig zu betonen, dass Migräne eine ernst zu nehmende neurologische Erkrankung ist und keine Einbildung oder Ausrede. Betroffene sind weder arbeitsunwillig noch psychisch krank. Eine offene Kommunikation und Aufklärung können dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis für Migränepatienten zu fördern.

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