Viele Menschen führen Selbstgespräche, bewusst oder unbewusst. Dies kann für Außenstehende ungewöhnlich erscheinen, ist aber in vielen Fällen harmlos und sogar nützlich. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Vorteile von Selbstgesprächen, wann sie als krankhaft gelten und insbesondere, welche Rolle sie im Zusammenhang mit Demenz spielen können.
Selbstgespräche: Normal und oft hilfreich
Selbstgespräche sind keineswegs ungewöhnlich. Studien schätzen, dass ein Großteil der Erwachsenen regelmäßig ihre innere Stimme verbalisiert. Auch Kinder sprechen oft mit sich selbst, um ihre Gedanken zu ordnen und die Welt zu verstehen.
Vorteile von Selbstgesprächen:
- Ordnung der Gedanken: Selbstgespräche können helfen, die eigenen Gedanken zu strukturieren und komplexe Sachverhalte zu ordnen.
- Verarbeitung von Emotionen: Sowohl freudige als auch traurige Gefühle lassen sich in einem Selbstgespräch besser ausdrücken und verarbeiten.
- Förderung der Konzentration: Sportler nutzen Selbstgespräche, um sich zu motivieren und zu fokussieren. Auch im Alltag können sie die Konzentration fördern.
- Kritische Auseinandersetzung: Wer Selbstzweifel oder Ängste hat, kann sich durch Selbstgespräche seiner eigenen Gefühle besser bewusst werden.
- Ventil für starke Gefühle: Emotionen wie Wut, Ärger oder Trauer können durch ein lautstarkes Selbstgespräch besser verarbeitet werden.
- Beruhigung: Selbstgespräche können beruhigend wirken und das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein.
Wann werden Selbstgespräche krankhaft?
Normalerweise sind Selbstgespräche kein Grund zur Besorgnis. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden sollte.
Anzeichen für krankhafte Selbstgespräche:
- Selbstkritik: Ständige und übermäßige Selbstkritik kann ein Zeichen für psychische Probleme sein.
- Fremde Stimmen: Wenn Betroffene nicht mehr zwischen der eigenen Stimme und einer anderen unterscheiden können und sich selbst zu antworten versuchen, kann dies auf eine psychische Erkrankung hindeuten.
- Öffentliche Selbstgespräche: Wer ständig und unkontrolliert in der Öffentlichkeit mit sich selbst spricht, muss zwar nicht zwangsläufig krank sein, sollte aber die Ursache abklären lassen.
- Störung der Denkabläufe: Psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression oder Demenz können mit einer Störung der Denkabläufe einhergehen, die sich in unkontrollierten Selbstgesprächen äußern kann.
- Wiederholung gleicher Sätze: Das kontinuierliche Wiederholen derselben Sätze oder lautes Schimpfen ohne erkennbaren Grund kann ein Warnsignal sein.
Selbstgespräche im Kontext von Demenz
Selbstgespräche können auch im Zusammenhang mit Demenz auftreten. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle Selbstgespräche bei Demenzkranken krankhaft sind. Sie können verschiedene Ursachen und Funktionen haben.
Ursachen für Selbstgespräche bei Demenz:
- Verwirrtheit und Desorientierung: Demenz führt zu Verwirrtheit und Desorientierung, was dazu führen kann, dass Betroffene mit sich selbst sprechen, um sich zu orientieren oder ihre Gedanken zu ordnen.
- Gedächtnisprobleme: Gedächtnisverlust ist ein Kernsymptom der Demenz. Betroffene können mit sich selbst sprechen, um sich an Dinge zu erinnern oder sich zu vergewissern.
- Sprachschwierigkeiten: Demenz kann die Sprache beeinträchtigen. Selbstgespräche können eine Möglichkeit sein, sich auszudrücken, wenn es schwerfällt, mit anderen zu kommunizieren.
- Einsamkeit und Isolation: Demenz kann zu sozialem Rückzug und Einsamkeit führen. Selbstgespräche können eine Möglichkeit sein, das Gefühl der Isolation zu kompensieren.
- Verarbeitung von Emotionen: Wie bei gesunden Menschen können Selbstgespräche auch bei Demenzkranken dazu dienen, Emotionen zu verarbeiten.
- Begleiterscheinung von Wahnvorstellungen und Halluzinationen: Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz können Wahnvorstellungen und Halluzinationen auftreten, die sich in Selbstgesprächen äußern können.
Unterscheidung zwischen harmlosen und krankhaften Selbstgesprächen bei Demenz:
- Inhalt der Gespräche: Sind die Gespräche zusammenhängend und beziehen sie sich auf die Realität oder sind sie wirr und themenfremd?
- Reaktion auf die Umgebung: Reagiert der Betroffene auf seine Umgebung oder ist er in seinen Selbstgesprächen versunken?
- Belastung: Leidet der Betroffene oder seine Umgebung unter den Selbstgesprächen?
Weitere Symptome und Verhaltensweisen bei Demenz
Neben Selbstgesprächen können bei Demenz eine Reihe weiterer Symptome und Verhaltensweisen auftreten, die den Umgang mit Betroffenen erschweren.
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Häufige Symptome und Verhaltensweisen:
- Gedächtnisverlust: Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt. Betroffene vergessen kurz zurückliegende Ereignisse, Namen oder Termine.
- Orientierungslosigkeit: Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden, zeitliche Orientierungslosigkeit.
- Sprachstörungen: Wortfindungsstörungen, Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder Gesprächen zu folgen.
- Veränderungen der Persönlichkeit: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Misstrauen, Ängstlichkeit oder sozialer Rückzug.
- Probleme bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben: Schwierigkeiten beim Kochen, Anziehen, Waschen oder Einkaufen.
- Fehleinschätzung von Gefahren: Betroffene erkennen gefährliche Situationen nicht mehr oder unterschätzen Risiken.
- Wahnvorstellungen und Halluzinationen: Insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Demenz können Wahnvorstellungen (z.B. Verfolgungswahn) und Halluzinationen auftreten.
- Unruhe und Bewegungsdrang: Manche Demenzkranke haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und laufen unruhig umher.
- Veränderter Tag-Nacht-Rhythmus: Schlafstörungen, nächtliche Unruhe.
- Inkontinenz: Verlust der Kontrolle über Blase und Darm.
- Aggressivität: Verbale oder körperliche Aggressionen können auftreten, insbesondere wenn sich Betroffene überfordert oder bedroht fühlen.
Umgang mit unkontrollierten Selbstgesprächen und anderen Verhaltensweisen bei Demenz
Der Umgang mit unkontrollierten Selbstgesprächen und anderen Verhaltensweisen bei Demenz erfordert Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen.
Tipps für den Umgang:
- Ruhe bewahren: Bleiben Sie ruhig und gelassen, auch wenn die Selbstgespräche oder andere Verhaltensweisen Sie belasten.
- Nicht korrigieren: Versuchen Sie nicht, den Betroffenen zu korrigieren oder zu widerlegen. Das kann zu Frustration und Aggression führen.
- Auf die Bedürfnisse eingehen: Versuchen Sie, die Ursache für die Selbstgespräche oder das Verhalten zu verstehen und auf die Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen.
- Ablenken: Versuchen Sie, den Betroffenen abzulenken, z.B. mit Musik, einem Spaziergang oder einer anderen Aktivität.
- Sicherheit gewährleisten: Schaffen Sie eine sichere Umgebung, in der sich der Betroffene wohlfühlt und nicht gefährdet.
- Kommunikation: Sprechen Sie in einfachen, kurzen Sätzen und wiederholen Sie wichtige Informationen bei Bedarf.
- Professionelle Hilfe: Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie überfordert sind oder die Situation sich verschlimmert.
Weitere Maßnahmen:
- Ursachenforschung: Versuchen Sie, die Ursachen für den Bewegungsdrang zu ermitteln (z.B. Schmerzen, Einsamkeit, Langeweile) und diese zu beheben.
- Sturzprophylaxe: Entfernen Sie Stolperfallen, bringen Sie Handläufe an und sorgen Sie für festes Schuhwerk.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und stellen Sie sicher, dass der Betroffene ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt.
- Beschäftigung: Bieten Sie dem Betroffenen altersgerechte und seinen Fähigkeiten entsprechende Beschäftigungsmöglichkeiten an.
- Soziale Kontakte: Fördern Sie soziale Kontakte und Aktivitäten, um Einsamkeit und Isolation zu vermeiden.
- Tagesstruktur: Schaffen Sie einen strukturierten Tagesablauf mit festen Essens- und Ruhezeiten.
- Entspannung: Bieten Sie Entspannungsmöglichkeiten an, z.B. Musiktherapie, Aromatherapie oder Massagen.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein, um Symptome wie Unruhe, Aggressivität oder Schlafstörungen zu lindern.
Medikamentöse Behandlung des Delirs
Bei der medikamentösen Behandlung des Delirs, das mit unkontrollierten Selbstgesprächen einhergehen kann, gilt Haloperidol als Goldstandard. Atypische Antipsychotika wie Olanzapin und Risperidon scheinen jedoch nicht unterlegen zu sein und können bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für extrapyramidale Störungen (EPS) vorteilhaft sein. Benzodiazepine sollten grundsätzlich vermieden werden, da sie selbst als Auslöser für ein Delirium gelten können. In einigen Fällen können sie jedoch gerechtfertigt sein, z. B. beim Delirium tremens.
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