Medikament Rixal: Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung

Chlorprothixen, der Wirkstoff in Medikamenten wie Rixal, ist ein Neuroleptikum, das zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen eingesetzt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Chlorprothixen, um Patienten und Angehörigen ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.

Was ist Chlorprothixen und wie wirkt es?

Chlorprothixen ist ein typisches Neuroleptikum aus der Gruppe der Thioxanthene. Es wirkt antipsychotisch, beruhigend und angstlösend.

Wirkungsweise im Detail

Chlorprothixen blockiert Dopamin-Andockstellen im zentralen Nervensystem, wodurch die Freisetzung und Weitergabe von Dopamin gehemmt wird. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der Emotionen und Verhalten beeinflusst. Durch die Blockade der Dopaminrezeptoren wird die Wirkung des Botenstoffes verhindert, was zu einem beruhigenden und antipsychotischen Effekt führt.

Zusätzlich hemmt Chlorprothixen die peripheren Wirkungen der Katecholamine (Botenstoffe für Nerven), was zu einer Verminderung des Antriebs führt. Es hat auch eine besonders ausgeprägte anticholinerge Wirkung.

Anwendungsgebiete von Chlorprothixen

Chlorprothixen wird hauptsächlich in folgenden Bereichen eingesetzt:

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  • Akute Psychosen: Zur Reduzierung von Unruhe und Erregungszuständen sowohl auf geistiger als auch auf körperlicher Ebene.
  • Maniforme Syndrome: Zur Behandlung von krankhaft gesteigerten Stimmungszuständen.
  • Weitere Anwendungsgebiete: Nervosität, Schlafstörungen (off-label).

In der Schweiz ist Chlorprothixen zudem bei weiteren Erkrankungen zugelassen:

  • gegen Angst, Unruhe und Aggressivität bei Patienten, die alkoholabhängig sind oder eine Entziehungskur machen
  • als unterstützende Therapie gegen Unruhe- oder Angstzustände bei depressiven Syndromen, Angststörungen oder Phobien
  • zur Behandlung von schweren Verhaltensstörungen bei angeborenen oder frühzeitig erworbenen Entwicklungsstörungen
  • bei schweren chronischen Schmerzen in Kombination mit Schmerzmitteln

Chlorprothixen hilft gegen psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen (antipsychotischer Effekt). Zudem wirkt es dämpfend, gegen Übelkeit und Erbrechen (antiemetisch) und lässt einen einfacher einschlafen.

Wann darf Chlorprothixen nicht angewendet werden?

Chlorprothixen darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden:

  • Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder verwandte Stoffe.
  • Bei Koma-liegenden Patienten.
  • Bei akuten Vergiftungen durch Alkohol, Opioid-Schmerzmittel oder andere dämpfende Psychopharmaka.
  • Bei einem Kreislaufzusammenbruch oder Koma-ähnlichen Zustand
  • Bei Herz-Kreislauf-Störungen wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen

Wann ist Vorsicht geboten?

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Leber- und/oder Nierenfunktionsstörungen
  • Herzerkrankungen, verlangsamtem Herzschlag sowie niedrigem Blutdruck
  • Parkinson-Krankheit
  • Depressiven Erkrankungen
  • Hirnerkrankungen
  • Epilepsie (Anfallsleiden)
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Akuten Alkoholvergiftungen, Schlaf- oder Schmerzmittelüberdosierungen sowie Vergiftungen durch Psychopharmaka
  • Prostatavergrößerungen
  • Erkrankungen des blutbildenden Systems
  • Niedriger Kaliumkonzentration im Blut
  • Störungen beim Wasserlassen
  • Erhöhtem Augeninnendruck
  • Verengung des Magenausgangs
  • Phäochromozytom (Nebennierentumor)
  • Angeborenen Herzrhythmusstörungen

Was ist bei Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?

Es liegen bisher nur unzureichende Studien über fruchtschädigende Wirkungen von Chlorprotixen vor. Mütter, die im letzten Schwangerschaftsdrittel den Wirkstoff einnehmen, gefährden ihre Neugeborenen durch Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen und Entzugserscheinungen. Ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, ist ebenfalls nicht ausreichend erforscht. Schwangere Frauen und stillende Mütter sollten nicht mit Chlorprotixen behandelt werden.

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Anwendung bei Kindern

Bei Kindern unter drei Jahren darf Chlorprothixen nicht eingesetzt werden. Bis zum 18. Lebensjahr sollte dieser Wirkstoff nur angewandt werden, wenn dies zwingend notwendig erscheint.

Dosierung und Verabreichung

Die Dosierung von Chlorprothixen muss individuell an die Reaktionslage, die Indikation und die Schwere der Krankheit angepasst werden. Die Dragees oder Tabletten sind nach den Mahlzeiten mit reichlich Wasser einzunehmen. Die erste Gabe erfolgt vorzugsweise gegen Abend.

Dosierungsempfehlungen

Die Dosierungen der Chlorprothixen-Präparate variieren je nach Land und Anwendungsgebiet:

  • Deutschland und Österreich: Bei leichter bis mittelschwerer Unruhe 15 bis 100 Milligramm Chlorprothixen. In schweren Fällen sowie bei manischen Störungen 100 bis 400 Milligramm täglich. Tagesdosen von über 150 Milligramm Chlorprothixen erhalten Patienten in der Regel stationär in einem Krankenhaus.
  • Schweiz: Patienten mit Schizophrenie, Manie oder anderen Psychosen nehmen zu Beginn 50 bis 100 Milligramm Chlorprothixen ein. Der Arzt erhöht die Dosis schrittweise, bis die Beschwerden ausreichend gelindert werden. In der Regel reichen 300 Milligramm Chlorprothixen aus. In schweren Fällen erhalten Patienten bis zu 1200 Milligramm Chlorprothixen.

Ältere Patienten sowie Patienten mit Hirnleistungsstörungen reagieren möglicherweise verstärkt auf Chlorprothixen. Auch Nebenwirkungen können dann häufiger auftreten. Die Höchstdosis bei solchen Patienten liegt daher in der Regel bei 90 Milligramm Chlorprothixen pro Tag.

Auch Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion bekommen für gewöhnlich eine verringerte Dosis verschrieben.

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Absetzen des Medikaments

Beendet man plötzlich die Einnahme von Chlorprothixen, kann der Körper mit Absetzsymptomen reagieren. Es ist ratsam, die Therapie "auszuschleichen", indem man die Dosis schrittweise verringert.

Nebenwirkungen von Chlorprothixen

Wie alle Medikamente kann auch Chlorprothixen Nebenwirkungen verursachen. Diese müssen nicht auftreten, aber es ist wichtig, sich der möglichen Risiken bewusst zu sein.

Sehr häufige Nebenwirkungen

  • Müdigkeit
  • Zu niedriger Blutdruck
  • Starker Blutdruckabfall beim Aufrichten, Aufsetzen und Aufstehen
  • Herzrasen
  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Störungen beim Wasserlassen
  • Gefühl der verstopften Nase
  • Sehstörungen beim Erfassen von Gegenständen
  • Vorübergehende Erhöhung der Leberwerte
  • Appetitsteigerung
  • Gewichtszunahme
  • Benommenheit

Häufige Nebenwirkungen

  • Gelbfärbung der Haut
  • Gallenstau
  • Hautstörungen bei Sonneneinstrahlung
  • Parkinson-ähnliche Symptome
  • Bewegungsstarre
  • Allergische Hautreaktionen (Juckreiz, Rötung)
  • Erregungsleitungsstörungen am Herzen
  • Glaukomanfälle (grüner Star)
  • Hormonstörungen
  • Regelblutungsstörungen
  • Brustwachstum beim Mann
  • Milchbildung der Brust
  • Potenzverlust
  • Verminderte Erregung (Libido)
  • Verlängerung der Reaktionszeit
  • Störung der Speichelbildung
  • Vermindertes Schwitzen

Gelegentliche Nebenwirkungen

  • Blutbildveränderungen (verminderte Zahl der weißen Blutkörperchen, Blutplättchenverminderung, Verminderung aller Zellarten im Blut)
  • Erhöhung der Blutzuckerwerte
  • Krampfanfälle
  • Schilddrüsenunterfunktion

Seltene Nebenwirkungen

  • Hochgradige Verminderung der Granulozyten (Untergruppe der weißen Blutkörperchen)
  • Zahnfleischentzündung
  • Mundschleimhautentzündung
  • Halsschmerzen
  • Grippeähnliche Symptome
  • Schweres neuroleptisches Syndrom (Fieber, Muskelstarre, Bewusstseinstrübung bis zum Koma)
  • Depressive Verstimmungen
  • Sprachstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Schlafstörungen

Sehr seltene Nebenwirkungen und Einzelfälle

  • Beinvenenthrombose
  • Beckenvenenthrombose
  • EKG-Veränderungen
  • Tödliche Herzrhythmusstörungen

Besonderheiten

Bei langanhaltender hochdosierter Gabe kann es zu Einlagerungen in Linse und Hornhaut des Auges kommen. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind deshalb erforderlich.

Spätstörungen im Bereich der Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, wurmartige und einschussartige Bewegungen der Arme und Beine können auch nach Beendigung einer Behandlung auftreten.

Malignes Neuroleptisches Syndrom

Unter der Behandlung mit Chlorprothixen kann es zu einem lebensbedrohlichen malignen Neuroleptika-Syndrom kommen (Fieber über 40 °C, Muskelstarre, vegetative Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck, Bewusstseinstrübung bis zum Koma), das ein sofortiges Beenden der Behandlung erfordert.

Extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS)

Chlorprothixen blockiert Dopamin-Rezeptoren, was sogenannte extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS) hervorrufen kann: Betroffene zittern, haben starre Muskeln oder führen Bewegungen nur sehr langsam aus. Die Beschwerden ähneln der Parkinson-Krankheit.

Weitere Warnhinweise

  • Es können Störungen des Bewegungsablaufes auftreten.
  • Das Reaktionsvermögen kann vermindert sein.
  • Häufiges Stolpern ist möglich.
  • Das Scharfsehen kann reduziert sein.
  • Ein starker Blutdruckabfall ist möglich.
  • Eine Beeinträchtigung an der aktiven Verkehrsteilnahme ist möglich.
  • Die Maschinenbedienung kann beeinträchtigt sein.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Chlorprothixen kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um mögliche Risiken zu vermeiden.

Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen

Bei zeitgleicher Anwendung von Medikamenten, wie zum Beispiel Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, Antibiotika, Malariamittel sowie Histamingegenspieler, ist das Auftreten von Herzrhythmusstörungen zu befürchten. In Kombination mit Entwässerungsmitteln oder Antidepressiva sowie anderen Neuroleptika können diese Rhythmusstörungen ebenfalls ausgelöst werden. EKG-Kontrollen sind deshalb empfehlenswert.

Verstärkte beruhigende Wirkung

In Verbindung mit Schlafmitteln oder Schmerzmitteln sowie Antihistaminika (allergielindernde Wirkung) und Psychopharmaka wird der beruhigende Effekt verstärkt. Es kann weiterhin zu einer Abflachung der Atmung kommen. Auch Antibiotika wie Colestin, Polymyxin B, Teicoplanin und Vancomycin erniedrigen in Kombination mit Chlorprothixen die Atemfrequenz. Die Patienten müssen deshalb sorgfältig überwacht werden.

Verminderte Chlorprothixen-Konzentration im Blut

Die Blutkonzentration von Chlorprothixen wird durch Carbamazepin (Antiepileptikum), Rifampicin (Tuberkulosemittel), Doxycyclin (Antibiotikum), Griseofulvin (Antipilzmittel), Phenylbutazon (nicht-steroidales Antirheumatikum), Phenobarbital (Hypnotikum) und Phenytoin (Antiarrhythmikum) deutlich erniedrigt. Eine Dosisanpassung ist in diesen Fällen individuell erforderlich.

Weitere Wechselwirkungen

  • In Verbindung mit Alkohol senkt Chlorprothixen den Blutdruck und erhöht die Alkoholwirkung.
  • Chlorprothixen erhöht die Wirkung von Antidepressiva und steigert deren Giftigkeit.
  • Bei Kokainvergiftungen sind weiterhin verstärkte motorische Störungen möglich.
  • Chlorprothixen schwächt die Wirkung von Dopamin (Alpha-Sympathomimetikum), Guanethidin (Antihypertonikum), Levodopa (Parkinsonmittel) und Phenylephrin (Alpha-Sympathomimetikum) ab.
  • Die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln kann dagegen verstärkt sein.
  • In Verbindung mit Lithium (Psychopharmaka) kann es zu Körpertemperaturerhöhung und Bewusstseinsstörungen kommen.
  • Chlorprothixen ist weiterhin in der Lage, mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln zu interagieren und deren Wirkung zu verstärken.
  • Die Wirkung von anticholinerg wirkenden Medikamenten kann ebenfalls verstärkt werden.
  • Eine Hormonbehandlung mit Gonadorelin kann dagegen abgeschwächt sein.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Eine Anwendung zusammen mit Alkohol ist zu vermeiden.
  • Vorsicht beim Führen von Maschinen und im Straßenverkehr ist erforderlich.
  • Blutbildkontrollen sind regelmäßig erforderlich.
  • Leber- und Nierenwertkontrollen in regelmäßigen Abständen sind sinnvoll.
  • Eine Kontrolle des Kaliumwertes im Blut ist erforderlich.
  • Epileptische Anfälle sind aufgrund erhöhter Krampfbereitschaft möglich.
  • Vorsicht ist bei Patienten mit Herz- und Gefäßerkrankungen geboten.
  • Bei Auftreten von Fieber, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen, Halsschmerzen oder eitriger Angina sowie grippeähnlichen Symptomen, vor allem in den ersten drei Behandlungsmonaten, soll keine Selbstmedikation durchgeführt, sondern sofort der behandelnde Arzt aufgesucht werden.

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