Die Meningokokken-B-Impfung ist ein wichtiger Schritt, um Kinder vor schweren Erkrankungen wie Hirnhautentzündung und Blutvergiftung zu schützen. Seit Januar 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Meningokokken-B-Impfung standardmäßig für alle Säuglinge ab zwei Monaten. Allerdings kann die Impfung, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, mit Fieber verbunden sein. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Meningokokken-B-Impfung, die Rolle von Paracetamol zur Fieberprophylaxe und gibt praktische Hinweise für Eltern.
Was sind Meningokokken und warum ist eine Impfung wichtig?
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die im Nasen-Rachen-Raum siedeln und durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sie können eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Meningokokken-Erkrankungen sind zwar selten, verlaufen aber oft schwer und können in bis zu 10 Prozent der Fälle tödlich sein.
Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, wobei in Deutschland die Serogruppe B am häufigsten vorkommt. Die STIKO empfiehlt seit 2006 eine Impfung gegen Meningokokken C für alle Kinder zu Beginn des zweiten Lebensjahres. Seit Januar 2024 wird auch die Meningokokken-B-Impfung für Säuglinge und Kleinkinder empfohlen.
Die Meningokokken-B-Impfung: Empfehlungen und Impfschema
Die STIKO empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung mit dem Impfstoff Bexsero für Säuglinge und Kleinkinder nach dem 2+1-Schema im Alter von 2, 4 und 12 Monaten. Es ist möglich, die Impfungen mit anderen von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen an einem Termin zu verabreichen. Nachholimpfungen werden für Kinder bis zum 5. Geburtstag empfohlen.
Die Impfung soll die Zahl der invasiven MenB-Erkrankungen reduzieren und mögliche Folgen schwerer Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern verhindern. Da das Erkrankungsrisiko im ersten Lebensjahr am höchsten ist, ist die frühzeitige Impfung aller Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten wichtig.
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Fieber als Impfreaktion: Warum Paracetamol?
Eine bekannte Nebenwirkung der Meningokokken-B-Impfung ist Fieber. Der Impfstoff Bexsero gilt als reaktogen, was bedeutet, dass er häufiger zu Impfreaktionen führt als andere Impfstoffe. Um Fieber und Schmerzen nach der Impfung zu vermeiden, empfiehlt die STIKO für Kinder unter zwei Jahren prophylaktisch Paracetamol zur Schmerz- und Fiebersenkung.
Paracetamol ist ein schmerzlinderndes und fiebersenkendes Medikament, das in der Regel gut verträglich ist. Es wird empfohlen, Paracetamol zeitgleich mit der Impfung oder kurz danach und für 24 Stunden zu verabreichen.
Aktualisierte Empfehlungen zur Paracetamol-Gabe
Die STIKO hat ihre Empfehlungen zur Paracetamol-Gabe im Zusammenhang mit der Meningokokken-B-Impfung mehrfach aktualisiert. Die aktuelle Version des Epidemiologischen Bulletins 3/2024 vom 16. April 2024 enthält detaillierte Dosierungsangaben, die an das Gewicht und das Alter des Kindes angepasst sind.
Übersicht der Paracetamol-Prophylaxe für Säuglinge bei Meningokokken-B-Impfung
| Gewicht des Säuglings bei Impfung | 1. Gabe | 2. Gabe | 3. Gabe | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|---|---|
| Paracetamol-Zäpfchen (75 mg) | ||||
| ≥ 3 bis < 4 kg | 75 mg (1 Zäpfchen) bei Impfung | 75 mg (1 Zäpfchen) 8-12 h nach erster Gabe | - | 150 mg |
| ≥ 4 kg | 75 mg (1 Zäpfchen) bei Impfung | 75 mg (1 Zäpfchen) 6-8 h nach erster Gabe | 75 mg (1 Zäpfchen) 6-8 h nach zweiter Gabe | 225 mg |
| Paracetamol-Saft (40 mg/ml) | ||||
| ≥ 3 bis < 4 kg | 1,0 ml (40 mg) bei Impfung | 1,0 ml (40 mg) 8-12 h nach erster Gabe | 1,0 ml (40 mg) 8-12 h nach zweiter Gabe | 160 mg |
| ≥ 4 kg | 1,5 ml (60 mg) bei Impfung | 1,5 ml (60 mg) 6-8 h nach erster Gabe | 1,5 ml (60 mg) 6-8 h nach zweiter Gabe | 240 mg |
Wichtige Hinweise:
- Die Paracetamoldosierung muss an das Gewicht und das Alter des Kindes angepasst werden.
- Die Paracetamolgabe sollte zeitgleich mit der Impfung oder kurz danach begonnen und unabhängig von der Symptomatik über 24 Stunden weitergeführt werden.
- Eine über 48 Stunden hinausgehende Paracetamol-Anwendung soll nur nach ärztlicher Anordnung erfolgen.
Paracetamol-Saft für Frühgeborene < 3 kg
Auch für Frühgeborene, die bei der Bexsero-Impfung weniger als 3 kg wiegen, empfiehlt die STIKO eine prophylaktische Paracetamol-Gabe als Saft. Jene Frühgeborenen sollen off-label gemäß Kinderformularium 10-15 mg/kg KG Paracetamol je Gabe erhalten (maximale Tagesdosis von 45 mg/kg KG).
Was tun bei anhaltendem Fieber oder starken Schmerzen?
Treten nach Abschluss der Paracetamolprophylaxe weiterhin hohes Fieber oder starke Schmerzen auf, kann eine dann therapeutische Paracetamolgabe für weitere 24 Stunden in der alters- und gewichtsabhängigen Maximaldosierung verabreicht werden.
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Hält das Fieber länger an oder verschlechtert sich der klinische Zustand des Kindes, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Weitere mögliche Impfreaktionen und Nebenwirkungen
Neben Fieber können nach der Meningokokken-B-Impfung weitere Impfreaktionen auftreten, wie:
- Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle
- Allgemeines Krankheitsgefühl
- Kopfschmerzen
- Reizbarkeit
- Appetitlosigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden
- Müdigkeit
- Muskel- und Gelenkschmerzen
In den Zulassungsstudien traten auch selten stärkere Nebenwirkungen auf. Drei von 5.000 Babys und Kleinkindern bekamen schwere, fieberhafte Entzündungen der Blutgefäße. Ein eindeutiger Zusammenhang mit der Impfung konnte aufgrund der kleinen Fallzahlen nicht hergestellt werden.
Selten bis sehr selten kam es nach einer Impfung zu einer Gesichtsschwellung, einer Nesselsucht, einem allergischen Schock, Muskel- und Gelenksteifigkeit, Schüttelfrost, Krämpfen, einer Ohnmacht oder Sehstörungen.
Meningokokken-Impfung bei älteren Kindern und Jugendlichen
Für ältere Kinder und Jugendliche empfiehlt die STIKO eine Nachholimpfung gegen Meningokokken B bis zum 5. Geburtstag bzw. gegen Meningokokken C bis zum 18. Geburtstag. Zudem wird bestimmten Personengruppen eine Impfung gegen die Serogruppen ACWY empfohlen, insbesondere gesundheitlich gefährdeten Personen.
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