Lutz Frölich: Ein Leben für die Alzheimer-Forschung

Einführung

Prof. Dr. Lutz Frölich ist ein renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung und anderer gerontopsychiatrischer Erkrankungen. Sein Engagement für die Erforschung und Behandlung von Demenzerkrankungen hat ihn zu einer Schlüsselfigur in der deutschen und internationalen Alzheimer-Forschungslandschaft gemacht. Dieser Artikel beleuchtet seine Karriere, Forschungsschwerpunkte und seinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

Werdegang und akademische Laufbahn

Lutz Frölich wurde 1956 in Neumünster geboren. Er studierte Medizin in Kiel und Heidelberg sowie an der University of Kentucky (USA). Seine beruflichen Stationen führten ihn nach Heidelberg, Würzburg und Frankfurt. Seit 2003 ist Prof. Dr. Lutz Frölich Leiter der Abteilung Gerontopsychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Forschungsschwerpunkte

Frölichs Forschungsschwerpunkt liegt auf der translational ausgerichteten Therapieforschung bei neurodegenerativen Demenzen wie der Alzheimer-Erkrankung und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen, einschließlich der Entwicklung von nicht-pharmakologischen Therapieverfahren. Sein Interesse gilt besonders der Frühdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung und der Entwicklung von Biomarkern, die eine frühe und präzise Diagnose ermöglichen.

Biomarker-basierte Diagnostik

Prof. Frölich beschäftigte sich in seinem Festvortrag anlässlich der Verleihung des Inge und Fritz-Kleekamm-Preises mit der Frühdiagnostik der Alzheimer-Erkrankung und stellte die Frage: „Biomarker-basierte Kriterien der Alzheimer Krankheit: Ein Paradigmen-Wechsel psychiatrischer Diagnostik auch für die Praxis?“ Er betont die Bedeutung von Biomarkern für die Früherkennung und die Entwicklung neuer Therapieansätze.

Eine aktuelle Studie von Ahmad S, Yang W, Orellana A, Frölich L. et al. (2024) untersuchte die Assoziation von oxidativem Stress und Entzündungsmetaboliten mit Alzheimer-Krankheit-Liquor-Biomarkern bei leichter kognitiver Beeinträchtigung. Kerl HU, Baazaoui H, Herrmann K, Adlung A, Ludwig NK, Hausner L, Frölich L, Schad L, Groden C, Mohamed SA. (2024) untersuchten die Natrium-Signalintensität von CSF unter Verwendung von 1H-geführter 23Na-MRI als potenziellen nichtinvasiven Biomarker bei der Alzheimer-Krankheit. Diese Studien tragen dazu bei, die komplexen biochemischen Prozesse, die der Alzheimer-Krankheit zugrunde liegen, besser zu verstehen und neue diagnostische Instrumente zu entwickeln.

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Perneczky R, Hansen N, Hofmann A, Laske C, Priller J, Grimmer T, Frölich L, Düzel E, Jessen F, Wiltfang J, German Network Memory Clinics - Diagnostic Tools Working Group (2024) betont die Bedeutung von blutbasierten Biomarkern für die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit in realen Umgebungen.

Therapieansätze

Prof. Frölich betont, dass es bislang keine medikamentösen Therapiemöglichkeiten gegen die Alzheimer-Erkrankung gibt. Er setzt sich jedoch für die Entwicklung neuer Therapieansätze ein, die näher an der Ätiologie der Erkrankung ansetzen und mehr an den eigentlichen schädigenden Agenzien im Gehirn ansetzen.

Jessen F, Frölich L, Hort J, Winblad B, Fortea J. (2024) diskutieren die Amyloid-senkende Behandlung bei der Alzheimer-Krankheit. Jessen F, Kramberger MG, Angioni D, Aarsland D, Balasa M, Bennys K, Boada M, Boban M, Chincarini A, Exalto L, Felbecker A, Fliessbach K, Frisoni GB, Garza-Martínez AJ, Grimmer T, Hanseeuw B, Hort J, Ivanoiu A, Klöppel S, Krajcovicova L, McGuinness B, Mecocci P, de Mendonça A, Nous A, Ousset PJ, Paquet C, Perneczky R, Peters O, Tabuas-Pereira M, Piazza F, Plantone D, Riverol M, Ruiz A, Sacco G, Santana I, Scarmeas N, Solje E, Stefanova E, Sutovsky S, van der Flier W, Welsh T, Wimo A, Winblad B, Frölich L, Engelborghs S. (2024) fordern Fortschritte bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit und geben eine Positionserklärung der European Alzheimer's Disease Consortium (EADC) Investigators ab.

Nicht-pharmakologische Therapieverfahren

Neben der medikamentösen Therapie forscht Prof. Frölich auch an nicht-pharmakologischen Therapieverfahren. Couturier SP, Spielmann-Benson G, Frölich L, Hausner L. (2024) untersuchten die stationsäquivalente häusliche Behandlung gerontopsychiatrischer Patienten (ieht-g) in einer deutschen Großstadt. Schönberger AR, Steinmetz A, Schild AK, Hausner L, Spielmann-Benson G, Frölich L, Jessen F. (2024) betonen die Bedeutung der Demenzversorgung in der Praxis.

Prävention

Prof. Frölich betont die Bedeutung der Prävention von Alzheimer-Erkrankungen. Er empfiehlt gehirnspezifische Ansätze wie körperliche Bewegung, soziale Interaktion und geistige Betätigung, um die synaptische Plastizität zu fördern. Daneben sind generelle präventive Verhaltensweisen wichtig, die mit den Krankheiten zu tun haben, die auch das Gehirn schädigen können, wie kardiovaskuläre Risikofaktoren.

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Mitgliedschaften und Auszeichnungen

Prof. Dr. Lutz Frölich ist in den Wissenschaftlichen Beirat der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) berufen worden. Der Beirats-Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Arendt betonte, dass mit Lutz Frölich ein überaus erfahrener und hochrespektierter Wissenschaftler für den Wissenschaftlichen Beirat gewonnen wurde. Der Wissenschaftliche Beirat der AFI besteht aus renommierten Experten auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung.

Im Jahr 2018 hielt Prof. Dr. Lutz Frölich den Festvortrag anlässlich der Verleihung des Inge und Fritz-Kleekamm-Preises der Alzheimer Stiftung Göttingen.

Einfluss auf die klinische Praxis

Frölichs Arbeit hat einen direkten Einfluss auf die klinische Praxis. Er betont, dass Klarheit über eine Situation zu bekommen immer gut ist und für den mündigen Patienten ein großes Plus darstellt, dass man dann zu einem frühen Zeitpunkt über sein eigenes Schicksal selbst bestimmen kann. Durch die Diagnoseklärung kommt es zu einer Minderung des Stresses im System der Familie. Die gesamte Behandlung, Medikamente, Beratung und Informationen über die Erkrankung, stabilisiert die Situation des Patienten und seiner Familie und gewährleistet nicht nur bessere Lebensqualität, sondern bessere Funktionstüchtigkeit im Alltag.

Er setzt sich dafür ein, dass die zugelassenen Medikamente für die Alzheimer-Krankheit in der Breite richtig akzeptiert werden und dass Ärzte und Betroffene die Behandlungsbedürftigkeit einer Demenz anerkennen.

Aktuelle Forschungsprojekte

Die zahlreichen Publikationen von Prof. Frölich und seinen Kollegen in renommierten Fachzeitschriften wie "Alzheimers Research & Therapy", "Journal of Alzheimers Disease", "JAMA Network Open" und "Alzheimers & Dementia" zeugen von seiner aktiven Beteiligung an der aktuellen Forschung.

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Koetsier J, Cavill R, Reijnders R, Harvey J, Homann J, Kouhsar M, Deckers K, Köhler S, Eijssen LMT, van den Hove DLA, Demuth I, Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative , Smith RG, Smith AR, Burrage J, Walker EM, Shireby G, Hannon E, Dempster E, Frayling T, Mill J, Dobricic V, Johannsen P, Wittig M, Franke A, Vandenberghe R, Schaeverbeke J, Freund-Levi Y, Frölich L, Scheltens P, Teunissen CE, Frisoni G, Blin O, Richardson JC, Bordet R, Engelborghs S, De Roeck E, Martinez-Lage P, Tainta M, Lleo A, Sala I, Popp J, Peyratout G, Verhey F, Tsolaki M, Andreasson U, Blennow K, Zetterberg H, Streffer J, Vos SJ, Lovestone S, Visser PJ, Lill CM, Bertram L, Lunnon K, Pishva E. (2024) identifizierten einen blutbasierten multivariaten Methylierungs-Risiko-Score für kognitive Beeinträchtigung und Demenz. Smith RG, Pishva E, Kouhsar M, Imm J, Dobricic V, Johannsen P, Wittig M, Franke A, Vandenberghe R, Schaeverbeke J, Freund-Levi Y, Frölich L, Scheltens P, Teunissen CE, Frisoni G, Blin O, Richardson JC, Bordet R, Engelborghs S, De Roeck E, Martinez-Lage P, Altuna M, Tainta M, Lleo A, Sala I, Popp J, Peyratout G, Winchester L, Nevado-Holgado A, Verhey F, Tsolaki M, Andreasson U, Blennow K, Zetterberg H, Streffer J, Vos SJ, Lovestone S, Visser PJ, Bertram L, Lunnon K. (2024) fanden Methylomische Signaturen in Blut-DNA, die mit CSF-Biomarkern der Alzheimer-Krankheit in der EMIF-AD-Studie assoziiert sind.

Löffler A, Beier F, Bekrater-Bodmann R, Hausner L, Desch S, Silvoni S, Kleinböhl D, Löffler M, Nees F, Frölich L, Flor H. (2024) zeigten, dass eine reduzierte taktile Sensitivität mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung assoziiert ist. Mattke S, Tang Y, Hanson M, von Arnim CAF, Frölich L, Grimmer T, Onur OA, Perneczky R, Teipel S, Thyrian JR. (2024) untersuchten die aktuelle Kapazität zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit in Deutschland und die Auswirkungen auf die Wartezeiten.

Müller J, Elsaesser M, Müller W, Hellmich M, Hammen M, Zehender N, Riedel-Heller S, Bewernick BH, Wagner M, Frölich L, Peters O, Dafsari FS, Domschke K, Jessen F, Hautzinger M, Schramm E. (2024) untersuchten differentielle psychologische Behandlungseffekte bei Patienten mit Altersdepression und einer Vorgeschichte von Kindheitstraumata. Dafsari FS, Bewernick B, Böhringer S, Domschke K, Elsaesser M, Löbner M, Luppa M, Schmitt S, Wingenfeld K, Wolf E, Zehender N, Hellmich M, Müller W, Wagner M, Peters O, Frölich L, Riedel-Heller S, Schramm E, Hautzinger M, Jessen F. (2024) analysierten die wahrgenommene körperliche Gesundheit und die Ergebnisse von kognitiver Verhaltenstherapie vs. unterstützender Psychotherapie bei Erwachsenen mit Altersdepression.

Cesana BM, Bergh S, Ciccone A, Cognat E, Fabbo A, Fascendini S, Frisoni GB, Frölich L, Handels R, Jori MC, Mecocci P, Merlo P, Peters O, Tsolaki M, Defanti CA. (2024) untersuchten Prädiktoren für die Aufnahme in ein Pflegeheim in einer Kohorte von Europäern mit Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzerkrankungen. Nielsen TR, de Mendonça A, Frölich L, Engelborghs S, Gove D, Lamirel D, Calia C, Waldemar G. (2024) führten eine 14-jährige Follow-up-Umfrage zur Beurteilung von Demenz bei ethnischen Minderheiten in Europa durch.

Dubois B, Villain N, Schneider L, Fox N, Campbell N, Galasko D, Kivipelto M, Jessen F, Hanseeuw B, Boada M, Barkhof F, Nordberg A, Froelich L, Waldemar G, Frederiksen KS, Padovani A, Planche V, Rowe C, Bejanin A, Ibanez A, Cappa S, Caramelli P, Nitrini R, Allegri R, Slachevsky A, de Souza LC, Bozoki A, Widera E, Blennow K, Ritchie C, Agronin M, Lopera F, Delano-Wood L, Bombois S, Levy R, Thambisetty M, Georges J, Jones DT, Lavretsky H, Schott J, Gatchel J, Swantek S, Newhouse P, Feldman HH, Frisoni GB. (2024) geben eine internationale Arbeitsgruppenempfehlung zur Alzheimer-Krankheit als klinisch-biologisches Konstrukt.

Präventive Maßnahmen gegen Alzheimer

Ein internationales Team aus 28 führenden Demenzforschern hat zwölf Faktoren ermittelt, mit deren Hilfe das Risiko für eine Demenz weltweit theoretisch um bis zu 40 Prozent gesenkt werden könnte. Die Studie ist in der renommierten Medizinzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht. Erstautorin ist die britische Medizinerin Prof. Dr. Gill Livingston, Professorin für Psychiatrie älterer Menschen, auch Gerontopsychiatrie genannt, am University College London.

Laut Livingston und ihren Kollegen sind im mittleren Alter insbesondere fünf Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen können: Hörverlust, schwere Kopfverletzungen, Bluthochdruck, starker Alkoholkonsum und Übergewicht. Für Menschen „mittleren Alters“ empfehlen die Forscher Folgendes:

  • Das Gehör sollte regelmäßig ärztlich überprüft werden. Wer schlecht hört, sollte sich nicht scheuen, ein Hörgerät zu tragen.
  • Insbesondere bei Sportarten, die ein hohes Risiko für Kopfverletzungen mit sich bringen, sollte stets ein Helm getragen werden - etwa beim Radfahren, Reiten und Skifahren.
  • Der Blutdruck sollte regelmäßig überprüft werden. Bluthochdruck muss mit Medikamenten behandelt werden. Angestrebt werden sollte ein systolischer Blutdruck von höchstens 130.
  • Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden. Denn mehr als 168 Gramm reiner Alkohol pro Woche fördern das Entstehen einer Demenz.
  • Übergewicht sollte abgebaut werden, am besten durch viel Bewegung und eine gesunde Ernährung - zum Beispiel nach dem Vorbild der mediterranen Kost.

Im höheren Alter nehmen andere Faktoren an Bedeutung zu. Die wichtigsten von ihnen sind in absteigender Reihenfolge: Rauchen, Depressionen, soziale Isolation, körperliche Inaktivität, Luftverschmutzung und Diabetes. Konkret empfiehlt das Team um Livingston gerade älteren Menschen, die folgenden sechs Punkte zu beherzigen:

  • Wer mit dem Rauchen immer noch nicht aufgehört hat, sollte es spätestens jetzt tun.
  • Depressionen sollten ärztlich behandelt werden, je nach Schweregrad mit einer geeigneten Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie.
  • Soziale Isolation sollte vermieden werden. Gerade im Alter ist es wichtig, Freundschaften zu pflegen, den Kontakt zur Familie zu halten oder an Seniorentreffs teilzunehmen.
  • Körperliche Inaktivität schadet auch dem Gehirn. Schon eine halbe Stunde Bewegung am Tag hat viele positive Effekte.
  • Verschmutzte Luft, etwa durch Feinstaub oder Tabakrauch, den andere produzieren, sollte man nach Möglichkeit meiden.
  • Diabetes sollte medikamentös behandelt werden. Ein zu hoher Blutzucker begünstigt auch das Sterben der Nervenzellen im Gehirn und muss daher gesenkt werden.

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