Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der schätzungsweise acht bis zwölf Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Sie äußert sich durch verschiedene Symptome, darunter stechend pulsierende Kopfschmerzen, meist begleitet von Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Migräneattacken können mehrere Stunden oder sogar Tage dauern, wobei die Betroffenen oft stark geräusch- und lichtempfindlich sind. Bei etwa einem Viertel der Migränepatienten kündigen sich die Anfälle durch eine sogenannte Aura an, die mit Seh- und Sprachstörungen oder sogar Lähmungen einhergehen kann.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Trotz intensiver Forschung sind die genauen Ursachen für Migräne bisher nicht vollständig geklärt. Es steht jedoch fest, dass bestimmte Faktoren als Trigger wirken und eine Migräneattacke auslösen können. Zu diesen Triggern gehören Stress, Schlafmangel, Alkohol und bestimmte Lebensmittel.
Diagnose von Migräne
Die Symptome von Migräne werden von vielen Ärzten immer noch nicht richtig erkannt und diagnostiziert. Um eine korrekte Diagnose zu stellen, ist es wichtig, den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Schmerzmitteln und der Chronifizierung der Kopfschmerzen abzuklären. Dies geschieht mithilfe eines Kopfschmerzkalenders, den die Betroffenen führen, und einer neurologischen Untersuchung.
Behandlung von Migräne
Migräne lässt sich nicht heilen, da die Ursachen der Erkrankung noch immer rätselhaft sind. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmethoden, die Linderung versprechen und den Betroffenen helfen können, ihr Leiden in den Griff zu bekommen.
Medikamentöse Behandlung
Zur Akutbehandlung von Migräne werden Triptane eingesetzt. Die Forschung hat jedoch beobachtet, dass es bei der Einnahme von Triptanen schneller und häufiger zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH) kommt als bei der Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen. Opiathaltige Schmerzmittel sind aufgrund ihres zusätzlichen Abhängigkeitspotenzials besonders problematisch.
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Wenn ein MOH diagnostiziert wird, lässt er sich behandeln, sodass die Krankheitslast und der Schmerzmittelverbrauch reduziert werden können. Die Erfolgsrate der Therapie beträgt nach einem halben bis zu einem Jahr etwa 50 bis 70 Prozent. Zunächst müssen die Schmerzmittel reduziert oder ganz abgesetzt und gleichzeitig eine passende Kopfschmerz-Prävention durchgeführt werden. Dafür werden wiederum andere Wirkstoffe eingesetzt. Je nach Fall kann dies sowohl ambulant als auch stationär stattfinden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Zusätzlich zur medikamentösen Prophylaxe empfehlen die Fachleute auch nicht-medikamentöse Präventivmaßnahmen. Dazu gehören Physio- und Verhaltenstherapie, Entspannungsübungen, Biofeedback und Ausdauersport. Wichtigster Gedanke dabei: Selbst aktiv sein im Umgang mit der Erkrankung.
Aktuelle Erkenntnisse und Studien
Sexuelle Aktivität als Mittel gegen Kopfschmerzen
Im Rahmen einer Studie, die an der Uni Münster durchgeführt wurde, fand eine Doktorandin heraus, dass sexuelle Aktivität gegen Kopfschmerzen helfen kann - zumindest bei bestimmten Migränepatienten.
Auswirkungen von Doppelimpfungen auf Impfreaktionen
Wer sich gleichzeitig gegen Grippe und gegen Corona impfen lässt, muss mit etwas stärkeren Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit rechnen, als Menschen, die nur einen Booster gegen Corona bekommen. Das geht aus Daten hervor, die die US-Gesundheitsbehörde CDC im Fachblatt JAMA Network Open veröffentlicht hat. Die Daten basieren auf Auswertungen der US-amerikanischen V-Safe-App, bei der Geimpfte über ihr Smartphone Reaktionen auf die Coronaimpfung mitteilen konnten.
Zwischen dem 22. September 2021 und dem 1. Mai 2022 machten darüber 981.099 Personen Angaben zu ihrer Gesundheit nach einer Impfung. Rund 9,4 Prozent davon (über 92.000 Personen) gaben an, gleichzeitig die Booster-Impfung gegen Corona und eine Grippe-Impfung erhalten zu haben. Systemische Reaktionen wurden von acht bis elf Prozent der Personen berichtet, die die Doppelimpfung bekamen. Sie traten bei 58,9 Prozent derjenigen auf, die mit Biontech/Pfizer geimpft wurden, und bei 68,6 Prozent derjenigen, die Moderna bekamen. Das entspricht aber weitgehend den gleichen Werten wie beim Corona-Booster ohne Grippe-Impfung. Lediglich in der Modernagruppe mit Grippeimpfung war dieser Anteil je nach Symptom um ein bis zwei Prozent erhöht. Die meisten dieser Reaktionen stufen die Autoren der Studie allerdings als mild ein. Am häufigsten traten Fatigue, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf.
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Die ständige Impfkommission in Deutschland, die für Risikogruppen eine Doppel-Auffrischung gegen Grippe und Corona empfiehlt, hatte bereits 2021 durch unveröffentlichte Daten aus Großbritannien im Blick, dass die Dopplung zu etwas stärkeren Impfreaktionen führt. Sie bleibt dennoch bei der Empfehlung.
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH)
Ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH) entsteht durch die häufige Einnahme von Schmerzmitteln. Als besonders problematisch gelten opiathaltige Schmerzmittel wegen eines zusätzlichen Abhängigkeitspotenzials. Neben der Art des Schmerzmittels gibt es noch weitere Risikofaktoren. Die Fachleute betonen ausdrücklich, dass es wichtig sei, den Betroffenen nicht die "Schuld" an der Erkrankung zu geben.
Leben mit Migräne
Migräne hat viele Gesichter und beeinträchtigt das Leben der Betroffenen oft stark. Arbeiten mit einem Migräneanfall ist so gut wie unmöglich. Veronika Bäcker aus Landau leidet seit 40 Jahren an chronischer Migräne, kann ihren Beruf nicht mehr ausüben und hat mittlerweile einen Schwerbehindertenausweis. Migräneattacken hat sie zwar bis heute, aber sie weiß nun besser damit umzugehen.
Es ist wichtig, dass Migränepatienten selbst aktiv werden im Umgang mit ihrer Erkrankung. Dazu gehört, die eigenen Trigger zu kennen und zu vermeiden, regelmäßige Entspannungsübungen zu machen und sich ausreichend zu bewegen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein.
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