Neurologe in Leutkirch im Allgäu: Eine umfassende Betrachtung der Versorgungslage

Die neurologische Versorgung in ländlichen Gebieten ist ein wichtiges Thema, das sowohl Patienten als auch Ärzte und Gesundheitspolitiker beschäftigt. Am Beispiel der Stadt Leutkirch im Allgäu lässt sich die aktuelle Situation und die Herausforderungen, die mit der neurologischen Versorgung einhergehen, gut darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Situation der neurologischen Versorgung in Leutkirch, insbesondere im Zusammenhang mit der Praxis von Dr. Stephan Frisch, und untersucht die potenziellen Auswirkungen auf die Patienten in der Region.

Die Praxis Dr. Stephan Frisch: Ein wichtiger Baustein der neurologischen Versorgung

Dr. Stephan Frisch betrieb eine Facharztpraxis für Neurologie und Psychiatrie in Leutkirch im Allgäu, genauer gesagt in den Räumen des ehemaligen Leutkircher Krankenhauses an der Ottmannshofer Straße. Die Praxis zeichnete sich durch ein starkes Mitarbeiterteam von 16 Personen aus, die sich regelmäßig intern und extern fortbildeten, um die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Die Praxisräume waren behindertengerecht und barrierefrei ausgestattet und boten einen Blick auf Leutkirch und das Alpenvorland. Um Wartezeiten zu verkürzen, wurde die Praxis als Bestellpraxis geführt, Termine konnten telefonisch oder persönlich vereinbart werden.

Patienten äußerten sich überwiegend positiv über Dr. Frisch. Er wurde als sehr freundlicher und kompetenter Arzt beschrieben, der sich viel Zeit für seine Patienten nimmt und akribisch untersucht. Viele Patienten fühlten sich gut aufgehoben und ernst genommen. Besonders hervorgehoben wurde seine Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören, sich alles zu notieren und dann entsprechende Untersuchungen vorzunehmen, um das weitere Vorgehen zu bestimmen.Auch das Praxisteam wurde als zuvorkommend und freundlich gelobt. Einige Patienten berichteten, dass Dr. Frisch auch nach alternativen und ganzheitlichen Behandlungsmethoden sucht und Untersuchungen genau erklärt.

Es gab jedoch auch kritische Stimmen. Ein Patient bemängelte mangelndes Feingefühl im Umgang mit psychischen Problemen und empfand einige Worte als verletzend. Es ist wichtig zu beachten, dass solche Einzelfälle die Gesamtzufriedenheit der Mehrheit der Patienten nicht unbedingt widerspiegeln.

Die Schließung der Praxis und ihre Folgen

Ende September schloss Dr. Stephan Frisch seine Praxis für Neurologie und Psychiatrie. Diese Entscheidung hatte potenzielle Auswirkungen auf die neurologische Versorgung in Leutkirch und Umgebung. Dr. Frisch selbst äußerte sich besorgt über die Verschlechterung der neurologischen Versorgung in der Region, falls kein Nachfolger gefunden werden sollte. Im Altkreis Wangen, zu dem auch Leutkirch gehört, würde dann einer von zwei Neurologen wegfallen. Die Versorgung mit Psychiatern sei weniger dramatisch, da es weiterhin zwei Psychiater vor Ort geben werde.

Lesen Sie auch: Erfahrungen mit Magnetfeldtherapie bei Migräne

Die Versorgungslage im Landkreis Ravensburg

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) bestätigte, dass es in Leutkirch neben Dr. Frisch zwei weitere Psychiater gibt, jedoch keine weitere neurologische Praxis. Der nächste Neurologe praktiziert in Wangen. Laut KVBW gibt es im Landkreis Ravensburg insgesamt 19 Nervenärzte, darunter Neurologen, Psychiater und Ärzte mit beiden Anerkennungen. Die meisten Nervenärzte sind in Ravensburg ansässig, während in Bad Waldsee, Weingarten und Wangen jeweils eine Praxis zu finden ist. In anderen Orten wie Isny, Bad Wurzach, Aitrach oder Aichstetten sind keine Nervenärzte zu finden.

Trotz der Schließung der Praxis von Dr. Frisch sah die KVBW "rein rechnerisch" keinen Versorgungsengpass auf die Bewohner der Großen Kreisstadt zukommen. Nach der Bedarfsplanung für die ärztliche Versorgung ist der Landkreis Ravensburg rechnerisch mit Nervenärzten überversorgt (117,9 Prozent). Bei einer Überversorgung ordnet der Landesausschuss Zulassungssperren an, sodass sich kein zusätzlicher Arzt in diesem Planungsbereich niederlassen kann.

Sollte sich kein Nachfolger für die Praxis von Dr. Frisch finden, könnte sich die Tür für die Neuansiedlung von Neurologen und Psychiatern im Landkreis Ravensburg wieder öffnen. Die Entscheidung darüber trifft der Landesausschuss.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Trotz der rechnerischen Überversorgung im Landkreis Ravensburg könnten auf die Leutkircher Bevölkerung längere Anfahrtswege zukommen, wenn sie einen Neurologen aufsuchen müssen. Die KVBW hält eine Wegzeit von 30 Minuten zu Fachärzten der allgemeinen fachärztlichen Versorgung für zumutbar. Angesichts der flächenmäßigen Größe des Landkreises Ravensburg und der ungleichmäßigen Verteilung der Nervenärzte ist dies jedoch nicht immer gewährleistet.

Dr. Hans Bürger, Vorsitzender der Ravensburger Kreisärzteschaft, betonte, dass kreative und intelligente Lösungen gefunden werden müssen, um den Versorgungsbedarf zu decken. Mögliche Lösungsansätze wären:

Lesen Sie auch: Umfassende Neurologie in Allgäu

  • Förderung der Niederlassung von Neurologen in unterversorgten Gebieten: Durch finanzielle Anreize und andere Unterstützungsmaßnahmen könnten junge Ärzte dazu ermutigt werden, sich in ländlichen Regionen niederzulassen.
  • Ausbau der Telemedizin: Telemedizinische Angebote könnten die Versorgung von Patienten in ländlichen Gebieten verbessern, indem sie den Zugang zu spezialärztlicher Beratung und Behandlung erleichtern.
  • Kooperationen zwischen Ärzten und Kliniken: Durch die Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Kliniken könnten Ressourcen gebündelt und die Versorgung der Patienten optimiert werden.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Flexible Arbeitszeitmodelle könnten es Ärzten ermöglichen, in Teilzeit zu arbeiten und gleichzeitig die Versorgung der Patienten sicherzustellen.
  • Verbesserung der Infrastruktur: Eine gute Verkehrsanbindung und ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz sind wichtig, um den Zugang zu medizinischer Versorgung in ländlichen Gebieten zu gewährleisten.

Bedeutung von Patientenfeedback und Transparenz

Das Feedback von Patienten ist ein wichtiger Indikator für die Qualität der medizinischen Versorgung. Positive Bewertungen, wie sie für Dr. Frisch vorliegen, zeigen, dass sich Patienten gut aufgehoben und ernst genommen fühlen. Kritische Stimmen sollten jedoch ebenfalls ernst genommen werden, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren.

Transparenz ist ein weiteres wichtiges Element für eine gute Patientenversorgung. Informationen über die Qualifikation der Ärzte, die angebotenen Leistungen und die Praxisorganisation sollten für Patienten leicht zugänglich sein. Die Praxis Dr. Stephan Frisch hatte in dieser Hinsicht Defizite, da keine detaillierten Angaben zu Fachgebieten und Leistungen vorlagen.

Lesen Sie auch: Neurologische Versorgung in Wangen im Allgäu

tags: #leutkirch #im #allgau #neurologe