Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden. Etwa ein Prozent aller Hunde leidet darunter. Die Diagnose ist oft ein Schock für Hundehalter, da eine genetisch bedingte Epilepsie nicht heilbar ist. Während die Behandlung in der Vergangenheit hauptsächlich auf Medikamenten basierte, rückt die Rolle der Ernährung bei Hunden mit Epilepsie zunehmend in den Fokus der Forschung.
Die Bedeutung der Ernährung bei Epilepsie
Die Ernährung spielt eine wichtigere Rolle als bisher angenommen. Eine ausgewogene und auf die speziellen Bedürfnisse des Hundes abgestimmte Ernährung kann das Wohlbefinden des Vierbeiners wesentlich verbessern. Insbesondere das Verhältnis von Protein, Fett und Kohlenhydraten ist entscheidend. Futterergänzungen wie MCT-Öle und Omega-3-Fettsäuren können die physiologische Funktion des Nervensystems unterstützen.
MCT-Öl: Ein vielversprechendes Supplement
Der deutsche Tierarzt und Veterinärneurologe Dr. Dr. Benjamin-Andreas Berk aus Mannheim hat gemeinsam mit Kollegen in einer Studie belegt, dass mittelkettige Fettsäuren (MCT), die unter anderem in Kokosöl enthalten sind, die Häufigkeit epileptischer Anfälle reduzieren können. Zudem können Anfälle weniger stark ausfallen oder begleitende Verhaltensveränderungen weniger ausgeprägt sein.
MCT-Öl besteht ausschließlich aus mittelkettigen Fettsäuren (medium-chain triglycerides), die in hohem Maße in Kokos- oder Palmöl vorkommen. In Verbindung mit einer stark kohlenhydratreduzierten Ernährung, der sogenannten ketogenen Diät (bzw. ketotischen Fütterungsweise beim Hund), wirken sich diese Fettsäuren positiv auf den Stoffwechsel aus und können so epileptische Anfälle deutlich reduzieren oder sogar ganz verhindern.
Studienergebnisse zu MCT-Öl
In einer Studie mit 36 Hunden, die trotz Medikamente noch immer unter mindestens einem Anfall im Monat litten, wurde die Wirkung einer dreimonatigen Fütterung mit reinem MCT-Öl als tägliche Zugabe im Vergleich zu einem durchschnittlichen Kontroll-Öl getestet. Das Ergebnis war erstaunlich: Über 75 Prozent der Hunde reagierten positiv auf das MCT-Öl. Sie hatten weniger Anfälle, die Anfälle fielen weniger schwer aus und die Hunde steckten die Nebenwirkungen der Medikamente besser weg. Auch im Verhalten zeigten sich positive Veränderungen, wie weniger Angst oder gesteigerte geistige Fitness. Und das alles ohne Nebenwirkungen.
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Dosierung von MCT-Öl
Die Dosierung von MCT-Öl sollte individuell auf jeden Hund abgestimmt werden und immer in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen. Es ist wichtig, das MCT-Öl nicht ohne tierärztliche Beratung über das Futter zu geben. Denn vieles von dem, was in Internetforen propagiert wird, ist wissenschaftlich nicht belegt.
napfcheck MCT-Öl ist speziell für Hunde und Katzen entwickelt worden. Es enthält die mittelkettigen Fettsäuren C8 und C10, die bei Epileptikern und Senioren als alternative Energiequelle fürs Gehirn empfohlen werden. Das MCT-Öl sollte am besten in Keramik-, Glas- oder Plastikgefäßen verabreicht werden, da Metallnäpfe den Geschmack beeinflussen können.
Weitere Ernährungsempfehlungen für epileptische Hunde
Neben der Gabe von MCT-Öl gibt es weitere wichtige Aspekte bei der Ernährung von Hunden mit Epilepsie:
- Ausgewogene Ernährung: Epileptische Hunde profitieren von einer ausgewogenen und gut auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmten Ernährung. Das Verhältnis von Protein, Fett und Kohlenhydraten ist dabei entscheidend.
- Kohlenhydratarme Ernährung: Eine kohlenhydratarme und gleichzeitig fettreiche Ernährung kann sich positiv auf Anfallshäufigkeit und Anfallsintensität auswirken.
- Rohfütterung (Barfen): Die Rohfütterung bietet generell eine gute Ausgangsbasis im Sinne des Ketogenen oder Ketotischen, weil sie fleischdominiert ist und wenig Kohlenhydrate enthält. Allerdings ist es wichtig, dass alle Zutaten genauestens aufeinander abgestimmt sind, um sicherzustellen, dass der Hund alle benötigten Vitamine, Mineralien und Aminosäuren erhält.
- Vermeidung von schädlichen Zusätzen: Es ist wichtig, auf die Qualität des Futters zu achten und Futtersorten zu vermeiden, die nicht ausreichend deklariert sind oder schädliche Zusätze enthalten.
Futterplan für epileptische Hunde
Futtermedicus hat basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen ein spezielles Rezept für epileptische Hunde entwickelt, das selbst zubereitet werden kann. Dabei ist es wichtig, das Futter genau nach den angegebenen Mengen und Zutaten zuzubereiten und parallel keine zusätzlichen Leckerli, Kauartikel oder andere Extras zu füttern. Es ist zu beachten, dass dieses Rezept keine tierärztliche Behandlung ersetzen kann und eine regelmäßige Betreuung durch den Tierarzt oder Neurologen unbedingt notwendig ist. Der Tierarzt sollte informiert werden, wenn die Ernährung des Hundes auf dieses Rezept umgestellt wird.
Alternative Ergänzungsmittel
Neben MCT-Öl gibt es auch andere alternative Ergänzungsmittel, die von Hundehaltern bei Epilepsie eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Mariendistel, Baldrian, Kurkuma, Grüner Tee, Knoblauch und spezielle chinesische Kräutermischungen. Für diese Produkte gibt es jedoch keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis beim Epileptiker.
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CBD-Öl wird ebenfalls von einigen Hundehaltern eingesetzt. Aktuell wartet Dr. Berk noch auf die Auswertung einer Studie aus Colorado, bei der festgestellt wurde, dass die Anfälle unter CBD-Öl weniger wurden. Er plädiert allerdings dafür, es als letzte Karte einzusetzen, da noch nicht bekannt ist, welche Langzeitfolgen CBD-Öl hat. Außerdem wurde in manchen Studien auch schon belegt, dass CBD-Öl negative Auswirkungen auf die Medikamente hat.
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