In der heutigen schnelllebigen Welt suchen immer mehr Menschen nach Wegen, ihre Nerven auf natürliche Weise zu beruhigen. Stress, innere Unruhe und Schlafstörungen sind weit verbreitete Probleme, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von rezeptfreien Medikamenten, die helfen können, diese Beschwerden zu lindern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Optionen, von pflanzlichen Mitteln bis hin zu modernen Ansätzen wie CBD, und beleuchtet ihre Wirkungsweisen, Anwendungsgebiete und potenziellen Vorteile.
Ursachen von Stress und Unruhe
Stressbeschwerden können viele Ursachen haben. Überforderung im Job, Doppelbelastung, eine Lebenskrise, ein Pflegefall in der Familie oder eine nahende Prüfung - all dies kann zu einem Gefühl der Überforderung, innerer Unruhe, kreisenden Gedanken und Sorgen führen. Es ist wichtig, die individuellen Auslöser zu erkennen, um gezielte Maßnahmen ergreifen zu können.
Pflanzliche Beruhigungsmittel: Die Kraft der Natur
Viele Menschen greifen bei innerer Unruhe oder Einschlafproblemen bevorzugt zu pflanzlichen Alternativen. Sie gelten als gut verträglich und haben ein geringes Risiko für Abhängigkeit oder starke Nebenwirkungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erkennt für bestimmte Pflanzenextrakte entweder eine traditionelle Anwendung („traditional use“) oder eine wissenschaftlich gut belegte Anwendung („well-established use“) an.
Traditionelle Heilpflanzen im Überblick
- Baldrian: Ein traditionelles pflanzliches Mittel zur Behandlung von Schlaflosigkeit und Unruhezuständen - häufig auch als „Valium der Natur“ bezeichnet. Baldrianwurzel hat als Trockenextrakt den Status "well-established use".
- Passionsblume: Extrakte der Passionsblume haben beruhigende Eigenschaften, und Untersuchungen zeigen, dass sie auch Angstzustände lindern können. Für Arzneimittel werden bei der Passionsblume die oberirdischen Pflanzenbestandteile verwendet. Sie enthalten unter anderem Flavonoide, Schaftosid und Isovitexin sowie geringe Mengen ätherischer Öle.
- Hopfen: Hopfen wirkt beruhigend und kann bei Schlafstörungen helfen.
- Lavendel: Lavendel wird innerlich vor allem bei Unruhezuständen und ängstlicher Verstimmung angewandt. Lasea® ist ein pflanzliches Arzneimittel, das zur Linderung von innerer Unruhe und Ängsten entwickelt wurde und das spezielle Arzneilavendelöl Silexan® enthält.
- Melisse: Melisse wirkt vor allem Verspannungen lösend und fördert die Konzentration.
- Kamille: Die Kamille zählt zu den beliebtesten Heilpflanzen der Welt und zeigt hervorragende Wirkung bei Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden und Einschlafproblemen. Sie kann effektiv gegen Nervosität und Schlaflosigkeit eingesetzt werden, da sie Stoffe enthält, die ähnlich wie angstlösende Medikamente wirken. Die Wirkung der Kamille setzt nach ca. 45 Minuten ein.
- Schwarznessel: Die Schwarznessel kann unterstützend wirken bei leichter Schlaflosigkeit und besitzt beruhigende sowie krampflösende Eigenschaften. Die ESCOP empfiehlt die Schwarznessel zur Anwendung bei Reizbarkeit, anhaltender Anspannung und Nervosität.
- Weißdorn: Weißdorn ist vor allem für seine herzstärkende Wirkung bekannt und fördert die Durchblutung des Herzmuskels.
Tees und Extrakte
Tees können wohltuend wirken, insbesondere durch das Ritual und die Wärme. Sie enthalten aber meist zu geringe Wirkstoffmengen für eine nachweisbare medizinische Wirkung. Diese kann erst durch höhere Konzentrationen in Extrakten erreicht werden.
Calmalaif: Eine pflanzliche Kombination
Die Kombination der Wirkstoffe in Calmalaif soll Stress auf mehreren Ebenen lindern. Die Wirkstoffe dieser vier Pflanzen (Schwarznessel, Passionsblume, Baldrian und Weißdorn) ergänzen sich gegenseitig und können so Synergieeffekte entfalten. Alle Pflanzen besitzen beruhigende Eigenschaften, und ihre breit gefächerte Zusammensetzung wirkt auf unterschiedliche Weise gegen Stress.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Homöopathische Beruhigungsmittel
Homöopathische Beruhigungsmittel setzen auf stark verdünnte pflanzliche oder mineralische Inhaltsstoffe, die nach den Grundprinzipien der Homöopathie ausgewählt werden. Beispiele hierfür sind Lycopodium, Pulsatilla, Somcupin* oder die Pasconal Nerventropfen*.
Das Prinzip der Homöopathie
Das Prinzip der homöopathischen Medizin besteht darin, den Patienten zu behandeln, nicht die Krankheit. Homöopathen glauben, dass alle Krankheiten, ob geistig oder körperlich, auf eine Störung des normalen Energieflusses im menschlichen Organismus zurückzuführen sind.
Kritik und Vorteile
Es wurde viel darüber geforscht, ob die Homöopathie bei Angstzuständen wirksam ist oder nicht. Viele Befürworter der Homöopathie verweisen auf ihre lange Geschichte und ihre weit verbreitete Anwendung als Beweis für ihre Wirksamkeit. Als Therapie gegen Angstzustände hat sie jedoch bestimmte Vorteile, darunter den Placebo-Effekt. Wenn sie richtig angewendet wird, hat die Homöopathie auch nur minimale unerwünschte Folgen.
CBD: Cannabidiol als Entspannungshelfer
Cannabidiol (CBD), ein Bestandteil der Hanf-Pflanze, ist der neue Stern am Entspannungshimmel. Anders als THC, der psychoaktive Teil der Cannabispflanze, verursacht CBD keinen Rausch. Viele Betroffene berichten, dass sie sich durch CBD weniger nervös und gestresst und insgesamt ausgeglichener fühlen - ohne schläfrig oder unkonzentriert zu werden.
Wirkung von CBD im Körper
In den 1980er Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass jeder Mensch und jedes Säugetier ein sogenanntes Endocannabinoid-System besitzen. Durch die Einnahme von externen Cannabinoiden wie CBD (Phytocannabinoide) kann Einfluss auf diese Vorgänge genommen werden. In der richtigen Dosierung hat CBD eine mächtige Wirkung auf das Nervensystem. Es kann die Muskeln entspannen, den Blutdruck senken und das Wohlbefinden erhöhen. Denn Cannabidiol hemmt u.a. den Abbau des Botenstoffs Anandamid. Dadurch erhöht sich dessen Menge im Körper, was für ein Wohlgefühl sorgt.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Anwendung und Dosierung
Die beliebteste Einnahmeform ist das CBD Öl, es gibt jedoch auch CBD Kapseln oder CBD Gummies. Alle CBD Produkte sind legal erhältlich, wenn ihr THC-Gehalt maximal 0,2% beträgt. Um die individuell richtige Dosis herauszufinden, muss man bei CBD ein bisschen experimentieren. Der Normalbereich einer täglichen Dosis CBD liegt zwischen 10 und 100mg, allerdings sind auch viel höhere Mengen möglich.
Vorteile von CBD
Studien deuten darauf hin, dass CBD bei regelmäßigem Gebrauch nicht nur kurzfristige Entspannung fördert, sondern auch langfristig die Stressresistenz verbessern kann. Weiterer Vorteil von CBD: Es hat so gut wie keine Nebenwirkungen. Gelegentlich treten leichte Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Verdauungsprobleme auf, schwere unerwünschte Effekte sind äußerst selten.
Weitere rezeptfreie Optionen
Neben den bereits genannten Mitteln gibt es noch weitere rezeptfreie Optionen, die zur Beruhigung der Nerven beitragen können:
- L-Theanin: Eine Aminosäure, die vor allem in grünem Tee vorkommt und nachweislich bei der Beruhigung angespannter Nerven hilft.
- Magnesium: Ein Klassiker für Sportler, der Muskelkrämpfe vermeiden hilft, aber auch die Nerven beruhigen kann.
- 5-HTP: Eine essentielle Aminosäure, die für die Herstellung des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn verwendet wird, der zur Regulierung von Stimmung und Angstzuständen dient.
- Kalifornischer Mohn: Eine Heilpflanze, die schon von den amerikanischen Ureinwohnern als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt wurde und eine ähnliche, aber mildere Wirkung wie Morphin hat.
- Indische Schlangenwurzel: Eine blühende Pflanze, deren Wurzel in der alten ayurvedischen Behandlung verwendet wird und Menschen, die unter chronischen Sorgen oder Stress leiden, zu einer sofortigen Linderung ihrer Symptome verhelfen soll.
Aromatherapie
Die Aromatherapie nutzt ätherische Öle aus Pflanzen, um Körper und Geist in einen Zustand der Entspannung zu versetzen. Düfte wie Lavendel, Bergamotte, Kamille oder Ylang-Ylang können das Nervensystem positiv beeinflussen und Stresshormone wie Cortisol reduzieren.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Auch wenn rezeptfreie Beruhigungsmittel eine gute Option zur Linderung von Stress und Unruhe sein können, gibt es einige wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
- Wechselwirkungen: Wenn du gerade andere medizinische Substanzen einnimmst, solltest du die Einnahme von rezeptfreien Beruhigungsmitteln mit deinem Arzt absprechen.
- Nebenwirkungen: Auch pflanzliche Mittel können Wechsel- und Nebenwirkungen haben. Besonders das beliebte Johanniskraut hat einige Nebenwirkungen, die du nicht unterschätzen solltest, wie eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder Magen-Darm-Beschwerden.
- Fahrtüchtigkeit: Einige pflanzliche Beruhigungsmittel wie Tees und Tropfen aus Hopfen und Passionsblume können bei stärkerer Unruhe und Nervosität die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
- Anhaltende Beschwerden: Rezeptfreie Beruhigungsmittel sind für leichte Beschwerden gedacht. Bei anhaltenden oder schweren Symptomen wie starken Angstzuständen, Depressionen oder Schlafstörungen solltest du ärztlichen Rat einholen.
Beruhigungsmittel für Kinder: Vorsicht geboten
Wenn sich Eltern überfordert mit ihren Kindern fühlen, weil sie immerzu schreien oder rumzappeln, entsteht oft der Wunsch nach einem Beruhigungsmittel für das Kind. Doch ist es wirklich eine gute Idee, seinem Kind oder gar Baby beruhigende oder schläfrig machende Medikamente zu verabreichen? Auch wenn es für Eltern manchmal angenehm sein kann, ein Kind für einige Zeit ruhig zu stellen, raten wir eher davon ab. Oft wird mit Beruhigungsmitteln bei Kindern zu leichtfertig umgegangen und die Nebenwirkungen unterschätzt. Wenn eine Einnahme medizinisch betrachtet nicht unbedingt notwendig ist, sollte man es lieber unterlassen. Bei ernsthaften Ängsten oder Schlafstörungen eines Kindes empfiehlt es sich, zunächst einmal Beruhigungsmittel für Kinder rezeptfrei und pflanzlich auszuwählen. Für schwerwiegendere Probleme ist es ratsam, die Sache mit einem Arzt zu besprechen.
Entspannungsverfahren als Ergänzung
Auch wenn du Beruhigungsmittel rezeptfrei kaufen kannst und diese dir helfen können, zur Ruhe zu kommen - besonders wirkungsvoll sind sie oft in Kombination mit Entspannungsverfahren. Methoden wie progressive Muskelentspannung, Yoga, Atemübungen, autogenes Training oder Meditation unterstützen den Körper dabei, Stress abzubauen und innere Ausgeglichenheit zu fördern.
tags: #medikamente #fur #ausgleich #der #nerven