MS-Maser-Komplikationen: Eine umfassende Betrachtung

Masern, einst eine der am meisten gefürchteten und tödlichsten Seuchen weltweit, sind dank der Impfung in den Hintergrund getreten. Doch in jüngster Zeit breiten sich die Viren auch in Deutschland wieder aus, was auf Impfmüdigkeit und Fehlinformationen zurückzuführen ist. Nachrichten über Masern-Ausbrüche in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen haben die Diskussion um die "Spätfolgen der Impfangst" neu entfacht.

Die Bedrohung der Maserninfektion

Eine Maserninfektion birgt vor allem für Kleinkinder ein hohes Risiko für tödliche Komplikationen. Wissenschaftler der Universität Würzburg und des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim haben dies in einer Studie verdeutlicht. Während früher angenommen wurde, dass eine spezielle Spätkomplikation der Masern in einem von 100.000 Fällen auftritt, berechneten sie das durchschnittliche Risiko für Kinder unter fünf Jahren auf einen Wert von 1 zu 3300. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie in der Fachzeitschrift PLOS One.

SSPE: Die gefürchtete Spätkomplikation

Die Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ist eine gefürchtete Spätkomplikation einer Maserninfektion, eine Entzündung des Gehirns. Benedikt Weißbrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und einer der Koordinatoren der Studie, beschreibt die SSPE wie folgt: "Die SSPE betrifft vor allem Kinder und tritt in der Regel erst mehrere Jahre nach der akuten Masern-Erkrankung auf. Sie führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten und endet im Wachkoma, in dem die Betroffenen nach wenigen Monaten oder auch Jahren versterben. Eine Behandlung der SSPE ist nicht möglich."

In älteren Studien wurde das Risiko für das Auftreten einer SSPE nach einer akuten Masernerkrankung mit 1 zu 100.000 angegeben. Neuere Studien aus Großbritannien und den USA legten jedoch nahe, dass das Risiko deutlich größer ist. Möglicherweise ist das Risiko im Laufe der Zeit gestiegen, oder die Fallzahlen von sehr jungen Kindern wurden nicht richtig erfasst. Die Berechnung des SSPE-Risikos ist schwierig, da zwischen der akuten Maserninfektion und der SSPE-Erkrankung viele Jahre vergehen können.

Forschungsergebnisse aus Deutschland

Für Deutschland gab es bisher keine ausreichenden Daten zum SSPE-Risiko. Das Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führten daher eine gemeinsame Studie durch. Die Forscher erfassten SSPE-Fälle bei Kindern, die im Zeitraum zwischen 2003 und 2009 in deutschen Kliniken behandelt worden waren. Als Datenquelle dienten die an der Universität Würzburg diagnostizierten SSPE-Fälle sowie die "Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Infektionen in Deutschland" (ESPED). Insgesamt konnten die Forscher 31 Kinder mit der Diagnose SSPE ermitteln.

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Um das SSPE-Risiko berechnen zu können, mussten die Forscher herausfinden, wann und wo diese Kinder an Masern erkrankt waren. Für 13 Kinder konnte angenommen werden, dass im Zeitraum von 1994 bis 2001 eine Maserninfektion in Deutschland stattgefunden hatte. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre. Die Gesamtzahl der Masern-Erkrankungen in diesem Zeitraum wurde aus der Krankenhausstatistik für die betroffene Altersgruppe auf 42.600 geschätzt. Daraus ergab sich ein SSPE-Risiko von 1 zu 3.300 nach Masernvirus-Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren.

Fatale Konsequenzen für das erste Lebensjahr

Die Studie liefert zum ersten Mal Daten zur Häufigkeit von SSPE-Fällen in Deutschland und zeigt, dass das Risiko einer SSPE bei Maserninfektionen in den ersten Lebensjahren beträchtlich und keinesfalls zu vernachlässigen ist. Das berechnete Durchschnittsrisiko von 1 zu 3.300 für die Altersgruppe unter fünf Jahren ist für Kinder im ersten Lebensjahr wahrscheinlich deutlich höher und für Kinder im fünften Lebensjahr entsprechend niedriger.

Die Masern-Impfung schützt vor SSPE, wird aber erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat durchgeführt. Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, können somit nicht durch eine Masern-Impfung vor der SSPE geschützt werden. Daher appellieren Experten dringend an alle Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Nur wenn so viele Menschen wie möglich gegen Masern immun sind, ist es möglich, die Krankheit zu eliminieren und damit Kinder im ersten Lebensjahr vor einer schrecklichen Krankheit zu schützen.

Aktuelle Meldedaten mit bisher schon mehr als 1000 Masernfällen im Jahr 2013 zeigten jedoch, dass Deutschland davon noch weit entfernt ist. Die Zahl der Masernfälle in der Europäischen Region ist im Jahr 2024 auf 127.350 gestiegen, doppelt so viel wie im Jahr 2023 und die höchste Zahl seit 1997. Über 40 Prozent der gemeldeten Masern-Fälle betrafen Kinder unter fünf Jahren, und in mehr als der Hälfte dieser Meldungen war ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Masern: Eine hochansteckende Krankheit mit potenziell schwerwiegenden Folgen

Masern sind eine Virusinfektion, an der jährlich weltweit immer noch mehr als 100.000 Kinder sterben. Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Todesfällen durch Masern. Diese sind zum einen auf Komplikationen der Masern-Infektion zurückzuführen, die während der akuten Erkrankung auftreten, wie beispielsweise Gehirn- und Lungenentzündungen. Zum anderen verursacht das Masernvirus als Spätkomplikation die oben geschilderte Gehirnentzündung SSPE, die nahezu immer tödlich verläuft.

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Die Masern sind nicht nur hoch ansteckend, sie können auch zu verschiedenen, teils schwerwiegenden Komplikationen führen. Daher ist die Masernimpfung für Kinder und bestimmte Personengruppen Pflicht.

Übertragung und Verlauf

Das Masernvirus wird durch Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Dies geschieht durch Speicheltröpfchen, die sich über die Luft von Mensch zu Mensch verbreiten. Nach der Ansteckung mit dem Masernvirus dauert es ein bis drei Wochen, bis die Erkrankung ausbricht.

Masern beginnen in der Regel mit Fieber, Entzündungen der Bindehaut, Schnupfen, Husten und Kopfschmerzen. Zwei bis vier Tage nach den ersten Anzeichen verschlechtert sich der Zustand: Das Fieber steigt weiter an, und es entwickelt sich der typische bräunlich-rosafarbene Hautausschlag. Der Ausschlag bleibt in der Regel drei bis vier Tage bestehen. Während der akuten Erkrankungsphase ist es entscheidend, dass Betroffene im Bett bleiben und isoliert werden, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Sobald der Hautausschlag abgeklungen ist, gilt die Masernerkrankung als überstanden.

Komplikationen und Risikogruppen

Masern schwächen vorübergehend das Immunsystem und erhöhen somit die Anfälligkeit für weitere Infektionen. In Deutschland sterben laut Todesursachenstatistik jährlich etwa drei bis sieben Personen aufgrund der Masern. Etwa eine von 1.000 an Masern erkrankten Personen erleidet eine Gehirnentzündung.

Das Risiko für schwerwiegende Komplikationen durch Masern ist besonders hoch bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen über 20 Jahren. Für Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche kann die Erkrankung besonders schwer verlaufen und in einigen Fällen sogar tödlich enden.

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Die Bedeutung der Impfung

Die Masern-Impfung ist der wirksamste Schutz vor einer hochansteckenden und potenziell gefährlichen Krankheit. Die erste Dosis sollte im Alter von elf Monaten, die zweite mit 15 Monaten verabreicht werden - mit einem Mindestabstand von vier Wochen zwischen den beiden Impfungen. In bestimmten Fällen, etwa vor dem Eintritt in eine Kita oder nach Kontakt zu einer infizierten Person, kann die erste Impfung bereits ab dem neunten Lebensmonat erfolgen. Wurde eine oder wurden beide Impfungen versäumt, sollte die Impfung so bald wie möglich nachgeholt werden - unabhängig vom Alter.

Seit dem 1. März 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Auch Erwachsene, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen arbeiten - wie Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte oder medizinisches Personal (geboren nach 1970) - sind zur Impfung verpflichtet. Der Nachweis erfolgt durch den Impfausweis, das gelbe Kinderuntersuchungsheft oder ein ärztliches Attest (etwa nach überstandener Erkrankung).

Nebenwirkungen der Impfung

Wie bei jeder Impfung können auch nach der Masern-Impfung Nebenwirkungen auftreten. Bei rund fünf Prozent der Geimpften kann nach etwa einer Woche ein nicht ansteckender Hautausschlag ("Impfmasern") auftreten. Die meisten dieser Reaktionen treten meist nur nach der ersten Impfung auf. Schwere Nebenwirkungen sind selten.

Impfmüdigkeit und Fehlinformationen

Laut WHO gehört mangelnde Impfbereitschaft zu den zehn größten Gesundheitsgefahren der Welt. Demnach könnten jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle durch Impfungen verhindert werden. Allein 1,5 Millionen könnten hinzukommen, wenn sich mehr Menschen impfen ließen.

Eine weit verbreitete Theorie, die gegen den Impfschutz sprechen soll, ist etwa diese: Impfgegner behaupten, dass die standardisierte MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) bei Kindern zu gefährlichen Nebenwirkungen bis hin zu Autismus führen könne. Für diese Theorie gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise.

Tatsächlich bekommt der Nachwuchs im Mutterleib über den Blutkreislauf bereits Antikörper gegen Masern. Später erhält er diese ebenso über die Muttermilch. Damit das Baby Antikörper von der Mutter bekommt, muss die Mutter diese aber über eine Infektion gebildet haben oder selbst gegen Masern geimpft sein. Zudem reicht der "natürliche Impfschutz" laut Robert Koch-Institut nicht aus.

Masern und Multiple Sklerose (MS)

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer Maserninfektion und der Entstehung der Multiplen Sklerose besteht nach heutiger Kenntnis nicht. Umgekehrt jedoch können Masern-Infektionen Schübe und Pseudoschübe hervorrufen.

Für MS-Patienten unter einer Immuntherapie wird die MMR-Impfung - wie andere Lebendimpfungen auch - als kontraindiziert angesehen. Wer also - unter den nach 19070 Geborenen) - in seinem Impfpass nur eine oder gar keine Impfung verzeichnet findet und auch nicht an Masern erkrankt war (überprüfbar mit einem Bluttest), sollte diese Impfung(en) nachholen, sofern er keine Immuntherapie macht.

Im Fall einer Masernexposition kann bei empfänglichen Patienten ohne ausreichenden Schutz schnellstmöglich (innerhalb von 2-6 Tagen) eine "passive Immunisierung" mit Human-Immunglobulin erfolgen.

Schlussfolgerung

Masern sind eine ernstzunehmende Krankheit, die potenziell schwerwiegende Komplikationen verursachen kann. Die Impfung ist der wirksamste Schutz vor Masern und sollte von allen Personen, für die sie empfohlen wird, in Anspruch genommen werden. Es ist wichtig, sich umfassend über die Masern und die Impfung zu informieren und sich nicht von Fehlinformationen verunsichern zu lassen. Nur durch eine hohe Impfquote kann die Krankheit in Deutschland und weltweit ausgerottet werden.

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