Spätkauf Berlin: Öffnungszeiten, Angebote und Kiez-Kultur

Der Spätkauf, kurz "Späti" genannt, ist ein fester Bestandteil der Berliner Kiezkultur. Er ist mehr als nur ein Laden - er ist Wohnzimmer, Treffpunkt und Lebensretter in einem. Ob für das schnelle Wegbier, spontane Gespräche oder als letzte Rettung bei akutem Snackbedarf - der Späti ist für viele Berliner unverzichtbar.

Was ist ein Späti?

Spätis sind eine Berliner Besonderheit. Es gibt unzählige von ihnen in Berlin, die meisten in der Innenstadt. Sie versorgen die Anwohner mit dem Nötigsten, wenn die anderen Läden schon geschlossen haben und die Tanke zu weit weg ist oder zu unpersönlich erscheint. In den Regalen und auf dem Boden stapeln sich Getränke, Süßigkeiten, Tabakwaren und Zeitschriften, oft auch Klopapier, Blumen, Milch und Gebäck. Manchmal läuft eine Serie auf dem Computer zwischen Ladentheke und Schaufenster.

Der Begriff Späti kommt von Spätkauf, genauer von "Früh und Spät" bzw. "Spätverkaufsstellen" in der DDR. Nach der Auflösung der DDR wird der Begriff auch in Westberlin geläufig. Das Äquivalent zu "Späti" heißt in Düsseldorf "Büdchen" und in Frankfurt "Wasserhäuschen". In Bayern gibt es nur den "Kiosk".

Öffnungszeiten der Spätis in Berlin

Ein großer Vorteil der Spätis sind ihre langen Öffnungszeiten. Viele Spätis haben bis spät in die Nacht oder sogar rund um die Uhr geöffnet. Die Spätkauf Filiale in der Friedrichstraße 109, 10117 Berlin hat beispielsweise Montag bis Sonntag von 00:00 bis 24:00 geöffnet. Die tägliche Öffnungszeit beträgt 24 Stunden.

Offiziell müssen die allermeisten Spätis am Sonntag, also von Samstagnacht um Mitternacht bis Sonntag um Mitternacht schließen, weil sie wie alle anderen Geschäfte unter das Ladenöffnungsgesetz fallen. Ausnahmen gelten für Geschäfte für Touristen und in Bahnhöfen oder für solche, die Waren zum sofortigen Verzehr anbieten wie zum Beispiel Backwaren.

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Das Berliner Ladenöffnungsgesetz unterscheidet zwischen zwei Typen von Einzelhändlern, zu denen auch die Spätis gehören. Von 7 bis 16 Uhr öffnen dürfen Läden, die nur Waren für den Bevölkerungsbedarf anbieten wie Blumen und Pflanzen, Zeitungen und Zeitschriften, Backwaren sowie Milch- und Milcherzeugnisse. Spätis, die diese Sortimente mischen, müssen entsprechend geschlossen bleiben. So wie Supermärkte und Drogerien.

Bei der Anzahl der Bußgelder, die Berliner Bezirke gegen die Sonntagsöffnungszeiten von Spätis 2023 verhängt haben, gibt es große Unterschiede. Am meisten Bußgelder wurden in diesem Jahr bis Oktober mit 202 Bußgeldern in Pankow verhängt, in Tempelhof-Schöneberg waren es 97 und in Charlottenburg-Wilmersdorf 34. Am wenigsten Verstöße registrierten die Behörden der Antwort zufolge in den außenliegenden Bezirken Spandau (3) und Lichtenberg (1). Darauf folgen die Innenstadt-Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln mit neun und acht registrierten Bußgeldern.

Das Angebot im Späti

Spätis bieten in der Regel ein breites Sortiment an Waren an, darunter:

  • Getränke (Bier, Softdrinks, Wasser)
  • Süßigkeiten und Snacks
  • Tabakwaren
  • Zeitschriften und Zeitungen
  • Grundnahrungsmittel (Milch, Brot, Eier)
  • Hygieneartikel (Toilettenpapier, Seife)

Einige Spätis haben sich auf bestimmte Produkte spezialisiert. So gibt es beispielsweise Spätis, die eine große Auswahl an internationalen Bieren oder veganen Produkten anbieten.

Spätis als Teil der Berliner Kiezkultur

Der Spätkauf ist fester Bestandteil der Berliner Kiezkultur. Er ist Supermarkt, Treffpunkt, Internetcafé, Bäckerei, Drogerie, Lottostelle, Poststelle und Schenke in einem. Und das nicht nur nach Feierabend, sondern auch an Feiertagen und am Wochenende. Oft genügt ein Blick statt vieler Worte. Die Betreiber kennen ihre Stammkunden beim Namen oder beim Gesicht und wissen, was Sache ist. Typisch Berlin eben.

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Wenn Nachteulen eine Stärkung brauchen, reichen meist ein paar Schritte zum Stamm-Späti. Jeder Kiez hat seinen eigenen Späti, der oft zum persönlichen Favoriten wird. Doch einige dieser Läden stechen besonders hervor - durch ihr Sortiment, ihre Atmosphäre oder ihre Geschichte.

Hier einige Beispiele für besondere Spätis in Berlin:

  1. Der Admirals Kiosk: Eine Institution in Kreuzberg und bekannt für seine zentrale Lage direkt beim Paul-Lincke-Ufer. Mit einer breiten Auswahl an Getränken und Snacks ist er ein beliebter Treffpunkt für alle, die einen entspannten Sommerabend auf der Admiralbrücke verbringen wollen.
  2. Der E4 Späti: Bekannt für seine unschlagbaren Preise - jedes Bier kostet hier nur einen Euro.
  3. Kuki’s Kompaktkauf: Mehr als nur ein Späti - hier finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und DJ-Sets statt.
  4. Ein Späti mit amerikanischem Flair: Dieser Späti bietet eine beeindruckende Auswahl an amerikanischen Cornflakes und Süßigkeiten.
  5. Der Kanki Shop: Hebt sich durch sein Angebot an frisch gepressten Säften hervor.
  6. Der Rosenthaler Späti: Ein echter Klassiker und versorgt die Nachbarschaft seit Jahren mit allem, was das Herz begehrt.
  7. Der KiezKiosk Späti: Besticht durch seine gemütliche Atmosphäre und die freundliche Bedienung.
  8. Motzki: Bekannt für seine stilvolle Einrichtung und die breite Auswahl an Getränken, darunter auch Wein im Glas.
  9. Ein Späti mit Café: Dieser Späti kombiniert klassischen Kioskbetrieb mit einem kleinen Café.

Die Geschichte des Spätkaufs

Der "Kiosk" tauchte im Jahr 1859 fast zeitgleich mit der Mineralwasserflasche in den Berliner Straßen auf. Da hieß er "bewegliche Trinkhalle", wurde von Martin Gropius entworfen und von der Berliner Polizei gegen die steigende Alkoholsucht eingeführt. Denn damals tranken Arbeiter vor allem Schnaps und Bier, da das Berliner Leitungswasser die Gesundheit gefährdete. Anders als der Name "Trinkhalle" vermuten lässt, war der Verkauf von Alkohol dort untersagt. Erst gab es nur Mineralwasser in Flaschen, doch schon bald wurde das Angebot um Limo, Süßigkeiten, Zeitschriften, Tabak und ein bisschen später doch noch Alkohol erweitert. Nach 1900 kam in Deutschland das Wort Trinkhalle aus der Mode und wurde zunehmend durch den Begriff Kiosk ersetzt.

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