Jeder kennt das Gefühl, wenn die Schlüssel verschwunden sind, der Name des neuen Nachbarn entfallen ist oder der vereinbarte Termin in Vergessenheit geraten ist. Hin und wieder etwas zu vergessen, ist völlig normal und betrifft Menschen jeden Alters. Unser Gedächtnis speichert nicht nur Daten, Fakten und Erinnerungen, sondern auch Bewegungen und Routinen. Diese immense Aufgabe erfordert viel Energie von den Milliarden von Nervenzellen in unserem Gehirn.
Die Funktionsweise des Gedächtnisses
Die Leistung des Gehirns in Speicherkapazität umzurechnen ist schwierig, aber es ist verständlich, dass das Gedächtnis diese enorme Kapazität nicht dauerhaft voll ausschöpft. Eine Flut von unwichtigen Informationen würde uns im Alltag eher behindern als nützen. Das Gedächtnis älterer Menschen arbeitet langsamer als das von jüngeren, was dazu führt, dass ältere Menschen in lebhaften Diskussionen oder bei vielen neuen Informationen leichter den Faden verlieren. Das Langzeitgedächtnis hingegen bleibt im Alter oft stabil.
Ursachen von Vergesslichkeit
Wenn Gedächtnislücken zunehmen und den Alltag beeinträchtigen, können sie verunsichern. Auch jüngere Menschen kämpfen in herausfordernden Situationen mit Vergesslichkeit. Doch nicht nur ein hektischer Alltag kann vergesslich machen. Auch einige Medikamente können Vergesslichkeit als Nebenwirkung haben, insbesondere Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel. Entwässerungstabletten oder blutdrucksenkende Mittel können ebenfalls das Gedächtnis schwächen, besonders bei längerer Einnahme oder hoher Dosierung. In solchen Fällen ist es wichtig, mit den behandelnden Ärzten zu sprechen, um eventuell die Dosis anzupassen oder das Medikament zu wechseln.
Wenn Vergesslichkeit zur Belastung wird
Es ist ratsam, den Hausarzt auf Vergesslichkeit anzusprechen. Einfache Tests können helfen, die Ursache zu ermitteln. Bei anhaltenden Schwierigkeiten ohne organische Ursachen kann eine Gedächtnissprechstunde in einer Klinik weiterhelfen. Hier untersuchen Fachleute, wann und welche Beschwerden auftreten. Eine Demenz als Ursache der Vergesslichkeit kommt in der Regel erst ab dem 50. Lebensjahr in Betracht.
Demenz: Viele Gesichter einer Erkrankung
Der Begriff Demenz umfasst verschiedene Erkrankungen. Altersbedingte Durchblutungsstörungen können Gedächtnisprobleme verursachen, was als vaskuläre Demenz bezeichnet wird. Hier kann die richtige Einstellung von Blutzucker und Blutdruck helfen. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann eine Ursache sein. Bei Alzheimer hingegen führen Eiweißablagerungen im Gehirn zum unwiederbringlichen Absterben von Hirnzellen. Die Diagnose sollte jedoch immer von einem Mediziner gestellt werden.
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Strategien zur Stärkung der Gehirnleistung
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Gehirnleistung zu unterstützen und Vergesslichkeit entgegenzuwirken:
1. Bewegung für eine bessere Durchblutung
Regelmäßige Bewegung regt die Durchblutung an und versorgt das Gehirn mit mehr Sauerstoff. Ob Walken, Radfahren, Joggen, Tanzen, Yoga oder rhythmische Sportgymnastik - jede Form der Bewegung ist wertvoll und schult gleichzeitig die Koordination. Aerobes Training wie Radfahren oder Joggen kann das Schrumpfen des Hippocampus verlangsamen, dem Teil des Gehirns, der für das Gedächtnis zuständig ist.
2. Ernährung fürDenkenergie und Vitalstoffe
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse versorgt das Gehirn mit der nötigen Energie und Vitalstoffen. Gesunde Fette aus Pflanzenölen wie Leinöl, Olivenöl und Nüssen sind wichtig für die Nervenzellen. Fetter Seefisch enthält zudem wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Ergänzend können Mineralstoff- und Vitaminkombinationen aus der Apotheke eingenommen werden, besonders wenn keine Zeit für eine vielfältige Küche bleibt.
3. Flüssigkeitszufuhr gegen das Nachlassen des Gedächtnisses
Flüssigkeitsmangel kann das Gedächtnis schnell beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, täglich eineinhalb bis zwei Liter Wasser, Tee oder stark verdünnte Saftschorle zu trinken.
4. Pausen für neue Energie
Das Gehirn kann etwa 90 Minuten lang volle Leistung erbringen. Danach ist eine Pause wichtig, um neue Energie zu tanken.
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5. Schlaf zur Verarbeitung und Speicherung
Im Schlaf werden die Erlebnisse des Tages verarbeitet, geordnet und gespeichert. Dabei entstehen neue Nervenverknüpfungen und Unwichtiges wird gelöscht. Wahrscheinlich werden bei den Aufräumarbeiten auch potenziell schädliche Eiweiße aus dem Gehirn transportiert.
6. Abwechslung statt Gewohnheit
Gewohnheiten erleichtern den Alltag, aber Abwechslung fordert das Gehirn. Ein neues Hobby oder ein neuer Kurs im Sportverein können helfen, das Gehirn zu stimulieren.
7. Gehirnjogging für Konzentration und Merkfähigkeit
Rätsel lösen, Rechnen oder Begriffe merken - solche gezielten Übungen sind ein Work-out für das Gedächtnis und trainieren Gehirnleistungen wie Konzentration, Merkfähigkeit oder logisches Denken.
Brain Fog: Wenn der Nebel im Gehirn liegt
Brain Fog, auch Gehirnnebel genannt, ist ein weitverbreitetes Phänomen, das die Konzentration raubt und den Blick aufs Wesentliche vernebelt. Betroffene können nicht mehr klar denken, vergessen einfache Dinge und fühlen sich wie in Watte gepackt.
Symptome von Brain Fog
Brain Fog beschreibt einen Zustand, in dem das Denken beeinträchtigt ist. Es wird angenommen, dass kleine Entzündungen im Gehirn dieses diffuse Gefühl erzeugen. Besonders betroffen ist das limbische System, in dem Emotionen und Erinnerungen verarbeitet werden. Diese Irritationen können kurz oder lang andauern.
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Ursachen von Brain Fog
Brain Fog ist kein medizinisch definierter Begriff, sondern ein Warnsignal des Gehirns, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Häufige Ursachen sind:
- Ernährung: Eine unausgewogene oder falsche Ernährung, insbesondere der Konsum von leeren Kohlenhydraten oder Zucker, kann zu einem schnellen Leistungsabfall im Gehirn führen. Auch ein Mangel an hochwertigen Fetten, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, kann die mentale Leistung schwächen.
- Unverträglichkeiten und Allergien: Brain Fog kann ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln sein, insbesondere Gluten.
- Flüssigkeitsmangel: Wassermangel verursacht Konzentrationsprobleme und kann schon bei geringer Unterversorgung große Folgen haben.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Rosenwurz oder Magnesium kann Brain Fog verursachen.
- Schlafmangel: Wenn das Gehirn nachts nicht abschalten und sich erholen kann, ist es am nächsten Tag nicht voll leistungsfähig.
- Stress: Zu viel negativer Stress kann dazu führen, dass das Gehirn vernebelt wird und man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
- Kaffee-Entzug: Der Verzicht auf Kaffee oder Schwarztee kann Entzugserscheinungen wie Brain Fog auslösen.
- Bewegungsmangel: Bei zu wenig körperlicher Bewegung wird das Gehirn nicht ausreichend durchblutet.
- Umweltgifte: Toxine wie Formaldehyd oder Polychlorierte Biphenyle können Brain Fog verursachen.
Behandlung von Brain Fog
Um Brain Fog zu behandeln, ist es wichtig, die Ursache zu finden und zu beheben. Mögliche Maßnahmen sind:
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene, zuckerarme und nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren.
- Nahrungsergänzungsmittel: Bei einem Nährstoffmangel können Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B12, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Rosenwurz oder Magnesium helfen.
- Ausreichend Schlaf: Für eine erholsame Schlafphase sorgen.
- Stressmanagement: Stress reduzieren und Entspannungstechniken anwenden.
- Regelmäßige Bewegung: Für eine bessere Durchblutung des Gehirns sorgen.
- Vermeidung von Umweltgiften: Kontakt mit Umweltgiften reduzieren.
Neugierde bewahren und den Geist fordern
Wer auch im hohen Alter neugierig bleibt und seinen Geist fordert, kann das Altern des Gehirns auf wirkungsvolle Weise stoppen. Das Erlernen neuer Hobbys hat positive Effekte auf die graue Substanz im Kopf. Wann immer wir eine neue Fähigkeit einüben, verändern sich Nervenzellen und passen sich Areale im Gehirn an die neuen Anforderungen an. Durch geistiges Training kann das Altern des Gehirns also wirksam aufgehalten werden.
Tricks zur Stimulierung der Neugier
- Gibt es einen Aspekt beim Kochen, den man noch nie beachtet hat?
- Könnte man eine immer gleich zubereitete Speise mit einer neuen Würzmischung variieren?
- Oder vielleicht ein ganz neues Rezept ausprobieren?
- Lassen sich auf der gewohnten Fahrt zur Kirche oder in die Stadt noch nie beachtete Fassaden, Geschäfte oder Nebenstraßen entdecken?
- Und welche Pflanzen wachsen eigentlich da am Wegesrand?
Die Neugier stachelt sich gleichsam selbst an. Wer erst einmal beginnt, sich für etwas zu interessieren, wird ganz von allein wissbegieriger.
Gedächtnis löschen: Medizinisch möglich, ethisch fragwürdig
Nach Katastrophen oder Gewaltanwendung wirkt es für viele Menschen wie eine segensreiche Versprechung, die Erinnerung an das Geschehene zu löschen. Es gibt sowohl Möglichkeiten dies mit Medikamenten zu bewerkstelligen, als auch durch eine Art Verhaltenstherapie. Das Gedächtnis zu löschen ist jedoch sehr umstritten.
Möglichkeiten der Gedächtnislöschung
- Medikamente: Wissenschaftler haben eine Substanz entwickelt, die den molekularen Speicherprozess auslöschten.
- Verhaltenstherapie: Psychologen haben eine Methode entwickelt, bei der Personen einen Tag nach einem belastenden Reiz einen ähnlichen Reiz vorgesetzt bekamen. Durch die neue Präsentation wurde der belastende Reiz gelöscht.
Obgleich es also so scheint, als sei es möglich das Gedächtnis zu löschen, bleibt die ethische Frage, ob dies legitim ist. Schließlich kann man auch argumentieren, dass wir erst zu dem werden, was wird sind, durch die Erfahrungen, die wir machen, seien sie positiv oder negativ.
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