Meningitis, oder Hirnhautentzündung, ist eine Entzündung der Meningen, der Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Sie kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien, Viren und Pilze. Die Beteiligung der Nerven bei Meningitis kann zu einer Vielzahl von neurologischen Komplikationen führen.
Einführung
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Meningitis, wobei der Schwerpunkt auf den beteiligten Nerven liegt. Wir werden die Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention von Meningitis sowie die verschiedenen Arten von Nervenbeteiligung im Zusammenhang mit dieser Krankheit untersuchen.
Ursachen von Meningitis
Meningitis kann durch eine Vielzahl von Erregern verursacht werden, darunter:
- Bakterien: Neisseria meningitidis (Meningokokken), Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) und Haemophilus influenzae sind häufige bakterielle Ursachen für Meningitis. Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden durch Neisseria meningitidis (Meningokokken) verursacht.
- Viren: Enteroviren, Herpesviren und das Masernvirus können virale Meningitis verursachen.
- Pilze: Cryptococcus neoformans, Candida und Aspergillus sind Pilze, die Meningitis verursachen können, insbesondere bei immungeschwächten Personen.
- Parasiten: Selten können Parasiten wie Toxoplasma gondii und Schistosoma Meningitis verursachen.
- Nicht-infektiöse Ursachen: In seltenen Fällen kann Meningitis durch nicht-infektiöse Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, Medikamente und Krebs verursacht werden. Autoimmunenzephalitis ist eine akute entzündliche Erkrankung des Gehirns. Die Ursache ist eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems. Es bilden sich Autoantikörper, die bestimmte Rezeptoren oder Ionenkanäle auf der Oberfläche von Nervenzellen angreifen. In einigen Fällen entsteht die Autoimmunreaktion im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen. Auch Infektionen wie eine Herpesenzephalitis können die Autoantikörperbildung triggern.
Symptome von Meningitis
Die Symptome von Meningitis können je nach Ursache und Schweregrad der Infektion variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Nackensteifigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
- Verwirrtheit und Desorientierung
- Schläfrigkeit oder Schwierigkeiten beim Aufwachen
- Krampfanfälle
- Hautausschlag (bei bakterieller Meningitis)
- Neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Stupor bis zum Koma sowie Krampfanfälle oder Hirnnervenlähmungen können auftreten.
- Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome weniger spezifisch sein, wie z.B. Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle.
Diagnose von Meningitis
Die Diagnose von Meningitis umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese und diagnostische Tests. Zu den wichtigsten diagnostischen Tests gehören:
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- Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Eine Lumbalpunktion ist ein Verfahren, bei dem eine Nadel in den Spinalkanal eingeführt wird, um eine Probe der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) zu entnehmen. Der Liquor wird dann auf Anzeichen einer Infektion, wie z. B. erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, Bakterien oder Viren, untersucht. Für die Labordiagnostik ist in erster Linie die Untersuchung von Liquor und Blut von Bedeutung. Bei einer stationären Aufnahme wegen des Verdachtes einer invasiven Meningokokken-Infektion sollte daher umgehend eine Liquorpunktion durchgeführt und Blutkulturen angelegt werden.
- Blutkulturen: Blutkulturen werden durchgeführt, um Bakterien oder andere Erreger im Blut nachzuweisen.
- Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder Komplikationen wie Hirnabszesse oder Hydrozephalus zu identifizieren. Rückenmark oder Hirnhäute können in der Magnetresonanztomografie dargestellt werden. Veränderung der Signalintensität und entsprechender Kontrastmittelanreicherung.
- Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Die PCR ist ein molekularbiologisches Verfahren, mit dem die DNA oder RNA von Erregern im Liquor oder Blut nachgewiesen werden kann. Weiterhin kann bei negativem Ergebnis der Anzucht eine PCR zum Nachweis der Meningokokken-DNA im Liquor und im Blut (vorzugsweise EDTA-Blut) veranlasst werden. Sie besitzt eine hohe Sensitivität und Spezifität. Es ist daher dringend empfohlen, vor allem unmittelbar nach Aufnahme eines vorbehandelten Patienten EDTA-Blut und ggf. Liquor zur molekularen Untersuchung und Feintypisierung zu asservieren. Diese Untersuchung wird in Deutschland kostenlos vom NRZ für Meningokokken und H. influenzae angeboten.
Behandlung von Meningitis
Die Behandlung von Meningitis hängt von der Ursache der Infektion ab.
- Bakterielle Meningitis: Bakterielle Meningitis wird mit Antibiotika behandelt. Es ist wichtig, die Behandlung so schnell wie möglich zu beginnen, um schwere Komplikationen zu vermeiden. Da sich innerhalb weniger Stunden ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln kann, sollte bei begründetem klinischem Verdacht auf eine invasive Meningokokken-Erkrankung umgehend mit einer empirischen Antibiotikatherapie mit Cephalosporinen der Gruppe 3 (außer bei anamnestisch bekannter Penicillinallergie mit systemischer Reaktion) begonnen werden (z.B. Cefotaxim oder Ceftriaxon)
- Virale Meningitis: Virale Meningitis ist in der Regel weniger schwerwiegend als bakterielle Meningitis und heilt oft von selbst ab. In einigen Fällen können antivirale Medikamente eingesetzt werden.
- Pilzbedingte Meningitis: Pilzbedingte Meningitis wird mit Antimykotika behandelt.
- Andere Ursachen: Meningitis, die durch nicht-infektiöse Ursachen verursacht wird, wird durch Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung behandelt.
Nervenbeteiligung bei Meningitis
Meningitis kann verschiedene Nerven im Körper betreffen, was zu einer Vielzahl von neurologischen Komplikationen führen kann. Zu den häufigsten Arten der Nervenbeteiligung bei Meningitis gehören:
- Hirnnervenlähmungen: Hirnnervenlähmungen können durch eine Entzündung oder Schädigung der Hirnnerven verursacht werden. Dies kann zu Problemen mit dem Sehen, Hören, Schlucken, Sprechen oder der Gesichtsmuskulatur führen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Hirnnervenlähmungen kommen.
- Krampfanfälle: Krampfanfälle sind eine häufige Komplikation von Meningitis, insbesondere bei bakterieller Meningitis. Sie können durch eine Entzündung oder Schädigung des Gehirns verursacht werden.
- Hydrozephalus: Hydrozephalus ist eine Ansammlung von Liquor im Gehirn. Dies kann zu erhöhtem Hirndruck und neurologischen Problemen führen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Hydrozephalus kommen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Meningitis kann zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und Lernschwierigkeiten führen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten kommen.
- Hörverlust: Meningitis kann zu Hörverlust führen, insbesondere bei bakterieller Meningitis. Dies kann durch eine Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs verursacht werden. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Schädigungen des Innenohrs mit resultierender Taubheit kommen.
- Schlaganfall: In seltenen Fällen kann Meningitis zu einem Schlaganfall führen. Dies kann durch eine Entzündung oder Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht werden.
- Autoimmunenzephalitis: Gedächtnisprobleme, Stimmungsschwankungen oder Krampfanfälle sind typische Anzeichen einer Autoimmunenzephalitis. Bleibt die Autoimmunenzephalitis unbehandelt, kann sie dauerhafte Schäden hinterlassen. In schweren Fällen - vor allem bei Beteiligung des vegetativen Nervensystems - kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Das Ziel der Therapie ist es, die fehlgeleitete Immunreaktion schnell zu stoppen. In der Anfangsphase wird häufig Cortison eingesetzt, ergänzt durch therapeutische Apherese (Blutwäsche) oder intravenöse Immunglobuline. Bei fortbestehenden Symptomen kommen stärkere Immunsuppressiva zum Einsatz, etwa Rituximab oder Cyclophosphamid. Ein früher Beginn der Immuntherapie ist entscheidend für eine gute Prognose. Innerhalb von 10 bis 14 Tagen sollte bei ausbleibender Besserung die Therapie angepasst werden. Dennoch behalten einige Betroffene leichte Einschränkungen im Bereich Gedächtnis, Konzentration oder Impulskontrolle zurück. Die Erkrankung verändert nicht nur das Gehirn, sondern auch das Verhalten. Für Angehörige sind die Wesensänderungen oft schwer zu verarbeiten. Offenheit gegenüber der Erkrankung und das Verständnis für ihre Folgen helfen allen Beteiligten.
Prävention von Meningitis
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Meningitis vorzubeugen, darunter:
- Impfung: Impfstoffe sind gegen einige der häufigsten Ursachen für bakterielle Meningitis erhältlich, wie z. B. Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Die monovalente Meningokokken-C-Konjugatimpfung wird in Deutschland von der STIKO seit Juli 2006 für alle Kinder im Alter von 12 Monaten empfohlen. Des Weiteren empfiehlt die STIKO seit 2024 allen Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B mit dem Impfstoff Bexsero. Zudem empfiehlt die STIKO für Personen mit einem erhöhten Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen eine Impfung mit einem altersgerecht zugelassenen Meningokokken-ACWY-Konjugatimpfstoff sowie mit einem Meningokokken-B-Impfstoff.
- Gute Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen und Vermeidung des Teilens von Essgeschirr und Getränken können dazu beitragen, die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern, die zu Meningitis führen können.
- Chemoprophylaxe: Personen, die engen Kontakt zu jemandem mit bakterieller Meningitis hatten, können Antibiotika erhalten, um eine Infektion zu verhindern.
Invasive Meningokokken-Erkrankungen
Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden durch Neisseria meningitidis (Meningokokken) verursacht. Meningokokken sind gramnegative Diplokokken, die sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen ansiedeln und dort bei etwa 10 % der Bevölkerung ohne klinische Symptome nachweisbar sind. Invasive Meningokokken-Erkrankungen verlaufen vor allem als Meningitis und/oder Sepsis. Aktuelle Inzidenzwerte, Fallzahlen und weitere epidemiologische Kenngrößen aller meldepflichtigen Krankheiten finden Sie im aktuellen Infektionsepidemiologischen Jahrbuch des RKI unter www.rki.de/jahrbuch.
Serogruppen
Aufgrund der Zusammensetzung der Kapselpolysaccharide werden insgesamt 12 Serogruppen unterschieden (A, B, C, E, H, I, K, L, W, X, Y, Z). Invasive Meningokokken-Erkrankungen werden in den allermeisten Fällen durch Erreger der Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht, in Deutschland derzeit fast ausschließlich durch B, C, W und Y.
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Molekulare Feintypisierung
Neben der Bestimmung der Serogruppe kann durch die molekulare Feintypisierung die Diversität der zirkulierenden Meningokokken genauer abgebildet werden. Die molekulare Typisierungsformel lautet Serogruppe: PorA-Sequenztyp: FetA-Sequenztyp: klonaler Komplex (cc) (z.B. B: P1.7-2,4:F1-5:cc41/44). Die Feintypisierung wird vom Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Meningokokken und Haemophilus influenzae seit 2019 auf Basis der Ganzgenomsequenzierung (whole genome sequencing; WGS) durchgeführt.
Epidemiologie
Invasive Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit auf. In Deutschland liegt die bundesweite jährliche Inzidenz bei unter 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Eine invasive Meningokokken-Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, jedoch findet man im Wesentlichen zwei Morbiditätsgipfel. Die höchsten Inzidenzen werden im 1. und 2. Lebensjahr beobachtet, mit einem zweiten, kleineren Inzidenzgipfel bei 15- bis 19-jährigen Jugendlichen.
Übertragung
Da die Erreger gewöhnlich außerhalb des Körpers rasch absterben, ist für eine Infektion ein enger Kontakt mit Übertragung von oropharyngealen Sekreten von einem Keimträger oder einem Erkrankten erforderlich.
Klinische Symptomatik
Invasive Meningokokken-Erkrankungen verlaufen vor allem als Meningitis und/oder Sepsis. Septische Verläufe werden bei über zwei Drittel der in Deutschland gemeldeten Erkrankungen berichtet. Diese gehen in 10 bis 15% der Fälle mit einer besonders schweren Form des septischen Schocks, als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, einher, gekennzeichnet durch Einblutungen in die Nebennieren und eine sehr hohe Letalität. Seltener treten im Rahmen von invasiven Erkrankungen auch Pneumonien, Myokarditis, Endokarditis, Perikarditis, Arthritis oder Osteomyelitis auf. Bei invasiven Meningokokken-Infektionen kommt es häufig nach einem kurzen Prodromalstadium mit Symptomen eines Infekts der oberen Atemwege zu plötzlich auftretenden allgemeinen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln. Petechiale Exantheme oder großflächigere Hauteinblutungen sind charakteristisch und vor allem bei septischen Verläufen ausgeprägt. Zusätzlich kann ein makulopapulöses Exanthem auftreten. Bei einer Meningitis kommen Erbrechen und Nackensteifigkeit hinzu, Kernig- und Brudzinski-Zeichen sind positiv. Weiterhin können neurologische Symptome wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Stupor bis zum Koma sowie Krampfanfälle oder Hirnnervenlähmungen auftreten. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger charakteristisch. Es können Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder auch Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle auftreten.
Letalität und Komplikationen
Bei einer isolierten Meningokokken-Meningitis liegt die Letalität in Deutschland bei ca. 1%, bei einer Sepsis bei ca. 13% und bei Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 33%. Zudem führt die Erkrankung bei ca. 10 bis 20% aller Betroffenen zu Komplikationen. Dabei kann es nach einer Meningitis zu Hirnnervenlähmungen, Hemiplegie, Krampfanfällen, Hydrozephalus, Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten sowie Schädigungen des Innenohrs mit resultierender Taubheit kommen.
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Infektiosität
Patienten sind bis zu 7 Tage vor Beginn der Symptome und bis 24 Stunden nach Beginn einer erfolgreichen Therapie mit ß-Laktam-Antibiotika ansteckend. Drittgenerations-Cephalosporine (insbesondere Ceftriaxon) führen zu einer Keimeradikation im Nasopharynx des Patienten. Eine Penicillin-Therapie führt vermutlich nur zu einer Suppression, aber nicht zu einer langfristigen Eradikation der nasopharyngealen Meningokokken.
Labordiagnostik
Für die Labordiagnostik ist in erster Linie die Untersuchung von Liquor und Blut von Bedeutung. Zudem sollten bei antherapierten Patienten Rachenabstriche entnommen werden. Das Rachenisolat kann ggf. bei negativer Blut- oder Liquorkultur sowie bei begonnener Antibiotika-Therapie wichtige Hinweise auf den krankheitsauslösenden Stamm liefern. Zusätzlich kann ein Antigennachweis im Nativliquor, z.B. durch Latexagglutination, durchgeführt werden. Weiterhin kann bei negativem Ergebnis der Anzucht eine PCR zum Nachweis der Meningokokken-DNA im Liquor und im Blut (vorzugsweise EDTA-Blut) veranlasst werden. Sie besitzt eine hohe Sensitivität und Spezifität. Es ist daher dringend empfohlen, vor allem unmittelbar nach Aufnahme eines vorbehandelten Patienten EDTA-Blut und ggf. Liquor zur molekularen Untersuchung und Feintypisierung zu asservieren. Diese Untersuchung wird in Deutschland kostenlos vom NRZ für Meningokokken und H. influenzae angeboten. Laboratorien, die primäre Diagnostik durchführen, sind aufgefordert, jedes Isolat oder - falls eine Anzüchtung nicht angestrebt wird oder erfolglos bleibt - Nativmaterial an das NRZ zu schicken, damit eine eventuell ausstehende Serogruppenbestimmung sowie eine weitere Feintypisierung des Erregers vorgenommen werden kann. Die genannte Spezialdiagnostik ist zur frühzeitigen Erkennung von Ausbrüchen und für den europäischen und internationalen Datenaustausch wichtig. Die Feintypisierung liefert zudem wertvolle Daten für die Evaluation der seit 2006 geltenden Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).
Therapie
Da sich innerhalb weniger Stunden ein schweres, lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln kann, sollte bei begründetem klinischem Verdacht auf eine invasive Meningokokken-Erkrankung umgehend mit einer empirischen Antibiotikatherapie mit Cephalosporinen der Gruppe 3 (außer bei anamnestisch bekannter Penicillinallergie mit systemischer Reaktion) begonnen werden (z.B. Cefotaxim oder Ceftriaxon). Beim Auftreten von Komplikationen sind weitere therapeutische Maßnahmen unter intensivmedizinischen Bedingungen erforderlich.
Impfung
Gegen die Serogruppe B konnte aufgrund des Vorhandenseins identischer Polysaccharidstrukturen auf der B-Kapsel und auf menschlichen Nervenzellen nicht wie für die anderen Serogruppen ein Impfstoff basierend auf den Kapselantigenen entwickelt werden. Daher wurden andere Ansätze gewählt, die auf Oberflächenproteinen als Impfantigene basieren. Die monovalente Meningokokken-C-Konjugatimpfung wird in Deutschland von der STIKO seit Juli 2006 für alle Kinder im Alter von 12 Monaten empfohlen. Des Weiteren empfiehlt die STIKO seit 2024 allen Säuglingen ab dem Alter von 2 Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B mit dem Impfstoff Bexsero. Zudem empfiehlt die STIKO für Personen mit einem erhöhten Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen eine Impfung mit einem altersgerecht zugelassenen Meningokokken-ACWY-Konjugatimpfstoff sowie mit einem Meningokokken-B-Impfstoff.
Schutzmaßnahmen
Patientinnen und Patienten müssen bis zu 24 Stunden nach Beginn einer spezifischen Therapie isoliert werden und gelten danach nicht mehr als infektiös. In dieser Zeit sind vom betreuenden Pflegepersonal und von den behandelnden Ärzten besondere Barrieremaßnahmen zu beachten. In Gemeinschaftseinrichtungen Betreute, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen die dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht benutzen und an Veranstaltungen der Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen. Eine Wiederzulassung ist 24 Stunden nach Beginn einer Chemoprophylaxe möglich. Ohne Chemoprophylaxe ist eine Wiederzulassung frühestens 10 Tage nach einem Kontakt angezeigt.
Pneumokokken-Meningitis: Neue Erkenntnisse zu Überlebensstrategien
Ein internationales Forschungsteam hat wichtige Erkenntnisse zu Überlebensstrategien von Pneumokokken bei der Hirnhautentzündung (Meningitis) gewinnen können. Sie konnten nachweisen, dass ein Transporter für kurzkettige Aminosäuren und ein Regulatorprotein für die Fitness der Pneumokokken und ihre Fähigkeiten im Hirnwasser zu überleben, hochbedeutsam ist. Zu den gefürchtetsten invasiven Krankheitsbildern der Pneumokokken zählt die Meningitis. Diese Erkrankung wird häufig durch die Streuung der Bakterien über den Blutkreislauf und die Überwindung der Blut-Hirn/Hirnwasser (Liquor)-Schranke durch die Pneumokokken verursacht. Seltener ist sie Folge eines lokalen Eiterherds, wie er bei der Mittelohrentzündung entstehen kann. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern beträgt zwischen fünf und zehn Prozent, bei Risikopatienten und älteren Patienten sogar bis zu 80 Prozent. Die zunehmende Antibiotikaresistenz der Pneumokokken erschwert trotz verbesserter Therapieformen die Behandlung und macht die Entwicklung präventiver oder neuartiger Interventionsstrategien notwendig. Dazu ist das Verständnis des Krankheitsverlaufs - der Pathogenese - und des bakteriellen Erregers in seiner Umgebung im Wirt entscheidend.
In einem innovativen Ansatz unter Verwendung eines experimentellen Meningitismodells und der Proteomanalyse (Proteomics) hat das interdisziplinäre Forscherteam das in vivo Proteom der Pneumokokken nach Isolierung der Bakterien aus dem Hirnwasser (Liquor) von Mäusen analysiert. Dabei konnten Proteine in Pneumokokken identifiziert werden, die verstärkt produziert wurden. Es handelte sich um ein Transporteiweiß für sogenannte Oligopeptide und ein Regulatorprotein, das die Aufnahme von extrazellulärer DNA steuert. Das Fehlen der Pneumokokken-Proteine führte zu verminderten Hirnblutungen und einer verminderten Einwanderung von Immunzellen. Weiterhin konnten diese Pneumokokkenmutanten nur in geringem Ausmaß die Barriere der Blut-Hirn/Liquor-Schranke überqueren.
Antimikrobielle Peptide (AP) und Meningitis
Antimikrobielle Peptide (AP) sind ein wichtiger Bestandteil der angeborenen Immunantwort. Die zwei Hauptfamilien, Defensine und Cathelicidine, scheinen neben der antimikrobiellen Aktivität in immunregulatorische Vorgänge involviert zu sein. In Vorarbeiten konnte eine Zunahme der Expression des Cathelicidins CRAMP (cathelin-related antimicrobial peptide) im Zentralen Nervensystem (ZNS) gezeigt werden. Darüber hinaus zeigte sich im Liquor cerebrospinalis von an bakterieller Meningitis erkrankten Patienten eine deutliche Zunahme des humanen Cathelicidins LL-37 im Vergleich zu gesunden Kontrollpatienten. Die Ziele des Projektes liegen darin, den Verlauf der Entzündungsreaktion zwischen CRAMP-defizienten und Wildtyp-Mäusen nach einer Pneumokokken-Meningitis zu vergleichen. Weiterhin soll mittels primärer Zellkultur aus CRAMP- Informationen über direkte zelluläre Effekte aufgrund des Fehlens von CRAMP auf die Aktivität der Astrozyten als auch Mikrogliazellen gewonnen werden. Die Untersuchungen zur Expression und Funktion von AP kann das Verständnis für die Pathogenese neuroinflammatorischer Prozesse wie z.B. der bakteriellen Meningitis erhöhen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse könnten Grundlage für neue adjuvante Behandlungsstrategien der bakteriellen Meningitis liefern.
Eine besondere Problematik im Verlauf der bakteriellen Meningitis besteht neben der immer noch hohen Letalität im Auftreten von Spätschaden in Form von Hörschäden oder kognitiven Defiziten. Interessanterweise kommt es neben dem Neuronenverlust aber auch zu regenerativen Prozessen im ZNS einhergehend mit der Neubildung von Neuronen in bestimmten ZNS-Abschnitten. Mit dem Projekt soll die regenerative Funktion der AP mittels eines Tiermodells der bakteriellen Meningitis untersucht werden. Dazu sollen CRAMP-defiziente und Wildtyp-Mäuse mit dem Meningitiskeim Streptococcus pneumoniae infiziert werden und die Neuroregeneneration im ZNS nach der bakteriellen Infektion verglichen werden. Ferner soll untersucht werden, ob sich die möglicherweise gesteigerte neuroregenerative Aktivität (adulte hippocampale Neurogenese) in neuropsychologischen Verhaltenstests funktionell widerspiegelt.
Liquoruntersuchungen bei bakterieller Meningitis
Mit Hilfe des Vorhabens wollen wir eine systematische Untersuchung an Liquorproben von Patienten mit bakterieller Meningitis im Vergleich zu gesunden Kontrollen vornehmen. Dabei soll das Vorhandensein der Vertreter der drei Hauptfamilien der antimikrobiellen Peptiden (Defensine, Cathelizidine und S100-Proteine) erregerspezifisch untersucht werden. Darüber hinaus sollen weitere Liquorparameter wie pro- und anti-inflammatorische Zytokine bestimmt werden, um die Modulation der Immunantwort im Rahmen der unterschiedlichen Pathogene beurteilen zu können. Die Ergebnisse sollen mit den bereits in der Liquordatenbank vorhandenen Routineparametern wie Zellzahl, Protein- und Glukose/Laktatgehalt, intrathekale Immunglobulinsynthese, und auch mit anonymisierten Patientendaten (Alter, Geschlecht, Krankheitsverlauf und Spätschäden) korreliert werden. Wir erhoffen uns damit, mögliche Zusammenhänge zwischen der spezifischen Pathogen-induzierten Immunantwort und dem Verlauf der Erkrankung aufzudecken.
FSME und Nervenbeteiligung
Ein großer Teil der Infektionen mit dem FSME-Virus verläuft ohne klinische Symptome. Kommt es zu einem symptomatischen Verlauf, zeigt die Erkrankung häufig ein zweiphasiges Muster: Nach einer typischen Inkubationszeit von etwa 5 bis 28 Tagen folgt zunächst eine unspezifische, grippeähnliche Erkrankungsphase. Photophobie (Lichtempfindlichkeit), Nausea und Erbrechen können auftreten. Bewusstseinsstörungen wie Sopor oder Koma treten bei ca. 40-60 % der Betroffenen auf. Kognitive Störungen, Merkfähigkeitsstörungen und andere Gedächtnisprobleme können auftreten. Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination) und Blasenstörungen (Probleme beim Wasserlassen oder unkontrollierter Harnverlust) sind ebenfalls möglich.
Das Nervensystem im Alltag
Unser Nervensystem besteht aus Abermilliarden Nervenzellen. Das komplexe Netz steuert bewusste und unbewusste Prozesse. Das sensorische Nervensystem verarbeitet Informationen aus der Umwelt, während das motorische Nervensystem Bewegungen steuert. Das vegetative Nervensystem reguliert unbewusste Prozesse wie Verdauung, Atmung und Herzschlag. Nervenbahnen durchziehen den gesamten Körper und leiten Reize zum Hirn und Befehle aus der Zentrale wieder zurück zu der Körperstelle. Eine Nervenbahn besteht aus gebündelten Nervenzellen und ist mit einer Schutz-Hülle umgeben. Abermilliarden Nervenzellen (Neuronen) hat jeder Mensch. Mit ihren „Zweigen“ (Dendriten) empfangen sie Signale aus den Nachbarzellen und schicken sie über den Stamm (Axon) zu den Synapsen, den Kontaktstellen zur nächsten Zelle. Nervenzellen sind im Durchmesser nur bis 0,1 Millimeter groß, das Axon kann aber bis zu einem Meter lang sein. Eine Nervenzelle kann bis zu 100.000 Synapsen haben.
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