Die Meningokokken-Meningitis ist eine ansteckende Erkrankung, die die Hirnhäute befällt und potenziell lebensbedrohlich ist. Die Fallzahlen sind seit einigen Jahren deutlich rückläufig. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention von Meningitis, insbesondere im Zusammenhang mit Hautausschlag.
Was ist Meningitis?
Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen), die das zentrale Nervensystem umgeben. Diese Entzündung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wobei Viren und Bakterien die häufigsten Auslöser sind. In einigen Fällen kann die Entzündung auch das Gehirn selbst betreffen, was zu einer Meningoenzephalitis führt.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, vom Säugling bis zum älteren Erwachsenen. Dank Impfungen ist die Zahl der Erkrankungen durch bestimmte Bakterien wie Haemophilus influenzae und Meningokokken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen.
Ursachen einer Meningitis
Die Auslöser der Meningitis sind vielfältig. Bakterien und Viren sind die häufigsten Ursachen, aber auch Pilze, Parasiten, Autoimmunerkrankungen, Medikamente oder Krebserkrankungen können eine Meningitis verursachen.
Bakterielle Meningitis
Eine bakterielle Meningitis ist eine ernstzunehmende, gefährliche Erkrankung. Die bakterielle Hirnhautentzündung muss durch die Nähe zum Gehirn zunächst immer als lebensbedrohlich eingeschätzt werden. Mögliche Erreger sind:
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- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Vorausgehen kann eine Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, wie eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung.
- Meningokokken (Neisseria meningitidis): Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Menschen mit einer Meningokokken-Meningitis müssen deshalb schnell isoliert werden. Es gibt insgesamt 13 verschiedenen Subtypen (Serogruppen). Sechs davon sind bekannt dafür, schwere Erkrankungen zu verursachen (Gruppen A, B, C, W, X und Y). Meistens wird eine Meningitis durch die Serogruppen B (65-70 %) gefolgt von C (20-25 %) verursacht.
- Streptokokken
- E. Coli
- Salmonellen
- Listerien: Diese Bakterien kommen in tierischen Produkten wie Fleischerzeugnissen, Fisch, Milch und Milchprodukten wie Käse vor.
Virale Meningitis
Die virale Meningitis kann ausgelöst werden durch:
- Enteroviren: Sie sind die häufigste Ursache für virale Hirnhautentzündungen.
- Herpesviren: Insbesondere das Herpes-simplex-Virus (HSV) und das Varizella-Zoster-Virus (der Erreger von Windpocken und Gürtelrose) können eine schwere Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns) verursachen.
- Mumps und Masern
- Flaviviren (eher unwahrscheinlich in Europa)
- FSME-Virus: Das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus wird durch Zeckenstiche übertragen.
- HIV (zu Beginn der Infektion, eher selten)
Weitere Ursachen
Seltener kann eine Hirnhautentzündung auch durch Pilzinfektionen verursacht werden, vor allem bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem. Kann kein Erreger nachgewiesen werden, oder geht die Meningitis nach der Infektion in eine chronische Hirnhautentzündung über, spricht man von einer aseptischen Meningitis.
Symptome einer Meningitis
Die Anzeichen einer Meningitis können sich schnell entwickeln. Typische Symptome sind:
- Starke Kopfschmerzen
- Hohes Fieber
- Nackensteifigkeit (Meningismus): Bei der Nackensteifigkeit kann der Nacken kaum oder nur unter starken Schmerzen auf die Brust gelegt werden.
- Bewusstseinsstörungen: Von leichter Verwirrtheit bis zum Koma.
- Übelkeit und Erbrechen
- Starke Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Lichtscheu)
- Epileptische Anfälle
Allerdings treten nicht immer alle Symptome gemeinsam auf.
Hautausschlag bei Meningitis
Ein Warnsignal für eine durch Meningokokken verursachte Meningitis ist ein typischer Hautausschlag, der als kleine, rote oder violette Flecken (Petechien) beginnt. Sie können sich zu größeren Einblutungen entwickeln (Purpura fulminans) und deuten darauf hin, dass die Blutgerinnung durch die Infektion gestört ist. Das kann Zeichen einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) sein. Septische Hauteinblutungen können überall am Körper beginnen und sich rasch zu frisch aussehenden Hämatomen (blauen Flecken) ausweiten. Die Haut und die Gliedmaßen (Füße und Zehen, Hände und Finger) sind besonders anfällig für eine Meningokokken-Blutvergiftung.
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Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern
Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft untypisch. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Blässe
- Fieber
- Schlappheit
- Schrilles Schreien
- Reizbarkeit
- Berührungsempfindlichkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Krampfanfälle
Die Fontanelle (Knochenlücke am kindlichen Schädel, die von weichem Bindegewebe überdeckt ist) kann sich bei einer Meningitis leicht nach außen wölben oder hart werden, während sie bei gesunden Kindern eher nach innen gewölbt ist.
Inkubationszeit und Ansteckungsgefahr
Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen der Infektion und dem Auftreten von Symptomen, variiert je nach Ursache der Meningitis.
- Bakterielle Meningitis: Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Tage, in seltenen Fällen bis zu zehn Tage. Diese Form der Meningitis kann ansteckend sein. Bei Meningokokken besteht bis zu sieben Tage vor Einsetzen der ersten Krankheitssymptome Ansteckungsgefahr. Wird eine Behandlung mit Antibiotika begonnen und schlägt an, sind die Betroffenen in der Regel 24 Stunden später nicht mehr infektiös.
- Virale Meningitis: Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und 14 Tagen. Zwar werden die Viren durch Tröpfchen- oder Schmierinfektionen an andere Menschen übertragen, die Wahrscheinlichkeit, dass diese anschließend ebenfalls eine Meningitis entwickeln, ist jedoch gering.
Diagnose einer Meningitis
Um eine Meningitis schnell und sicher festzustellen, sind verschiedene Untersuchungen notwendig.
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Zunächst werden die Patient*innen zu Dauer und Ausprägung der Symptome sowie zu möglichen Kontakten zu erkrankten Personen befragt. Ergänzt wird die Anamnese durch eine gründliche körperliche Untersuchung. Es ist wichtig, die erkrankte Person auszuziehen und auf einem Ausschlag hin zu untersuchen. Ein Zeichen für eine Meningitis ist die Nackensteifigkeit. Bei der körperlichen Untersuchung werden spezielle Techniken eingesetzt, die unter anderem dem Nachweis einer Meningitis dienen:
- Lasègue-Zeichen: Bei diesem Test liegt die betroffene Person auf dem Rücken. Eine medizinische Fachkraft hebt ein Bein der Patientin oder des Patienten an und beugt es in der Hüfte. Kommt es dabei zu Dehnungsschmerzen im Rücken, Gesäß oder Bein, gilt der Test als positiv.
- Brudzinski-Zeichen: Hierbei wird der Kopf der auf dem Rücken liegenden Person passiv nach vorn gebeugt. Lässt sich dadurch eine reflexhafte Bewegung von Knie- und Hüftgelenk auslösen, wird dies als positives Testergebnis gewertet.
- Kernig-Zeichen: Die betroffene Person liegt flach auf dem Rücken. Eine zweite Person beugt daraufhin ein Bein der betroffenen Person, sodass 90-Grad-Winkel in Hüft- und Kniegelenk entstehen. Dann versucht sie, das Kniegelenk bei gebeugter Hüfte zu strecken.
- Blutuntersuchung: Es wird Blut abgenommen und unter anderem auf Entzündungswerte und mögliche Erreger untersucht. Der Befund von Meningokokken im Blut bestätigt die Diagnose ebenfalls.
- Lumbalpunktion (Nervenwasserentnahme): Im Krankenhaus wird eine Entnahme des Liquors (Lumbalpunktion) durchgeführt - also der Flüssigkeit, die sich rund um das Rückenmark und das Gehirn befindet. Bei Verdacht auf einen hohen Hirndruck werden die Ärzt*innen von einer solchen Untersuchung absehen. Der Fund von weißen Blutkörperchen und Meningokokken im Liquor bestätigt die Diagnose. Es wird zudem Blut abgenommen, um eine Bakterienkultur anzulegen.
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen kann auch ein CT oder MRT erforderlich sein, um einen erhöhten Druck im Gehirn auszuschließen.
Behandlung einer Meningitis
Die Therapie hängt entscheidend vom Erreger ab. Es ist wichtig, die Behandlung im Krankenhaus so schnell wie möglich zu beginnen, um eine Verschlechterung des Zustandes bis hin zum Kreislaufversagen zu verhindern.
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Behandlung der bakteriellen Meningitis
Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf eine bakterielle Meningitis werden sofort im Krankenhaus, meist auf einer Intensivstation, aufgenommen.
- Antibiotikatherapie: Eine unverzügliche hochdosierte Antibiotikagabe über die Vene ist standardmäßig vorgesehen. Die Wahl der Antibiotika ist zunächst breit angelegt, um alle Erreger abzudecken, die eine Meningitis auslösen können. Sobald festgestellt worden ist, welcher Erreger für die Krankheit verantwortlich ist, wird die Behandlung gegebenenfalls angepasst und auf ein Antibiotikum reduziert. Die Antibiotikabehandlung dauert insgesamt rund sieben Tage.
- Kortison: Zusätzlich wird oft ein Kortisonpräparat gegeben. Es kann bei Pneumokokken-Meningitis die Sterblichkeit und bei einer Meningokokken-Meningitis das Risiko für Folgeschäden wie einen Hörverlust senken.
- Behandlung von Komplikationen: Zudem müssen mögliche Komplikationen wie Schock oder erhöhter Hirndruck erkannt und frühzeitig behandelt werden. Oft geschieht dies auf einer Intensivstation, da die Patient*innen dort besser überwacht werden, und im Notfall schnell eingegriffen werden kann.
Behandlung der viralen Meningitis
Die meisten viralen Hirnhautentzündungen werden symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt. Eine wichtige Ausnahme ist die durch Herpesviren (Herpes-simplex-Virus, Varizella-Zoster-Virus) verursachte Enzephalitis. Hier ist eine sofortige intravenöse Therapie mit dem antiviralen Medikament Aciclovir lebensrettend und muss bereits bei Verdacht begonnen werden.
Isolierung und Kontaktpersonen
Die Erkrankten sind bis zu 7 Tage vor Beginn der Symptome und bis 24 Stunden nach Beginn einer erfolgreichen Therapie mit Antibiotika ansteckend. Die Patient*innen werden für 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie isoliert.
Kontaktpersonen aus dem näheren sozialen Umfeld werden untersucht und behandelt, wenn sie engen Kontakt zu der erkrankten Person hatten. Es ist üblich, den engen Kontaktpersonen eine einmalige Antibiotikagabe oder eine Impfung gegen Meningokokken anzubieten. 24 Stunden nach der Antibiotikaeinnahme gelten Kontaktpersonen nicht mehr als ansteckend.
Komplikationen und Langzeitfolgen
Eine ausgeprägte Meningokokken-Erkrankung kann lebensbedrohliche Komplikationen verursachen, vor allem Schock (septischer Schock) und ausgeprägte Haut- oder Organblutungen, zum Beispiel in den Nebennieren. Dies kann wiederum dazu führen, dass andere Organe schlechter durchblutet werden und es zu einem Multiorganversagen kommt. In diesem Fall ist eine Behandlung auf einer Intensivstation unumgänglich. Eine weitere mögliche Komplikation ist die Entstehung eines Hirnödems, bei dem das Gehirn anschwillt und der Druck innerhalb des Schädels infolgedessen gefährlich ansteigen kann. Zudem können Krampfanfälle auftreten.
Neurologische Spätfolgen treten bei 10-40 % der Patient*innen auf. Beispiele für mögliche Folgeschäden sind Epilepsie, Hörschäden, vermindertes Seh- und Geruchsvermögen und bei Kindern verzögerte Sprach- und Intelligenzentwicklung.
Prävention: Impfung und Hygienemaßnahmen
Impfung
Man kann Meningokokken anhand ihrer Oberflächenproteine in Gruppen, die sogenannten Serogruppen, einteilen. In Deutschland wird die Meningokokken-Meningitis am häufigsten durch die Serogruppen B und C verursacht.
Es existiert eine Impfung gegen die Serogruppe C. Diese wird für Kinder im Alter von 12 bis 14 Monaten von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Wurde die Impfung noch nicht bis zum 18. Geburtstag durchgeführt, wird eine Nachholimpfung angeraten.
Auch für die Serogruppen A, W, Y und B sind Impfungen verfügbar, die nicht standardmäßig geimpft werden. Gegen die Serogruppen ACWY und/oder B werden z. B. geimpft:
- Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche
- Reisende in Gebiete mit erhöhtem Vorkommen von Meningokokken-Erkrankungen oder bei Impfempfehlung des Aufenthaltslands, z. B. bestimmte Gegenden Afrikas, Mekka, USA/Kanada/Australien (relevant für Schüler- und Studentenaustausch)
- Menschen in engem Kontakt zu erkrankten Personen (zusätzlich zur Gabe von Antibiotika).
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung für die Sechsfachimpfung im Säuglingsalter aktualisiert und empfiehlt statt dem bisherigen 3+1-Impfschema das reduzierte „2+1-Impfschema". Das heißt, für die Grundimmunisierung soll nur noch zweimal statt dreimal geimpft werden.
Hygienemaßnahmen
Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis ist eine Krankenhauseinweisung dringend zu empfehlen.
Bei Tätigkeit oder Besuch in Kindergärten, Schulen, Heimen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen dürfen Personen, die potenziell ansteckend sein könnten (siehe Artikel Infektiöse Meningitis - enge Kontaktpersonen), erst wieder arbeiten bzw.
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