Multiple Sklerose: Ursachen, Risiken und Familiäre Häufung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie manifestiert sich durch Schübe, die in ihrer Schwere und Dauer variieren können. Aufgrund der vielfältigen Symptome wird MS oft als die "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" bezeichnet. Weltweit leben etwa 2,8 Millionen Menschen mit MS, in Deutschland sind es etwa 280.000. Jährlich kommen rund 15.000 neue Diagnosen hinzu.

Ursachen von Multipler Sklerose: Ein Zusammenspiel von Genen und Umwelt

Die genauen Ursachen von MS sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren eine entscheidende Rolle spielt.

Genetische Anfälligkeit

MS ist keine klassische Erbkrankheit im eigentlichen Sinne. Es wird jedoch eine gewisse genetische Anfälligkeit für die Krankheit vererbt. Das bedeutet, dass bestimmte Gene die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, an MS zu erkranken. So haben Kinder von Eltern mit MS ein erhöhtes Risiko, selbst an MS zu erkranken.

Studien mit eineiigen Zwillingen, die zu 100 % dasselbe Erbgut haben, zeigen, dass MS nicht ausschließlich genetisch bedingt ist. Wenn MS eine reine Erbkrankheit wäre, müsste in jedem Fall, in dem ein eineiiger Zwilling MS hat, auch der andere Zwilling betroffen sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr erkranken nur in etwa 25 % der Fälle beide eineiigen Zwillinge an MS, während in 75 % der Fälle nur ein Zwilling betroffen ist. Dies deutet darauf hin, dass Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von MS spielen.

Umweltfaktoren

Verschiedene Umweltfaktoren werden als mögliche Auslöser oder Verstärker von MS diskutiert. Dazu gehören:

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  • Virale Infektionen: Bestimmte Virusinfektionen, wie das Epstein-Barr-Virus (EBV), Masern-Viren oder Herpes-Viren, könnten die Entwicklung von MS begünstigen. Eine große Militärstudie in den USA hat gezeigt, dass Personen nach einer durchgemachten EBV-Infektion eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an MS zu erkranken. Auch im Nervenwasser von MS-Patienten lassen sich häufig positive MRZ-Reaktionen (Masern, Röteln, Varizella zoster) feststellen, was auf eine Beteiligung von Viren hindeutet.
  • Vitamin-D-Mangel: Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wird mit einem erhöhten MS-Risiko in Verbindung gebracht. Vitamin D hat eine wichtige Funktion für das Immunsystem.
  • Rauchen: Rauchen gilt als Risikofaktor für MS und kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Raucher haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, zu erkranken und häufiger auch einen ungünstigeren Krankheitsverlauf.
  • Übergewicht: Auch Übergewicht spielt eine Rolle bei der Entstehung von MS.
  • Ernährung: Eine ungesunde Ernährung, insbesondere ein hoher Salzkonsum und der Konsum von Milchprodukten, könnte sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Frauen sind etwa doppelt so häufig von MS betroffen wie Männer. Es wird vermutet, dass hormonelle Faktoren oder Unterschiede im Immunsystem eine Rolle spielen könnten.

Familiäre Häufung von MS: Vater oder Mutter?

Kinder von Eltern mit MS haben ein erhöhtes Risiko, selbst an MS zu erkranken. Das allgemeine MS-Risiko in der Bevölkerung liegt bei etwa 0,1 Prozent. Ist ein Elternteil an MS erkrankt, so beträgt das Risiko für das Kind, im Laufe seines Lebens an MS zu erkranken, etwa zwei bis drei Prozent. Leiden beide Elternteile an MS, so liegt das Risiko für die Kinder bei etwa 20 Prozent.

Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass Väter mit MS die Krankheit mehr als doppelt so häufig an ihre Kinder weitergeben als Mütter. Die Wissenschaftler vermuten, dass Männer resistenter gegen MS sind als Frauen und daher eine stärkere erbliche Belastung benötigen, damit es zum Ausbruch der Erkrankung kommt. Diese ausgeprägte genetische Disposition würde dann eher auf die Kinder übertragen werden.

Die Rolle des Immunsystems bei MS

MS ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise gesunde Strukturen des zentralen Nervensystems angreift. Im Falle von MS sind dies die Myelinscheiden, die die Nervenfasern umhüllen und für eine schnelle und reibungsloseSignalübertragung verantwortlich sind.

Das Immunsystem erkennt bestimmte Eiweiße (Proteine) auf der Oberfläche der Myelinzellen fälschlicherweise als fremd und bekämpft sie. Dieser Angriff geschieht im Gehirn meist herdförmig, d.h. nicht im ganzen zentralen Nervensystem, sondern in vielen unterschiedlichen Bereichen. Der akute Entzündungsprozess äußert sich für den Patienten als Schub der Krankheit. Im Nervengewebe kommt es daraufhin zur Narbenbildung (Sklerose).

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Symptome von Multipler Sklerose

Die Symptome von MS sind sehr vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Sie hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems von der Entzündung betroffen sind. Häufige Symptome sind:

  • Taubheitsgefühle: Taubheitsgefühle in Armen, Beinen oder im Gesicht sind ein häufiges Frühsymptom von MS.
  • Sehnerventzündung: Eine Sehnerventzündung kann zu einem "Schleiersehen" auf dem betroffenen Auge führen. Betroffene sehen dann nur noch wie durch ein Milchglas, nehmen Farben nicht mehr so kräftig wahr und können nicht mehr so gut lesen.
  • Bewegungsstörungen und Koordinationsstörungen: Entzündungen im Kleinhirn oder Hirnstamm können zu Bewegungsstörungen und Koordinationsstörungen führen. Betroffene haben dann z.B. Probleme beim Greifen oder Schreiben oder laufen wackelig.
  • Lähmungen: Wenn die Motorikfasern, also die Nervenzellen, die Signale zur Muskulatur leiten, betroffen sind, kann es zu Lähmungen kommen.
  • Schmerzen: Viele MS-Patienten leiden unter Schmerzen.
  • Blasenbeschwerden und sexuelle Störungen: Auch Blasenbeschwerden und sexuelle Störungen können im Rahmen von MS auftreten.
  • Gedächtnisprobleme: Im Laufe der Zeit kann es zu Gedächtnisproblemen kommen, insbesondere zu Teilleistungsstörungen wie Problemen beim Multitasking oder Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit und Konzentration.
  • Fatigue: Viele Patienten leiden unter dem Fatigue-Syndrom, das mit Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit einhergeht.

Diagnose von Multipler Sklerose

Die Diagnose von MS kann schwierig sein, da die Symptome sehr vielfältig sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. In der Regel werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu sichern:

  • Neurologische Untersuchung: Der Neurologe untersucht die Nervenfunktionen des Patienten, z.B. dieSensibilität, die Motorik, die Koordination und die Reflexe.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT des Gehirns und des Rückenmarks kann Entzündungsherde und Narben (Sklerosen) im Nervengewebe sichtbar machen.
  • Lumbalpunktion: Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser entnommen und untersucht. Bei MS-Patienten finden sich häufig bestimmte Antikörper im Nervenwasser.
  • Evoked Potentials: Mit Hilfe von Evoked Potentials können die Nervenleitgeschwindigkeit und die Funktion der Sinnesorgane überprüft werden.

Behandlung von Multipler Sklerose

MS ist derzeit nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Schubtherapie

Ein akuter Krankheitsschub wird in der Regel mit Kortison behandelt. Kortison wirkt entzündungshemmend und kann die Symptome des Schubs lindern.

Basistherapie

Die Basistherapie zielt darauf ab, die Krankheitsaktivität langfristig zu reduzieren und das Auftreten neuer Schübe zu verhindern. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die das Immunsystem modulieren oder unterdrücken.

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Symptomatische Therapie

Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, die einzelnen Symptome von MS zu lindern. Hierfür können verschiedene Medikamente und Therapien eingesetzt werden, z.B. Schmerzmittel, Muskelrelaxantien, Physiotherapie, Ergotherapie undPsychotherapie.

Lebensstiländerungen

Neben der medikamentösen Therapie können auch Lebensstiländerungen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Dazu gehören:

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst undBallaststoffen sowie wenig Salz und gesättigten Fetten wird empfohlen.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung können die Muskelkraft, die Koordination und die Ausdauer verbessern.
  • Nichtrauchen: Rauchen kann den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen und sollte vermieden werden.
  • Vitamin-D-Spiegel: Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel sollte angestrebt werden.

Familienplanung bei MS

MS stellt in der Regel kein Hindernis für die Familienplanung dar. Studien zeigen, dass die Erkrankung bei Männern in der Regel keine direkte Zeugungsunfähigkeit auslöst. Bei einigen Betroffenen kann MS allerdings zeitweise zu Erektionsstörungen führen. Frauen mit MS können in der Regel schwanger werden und gesunde Kinder zur Welt bringen. Es ist jedoch wichtig, dieMedikation während der Schwangerschaft mit dem Arzt abzusprechen, da einige Medikamente dem Kind schaden könnten.

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