Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das viele Ursachen haben kann. Eine besondere Form sind Nervenschmerzen, die durch Schädigungen oder Reizungen von Nerven verursacht werden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Medikamente, die bei Nervenschmerzen im Rücken eingesetzt werden können, sowie über alternative Behandlungsmethoden und wichtige Aspekte im Umgang mit dieser Schmerzart.
Bewegung statt Schonung: Der erste Schritt zur Linderung
Bei Rückenschmerzen ist es wichtig, aktiv zu bleiben und sich zu bewegen, anstatt sich zu schonen. Ruhe und eine unbewusste Schonhaltung können die Beschwerden sogar verstärken. Wenn die Schmerzen jedoch so stark sind, dass jede körperliche Aktivität vermieden wird, kann die Einnahme von Schmerzmitteln sinnvoll sein, um den Teufelskreis aus Schmerz und Bewegungslosigkeit zu durchbrechen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Medikamente lediglich die Symptome lindern und nicht die Ursache der Schmerzen beseitigen.
Medikamentöse Therapie: Welche Optionen gibt es?
Schmerzmittel, auch Analgetika genannt, unterscheiden sich in ihrer Wirkstärke, ihrem Wirkmechanismus, ihrer Wirkdauer und ihren Nebenwirkungen. Daher sollten sie immer so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingenommen werden. Eine längerfristige Einnahme sollte stets mit einem Arzt abgeklärt werden, um mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu vermeiden.
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei unspezifischen Rückenschmerzen, bei denen die Ursache nicht eindeutig erkennbar ist, werden häufig NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen empfohlen. Diese Wirkstoffe wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend und eignen sich besonders gut, wenn entzündliche Prozesse den Schmerz auslösen.
- Ibuprofen: Bis zu 1200 Milligramm täglich (bis 400 Milligramm-Tabletten ohne Rezept erhältlich)
- Diclofenac: Bis zu 100 Milligramm täglich (verschreibungspflichtig ab 25 Milligramm)
- Naproxen: Bis zu 750 Milligramm täglich, je nach Erkrankungsschwere (verschreibungspflichtig)
Mögliche Nebenwirkungen von NSAR betreffen vor allem Magen und Darm, wie Magenschmerzen, Übelkeit, Schleimhautreizungen bis hin zu Magen-Darm-Blutungen. Auch die Nierenfunktion kann beeinträchtigt werden. Zur Vorbeugung von Magenschleimhautschäden kann der Arzt zusätzlich ein Medikament verordnen, das die Magensäureproduktion hemmt.
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Opioide
Bei besonders starken Schmerzen, die sich dumpf, drückend und ziehend anfühlen, können Opioide zum Einsatz kommen. Bekannte Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind Morphin, Tramadol, Oxycodon und Hydromorphon. Opioide wirken vor allem schmerzhemmend und werden bei Rückenschmerzen oft in Kombination mit NSAR verschrieben.
Nebenwirkungen von Opioiden können Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit sein, die meist zu Therapiebeginn auftreten. Höhere Dosierungen können zur Verstopfung führen, die während der gesamten Einnahmedauer anhalten kann. Die Opioid-Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden, um eine Überdosierung zu vermeiden. Opioide gibt es auch als Pflaster, die in einer stabilen Schmerzsituation oder bei Schluckstörungen eingesetzt werden.
Opioide sollten nur ausnahmsweise zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben oder NSAR nicht infrage kommen.
Muskel-Entspanner (Muskelrelaxanzien)
Verkürzte oder verspannte Muskeln im Nacken- oder Schulterbereich sind oft Ursache für Rückenschmerzen. Hier können Muskel-Entspanner helfen, die an der Muskulatur und im zentralen Nervensystem wirken. Sie sollen nur kurzfristig bei starken akuten Schmerzen eingesetzt werden, wenn andere Medikamente oder Methoden nicht ausreichend wirken. Präparate zur Muskelentspannung können Müdigkeit oder Benommenheit zur Folge haben und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Antidepressiva
Sind auch die Nerven im Bereich der Wirbelsäule betroffen, können dumpfe, drückende und ziehende Beschwerden die Patienten quälen und ihnen den Schlaf rauben. In diesen Fällen können Antidepressiva in sehr niedriger Dosis zusätzlich zu anderen Schmerzmitteln eingesetzt werden. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung chronischer Schmerzen zugelassen. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören Übelkeit, Mundtrockenheit und Schwindel. Wegen potentieller Wechselwirkungen auf den Herzrhythmus sind regelmäßige EKG- und Laborkontrollen wichtig.
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Antiepileptika
Ursprünglich als Mittel gegen Krampfanfälle entwickelt, helfen Antiepileptika inzwischen auch gegen Nervenschmerzen, speziell wenn diese einschießend und elektrisierend sind oder Kribbelgefühle hervorrufen. Bei unspezifischen Kreuzschmerzen kommen sie nur im Einzelfall zum Einsatz.
Salben und Pflaster
Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR gibt es auch als Salbe und Wärme-Pflaster oder als Gel mit kühlendem Effekt. Ihre Wirksamkeit ist bei chronischen Schmerzen zwar nicht ausreichend wissenschaftlich belegt, dennoch empfinden viele Rückenschmerz-Patienten solche Präparate als angenehm. Da Cremes und Pflastern mit NSAR als Nebenwirkung allergische Reaktionen der Haut hervorrufen können, ist eine Langzeitanwendung nicht empfehlenswert.
Spezifische Rückenschmerzen: Wenn Krankheiten die Ursache sind
Gibt es eine bestimmte körperliche Ursache für die Rückenschmerzen, spricht man von spezifischen Rückenschmerzen. Das kann ein Bandscheibenvorfall sein, eine Skoliose, Abnutzung, Verletzungen, Entzündungen oder Krankheiten wie das ISG-Syndrom oder Morbus Bechterew. Häufig sind Leiden im Bereich der Lendenwirbelsäule, also dem unteren Rücken, weshalb sie als Kreuzschmerz empfunden werden. Rund ein Viertel davon haben ihre Ursache im Ischiasnerv und im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk.
Was hilft noch gegen Rückenschmerzen?
Neben der medikamentösen Therapie gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen, die bei Rückenschmerzen helfen können:
- Bewegung: Achten Sie darauf, aktiv zu bleiben und sich rückenfreundlich zu bewegen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen können helfen, die Muskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen.
- Ergonomie: Achten Sie auf eine rückenfreundliche Haltung im Alltag und am Arbeitsplatz.
- Entspannungstechniken: Stress kann Rückenschmerzen verstärken. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Wärme: Wärme kann bei Muskelverspannungen lindernd wirken.
- Alternative Therapien: Akupunktur, Chiropraktik oder Osteopathie können bei einigen Menschen ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
Nervenschmerzen im Rücken: Ursachen und Symptome
Nervenschmerzen im Rücken, auch neuropathische Schmerzen genannt, entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen im Nervensystem. Mögliche Ursachen sind:
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- Spinalkanalstenose: Verengung des Spinalkanals, die zu einer Quetschung der Nervenbahnen führt.
- Bandscheibenvorfall: Reizung der Nerven durch einen Bandscheibenvorfall.
- Gürtelrose (Herpes Zoster): Virusinfektion, die zu einer Schmerzentwicklung der Nervenbahnen führt.
- Vitamin B12-Mangel: Mangel an Vitamin B12, das für die Ummantelung der Nervenbahnen wichtig ist.
- Ischias-Syndrom: Einklemmung des Ischiasnervs durch einen verhärteten Muskel.
- Stress: Chronischer Stress kann ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
Typische Symptome von Nervenschmerzen im Rücken sind:
- Ziehende, brennende Schmerzen: Oft als sehr unangenehm beschrieben.
- Elektrische Ströme: Plötzliche, einschießende Schmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen.
- Taubheitsgefühle: In den betroffenen Bereichen kann es zu Taubheitsgefühlen kommen.
- Kribbeln: Ein störendes Kribbeln, als würden Ameisen über die Haut laufen.
- Überempfindlichkeit: Die Haut kann überempfindlich auf Berührungen reagieren.
Diagnose und Behandlung von Nervenschmerzen im Rücken
Die Diagnose von Nervenschmerzen im Rücken wird zunächst durch eine ausführliche Krankenbefragung und körperliche Untersuchung gestellt. In manchen Fällen ist ein MRT vom Rücken notwendig, um die Ursache der Schmerzen zu klären.
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Rücken zielt darauf ab, die Ursache der Beschwerden zu behandeln und die Schmerzen zu lindern. Neben den bereits genannten Medikamenten können auch folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur und Entlastung der Nerven.
- Operation: In manchen Fällen ist eine Operation notwendig, um die Ursache der Nervenschmerzen zu beseitigen, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose.
- Nerventoxische Substanzen vermeiden: Alkohol sollte vermieden werden, da er die Nerven schädigen kann.
- Pregabalin: Ein Medikament, das speziell gegen Nervenschmerzen entwickelt wurde und sehr erfolgreich eingesetzt werden kann.
- Carbamazepin: Ein Medikament, das aus der Krampfbehandlung bekannt ist und auch bei Nervenschmerzen eingesetzt werden kann.
Hausmittel gegen Nervenschmerzen im Rücken
Manche Patienten empfinden Wärme als wohltuend, andere Kälte. Entzündungshemmende Auflagen, z.B. mit Retterspitz, können ebenfalls lindernd wirken.
Bewegung bei Nervenschmerzen im Rücken
Ob Bewegung bei Nervenschmerzen gut ist, hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Bei Spinalkanalstenosen ist eine regelmäßige Physiotherapie sinnvoll. Ungezielt durchgeführte Bewegungen sollten jedoch vermieden werden.
Übungen gegen Nervenschmerzen im Rücken
Es gibt einige Übungen, die man erfolgreich bei Nervenschmerzen durchführen kann:
- Dehnungsübungen: Regelmäßige Dehnungsübungen sind wichtig, da es bei Nervenschmerzen meistens auch zu Muskelverkürzungen kommt.
- Seitliche Rumpfbeugung: Mit in die Seite gestemmten Händen langsam zur linken und dann zur rechten Seite beugen und in der Position innehalten, wenn man ein seitliches Ziehen spürt.
- Faszienübungen: Faszien sind aus Bindegewebe bestehende sehnige Platten, die die Muskeln umgeben. Diese Faszien können verkleben und dann zu Beschwerden führen. Beim Faszientraining werden durch leichte Zug- und Drucktechniken die Faszien und die Muskeln gelockert.
Prognose von Nervenschmerzen im Rücken
Die Prognose von Nervenschmerzen ist abhängig von der Ursache. Alkoholmissbrauch hat eine schlechte Prognose, Vitaminmängel haben nach einer entsprechenden Behandlung eine verhältnismässig gute Prognose. Auch die Behandlung von Bandscheibenvorfällen ist erfolgsversprechend.
Rezeptfreie Medikamente gegen Nervenschmerzen
Neben den verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es auch eine Reihe von rezeptfreien Medikamenten, die bei Nervenschmerzen Linderung verschaffen können:
- Keltican Forte: Ein diätetisches Lebensmittel, das reich an Vitamin B12, Folsäure und Uridinmonophosphat ist.
- Milgamma Protekt: Ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benfotiamin.
- Homöopathische Mittel: Schmerzöle mit Inhaltsstoffen wie Lavendelöl oder Quarz oleosum D9.
Restaxil® Tropfen
Restaxil® Tropfen sind ein homöopathisches Arzneimittel bei Neuralgien (Nervenschmerzen). Sie enthalten einen einzigartigen Wirkkomplex aus 5 speziellen Arzneipflanzen, die laut Arzneimittelbild an unterschiedlichen Nervenschmerzen und deren Symptomen ansetzen und diese bekämpfen.
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