Magnesium und Alzheimer: Ein möglicher Zusammenhang für die Prävention

Die Prävention von Demenz wird in unserer alternden Gesellschaft zu einer immer wichtigeren Frage. Alzheimer und andere Demenzerkrankungen betreffen bereits heute über eine Million Menschen in Deutschland, und die Zahlen steigen weiter. Da es trotz intensiver Forschung noch keine heilende Medikamententherapie gibt, ist es umso wichtiger, rechtzeitig gegenzusteuern und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Ein vielversprechender Ansatz liegt in der orthomolekularen Medizin, die durch den gezielten Einsatz von Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren die Gehirngesundheit aktiv unterstützen und das Demenzrisiko senken kann.

Orthomolekulare Medizin: Die richtigen Moleküle für die Gehirngesundheit

Die orthomolekulare Medizin wurde in den 1960er Jahren von Linus Pauling, einem zweifachen Nobelpreisträger, geprägt. Der Begriff bedeutet wörtlich "die richtigen Moleküle" und bezieht sich auf die Versorgung des Körpers mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe, um die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Pauling und andere Forscher erkannten früh, dass biochemische Ungleichgewichte und Nährstoffmängel zur Entstehung vieler Krankheiten beitragen können. Ziel der orthomolekularen Medizin ist es, diese Ungleichgewichte durch gezielte Nahrungsergänzung zu korrigieren und so eine optimale physiologische Umgebung im Körper zu schaffen.

Besonders in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen, einschließlich neurodegenerativer Krankheiten wie Alzheimer, setzt die orthomolekulare Medizin auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten. Die orthomolekulare Psychiatrie beschäftigt sich speziell mit der Rolle von Nährstoffen für die mentale Gesundheit und Gehirnfunktion. Dabei wird berücksichtigt, dass jeder Mensch eine einzigartige genetische Ausstattung und Biochemie besitzt, die den individuellen Nährstoffbedarf beeinflusst. Orthomolekulare Therapeuten erstellen daher personalisierte Nährstoffpläne, basierend auf Laborwerten und Anamnese, um Mängel auszugleichen und Schutzfaktoren zu optimieren.

Wissenschaftliche Fundierung der orthomolekularen Medizin

Anfangs wurde die orthomolekulare Medizin als "alternative" Methode belächelt, doch inzwischen stützen zahlreiche Studien die Bedeutung von Mikronährstoffen in Prävention und Therapie. Gerade bei komplexen Erkrankungen wie Alzheimer wächst die Erkenntnis, dass Multikomponenten-Ansätze erfolgreicher sein könnten als Monotherapien. Nachdem die bisherigen Medikamente gegen Alzheimer größtenteils enttäuscht haben, fordern Experten einen ganzheitlichen Ansatz, der mehrere Mechanismen gleichzeitig positiv beeinflusst. Die orthomolekulare Medizin kombiniert wissenschaftliche Evidenz mit einem ganzheitlichen Therapieverständnis, um durch Ernährung, Supplemente und Lebensstiländerungen die bestmögliche Gehirngesundheit zu erreichen.

Alzheimer verstehen: Pathophysiologie und Angriffspunkte für Mikronährstoffe

Alzheimer-Demenz ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, bei der über Jahrzehnte schleichend Gehirnzellen (Neuronen) absterben und geistige Fähigkeiten verloren gehen. Typisch sind Eiweißablagerungen im Gehirn - Beta-Amyloid-Plaques außerhalb der Zellen und Tau-Fibrillen innerhalb der Neuronen. Diese Veränderungen gehen mit chronischen Entzündungsreaktionen, oxidativem Stress, Störungen im Energiestoffwechsel und Synapsenverlust einher. Viele Faktoren tragen dazu bei, dass diese Pathologie entsteht: Genetische Veranlagung (z.B. APOE4-Gen), ein höheres Lebensalter, aber auch Lebensstil und Umweltfaktoren. Letztere sind zugleich Ansatzpunkte für Prävention: Durch positive Einflussnahme auf Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress und Nährstoffversorgung lassen sich die schädlichen Prozesse im Gehirn abschwächen.

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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass pathologische Veränderungen bei Alzheimer Jahrzehnte vor den ersten Symptomen beginnen. Diese lange stille Phase eröffnet ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:

Antioxidativer Schutz

Das Gehirn verbraucht sehr viel Sauerstoff und Energie, wodurch viele freie Radikale entstehen. Oxidativer Stress schädigt Nervenzellen und fördert Plaquebildung. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen. In Alzheimer-Studien fand man tatsächlich oft niedrige Spiegel dieser Antioxidantien bei Patienten. Eine ausreichende Versorgung hiermit könnte die Hirnzellen resistenter machen und das Risiko kognitiven Abbaus reduzieren.

Entzündungshemmung

Chronische Neuroinflammation (Entzündung im Gehirn) trägt wesentlich zur Alzheimer-Entstehung bei. Einige Nährstoffe wirken entzündungsmodulierend - z.B. Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) aus Fischöl, die als Vorstufe von entzündungsauflösenden Botenstoffen dienen. Auch Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe (z.B. Curcumin aus Kurkuma oder Resveratrol aus Trauben) haben antientzündliche Effekte im Nervensystem gezeigt.

Homocystein und Gefäßgesundheit

Ein oft übersehener Risikofaktor ist der Aminosäurestoffwechsel. Hohe Homocysteinspiegel im Blut korrelieren mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko und verstärktem Gehirnabbau. Homocystein schädigt Gefäße und fördert Neurodegeneration, hemmt sogar die Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese) im Hippocampus. Ursache erhöhter Homocysteinwerte ist meist ein Mangel an B-Vitaminen (B₆, B₁₂ und Folsäure), die Homocystein abbauen. Fehlen diese Vitamine, kann Homocystein sich anreichern. B-Vitamine sind daher ein wichtiger Angriffspunkt: Studien zeigen, dass eine Homocystein-Senkung durch Vitamin B6, B12 und Folsäure den Hirnabbau bei gefährdeten Personen verlangsamen kann. Ein hoher Homocysteinwert ist ein Warnsignal und sollte durch entsprechende Vitamin-Gaben normalisiert werden.

Energiehaushalt und Insulinsignalwege

Das Gehirn von Alzheimer-Patienten weist Zeichen einer Insulinresistenz und mitochondrialen Dysfunktion auf - teils wird Alzheimer sogar als „Diabetes Typ 3“ bezeichnet. Die Neuronen können Glukose schlechter verwerten und „verhungern“ sozusagen inmitten von Überfluss. Hier könnten ketogene Ansätze helfen, aber auch Mikronährstoffe: B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen. Eine Meta-Analyse von 21 Studien ergab, dass z.B. Acetyl-L-Carnitin bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung und mildem Alzheimer zu einer leichten Verbesserung von Kognition, Stimmung und Gehirnenergie führte. Auch NADH (ein Coenzym) zeigte in ersten klinischen Tests, dass es den Krankheitsverlauf stabilisieren und die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern kann. Eine Verbesserung der Hirn-Energieversorgung durch orthomolekulare Nährstoffe ist ein aussichtsreicher Pfad.

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Neurotransmitter und Synapsen

Gewisse Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn). Zum Beispiel benötigt die Bildung von Acetylcholin (wichtig für Gedächtnis) ausreichend Cholin und Vitamin B5. Vitamin B1 (Thiamin) ist essenziell für die Glukoseverwertung im Gehirn; Thiaminmangel führt zu schweren Gedächtnisstörungen. In kleinen Alzheimer-Studien verbesserten sich kognitive Funktionen unter hochdosierter Thiamin-Gabe. Orthomolekulare Therapie achtet daher auf eine optimale Versorgung aller neuralen Bausteine, um Neurotransmitterhaushalt und Synapsenfunktion zu unterstützen.

Amyloid-Clearance

Ein Ziel ist auch, die Entsorgung von Amyloid-Proteinen zu fördern. Das Immunsystem im Gehirn (Mikroglia) sowie spezifische Enzyme sind daran beteiligt. Vitamin D hat sich hier als wichtig herausgestellt: Es moduliert die Immunabwehr und fördert in Laborversuchen die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen. Ein guter Vitamin-D-Status könnte somit helfen, Amyloid-Ablagerungen vorzubeugen oder zu vermindern. Zusätzlich wird diskutiert, dass Curcumin (Gelbwurz) an Amyloid binden und dessen Verklumpung hemmen kann (zumindest im Tierversuch). Pflanzliche Polyphenole generell unterstützen zelluläre Reinigungs- und Reparaturprozesse.

Alzheimer entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel schädlicher Prozesse, die jedoch an vielen Stellen durch Nährstoffe positiv beeinflusst werden können. Orthomolekular bedeutet, alle Puzzleteile zu berücksichtigen: Oxidativen Stress reduzieren, Entzündungen dämpfen, Mitochondrien stärken, Gefäßgesundheit und Homocystein optimieren, Neurotransmitter unterstützen und schädliche Proteine abbauen. Kein einzelnes Vitamin wird Alzheimer verhindern - aber das orchestrierte Zusammenspiel vieler Mikronährstoffe plus eines gesunden Lebensstils kann ein robustes Schutznetz spannen, das den Ausbruch der Demenz verzögert oder im Idealfall ganz verhindert.

Wichtigste Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention

Im Folgenden werden die bedeutendsten Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe vorgestellt, die laut Forschung eine Rolle bei der Vorbeugung von Alzheimer-Demenz spielen. Dabei werden jeweils ihre Funktion im Gehirn, Anzeichen eines Mangels sowie aktuelle Studienergebnisse zur Alzheimer-Prävention betrachtet.

B-Vitamine (B₆, B₉, B₁₂): Homocystein senken, Gehirn schützen

Die Vitamine B₆ (Pyridoxin), B₉ (Folat) und B₁₂ (Cobalamin) sind Schlüsselstoffe für das Nervensystem. Sie werden für die Myelinisierung (Schutzschicht der Nervenfasern), die DNA-Reparatur und die Bildung von Neurotransmittern benötigt. Besonders bekannt ist ihre Rolle im Homocystein-Stoffwechsel: Gemeinsam wandeln sie das Zellgift Homocystein in Methionin bzw. Cystein um. Ein Überschuss an Homocystein wirkt gefäßschädigend (Arteriosklerose) und ist neurotoxisch - es fördert die Apoptose (Zelltod) und stört die Entstehung neuer Gehirnzellen. Erhöhte Homocysteinspiegel werden bei Alzheimer-Patienten überdurchschnittlich häufig gefunden. In der Framingham-Studie hatten Personen mit hohem Homocystein ein doppelt so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken.

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Die VITACOG-Studie in Oxford zeigte, dass bei älteren Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen die Einnahme von hochdosiertem B₆, B₁₂ und Folsäure das Schrumpfen des Gehirns (Hippocampusregion) um 30% verlangsamte im Vergleich zu Placebo, insbesondere bei den Patienten mit erhöhtem Homocystein. Die kognitiven Fähigkeiten blieben stabiler. Dies legt nahe, dass B-Vitamine besonders dann wirken, wenn tatsächlich ein Mangel oder erhöhter Homocysteinspiegel vorliegt. Eine weitere Auswertung zeigte zudem, dass der Effekt der B-Vitamine am größten war, wenn gleichzeitig genügend Omega-3-Fettsäuren im Blut vorhanden waren. Offenbar ergänzen sich B-Vitamine und Omega-3 in ihrem neuroprotektiven Effekt.

Im Rahmen der Demenzprävention wird empfohlen, bei Erwachsenen (insbesondere ab 50+) den Homocysteinwert im Blut bestimmen zu lassen. Ist dieser erhöht (>10-12 µmol/L), sollte nach Rücksprache mit dem Arzt eine B-Vitamin-Supplementierung erfolgen, typischerweise: Folsäure 400-800 µg, B₆ ca. 20 mg, B₁₂ ca. 500-1000 µg täglich. Oft werden Kombipräparate eingesetzt. Auch ohne Homocystein-Erhöhung kann eine moderate Supplementierung sinnvoll sein, wenn z.B. ein niedrig-normaler B₁₂-Spiegel (<300 pg/ml) oder wenig B-vitaminreiche Kost vorliegt (typisch bei vegetarischer/veganer Ernährung, hier insbesondere auf B₁₂ achten!). Da B-Vitamine wasserlöslich sind, werden überschüssige Mengen ausgeschieden; dennoch sollte eine hochdosierte Einnahme mit dem Therapeuten abgestimmt werden. Vitamin B₁₂ sollte im Alter regelmäßig kontrolliert werden - schätzungsweise 10-30% der Senioren haben einen Mangel, der zu irreversiblen Nervenschäden führen kann. Ein unbehandelter B₁₂-Mangel kann demenzähnliche Symptome hervorrufen. Hier hilft ggf. eine gezielte hochdosierte Therapie (oral oder per Spritze). Bei von leichten kognitiven Störungen Betroffenen verlangsame die Gabe von 0,8 mg Folsäure, 0,5 mg Vitamin B12 und 20 mg Vitamin B6 eine Hirnatrophie im Vergleich zu Placebo. Generell sollten Defizite oral mit 2 × 2 mg Vitamin B12 pro Tag behandelt werden, langfristig mit 1-2 × 2 mg.

Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende "Brain Food"-Fette

Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure), sind essentielle Bestandteile der Zellmembranen im Gehirn und spielen eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. Sie wirken entzündungshemmend und können somit dazu beitragen, die chronischen Entzündungsprozesse im Gehirn zu reduzieren, die mit der Entstehung von Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Studien haben gezeigt, dass ein höherer Konsum von Omega-3-Fettsäuren mit einem niedrigeren Demenzrisiko korreliert. Fischöl-Supplementierung war mit ~9% weniger Demenzfällen assoziiert (über 11 Jahre). Der regelmäßige Verzehr von Fisch versorgt den Organismus mit Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren sind biologisch aktiv, beeinflussen inflammatorische Prozesse und bestimmen die Struktur der Biomembranen. Zudem werden aus DHA Neuroprotektine gebildet, die den kognitiven Abbau im biologischen Alterungsprozess abschwächen. Im Zellkern ist eine inverse Beziehung zwischen einer Verkürzung der Telomere und dem EPA/DHA-Serumspiegel bekannt. Verkürzte Telomere gelten als Indikatoren der Zellalterung. Allgemein sind Omega-3-Fettsäuren mit einer verbesserten kognitiven Leistung und verminderten depressiven Stimmungen assoziiert. Deshalb wird empfohlen, mehr als 300 mg EPA/DHA pro Tag aufzunehmen, hauptsächlich aus fettreichen Kaltwasserfischen.

Vitamin D: Das "Sonnenvitamin" für das Immunsystem und den Gehirnschutz

Vitamin D, auch als "Sonnenvitamin" bekannt, spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem und den Schutzmechanismen im Gehirn. Studien haben gezeigt, dass ein Mangel an Vitamin D das Alzheimer-Risiko deutlich erhöht. Eine große Studie zeigte 40% geringere Demenzrate bei älteren Menschen mit Vitamin-D-Supplementierung. Das Gehirn ist ein Zielorgan für Vitamin D3 und ­bildet Rezeptoren und Enzyme des Vitamin-D3-Stoffwechsels aus. So passiert 25-Hydroxyvitamin D3 die Blut-Hirn-Schranke, bindet an die Nervenzellen im Gehirn und wirkt dadurch neuroprotektiv. Beobachtungsstudien zeigten einen Zusammenhang zwischen 25-Hydroxyvitamin D3 und der kognitiven Funktion. Ein niedriger Vitamin-D3-Status ist vermutlich ein Risikofaktor für eine eingeschränkte Kognition: Mendelsche Randomisierungsstudien legen einen kausal protektiven Effekt von Vitamin D3 auf die Demenz nahe, welcher unabhängig vom Lebensstil ist. Für den empfohlenen Zielwert von 20 ng/ml 25-Hydroxyvitamin D3 sollten mind. 800 IE Vitamin D täglich supplementiert werden, besser 1 000-2 000 IE. Etwa jeder zweite Deutsche weist einen niedrigeren Vitamin-D3-Wert auf, als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen, sagte Prof. PD Dr. med. univ. Stefan Pilz (Graz), also weniger als 20 ng/ml oder 50 nmol/l 25-Hydroxyvitamin D3.

Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Schutz vor freien Radikalen

Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Selen neutralisieren freie Radikale im Gehirn und schützen die Zellen vor oxidativem Stress. Bei Alzheimer-Patienten wurden häufig zu niedrige Spiegel dieser Antioxidantien gemessen. Eine ausreichende Versorgung könnte die kognitive Verschlechterung verlangsamen.

Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung und Gedächtnisbildung

Magnesium ist an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt, unter anderem am Blutdruck und dem Herzrhythmus. Es ist wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und die Gedächtnisbildung. Tiermodelle deuten an, dass Magnesiumpräparate die Lernfähigkeit verbessern; epidemiologische Daten verknüpfen höhere Magnesium-Aufnahme mit besserer Hirnleistung im Alter. Magnesium beeinflusst strukturelle Veränderungen der Synapsen und stabilisiert die Gehirnfunktion. Das geschieht durch Blockade der NMDA-Rezeptorkanäle und Reduktion der Beta-Amyloid-Plaques. Magnesium ist außerdem für die Verstoffwechselung von Glucose nötig und für die Regulation der Zellproliferation und Apoptose. Eine unzureichende Versorgung kann eine vaskuläre Demenz verschlechtern. So war in einer grundlegenden Studie die Magnesiumkonzentration im Liquor cerebrospinalis bei Demenz signifikant im Vergleich zu den Kontrollen erniedrigt. Neuere Daten weisen darauf hin, dass eine Magnesiumtherapie die Interleukin-6-Spiegel beeinflusst, die Stoffwechselstörungen im Gehirn begünstigen. Nach 12 Wochen wurde die Entzündung gebremst und ein gefäßschützender Effekt beobachtet. Möglicherweise besteht eine Verbindung zwischen einer entglittenen Magnesiumhomöostase und Entzündungen im Nervensystem. In der Geriatrie und Neurologie verhindert eine Supplementation von täglich 300-500 mg Magnesium einen Mangel. Forscher der Australien National University (ANU) entdeckten, dass unser Gehirn im Alter gesünder bleibt, wenn wir es mit reichlich Magnesium versorgen. Wer mehr als 550 mg Magnesium täglich verspeiste, hatte beim Erreichen des 55. Lebensjahres ein Gehirn, das 1 Jahr jünger schien - verglichen mit TeilnehmerInnen, die nur etwa 350 mg Magnesium täglich zu sich nahmen. Ein hoher Magnesiumspiegel im Gehirn senkt oxidativen Stress und systemische Entzündungen, verbessert die synaptische Plastizität und wirkt anderen Mechanismen entgegen, die zu Neurodegeneration führen.

Es gibt verschiedene Magnesiumverbindungen, die als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich sind. Magnesiumtreonat ist eine spezielle Verbindung, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so die Magnesiumkonzentration im Gehirn erhöhen kann. Es könnte die Schlafqualität verbessern und zeigt Potenzial in der Alzheimer-Therapie. MIT-Forscher haben Magnesium-L-Threonat (MgT) aufgrund seiner einzigartigen Fähigkeit, den Magnesiumgehalt im Gehirn zu erhöhen, entdeckt und patentiert. Tierstudien haben gezeigt, dass die Einnahme von Magnesium-L-Threonat das Gedächtnis, das Lernen und die kognitiven Fähigkeiten erheblich verbessert. Darüber hinaus haben Laborstudien entsprechende Verbesserungen der synaptischen Strukturen gezeigt, was auf eine verbesserte Plastizität des Gehirns hinweist. Magnesium-L-Threonat (MgT) wurde am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Das Besondere an MgT (ausgesprochen "Mag T") ist die Art und Weise, wie es bei oraler Einnahme den Magnesiumspiegel im Gehirn erhöht. Diese Wirkung ist auf seine einzigartige Fähigkeit zurückzuführen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Die Forschung hat gezeigt, dass MgT, sobald es ins Gehirn gelangt, die Dichte der Synapsen, d. h. der Kommunikationsverbindungen zwischen den Gehirnzellen, erhöht. Durch die Verbesserung der synaptischen Dichte unterstützt Magnesium-L-Threonat die Regeneration der Gehirnstrukturen und fördert so die kognitive Funktion und das Erinnerungsvermögen. Weitere Forschungsarbeiten haben das Potenzial von Magnesium-L-Threonat bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit untersucht, die durch den Verlust von Synapsen und eine beeinträchtigte Plastizität des Gehirns gekennzeichnet ist. In Mausmodellen der Alzheimer-Krankheit verhinderte Magnesium-L-Threonat den Verlust von Synapsen und den Rückgang des Gedächtnisses. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Verbindung die Verklumpung von Beta-Amyloid-Plaques, ein Kennzeichen der Krankheit, unterdrückt, was auf eine mögliche Rolle bei der Prävention hindeutet.

Weitere wichtige Nährstoffe

Zink und Selen sind Spurenelemente, die essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen sind. Ein Mangel an Zink oder Selen stört die Bildung neuer Neuronen und erhöht das Demenzrisiko. Coenzym Q10 und L-Carnitin unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle). Erste Studien bei Demenz zeigen verbesserte Energieversorgung und leichte kognitive Vorteile. Lithium (Spurenelement) ist in sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn. Regionen mit lithiumarmem Trinkwasser verzeichnen mehr Demenz und Suizide. Mikrodosierungen Lithium könnten das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen.

Magnesiummangel erkennen und behandeln

Medizinisch gesehen besteht ein Mangel, wenn sich weniger als 0,5 Nanogramm pro Liter (nmol/l) Magnesium im Blut befinden. Die auftretenden Symptome gehen jedoch nicht nur auf den Magnesiummangel an sich zurück. Denn der Mineralstoff beeinflusst die Aufnahme anderer Nährstoffe und kann, wenn er nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, auch an anderer Stelle eine Unterversorgung verursachen. Zu den Frühsymptomen eines Magnesiummangels gehören laut DGE Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Da die Beschwerden unspezifisch sind, lassen sie sich nicht leicht auf die Ursache zurückführen. Da Magnesium an einer Vielzahl von biologischen Prozessen und dem Nährstofftransport beteiligt ist, können die Beschwerden im weiteren Verlauf jedoch deutlicher zum Vorschein kommen und sich an verschiedenen Stellen des Körpers zeigen. Eine chronische Unterversorgung beeinträchtigt vor allem das Nervensystem und die Muskel- und Herzfunktion. Wer viel Sport treibt, könnte einen höheren Tagesbedarf an Magnesium haben und somit schneller einen Mangel entwickeln. Zu den Risikogruppen zählen aber oft auch ältere Menschen: Chronische Erkrankungen, Medikamente und ihre Nebenwirkungen beeinträchtigen die Magnesiumaufnahme, sodass ein Nahrungsergänzungsmittel notwendig sein kann.

Eine australische Studie aus dem vergangenen Jahr analysierten Forscher die Blutproben von 172 gesunden Menschen im mittleren Alter und ermittelten dabei den Gehalt von Magnesium, Folsäure und Vitamin B12 - alle drei Nährstoffe spielen beim Stoffwechsel von Homocystein eine Rolle. Die Aminosäure ist wichtig für die Proteinbildung, in höheren Mengen jedoch toxisch: Homocystein kann die Arterien verkalken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Blutgerinnsel (Thrombosen) erhöhen. Im Ergebnis der Studie zeigte sich zum einen, dass ein normaler Magnesiumwert im Blut mit einer guten Folsäure- und Vitamin-B12-Versorgung einhergeht. Zum anderen war ein niedriger Magnesiumspiegel mit einem hohen Homocystein-Wert verbunden. Bei den betroffenen Probanden wiesen die Forscher zudem Biomarker für DNA-Schäden nach. Auf Dauer kann ein Magnesiummangel DNA-Schäden verursachen und verschiedene Erkrankungen begünstigen. Demnach könne ein Magnesiummangel auf Dauer altersbedingte chronische Erkrankungen, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz Vorschub leisten, so das Fazit der Studie. Auch die Experten der Gesellschaft für Magnesiumforschung weisen darauf hin, dass bei einer dauerhaften Unterversorgung Erkrankungen und weitere Mangelzustände drohen, etwa Knochenschwund (Osteoporose) oder eine gestörte Vitamin-D-Bildung. Dazu gehört auch Diabetes Typ 2, da Magnesium beim Zuckerstoffwechsel mitwirkt. Im Verlauf eines Magnesiummangels könnte sogar das metabolische Syndrom entstehen - ein kombiniertes Auftreten von Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Symptome eines Magnesiummangels im Überblick:

  • Müdigkeit und Schwäche
  • geistiger und körperlicher Leistungsabfall
  • Muskelschwäche und -krämpfe
  • Reizbarkeit/geringe Stresstoleranz
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Schwindel
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Angststörungen und Depressionen
  • Herzrhythmusstörungen

Gesunde Erwachsene ohne Vorerkrankungen können ausreichend Magnesium aus der Nahrung beziehen - vorausgesetzt, die Ernährung ist gesund und ausgewogen gestaltet. Zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Magnesiumgehalt zählen Kerne und Samen sowie Hülsenfrüchte. In größeren Mengen kommt der Mineralstoff auch in getrocknetem Obst vor. Wenn jedoch nicht genug Magnesium aufgenommen wird, kann ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Das gilt besonders für Risikogruppen, bei denen der Körper durch Grunderkrankungen oder Medikamenteneinnahme nicht genug Magnesium aus Lebensmitteln verwertet. Ohne festgestellten Mangel sollten Nahrungsergänzungsmittel allerdings nicht eingenommen werden, da es zu einer Überdosierung kommen kann. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollte eine Tagesdosis bei Nahrungsergänzungsmitteln maximal 250 Milligramm Magnesium enthalten. Der DGE zufolge kann bereits eine zusätzliche Menge von 300 Milligramm Magnesium Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

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