Das LWS-Syndrom, auch bekannt als Lendenwirbelsäulensyndrom, Lumbalsyndrom oder lumbales Wirbelsäulensyndrom, ist ein weit verbreitetes Problem, das durch Schmerzen und Funktionsstörungen im unteren Rückenbereich gekennzeichnet ist. Tief sitzende Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der orthopädischen Praxis, wobei die Lendenwirbelsäule (LWS) besonders betroffen ist. Dieser Abschnitt der Wirbelsäule trägt das Gewicht des gesamten Rumpfes und ist an fast allen Bewegungsabläufen beteiligt, was ihn anfällig für strukturelle und funktionelle Störungen macht. Das Ziel der Behandlung ist es, die Ursache der Rückenschmerzen zu identifizieren, gezielt zu therapieren und langfristig zu stabilisieren.
Was ist das LWS-Syndrom?
Das LWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule im unteren Rücken. Es umfasst akute oder chronische Schmerzen, die durch organisch bedingte oder funktionelle Beschwerden in der Lendenwirbelsäule entstehen. Die Schmerzen können sich stechend oder ziehend anfühlen und ins Becken, ins Gesäß, die Beine oder bis in die Füße ausstrahlen. Neben den Schmerzen kann es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und neurologischen Symptomen kommen. Manchmal wird das LWS-Syndrom auch als „Hexenschuss“ (Lumbago oder Lumbalgie) bezeichnet. Während ein Hexenschuss jedoch eine verspannungsbedingte akute Schmerzepisode ist, die meist durch eine plötzliche Belastung ausgelöst wird und in der Regel schnell wieder abklingt, kann das LWS-Syndrom auch durch andere Ursachen ausgelöst werden.
Ursachen des LWS-Syndroms
Die Ursachen für ein LWS-Syndrom sind vielfältig. Langes Sitzen im Büro oder harte körperliche Arbeit, Bewegungsmangel in der Freizeit und der ständige Blick aufs Smartphone können die Wirbelsäule stark belasten. Einseitige und falsche Körperhaltungen, unkoordinierte Bewegungsabläufe wie ruckartiges Anheben schwerer Dinge, eine ungesunde Ernährung und Übergewicht können den Bewegungsapparat und besonders die Lendenwirbelsäule belasten.
Ein Problem ist, dass die LWS mit nur 5 Wirbeln im Vergleich zur gesamten Wirbelsäule relativ kurz ist - und trotzdem die meiste Last tragen muss. Wenn die umgebende Muskulatur nicht kräftig genug ist, um die Lendenwirbel zu stützen, können starke Schmerzen im unteren Rücken die Folge sein, die oft ganz plötzlich auftreten. Auch andauernde Fehlstellungen des Körpers wie ein Hohlkreuz oder Rundrücken sowie der normale Alterungsprozess, bei dem die Bandscheiben verschleißen, können zum LWS-Syndrom führen.
Weitere mögliche Ursachen sind:
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- Muskuläre Probleme: Verspannungen und Schwäche der Rückenmuskulatur können zu Schmerzen führen.
- Bandscheibenvorfall: Der gallertartige Kern der Bandscheibe kann austreten und Nerven im Wirbelkanal reizen.
- Arthrose (Facettengelenksarthrose): Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke kann zu Schmerzen führen.
- Iliosakralgelenkssyndrom (ISG-Syndrom): Funktionsstörungen im ISG können Schmerzen im unteren Rücken verursachen, die ins Gesäß, in die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen.
- Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose): Eine Verengung des Wirbelkanals kann zu Missempfindungen wie Kribbeln, Kältegefühl oder Schwäche in den Beinen führen.
- Entzündliche Erkrankungen: Entzündungen wie Spondylodiszitis (Entzündung der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper), Borreliose oder Abszesse können Schmerzen verursachen.
- Organische Erkrankungen: In seltenen Fällen können Erkrankungen von Nieren, Darm oder Geschlechtsorganen die Ursache für LWS-Schmerzen sein. Bei Frauen können gynäkologische Ursachen wie Menstruationsbeschwerden oder Erkrankungen der Gebärmutter eine Rolle spielen.
- Psychische Faktoren: Stress, Konflikte am Arbeitsplatz oder die Neigung zu Depressionen können den Verlauf von Rückenschmerzen beeinflussen.
Symptome des LWS-Syndroms
Die Symptome eines LWS-Syndroms können vielfältig sein und nicht nur im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten, sondern auch angrenzende Körperteile und Gliedmaßen betreffen. Die Schmerzen können plötzlich auftreten oder schleichend beginnen, nach kurzer Zeit abklingen oder lange andauern.
- Akutes LWS-Syndrom: Plötzlich auftretende, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im unteren Rückenbereich.
- Chronisches LWS-Syndrom: Häufig aufgrund von degenerativen Veränderungen, z. B. Verschleiß der Bandscheiben oder anderer Teile der Wirbelsäule.
- Ausstrahlende Schmerzen: Schmerzen können ins Becken, Gesäß, die Beine oder bis in die Füße ausstrahlen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit im unteren Rückenbereich kann eingeschränkt sein.
- Neurologische Symptome: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schwäche in den Beinen können auftreten.
- Darm-/ Blasen-/ Nierenbeschwerden: In seltenen Fällen können auch Beschwerden in diesen Bereichen auftreten.
Diagnose des LWS-Syndroms
Bei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule sollte man sich an einen Hausarzt oder gleich an einen Orthopäden wenden. Am Anfang steht ein ausführliches Anamnesegespräch, in dem die Krankengeschichte und die genaue Abklärung der Schmerzen im Vordergrund stehen. Der Arzt wird Fragen stellen wie:
- Wie stark ist der Schmerz?
- Ist er ziehend oder stechend?
- Ist er schleichend oder plötzlich aufgetreten?
- Wie lange quält er Sie schon?
Auch der Lebensstil ist für die Diagnose wichtig und sollte offen und ehrlich besprochen werden:
- Bewegen Sie sich zu wenig?
- Essen Sie ungesund?
- Arbeiten Sie zu lange im Sitzen?
- Heben Sie zu schwer?
Anschließend wird der Arzt die Wirbelsäule und die Körperhaltung genau in Augenschein nehmen, um Fehlstellungen wie z. B. ein Hohlkreuz zu erkennen. Wenn notwendig, kann ein Röntgenbild angefertigt oder eine Computertomografie (CT) bzw. eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. So kann der Arzt Veränderungen an den Knochen und im Gewebe feststellen oder ausschließen. Auch ein Blutbild kann Hinweise auf Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule geben. Da in seltenen Fällen organische Erkrankungen z. B. die Ursache sein können, werden diese ebenfalls abgeklärt.
Behandlung des LWS-Syndroms
Die Behandlung eines LWS-Syndroms ist von der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden abhängig. In den meisten Fällen helfen Physiotherapie und Rückenübungen, manuelle Therapie, der kurzfristige Einsatz von Schmerzmitteln, Entzündungshemmern und Muskelrelaxanzien sowie Wärme- oder Kältetherapie. Das LWS-Syndrom ist meist auf muskuläre Probleme zurückzuführen und kann gut konservativ behandelt werden. Eine Operation ist nur selten erforderlich, z. B. wenn ein komplizierter Bandscheibenvorfall zugrunde liegt.
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Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung des LWS-Syndroms kann durch folgende Maßnahmen erfolgen:
- Physiotherapie: Stärkung der Rückenmuskulatur und allgemeine Mobilisierung des ganzen Körpers. Durch Zug- und Druckreize werden muskuläre Verhärtungen gelöst, die Faszien aktiviert, die Durchblutung gefördert und Schmerzen gelindert.
- Massagen: Lösung von muskulären Verspannungen. Die Intensität der Massage sollte vorsichtig dosiert und auf die Schmerztoleranz und Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein, damit es nicht zu erneuten Verspannungen kommt.
- Wärme- und Kältetherapie: Wärme verbessert die Durchblutung und lockert Verspannungen. Wärmepflaster, Wärmekissen, warme Bäder oder Duschen, der Saunabesuch und die Behandlung mit Infrarot-Licht können schmerzlindernd wirken. Kälte ist vor allem dann hilfreich, wenn die Rückenschmerzen nicht primär von Verspannungen, sondern eher durch entzündliche Reaktionen ausgelöst werden.
- Medikamente: Schmerzmittel (z. B. Paracetamol, Naproxen, Ibuprofen und Diclofenac) wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Bei sehr starken LWS-Schmerzen kann der Arzt auch muskelentspannende Präparate (Muskelrelaxanzien) oder sogar Opioide verschreiben. Dies sollte aber nur das letzte Mittel der Wahl sein, wenn der Schmerz bereits chronisch geworden ist. Da alle genannten Medikamente Nebenwirkungen haben, sollte man sich bei der Einnahme genau an die ärztlichen Anweisungen halten.
- Alternative Therapien: Akupunktur oder Akupressur können Verspannungen in der Rückenmuskulatur lösen. Weitere erfolgversprechende Therapieansätze beim LWS-Syndrom sind in der Osteopathie oder der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu finden, die vor allem auf die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers setzen.
- Stufenlagerung: Regelmäßige Entlastung des unteren Rückens durch die Stufenlagerung. Dazu legt man sich gerade auf den Rücken und positioniert die Unterschenkel auf einer Ablage, sodass Unter- und Oberschenkel etwa einen 90-Grad-Winkel bilden.
Minimalinvasive und operative Eingriffe
Manchmal reichen konservative Maßnahmen bei der Therapie eines LWS-Syndroms nicht aus. Dann können minimalinvasive Eingriffe, z. B. In sehr schweren Fällen, z. B. bei Bandscheibenvorfällen mit neurologischen Ausfällen oder Wirbelbrüchen, können operative Eingriffe erforderlich sein. Bei einer Lumboischialgie mit Störung der Harn- und Stuhlkontinenz ist eine Notoperation erforderlich.
Prävention des LWS-Syndroms
Damit die unangenehmen Schmerzen im unteren Rücken nicht wiederkommen oder gar nicht erst auftreten, kann man einiges tun. Das Zauberwort heißt Bewegung: Sie ist essenziell für eine starke Rückenmuskulatur und einen schmerzfreien Alltag. Zu einem rückenschonenden Lebensstil gehören auch ein ergonomisches Arbeitsumfeld, Pausen im Medienkonsum, bewusstes Heben und Tragen sowie eine gesunde Ernährung.
Hier sind einige Tipps zur Prävention von Beschwerden der Lendenwirbelsäule:
- Bewegung im Alltag: Jede noch so kurze Phase der körperlichen Aktivität hält die Wirbelsäule geschmeidig. Gehen Sie öfter zu Fuß, nehmen Sie die Treppe oder fahren Sie mal mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen. Integrieren Sie kleine Bewegungs- oder Gymnastikeinheiten mehrmals wöchentlich in Ihren Alltag - und wenn es nur ein Spaziergang ist.
- Rückenmuskulatur trainieren: Sanftes Krafttraining, Laufen und Walken auf weichem Untergrund, Schwimmen und Wassergymnastik sowie Yoga (unter professioneller Anleitung) sind Sportarten, die gut für Ihre Rückengesundheit sind. Dabei ist es wichtig, sich vor dem Training immer gut aufzuwärmen und die Rückenmuskeln auf "Betriebstemperatur" zu bringen.
- Gerade Körperhaltung: Über längere Zeit mit gesenktem Kopf auf ein Smartphone oder Tablet zu schauen, überlastet den Nacken und zwingt die ganze Wirbelsäule in eine Fehlhaltung. Machen Sie regelmäßig eine Pause, heben Sie den Kopf und lassen Sie die Schultern kreisen.
- Rückenschonende Büroarbeit: Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Sitzhaltung am Schreibtisch, ändern Sie öfter mal die Sitzposition oder arbeiten Sie kurzzeitig im Stehen. Bürostuhl und Schreibtisch sollten ergonomisch auf Ihren Körper abgestimmt sein.
- Richtig heben und tragen: Schwere Gegenstände niemals mit gebeugtem Rücken und durchgestreckten Knien hochheben. Stellen Sie sich besser dicht vor den Gegenstand, gehen Sie in die halbe Hocke und nehmen Sie sich Zeit, Ihren Rumpf zu stabilisieren. Halten Sie den Gegenstand dicht am Körper und richten Sie sich gerade auf. Verdrehen Sie dabei nicht den Oberkörper. Am besten tragen Sie Schweres immer nah am Körper, damit die Wirbelsäule gleichmäßig belastet wird.
- Gesunde Ernährung: Um stark zu bleiben, benötigen unsere Muskeln viel Vitamin D und B1, Magnesium und Kalium. Wichtige Lieferanten hierfür sind Fisch, Vollkornprodukte, Pflaumen, Bananen, Spinat, Sonnenblumenkerne und Hülsenfrüchte wie Erbsen und Sojabohnen. Vitamin D nimmt der Körper auch über das Sonnenlicht auf. Außerdem sollten Sie mindestens 2 Liter Flüssigkeit pro Tag trinken.
- Übergewicht vermeiden: Mehr Körpergewicht bedeutet eine höhere Belastung der Wirbelsäule und ein höheres Risiko für Rückenschmerzen und das LWS-Syndrom.
- Nicht rauchen: Raucher sind schmerzempfindlicher und leiden dreimal häufiger unter chronischen Rückenschmerzen als Nichtraucher.
- Alkoholkonsum vermeiden: Alkohol trägt zur Entwicklung von Übergewicht und damit auch zur Entstehung von Rückenschmerzen bei. Außerdem kann er die Wirkung von Schmerzmitteln einschränken und es kann zu schmerzhaften Nebenwirkungen wie Magengeschwüren und -blutungen kommen.
- Die richtige Matratze: Kaufen Sie eine Matratze, die Ihren Körper möglichst gleichmäßig unterstützt und auf keinen Fall zu weich, aber auch nicht zu hart ist. Im Idealfall bildet die Wirbelsäule eine gerade Linie. Das Gesäß sollte weder zu tief einsinken noch unnatürlich nach oben gedrückt werden. Empfohlen wird bei Rückenproblemen meist ein mittlerer Härtegrad. Es gibt auch spezielle orthopädische Matratzen. Lassen Sie sich ausführlich beraten und denken Sie daran, Ihre Matratze regelmäßig auszutauschen. Je nach Beanspruchung kann dies nach 5-8 Jahren sinnvoll sein, spätestens nach 10 Jahren sollten Sie Ihrem Rücken eine neue Matratze gönnen.
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