Medikamente als Migräneauslöser: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Charakteristisch sind starke, oft einseitige Kopfschmerzen, die von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden können. Während viele Faktoren Migräneattacken auslösen können, spielen auch bestimmte Medikamente eine Rolle. Dieser Artikel beleuchtet, welche Medikamente Migräne auslösen können, wie man einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz erkennt und welche Behandlungsstrategien es gibt.

Ursachen und Auslöser von Migräne

Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und noch nicht vollständig geklärt. Experten gehen davon aus, dass ein Mangel an Serotonin, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn, eine entscheidende Rolle spielt. Dieser Mangel kann die Regulation der Nerventätigkeiten in Kopf und Gesicht stören und so eine Migräneattacke auslösen.

Viele Patient*innen kennen Auslöser, so genannte Trigger, die bei ihnen zu einem Migräne-Anfall führen können. Das sind zum Beispiel:

  • unregelmäßiger Schlaf
  • längere Phasen ohne ausreichend zu essen und zu trinken
  • Stress
  • starke psychische oder körperliche Belastungen
  • bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft in stickigen Räumen
  • Alkohol, z.B. Rotwein, oder bestimmte Nahrungsmittel

Es lohnt sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann.

Medikamente als Migräne-Trigger

Kopfschmerzen werden bei vielen Medikamenten im Beipackzettel als Nebenwirkung angegeben. Hierbei bleibt jedoch zu unterscheiden, ob es sich um Kopfschmerzen oder eine Migräneattacke handelt. Arzneimittel können Migräneattacken auslösen. Gerade bei älteren Personen, die als Jugendliche Migräne hatten und nach Jahren der Ruhe wieder Attacken entwickeln, sollte man an diese Möglichkeit denken.

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Privatdozent Dr. wies darauf hin: «In solchen Fällen schauen wir zuerst nach den Blutdruckmedikamenten». Typische Fragen lauten: Wurde der Patient neu eingestellt? Gab es einen Wechsel in der Medikation? Wirkstoffe wie Nitrate, Amlodipin, Ramipril, andere Gefäßdilatatoren und auch Protonenpumpeninhibitoren sind häufig Auslöser von Attacken. Auch andere Substanzen wie die α-Blocker Tamsulosin und Alfuzosin erweitern die Gefäße und können so eine Attacke hervorrufen.

Bei Sexualhormonen etwa in oralen Kontrazeptiva sei zu beachten, dass sowohl die Gabe als auch das Absetzen - also eine Veränderung des Hormonstatus - eine Attacke triggern können. Andere Substanzen wie Metoprolol und Sartane und haben eine migräneprophylaktische Wirkung, berichtete Malessa. Der Arzt riet, dass bei älteren Patienten (über 60 Jahre), die von wieder aufgetretenen Migräneattacken vor allem mit neurologischen Begleiterscheinungen wie Visusstörungen berichten, abgeklärt werden sollte, ob die Medikation dahinterstecken könnte.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH)

Auch wenn es paradox klingt: Wer sehr häufig Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, kann dadurch mehr Kopfschmerzen bekommen. Dann ist es ratsam, die Mittel konsequent für einige Tage wegzulassen.

Bei Menschen mit einer primären Kopfschmerzerkrankung wie Migräne oder Spannungskopfschmerzen können die Kopfschmerzen durch eine regelmäßige und häufige Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln zunehmen. Man nennt dieses Phänomen dann Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch.

Ob der Gebrauch „übermäßig“ ist, hängt davon ab, an wie vielen Tagen die Mittel innerhalb der letzten drei Monate eingenommen wurden - und um welches Medikament es sich handelt. Weniger wichtig ist dabei die Dosierung an den einzelnen Tagen. Bei Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen gilt es als übermäßiger Gebrauch, die Mittel an 15 oder mehr Tagen pro Monat einzunehmen. Bei Migränemitteln wie Triptanen und Ergotaminen gelten schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig.

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Fachleute gehen davon aus, dass etwa 1 bis 2 von 100 Menschen Kopfschmerzen haben, weil sie zu häufig Schmerz- oder Migränemittel anwenden. Wie es zu den Beschwerden kommt, ist unklar. Möglicherweise gewöhnt sich das Nervensystem an die Medikamente und reagiert dann noch empfindlicher auf Schmerzreize und -auslöser. Das heißt: Ein Reiz, den das Gehirn normalerweise nicht als Schmerz registriert, wird nun als schmerzhaft wahrgenommen.

Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf. Zu begleitenden Beschwerden kommt es in der Regel nicht. Manchmal kommt zu diesem Dauerkopfschmerz aber eine Attacke der primär bestehenden Kopfschmerzerkrankung hinzu: Bei zugrundeliegender Migräne ist der Schmerz eher pulsierend und es bestehen dann auch Begleitsymptome der Migräne. Oft glauben Menschen mit schmerzmittelbedingten Kopfschmerzen zunächst, dass sich ihre Migräne oder ihre Spannungskopfschmerzen verstärkt haben. Viele greifen dann noch häufiger zu Schmerz- oder Migränemitteln.

Diagnose von MOH

Hauptsymptom ist eine Zunahme der Häufigkeit und der Dauer der Kopfschmerzepisoden.Die Diagnose wird auf Grundlage der Krankengeschichte (Anamnese) gestellt. Dazu soll oft zunächst ein Kopfschmerzkalender geführt werden (siehe Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft), in den jeden Tag die Schmerzen und die Einnahme von Medikamenten eingetragen werden.

Dabei werden auch Art, Stärke und Ort der Schmerzen dokumentiert sowie Art, Häufigkeit und Dosierung der Medikamente.Voraussetzung für die Diagnose sind vorbestehende Kopfschmerzen und zu häufige Schmerzmitteleinnahme.Es wird auch das gleichzeitige Vorhandensein psychiatrischer Erkrankungen wie Depression, Schlafstörungen sowie Angst- und Suchterkrankungen erfasst.Meist folgen eine kurze neurologische Untersuchung und die Nachfrage nach weiteren Symptomen.Nur in seltenen Fällen sind weitere Untersuchungen erforderlich, wie eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Neurologie, eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes oder eine Untersuchung mittels Lumbalpunktion (Untersuchung von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal).

Therapie von MOH

Der erste Schritt aus diesem Teufelskreis ist deshalb herauszufinden, wie häufig man tatsächlich Medikamente nimmt. Dabei können ein Kopfschmerz-Tagebuch und / oder ein Medikamenten-Kalender helfen. Hier kann eingetragen werden, wann man Kopfschmerzen hatte oder Schmerzmittel eingenommen hat. Wer feststellt, dass er regelmäßig an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, bespricht dies am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.

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Um dies festzustellen und zu behandeln, werden die Mittel für etwa 7 bis 14 Tage abgesetzt. Wenn es sich um Kopfschmerzen durch Medikamenten-Übergebrauch handelt, bessern sich die Schmerzen nach wenigen Tagen und werden seltener. Bevor sie nachlassen, können sie sich zu Beginn der Schmerzmittelpause allerdings zunächst verstärken. Außerdem kann es zu Übelkeit, Unruhe oder Schlafstörungen kommen. Deshalb legt man die Pause am besten in einen Zeitraum, in dem man ansonsten wenig belastet ist und auch kurzfristig mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen kann. Sie oder er kann dann zum Beispiel gegen Übelkeit sogenannte Antiemetika verschreiben. Manchen Menschen hilft in dieser Phase auch, Stirn oder Schläfen mit Pfefferminzöl zu betupfen. Auch kortisonhaltige Medikamente werden manchmal eingesetzt. Sie lindern die Schmerzen kurz nach dem Absetzen aber anscheinend nicht wirksamer als ein Scheinmedikament (Placebo).

Eine Medikamentenpause ist ambulant möglich. Es kann aber auch ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll sein, zum Beispiel wenn man schon mehrfach versucht hat, mit weniger Schmerzmitteln zurechtzukommen, es aber bislang nicht geschafft hat. In einem Krankenhaus kann eine Medikamentenpause zum Beispiel durch verhaltenstherapeutische Behandlungen unterstützt werden.

Nach der Medikamentenpause können bei akuten Kopfschmerzen wieder Schmerz- oder Migränemittel eingenommen werden. Es gilt aber immer die Regel: Nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat und nicht länger als an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Im ersten Jahr nach der Entwöhnung haben viele Menschen einen Rückfall und greifen wieder öfter zu den Mitteln.

Eine andere Möglichkeit ist, eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe-Therapie) zu beginnen, sodass keine vollständige Medikamentenpause erforderlich ist. Zur Vorbeugung werden zum Beispiel bei Migräne die Medikamente Topiramat oder Botulinumtoxin A und bei Spannungskopfschmerzen das Medikament Amitriptylin eingesetzt.

Das Ziel der Therapie ist es, die Häufigkeit und Schwere der Kopfschmerzen sowie die Medikamenteneinnahme zu reduzieren und insgesamt die Lebensqualität zu verbessern.Im ersten Schritt werden die Betroffenen über die Verstärkung der Kopfschmerzen durch Medikamenteneinnahme aufgeklärt. Ziel ist, die Bedarfsmedikation zu reduzieren.

In einem zweiten Schritt wird versucht, die Häufigkeit der Kopfschmerzen zu reduzieren. Je nach Kopfschmerztyp gibt es vorbeugende Medikamente, die die Häufigkeit der Kopfschmerzepisoden reduzieren können.Auch ohne Medikamente können die Kopfschmerztage verringert werden durch: kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren, Ausdauersport und Biofeedback, Akupunktur (bei Migräne).

Falls diese beiden Maßnahmen nicht ausreichen, wird im dritten Schritt eine Pausierung der Schmerzmitteleinnnahme notwendig. Je nach Schwere der Symptome und Begleiterkrankungen (Angst, Depression, Suchterkrankung) wird der Entzug zu Hause mit ärztlicher Begleitung oder stationär in der Klinik durchgeführt.Begleiterkrankungen werden meist ebenfalls behandelt.

Treten während der Medikamentenpause Kopfschmerzen („Entzugskopfschmerzen“) auf, können diese mit gewöhnlichen Schmerzmitteln wie nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Aspirin behandelt werden. Auch trizyklische Antidepressiva oder Kortison sind möglich. Beim „Entzugssyndrom“ nimmt die Intensität üblicherweise für 2-7 Tage zu.

Bei Triptanen ist die Entzugssymptomatik kürzer (ca. 4 Tage), bei Opioiden, Ergotaminen und Kombinationen davon länger und schwerer.

Prävention von MOH

Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs ist hilfreich, um die Stärke, die Auslöser und die Häufigkeit der Schmerzen sowie die Menge der eingenommenen Schmerzmittel zu erfassen.Halten Sie sich an die maximale Einnahmemenge von Schmerzmitteln: gewöhnliche Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin oder Paracetamol) an nicht mehr als 15 Tagen pro Monat. Kombinationsschmerzmittel, Migräne-Medikamente (Triptane) oder Opiate an nicht mehr als 10 Tagen pro Monat.

Allgemein kann es helfen, regelmäßig zu schlafen und zu essen, Ausdauersport zu betreiben oder Entspannungstechniken zu erlernen.

Prognose von MOH

In 50-70 % der Fälle ist die Therapie nach 6-12 Monaten erfolgreich.Die Rückfallrate nach Medikamentenübergebrauch liegt jedoch zwischen 4 % und 50 %, insbesondere innerhalb des ersten Jahres mit bis zu 30 %.Die Erfolgsaussichten sind schlechter bei langjähriger überhöhter Schmerzmitteleinnahme (v. a.

Triptane: Medikamente gegen Migräne

Triptane sind eine Gruppe von Substanzen, die im Gefäßsystem und im Gehirn an bestimmten Stellen angreifen. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie über verschiedene Mechanismen Migräne-Kopfschmerzen bekämpfen. „Triptane sind Standardmedikamente und eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von mittelschwerer und schwerer Migräne“, sagt Professorin Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum Dresden und Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Auch bei Cluster-Kopfschmerzen kommen Triptane zum Einsatz.

Triptane setzen sich auf bestimmte Moleküle - sogenannte 5-HT1-Rezeptoren - auf der Oberfläche von menschlichen Zellen, insbesondere von Zellen, die im Gehirn vorkommen. Dort lösen sie eine Kaskade an Reaktionen aus, die vor allem zwei Folgen hat:

Erstens hemmen sie Entzündungsvorgänge im Bereich von bestimmten Arterien (Dura-Arterien), die das Gehirn versorgen.Zweitens sorgen sie dafür, dass sich die Gefäße im Gehirn etwas zusammenziehen.

Fest steht: Triptane wirken sehr gut gegen Kopfschmerzen. So wurden in einer Ende 2023 im Fachmagazin Neurology erschienenen Studie die Daten von Migräne-Apps analysiert. Dabei wurden knapp fünf Millionen Eingaben von Migränepatientinnen und -patienten in den Apps über den Verlauf der Migräne nach der Einnahme bestimmter Medikamente eingegeben. „Triptane überzeugten auf voller Linie: Im Vergleich zu Ibuprofen wirken sie beispielsweise mehr als fünfmal so gut.

Arten von Triptanen

Es gibt sieben verschiedene Triptane, die alle ähnlich wirken, sich aber in Details unterscheiden. So tritt beispielsweise bei manchen Triptanen die Wirkung schnell ein, hält aber nicht so lange an. Bei anderen Triptanen tritt die Wirkung etwas später ein, hält aber lange an. Die allermeisten Triptane können als Tabletten eingenommen werden, es gibt aber auch einzelne, die als Spritze oder als Nasenspray verabreicht werden können. „Die Behandlung sollte individuell erfolgen.

Nebenwirkungen von Triptanen

Weil Triptane dafür sorgen, dass sich die Gefäße - insbesondere im Gehirn - etwas zusammenziehen, kommt es nach der Einnahme der Medikamente häufig zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg. Wegen dieser Nebenwirkung dürfen Triptane bei manchen vorliegenden Leiden - insbesondere bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems - nicht eingenommen werden.Auch andere, Nebenwirkungen wie Kribbelgefühle, Kältegefühle in den Extremitäten, Schwindel und Müdigkeit können vorkommen. Bei Triptanen kommt es etwas häufiger zu diesen Nebenwirkungen als bei anderen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder ASS. Das ergab eine Analyse des Kopfschmerzregisters der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): „Leichte Nebenwirkungen wie Benommenheit oder Kribbelgefühle sind bei Triptanen etwas häufiger“, sagt Privatdozentin Ruth Ruscheweyh, Neurologin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum München, die bei der DMKG das Kopfschmerzregister mitbetreut. „Triptane sind vergleichsweise sicher“, sagt der Neurologe und Kopfschmerzexperte Professor Christian Wöber von der Medizinischen Universität Wien. Das habe erst kürzlich wieder eine Anfang 2024 im Fachmagazin JAMA Neurology erschienene Studie gezeigt, in die Daten von 430.000 Personen eingeflossen sind, die Triptane als Erstverordnung erhalten hatten. „Von den Patientinnen hatten 64 in einem gewissen Zeitraum nach der Erstverordnung einen Herzinfarkt oder Schlaganfall - sie alle hatten allerdings bereits Vorerkrankungen an Herz und Gefäßsystem“, sagt Wöber. „In Anbetracht dessen, wie gut das Risiko-Wirkungs-Profil von Triptanen ist, werden sie in Deutschland noch zu selten verordnet“, sagt Gudrun Goßrau aus Dresden. Denn die Kopfschmerzen nicht ausreichend zu behandeln, berge auch Risiken: „Wenn Patientinnen und Patienten häufig nicht ausreichend behandelte Attacken haben, dann kann das die Chronifizierung auch vorantreiben. Das heißt, die Migräne kommt dann eher häufiger“, sagt Goßrau.

Kontraindikationen für Triptane

Wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden oder Erkrankungen vorliegen, dürfen Triptane nicht eingenommen werden. Man spricht dann von Kontraindikationen. Zu diesen Kontraindikationen gehören unter anderem: Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vergangenheit, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), eine schwere Leberfunktionsstörung, mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck.

Die allermeisten dieser Kontraindikation zielen darauf ab, dass bei den Betroffenen das Herz-Kreislauf-System angeschlagen ist und durch die Verengung der Gefäße durch Triptane nicht weiter belastet werden sollte. Dabei gibt es aber häufig eine breite Grauzone, in der manche Mediziner Triptane bedenkenlos verordnen würden, während für andere die Verordnung nicht infrage kommt. „Im Idealfall gibt es dann eine moderne gemeinsame Entscheidungsfindung: Man bespricht die Vor- und Nachteile mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und entscheidet dann gemeinsam, ob man die Migräne mit Triptanen behandelt oder nicht“, sagt Goßrau.

Ein Beispiel: Wer einen ausgeprägten, schwer einstellbaren Bluthochdruck hat, sollte keine Triptane nehmen. Wer aber einen Bluthochdruck hat, der mit Medikamenten so gut eingestellt ist, dass er im Zielbereich liegt, kann Triptane bedenkenlos nehmen.

Triptane ohne Rezept

Zurzeit sind in Deutschland drei verschiedene Triptane ohne Rezeptpflicht zugelassen. Sie können von Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, bei denen zuvor eine Migräne diagnostiziert wurde, ohne Rezept gekauft werden. Man spricht dann auch von OTC-Medikamenten - OTC steht für „over the counter“ (auf Deutsch: über den Ladentisch). „Das ist von Vorteil, wenn man bereits eine diagnostizierte Migräne hat und einem die verschriebenen Triptane ausgegangen sind. Sie warnt allerdings davor, bei unklaren Kopfschmerzen in die Apotheke zu gehen und Triptane zu kaufen. „Triptane wirken insbesondere bei Migräne, das ist eine definierte Kopfschmerzerkrankung. Und bevor eine Migräne gezielt behandelt wird, sollte sie zunächst von einem Arzt oder einer Ärztin diagnostiziert werden. Daher sollte man bei Kopfschmerzen, die man so noch nicht kennt, immer zuerst eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen“, sagt Ruscheweyh.

Außerdem seien die rezeptfreien Triptane in der Regel ohnehin eher für Ausnahmefälle gedacht: Eben wenn man kein Rezept hat und schnell Hilfe gegen Attacken braucht. „Bei den rezeptfreien Triptanen gibt es nur zwei Tabletten pro Packung, unter anderem, damit Patientinnen und Patienten nicht unkontrolliert zu viele Triptane nehmen“, sagt Ruscheweyh.

Wirkungsweise der Triptane

Der Botenstoff Serotonin beeinflusst die Durchblutung in den Gefäßen der Hirnhaut und wirkt auf die Schmerzwahrnehmung. Ein Serotoninmangel führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Die Nervenenden schütten dann Eiweiße aus, die Entzündungserscheinungen fördern. Triptane sind chemisch mit Serotonin verwandt, das heißt, sie sind Abkömmlinge (Derivate) dieses Botenstoffs. Ihre Wirkung entfalten sie, indem sie sich an die Serotonin-Rezeptoren in Blutgefäßen und Nerven binden.

Die Wirkungsweise ist bei allen Triptanen ähnlich. Unterschiedlich bei den einzelnen Wirkstoffen ist jedoch die Wirkungsdauer. Sumatriptan wirkt schnell, aber kurz. Bei Naratriptan dauert es länger, ehe die Wirkung eintritt.

Einnahme von Triptanen

Triptane nehmen Sie am besten dann ein, wenn Sie erste Anzeichen eines Kopfschmerzanfalls bemerken. Personen, die an einer Migräne mit Aura leiden, sollten Triptane bereits bei den ersten Aura-Anzeichen einnehmen. So verhindern sie, dass es überhaupt erst zu den Migräne-Kopfschmerzen kommt.

Almotriptan wirkt rasch. So dürfen Sie mit einem Wirkungseintritt nach etwa 45 bis 60 Minuten rechnen. Bei Naratriptan stellt sich die Wirkung hingegen erst nach 4 Stunden ein. Naratriptan ist mit 2,5 mg pro Tablette dosiert. Die 2. Dosis dürfen Sie nach 4 Stunden geben. Die maximale Tagesdosis liegt bei 5 mg. Almotriptan ist mit 12,5 mg pro Tablette dosiert. Hier können Sie bereits nach 2 Stunden die weitere Dosis geben. Mit 25 mg ist auch hier die maximale Tagesdosis erreicht. Almotripan hat im Vergleich zu Naratriptan das bessere Nebenwirkungsprofil. Bei bestehender Nieren- oder Leberinsuffizienz ist von einer Gabe von Naratriptan abzusehen.

Wechselwirkungen von Triptanen

Auch eine Medikation mit Triptanen und Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (Medikamente zur Behandlung von Depressionen) hat Wechselwirkungen zur Folge. Besonders das sogenannte Serotoninsyndrom steht dabei im Fokus. Teilen Sie Ihrem behandelnden Arzt immer mit, welche Medikamente Sie bereits einnehmen, bevor er Ihnen ein weiteres verschreibt. So kann er Wechselwirkungen ausschließen. Bei der Einnahme von Triptanen ist dies besonders wichtig. Krämpfe der Herzkranzgefäße treten auf, wenn Sie Triptane und andere Medikamente gegen Migräne (Mutterkornalkaloide, z. B.

Weitere Migräne-Trigger

Neben Medikamenten gibt es noch weitere Faktoren, die Migräneattacken auslösen können:

  • Lebensstil: Änderungen im Lebensrhythmus, etwa im Schlaf-Wach-Rhythmus (Schlafstörungen, langes Ausschlafen) oder in der Nahrungsaufnahme (Diäten oder zu wenig trinken).
  • Stress: Stress- oder Poststress-Situationen können als Trigger wirken. Mittlerweile belegen systematische Studien, dass es nicht auf das Stressniveau selbst, sondern auf plötzliche Veränderungen im Stressniveau ankommt.
  • Nahrungsmittel: Der Konsum von Alkohol, Zitrusfrüchten, Fisch, Glutamat oder Käse. In Studien zu einer Verbindung zwischen Kaffee (bzw. Koffein) und Migräne zeigten sich keine messbaren, einheitlichen Ergebnisse hinsichtlich des Auslösers einer Migräneattacke. Festhalten lässt sich jedoch, dass ein starker Koffeinentzug, die Wahrscheinlichkeit für eine Migräneattacke erhöht. Somit ist für Migränepatienten auch in diesem Fall die Regelmäßigkeit des Kaffee- bzw.
  • Körperliche Anstrengung: In manchen Fällen können Attacken auch durch körperliche Anstrengung ausgelöst werden. Gemäß niederländischen und dänischen Studien zeigt sich, das starke körperliche Bewegung und Sport bei einigen Patienten als Migräne-Trigger eine Attacke auslösen können.
  • Hormone: Viele Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter Migräneattacken. Das betrifft vor allem Patientinnen, die mit hormonell bedingter Migräne diagnostiziert wurden, die mit dem weiblichen Zyklus und Imbalancen in Verbindung gebracht wird (primäre Form). Denn der Östrogen-, Gestagen- und Opioid-Spiegel schwankt vor, während und nach der Menstruation. Besonders der Abfall des Östrogenspiegels bei den Frauen wird dabei als Auslöser betrachtet. Dabei wird zwischen zwei Formen der Menstruationsmigräne unterschieden. Bei der menstruelle Migräne kommt es während (oder zwei Tage vor bis zwei Tage nach) Einsetzen der Periode zu einer Migräne. Während der Schwangerschaft können sich Migränesymptome wie einseitig pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit verbessern, da die Hormone sich stabilisieren.
  • Wetter: Gemäß einer retrospektiven Studie von Forschern des Kopfschmerzzentrum des Universitätskrankenhauses Policlinico Agostino Gemelli in Rom konnte bestätigt werden, dass Wetterschwankungen einen Einfluss auf eine Untergruppe von mit Migränepatienten haben. Dabei zeigte sich, dass meteorologische Schwankungen, insbesondere ein Temperaturanstieg zum Vortag, einen Einfluss auf den Ausbruch einer Migräneattacke haben.
  • Halswirbelsäule: Auch die Halswirbelsäule kann ein Trigger für Migräneattacken sein.

Was tun bei einer Migräneattacke?

Der Verlauf eines akuten Migräneanfalls ist von Person zu Person individuell, sodass es keine Pauschallösung zur Linderung gibt. Folgende Maßnahmen haben sich jedoch als hilfreich erwiesen:

  • Ziehen Sie sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück und versuchen Sie, sich zu entspannen. Bewegung verstärkt meist den Schmerz.
  • Rechtzeitig eingenommen kann ein passendes Arzneimittel in der richtigen Dosierung die Migräne erheblich lindern. Bei Migräneattacken können Triptane - die die erweiterten Gefäße im Gehirn wieder verengen - wirkungsvoll unterstützen.

Vorbeugung von Migräne

Die Deutsche Hirnstiftung weist auf Möglichkeiten der Vorbeugung hin: „Bei einem Patienten ist es grelles Licht, bei einer anderen Patientin Lärm. Auch Übermüdung und Stress spielt eine Rolle.

Welche Verhaltensweisen im Alltag und nicht-medikamentöse Maßnahmen können das sein, die einer Migräne mit Aura wirksam vorbeugen? Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren, die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken. Auch psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen. Wenn man solche nicht-medikamentösen Maßnahmen regelmäßig anwendet, merkt man dann, dass die Migräne weniger häufig auftritt und Attacken weniger schwer verlaufen.

Wenn diese Maßnahmen nicht reichen, können verschiedene Medikamente zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Dazu gehören Blutdruckmittel wie Betablocker, Antidepressiva, die auch in der Behandlung von Schmerzen gut wirksam sind, und bestimmte Mittel, die eigentlich gegen Epilepsie wirken, die aber auch in der Behandlung einer Migräne wirksam sind.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.

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