Voraussetzungen für ein erfolgreiches Neurologie-Studium

Das Studium der Neurologie ist ein anspruchsvoller, aber lohnender Weg für alle, die sich für die Funktionsweise des Nervensystems und die Behandlung neurologischer Erkrankungen interessieren. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Voraussetzungen, die für ein erfolgreiches Neurologie-Studium und eine anschließende Karriere als Neurologe erforderlich sind.

Einführung in die Neurologie

Das menschliche Gehirn und seine Funktionsweisen sind zu großen Teilen immer noch ein Mysterium. Welchen Einfluss hat das Gehirn auf unseren Körper und unsere Psyche? Das Studium der Neurowissenschaften beschäftigt sich darüber hinaus noch mit viel mehr Fragen rund um unser zentrales Nervensystem. Hierbei gehst Du im Neurowissenschaften-Studium interdisziplinär vor und nutzt die Möglichkeiten der Medizin, Biologie, Chemie, Mathematik und Informatik.

Neurologen beschäftigen sich mit Erkrankungen und Funktionsstörungen des Nervensystems, was auch das Gehirn und das Rückenmark beinhaltet. Wer als Neurologe tätig ist, hat es am Tag oft mit vielen unterschiedlichen Patienten zu tun, die mit ganz verschiedenen Problemen und Symptomen zu ihm kommen. Darauf folgt eine neurologische Untersuchung. Je nach Ergebnis veranlasst du bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), um mögliche Erkrankungen im Bereich des Nervensystems zu diagnostizieren. Alles, was du tust, musst du sorgfältig dokumentieren, um die Patientenakte zu pflegen und deine Leistungen abrechnen zu können.

Akademische Voraussetzungen

Bachelor-Studium als Grundlage

Um Facharzt für Neurologie zu werden, ist zunächst ein Studium der Humanmedizin vorgeschrieben. Hast du Approbation erhalten, darfst also in Deutschland als Arzt tätig sein, folgt die Facharztausbildung. Im Bereich Neurologie dauert sie weitere 5 Jahre. Von dieser Zeit musst du mindestens 12 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie und 6 in der intensivmedizinischen Versorgung im neurologischen Bereich verbringen.

Für Masterprogramme im Fach Neurowissenschaften benötigst Du meist einen Bachelorabschluss aus den Fachbereichen Medizin, Psychologie, Chemie, Biologie oder Philosophie. Die Voraussetzungen für Bewerber richten sich dabei vor allem nach dem Schwerpunkt des jeweiligen Studiengangs.

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Der Studiengang „B.Sc. Neurowissenschaften“ der medizinischen Fakultät vermittelt sowohl die notwendigen medizinisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen, z.B. Chemie, Physik, Physiologie, Biochemie und Neuroanatomie als auch tiefer greifende neurowissenschaftliche Module, z.B. Neuroanatomie der Rodentia und kognitive Neurowissenschaften vermittelt.

Anforderungen für den M.Sc. Biomedical Neuroscience

Um sich für den M.Sc. Biomedical Neuroscience bewerben zu können, benötigen Sie einen Bachelorabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss, welcher bei anabin mit H+ bewertet ist, im Bereich der Naturwissenschaften wie z.B.: Biologie, Biochemie, Molekulare Medizin, oder Physik. In Abhängigkeit von den absolvierten Modulen werden ggf. auch Abschlüsse in Psychologie, Gesundheitswissenschaften, oder Chemie in Betracht gezogen. Darüber hinaus kann sich bewerben, wer ein mindestens fünfjähriges Medizinstudium absolviert und den zweiten Teil des Staatsexamens in Medizin oder Veterinärmedizin bestanden hat. Die benötigten Schlüsselmodule umfassen Mathematik, Physik, Statistik, Chemie (anorganisch, physikalisch, organisch), Biochemie, Molekularbiologie, Physiologie und Immunologie. Für unseren M.Sc. BmN-Studiengang gibt es keinen bestimmten Notendurchschnitt als Anforderung. Wenn Ihre Universität auf anabin mit H+ bewertet ist, wird Ihr Abschluss höchstwahrscheinlich akzeptiert.

Hochschulzugangsberechtigung und Numerus Clausus (NC)

Sie benötigen i.d.R. eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung (HZB), z.B. ein Abitur oder ein Äquivalent. Nähere Informationen zur HZB erhalten Sie vom Studierendensekretariat. Wenn Sie eine deutsche Hochschulzugangsberechtigung haben, sind keine weiteren, fachspezifischen Voraussetzungen zu erfüllen.

Dieser Studiengang/dieses Studienfach ist zulassungsbeschränkt (NC). NC ist die Abkürzung für "Numerus Clausus" und bedeutet, dass es eine beschränkte Anzahl von Studienplätzen gibt. Diese Plätze werden nach den im Auswahlverfahren genannten Regeln vergeben (siehe Auswahlverfahren 1. Fachsemester). Welche Werte ausreichen, um einen Platz zu erhalten, ändert sich somit jedes Mal, je nach Studienplatzangebot und Anzahl der Bewerbungen. Es gibt keine Werte, die als NC vorab festgelegt werden.

Da die Uni Köln den einzigen Bachelorstudiengang im Fach Neurowissenschaften anbietet, gibt es naturgemäß viele Bewerber. Deshalb verwundert es nicht, dass dieser Studiengang stetig einen NC von 1,0 hat.

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Auswahlverfahren

Es gibt ein örtliches Auswahlverfahren (NC). Um einen Studienplatz zu erhalten, müssen Sie sich fristgerecht bewerben. Die Details können Sie auf der Internetseite zum örtlichen Auswahlverfahren einsehen. Wenn Sie schon einen ersten Abschluss einer deutschen Hochschule haben, dann gelten die Regelungen zum Zweitstudium.

Bei der Vergabe der Studienplätze wird die Abiturdurchschnittsnote berücksichtigt. Weiteres Auswahlkriterium: Wartezeit. Als Wartezeit werden automatisch die Semester berücksichtigt, die man nach Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (z.B. Abitur) an keiner deutschen Hochschule eingeschrieben war.

Sprachkenntnisse

Da der Studiengang M.Sc. Biomedical Neuroscience auf Englisch unterrichtet wird, sind ausreichende Sprachkenntnisse zwingend erforderlich.

Meist musst Du einen Nachweis über Deine Englischkenntnisse erbringen, weil die Fachliteratur hauptsächlich in englischer Sprache verfasst ist.

Ein Sprachnachweis mit ausreichender Punktzahl ist für die Bewerbung zwingend erforderlich. Es werden auch ältere anerkannte Sprachzertifikate akzeptiert, wenn sie im PDF-Format hochgeladen werden. Die auf den Zeugnissen angegebene zeitliche Gültigkeit ist für die Bewerbung an der TUM nicht relevant. Die Regelungen zur Mindestnote gelten auch für ältere Sprachzeugnisse.

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Weitere formale Kriterien

Auch wenn Sie bereits in einem Masterstudiengang immatrikuliert sind, müssen Sie das Bewerbungsverfahren für den Masterstudiengang durchlaufen und können das Studium erst zum Wintersemester beginnen. Nach der Immatrikulation können Sie einen Antrag auf Anerkennung Ihrer im Masterstudiengang absolvierten Leistungen stellen. Dies ist nur für jene Lehrveranstaltungen möglich, die als identisch mit den entsprechenden Lehrveranstaltungen im M.Sc. BmN angesehen werden. Die Entscheidung, ob Ihr Antrag angenommen wird, liegt bei der jeweiligen Professorin bzw. dem jeweiligen Professor. Bitte fragen Sie nicht nach, ob Ihre Kurse anerkannt werden, bevor Sie sich für den M.Sc.

Ja, wir akzeptieren jedes VPD, das für die TUM ausgestellt wurde. Das Ausstellungsdatum sowie das angegebene Ablaufdatum sind für die Bewerbung an der TUM nicht relevant. Bitte beachten Sie aber, dass es nicht möglich ist, ein Bachelor-VPD für eine Bewerbung für einen Master zu verwenden und umgekehrt, denn das VPD für eine Bewerbung für einen Bachelor und das VPD für eine Bewerbung für einen Master sind völlig unterschiedliche Dokumente!

Persönliche und fachliche Kompetenzen

Neben den formalen Voraussetzungen sind bestimmte persönliche und fachliche Kompetenzen für ein erfolgreiches Neurologie-Studium und die spätere Berufspraxis von Bedeutung:

  • Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen: Wenn Sie Neurowissenschaften studieren möchten, sollten Sie über vertiefte Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Schulfächern Biologie, Chemie, Physik und natürlich Mathematik verfügen.
  • Analytisches Denkvermögen: Du interessierst Dich dafür, wie menschliches Denken, Fühlen und Verhalten miteinander in Verbindung stehen und möchtest die dazugehörigen wissenschaftlichen Ansätze verstehen?
  • Empathie und Kommunikationsfähigkeit: Wichtig für den Beruf Neurologe ist auch, dass du dich gut in Menschen hineinversetzen und einfühlsam mit ihnen kommunizieren kannst. Schließlich teilst du ihnen manchmal lebensverändernde Diagnosen mit und solltest diese mit entsprechendem Feingefühl anbringen.
  • Sorgfalt und Genauigkeit: Alles, was du tust, musst du sorgfältig dokumentieren, um die Patientenakte zu pflegen und deine Leistungen abrechnen zu können.
  • Räumliches Denken und Beobachtungsgabe: Ein gutes räumliches Denken und eine ausgeprägte Beobachtungsgabe helfen dir ebenfalls, genauso wie geschickte Hände und eine gute Selbstorganisation.

Inhalte und Schwerpunkte des Studiums

Das Bachelorstudium Neurowissenschaften vermittelt in Theorie und Praxis die relevanten neurowissenschaftlichen Themen. Das Studium kombiniert Vorlesungen und Kurse sowie obligatorische Laborpraktika. Es schliesst eine intensive Ausbildung im technisch-praktischen Bereich ("skills lab") ein.

Im Masterstudium erhältst Du die Möglichkeit, Grundlagen der Neurowissenschaft zu erlernen und zusätzlich von Dir gewählte Schwerpunkte zu vertiefen. Auch im Master gehen Deine theoretische und Deine praktische Ausbildung Hand in Hand.

Core Curriculum

Über das Core Curriculum werden Basisfertigkeiten sowie Schlüsselqualifikationen vermittelt, die Grundlage jeder eigenständigen wissenschaftlichen Tätigkeit sind. Diese Fertigkeiten werden mit unmittelbarem Praxisbezug durch unterschiedliche DozentInnen in den einzelnen Modulen vermittelt. Sie umfassen im Einzelnen:

  • Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit (z.B. die Entwicklung von Fragestellungen, die Versuchsplanung)
  • Good laboratory practice (GLP) wie Konzeption und Dokumentation von Experimenten
  • Grundlagen publikatorischer Tätigkeit einschließlich des Gebrauchs des Englischen als Wissenschaftssprache
  • Projektmanagement
  • Grundlagen der Bioinformatik (z.B. die Arbeit mit Gendatenbanken)
  • Grundlagen der Epidemiologie, der klinischen Prüfungen und der Gesundheitsökonomie
  • Ethische Fragen der Biomedizin

Forschungspraktikum

Während des Bachelorstudiums absolvierst Du im vierten Semester ein sechsmonatiges Forschungspraktikum.

Das obligatorische Praktikum im 4. Fachsemester vermittelt den Studierenden einen unmittelbaren Einblick in die Praxis neurowissenschaftlicher Forschung in industriellen und akademischen Bereichen. Es erlaubt den Studierenden die praktische Anwendung ihrer bis dahin erworbenen theoretischen Kenntnisse.

Abschlussarbeit

In der Abschlussarbeit ist ein Problem der experimentellen und/oder klinischen Neurowissenschaften selbstständig mit wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.

Finanzierung des Studiums

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Neurowissenschaften-Studium zu finanzieren:

  • Stipendien: Mit einem Stipendium kannst Du Neurowissenschaften studieren und wirst hierbei finanziell unterstützt. Stipendien gibt es von staatlichen und privaten Förderern. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass nur Studenten mit exzellenten Studienleistungen die Chance auf ein Stipendium haben. Stattdessen gibt es unzählige Förderprogramme mit ganz unterschiedlichen Aufnahmebedingungen.
  • BAföG: BAföG ist eine sehr beliebte Möglichkeit zur Finanzierung eines Neurowissenschaften-Studiums. Ob Du Anspruch auf BAföG hast, steht vor allem mit den Vermögensverhältnissen Deiner Eltern in Zusammenhang. Wenn Du BAföG beantragen möchtest, kannst Du einen digitalen Assistenten nutzen. So wird Dir das Ausfüllen der Formulare deutlich erleichtert.
  • Studienkredit: Ein Studienkredit ist eine weitere Möglichkeit, wie Du Dich während Deines Neurowissenschaften-Studiums finanzieren kannst. Wenn Du mit dem Studium fertig bist und einen Job gefunden hast, beginnst Du nach einer gewissen Karenzzeit mit der BAföG-Rückzahlung. Allerdings fallen bei einem Stundienkredit anders als bei BAföG Zinsen an.
  • Studentenjob: Mit einem Studentenjob kannst Du Neurowissenschaften studieren und nebenbei ein bisschen Geld verdienen. Eine tolle Möglichkeit ist ein Job als Werkstudent. Du musst nicht nur sehr geringe Abgaben bezahlen, sondern bekommst auch wichtige Einblicke in die Berufspraxis von Neurowissenschaftlern.

Berufsperspektiven

Im Fachgebiet der Neurowissenschaften gibt es unzählige Jobs.

  • Wissenschaft: Wenn Du Neurowissenschaften studieren möchtest und später im Bereich der Forschung arbeiten willst, könntest Du als Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschungsprojekte koordinieren. Da der Fachbereich der Neurowissenschaften noch relativ jung ist, betreibst Du dort vor allem Grundlagenforschung. Durch neue Forschungsmethoden und Entwicklungen im technischen Bereich werden die Neurowissenschaften stetig revolutioniert. Deine Forschungserkenntnisse sollen dazu beitragen, Krankheiten neurologischen Ursprungs wie Depression, Parkinson oder Alzheimer zukünftig effizienter bekämpfen zu können.
  • Klinischer Bereich: Absolventen des Neurowissenschaften-Studiums sind auch im klinischen Bereich willkommen. Dort arbeitest Du zum Beispiel in der Diagnostik und Behandlung psychiatrischer Erkrankungen mit hirnphysiologischen Ursprüngen.
  • Pharmaindustrie: Als Neurowissenschaftler in der Pharmaindustrie entwickelst Du Medikamente, um neurologische Erkrankungen zu heilen oder zumindest deren Symptome zu lindern.

Grundsätzlich kannst Du nach Deinem Neurowissenschaften-Studium mit einem guten Einstiegsgehalt rechnen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Nachfrage nach Neurowissenschaftlern stetig steigt, es aber noch relativ wenige Absolventen in diesem Bereich gibt. Bei Neurowissenschaftlern geht die Gehaltsspanne deutlich weiter auseinander als bei Absolventen anderer Studienrichtungen. Vor allem als promovierter Neurowissenschaftler steigerst Du Deine Chancen auf ein hohes Gehalt.

Als Assistenzarzt in der Facharztausbildung wirst du nach dem jeweils geltenden Tarifvertrag bezahlt. Vorher, während dem Medizin Studium bekommst du kein Gehalt, in der Facharztzeit wirst du anschließend jedoch bezahlt. Als Neurologe bedeutet das ein Anfangsgehalt von etwa 4.000 bis 5.000 Euro zu Beginn der Weiterbildung. Als ausgebildeter Facharzt kannst du dann noch mal deutlich mehr verdienen.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Als Neurologe bieten sich viele verschiedene Optionen für eine Weiterbildung, um dein Wissen zu vertiefen oder deine Karriere auf das nächste Level zu bringen. Außerdem ist eine Fokussierung auf ein Teilgebiet der Neurologie möglich, wie Vaskuläre Neurologie (Durchblutungsstörungen des Gehirns) oder Neuroonkologie (Tumorerkrankungen des Nervensystems).

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