Eine Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Meningen, der Häute, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Diese Erkrankung kann durch verschiedene Erreger ausgelöst werden, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Aufgrund der Nähe der Meningen zum Gehirn kann eine Meningitis schwerwiegende Folgen haben, wie bleibende Schäden oder sogar den Tod.
Was ist Meningitis?
Bei einer Hirnhautentzündung (Meningitis) sind die Häute, die das Gehirn umgeben (medizinisch: Meningen), entzündet. Wegen der unmittelbaren Nähe zum Gehirn ist die Krankheit gefährlich, kann bleibende Schäden verursachen und sogar lebensbedrohlich sein.
Ursachen von Meningitis
Eine Meningitis kann verschiedene Ursachen haben, wobei infektiöse und nicht-infektiöse Auslöser unterschieden werden. Die häufigsten Ursachen sind:
Bakterien: Bakterielle Meningitiden werden oft durch Bakterien wie Meningokokken, Pneumokokken, Listerien oder Haemophilus influenzae verursacht. Laut dem Infektionsschutzgesetz ist eine Erkrankung an einer Hirnhautentzündung aufgrund von Meningokokken beim Gesundheitsamt zu melden.
Viren: Virale Meningitiden werden häufig durch Enteroviren, Herpesviren (CMV, EBV, HSV, VZV), Arboviren, Influenzaviren, HI-Viren, Mumpsviren oder FSME-Viren ausgelöst.
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Pilze: Pilzinfektionen als Ursache einer Meningitis sind selten und betreffen meist immungeschwächte Personen.
Parasiten: Parasitäre Meningitiden sind ebenfalls selten.
Nicht-infektiöse Ursachen: Autoimmunerkrankungen (SLE, Sarkoidose, Morbus Wegener), Krebserkrankungen oder Medikamente können ebenfalls eine Meningitis verursachen.
Die Erreger einer viralen oder bakteriellen Hirnhautentzündung verbreiten sich vor allem durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion - also durch Sprechen, Husten, Niesen und Berührung - und gelangen im menschlichen Körper häufig über die Nasen-Rachen-Schleimhäute oder über das Blut ins Gehirn. Darüber hinaus sind noch weitere Auslöser für eine Hirnhautentzündung bei Kindern möglich - diese kommen jedoch vergleichsweise selten vor.
Symptome von Meningitis
Die Symptome einer Meningitis können je nach Alter und Ursache variieren. Es gibt jedoch einige typische Anzeichen, auf die geachtet werden sollte:
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- Allgemeine Symptome: Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Benommenheit.
- Nackensteife: Unfähigkeit oder Schwierigkeit, den Kopf nach vorne zu beugen.
- Lichtempfindlichkeit: Überempfindlichkeit gegenüber Licht.
- Neurologische Symptome: Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Bewusstseinseintrübung, Krampfanfälle, Hirnnervenlähmungen.
- Hautausschlag: Rötlich-braune Einblutungen (Petechien) können auf eine Meningokokken-Meningitis hindeuten. Mithilfe des sogenannten Glas-Tests können Eltern schnell herausfinden, ob möglicherweise eine Meningitis beim Kind vorliegt. Drücken Sie dazu ein transparentes Trinkglas auf die stecknadelgroßen, rötlich-braunen Flecken auf der Haut des Kindes.
Symptome bei Säuglingen
Säuglinge kann man zu ihren Beschwerden schlecht befragen - jedoch existieren einige Krankheitszeichen, bei denen Vorsicht geboten ist. Bei Säuglingen können die Symptome unspezifischer sein:
- Apathie
- Starkes Weinen
- Nahrungsverweigerung
- Krampfanfälle
- Vorgewölbte Fontanelle
- Reizbarkeit
- Schrilles Schreien
Symptome bei Kindern
Üblicherweise zeigt sich eine Hirnhautentzündung bei Kindern durch verschiedene unspezifische Symptome. Unter anderem gehören dazu Fieber, Nackensteife, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit und rötlich-braune Einblutungen (Petechien). Bei Säuglingen können zudem Apathie, starkes Weinen, Nahrungsverweigerung und Krampfanfälle auf Meningitis hindeuten.
Meningokokken-Meningitis
Die Meningokokken-Meningitis ist eine bakterielle Hirnhautentzündung, die durch das Bakterium Neisseria meningitidis verursacht wird. Neben den klassischen Beschwerden kommt es häufig zu makulopapulösen Exanthemen an Rumpf, unteren Extremitäten, Schleimhäuten und Konjunktiven. Typisch sind dabei massenhaft rote oder lilafarbene Flecken. Diese Purpura tritt nicht zwingend auf, ist aber ein sehr starkes Indiz für Meningokokken als Erreger.
Tuberkulöse Meningitis
Eine tuberkulöse Meningitis ist eine bakterielle Hirnhautentzündung, die durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und im Sekundärstadium einer Tuberkulose auftritt. Sie betrifft vor allem Jugendliche und Erwachsene sowie Menschen mit einer Immunschwächekrankheit. Nach den unspezifischen Tuberkulose-Symptomen entwickeln die Betroffenen Fieber (oft auch Fieberschübe), Kopf- und Rückenschmerzen. Darüber hinaus sind Augenmuskellähmungen oder Lähmungen der Gesichtsmuskulatur typisch. Die Betroffenen können nicht mehr die Stirn runzeln, die Augenbrauen heben oder lächeln. Eine tuberkulöse Meningitis endet unbehandelt tödlich.
Virale Meningitis
Eine viral ausgelöste Meningitis verläuft meist harmloser und milder als eine bakterielle Hirnhautentzündung. Sie heilt üblicherweise auch ohne Behandlung nach Tagen bis wenigen Wochen von selbst und folgenlos ab. Schwere Komplikationen, Spätfolgen oder ein tödlicher Ausgang sind bei viralen Hirnhautentzündungen eher selten.
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Diagnose von Meningitis
Die Diagnose einer Meningitis umfasst mehrere Schritte:
Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch, um typische Symptome wie Nackensteife zu überprüfen.
Blutuntersuchung: Im Blut werden Entzündungswerte (Leukozyten, CRP, Procalcitonin) bestimmt.
Liquoruntersuchung (Lumbalpunktion): Eine Lumbalpunktion ist entscheidend für die Diagnose. Dabei wird Liquor (Hirnwasser) entnommen und auf Erreger, Zellzahl, Proteingehalt und Glukose untersucht. Je nach Ursache der Meningitis unterscheiden sich die Liquorbefunde. Als Referenz bei gesunden Menschen erscheint die Flüssigkeit klar, die Zellzahl ist unter 5/µl, der Laktatwert beträgt 1,5 bis 2,1 mmol/l, die Gesamtproteinkonzentration 150 bis 400 mg/l und der Glucosegehalt liegt zwischen 2,7 bis 4,2 mmol/l (Liquor-Serum-Quotient > 0,5). Unterschiedliche Meningitiden sind mit folgenden Befunden assoziiert:
- bakterielle Meningitis: Flüssigkeit trüb bis eitrig, Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat deutlich erhöht (> 3,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (1.000 bis 6.000), massive Granulozytose (Neutrophilie)
- tuberkulöse Meningitis: Flüssigkeit klar - aber mit weiß-gelblichen, schleierartigen Gerinnseln (Spinngewebsgerinnsel), Glucose erniedrigt, Protein erhöht, Laktat erhöht (> 2,5 mmol/l), Zellzahl erhöht (30 bis 500), Lymphozytose, Monozytose, Granulozytose (buntes Bild)
- virale Meningitis: Flüssigkeit klar, Glucose normal, Protein normal (evtl. leicht erhöht), Laktat normal, Zellzahl erhöht (10 bis 500), Lymphozytose, evtl. Monozytose
Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT des Gehirns notwendig sein, um andere Ursachen auszuschließen oder Komplikationen zu erkennen.
Potenzial von C-reaktivem Protein im Liquor zur Meningitis-Diagnostik
Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein etablierter systemischer Entzündungsmarker bakterieller Infektionen. Frühere Untersuchungen zeigten, dass CRP auch im Liquor detektierbar ist und potenziell zur Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen ZNS-Infektionen beiträgt. Eine umfassende Validierung dieses Ansatzes und seine Integration in die klinische Praxis standen bislang jedoch aus. Die vorliegende multizentrische Studie der Universität Amsterdam schließt diese Lücke: Sie validierte die Liquor-CRP-Bestimmung prospektiv und prüfte deren Umsetzbarkeit im klinischen Alltag.
Die Liquor-CRP-Bestimmung zeigte in allen Kohorten eine hohe diagnostische Genauigkeit:KohorteSensitivitätSpezifitätAUCDänemark (Erwachsene)85 %96 %0,92Niederlande (Kinder)94 %98 %0,95Implementierung (Routine)100 %94 %0,99Besonders bei niedriger Leukozytenzahl im Liquor (< 1.000/mm³) zeigte sich ein diagnostischer Zusatznutzen. Die Kombination aus CRP- und Leukozytenbestimmung erhöhte die diagnostische Aussagekraft signifikant.Die Liquor-CRP-Messung ließ sich problemlos in bestehende Laborroutinen integrieren, insbesondere dort, wo bereits Blut-CRP bestimmt wird. Der Test ist mit rund 5 € pro Analyse kostengünstig und liefert Ergebnisse innerhalb von 30-60 Minuten - ein deutlicher Vorteil in der Akutdiagnostik.Eine Kontamination des Liquors mit Blut kann zu falsch-positiven CRP-Werten führen, da systemisches CRP in die Probe gelangt. Die Bewertung solcher Befunde erfordert besondere Sorgfalt.Die Studienergebnisse unterstreichen das Potenzial von CRP im Liquor als validem, rasch verfügbarem Biomarker zur Unterstützung der Diagnostik der bakteriellen Meningitis. Besonders in Fällen mit Leukozytenzahlen unter dem Cut-off kann CRP eine wertvolle Entscheidungshilfe darstellen.
Behandlung von Meningitis
Da es sich bei einer Hirnhautentzündung um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, ist für die Therapie häufig eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus notwendig. Die Behandlung einer Meningitis richtet sich nach der Ursache:
- Bakterielle Meningitis: Eine bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Behandlung mit Antibiotika. Üblicherweise leiten Ärzte bereits anhand der vorliegenden Symptome ab, dass möglicherweise der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung besteht. Da für die Untersuchungen beziehungsweise das Auswerten der Testergebnisse mitunter einige Zeit veranschlagt werden muss, verabreichen Ärzte - beim Verdacht einer akuten bakteriellen Meningitis - bereits vor der endgültigen Diagnose vorsorglich Antibiotika. Gegebenenfalls verabreichen Mediziner auch Kortison (etwa bei Meningitis durch Pneumokokken) - jedoch erst bei Kindern, die älter als sechs Wochen sind.
- Virale Meningitis: Eine virale Meningitis verläuft meist milder und heilt oft von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome (z.B. Schmerzmittel, Fiebersenker).
- Pilzbedingte Meningitis: Hier werden Antimykotika eingesetzt. Steckt beispielsweise ein Pilzbefall hinter der Hirnhautentzündung, finden sogenannte Antimykotika (Antipilzmittel) Anwendung.
- Nicht-infektiöse Meningitis: Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache (z.B. Immunsuppressiva bei Autoimmunerkrankungen).
Grundsätzlich ist es wichtig, mit der Therapie so früh wie möglich zu beginnen, um Langzeitfolgen auszuschließen oder diese so gering wie möglich zu halten.
Komplikationen und Langzeitfolgen
Bereits im frühen Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Ob die Begleiterscheinungen dauerhaft sind oder nach einiger Zeit wieder verschwinden, ist schwer vorherzusehen. Das gilt auch für mögliche Langzeitfolgen: Eine Gehirnhautentzündung verursacht etwa bei 20 bis 50 Prozent der Neugeborenen und bei 15 bis 25 Prozent der älteren Säuglinge und Kleinkinder chronische Probleme. Mögliche Komplikationen und Langzeitfolgen sind:
- Neurologische Schäden (z.B. Hörverlust, Lernschwierigkeiten, Lähmungen)
- Epilepsie
- Hirnschäden
- Kognitive Beeinträchtigungen
- Verhaltensauffälligkeiten
- Tod
In welchem Alter ist Meningitis gefährlich? Grundsätzlich handelt es sich bei einer Hirnhautentzündung um eine schwerwiegende Erkrankung, die sowohl bei Säuglingen, Kindern sowie Erwachsenen Komplikationen, bleibende Schäden und Langzeitfolgen mit sich bringen kann. Bei etwa 5 bis 20 Prozent von Neugeborenen und bei ungefähr 5 bis 15 Prozent älterer Säuglinge und Kleinkinder kann eine Meningitis tödlich verlaufen. Bei Erwachsenen liegt die Sterblichkeit - je nach Ursache, gesundheitlichem Zustand und Immunabwehr - zwischen 3 und 30 Prozent. In rund 10 bis 40 Prozent der Fälle können neurologische Schäden bestehen bleiben.
Prävention von Meningitis
Zur Vorbeugung einer Hirnhautentzündung bei Kindern und Babys haben sich in erster Linie Impfungen bewährt. Gemäß der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) besteht seit dem 30. Für Eltern ist besondere Vorsicht geboten, wenn das eigene Kind von einer Hirnhautentzündung betroffen ist. Eine Meningitis kann sehr ansteckend sein (insbesondere bei einer Infektion mit Meningokokken) und kann leicht auf Erwachsene übergehen. Daher ist es sehr zu empfehlen, den eigenen (Meningokokken-) Impfschutz zu überprüfen und stets auf dem aktuellsten Stand zu halten. Zusätzlich zur Überprüfung des Impfschutzes werden sämtliche Personen, die in engem Kontakt mit Betroffenen von Meningitis stehen, oftmals präventiv mit Antibiotika versorgt.
Impfungen
Zur Vorbeugung einer Hirnhautentzündung bei Kindern ist es empfehlenswert, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Kinderschutzimpfungen durchzuführen. Dazu gehören etwa Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ b, FSME, Pneumokokken, Meningokokken, Mumps und Masern. Bei ansteckenden Varianten der Hirnhautentzündung - etwa mit Meningokokken - bekommen nahestehende Personen von Erkrankten Antibiotika verabreicht, um eine weitere unkontrollierte Ausbreitung der Meningitis zu verhindern.
Impfstoffe gegen Meningokokken
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) die Empfehlungen zur Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen überarbeitet. Ziel ist eine evidenzbasierte Immunisierung gegen Neisseria meningitidis der Serogruppen B, C sowie A, C, W und Y.
Gegen Serogruppe B
Bexsero® Injektionssuspension in einer Fertigspritze
- ab zwei Monaten zugelassen
- Standardimpfung gemäß STIKO für alle Säuglinge
- enthält rekombinante Proteine (NHBA, NadA, fHbp) und OMV-Komponenten (PorA P1.4)
- induziert bakterizide Antikörperantworten gegen multiple Stämme
- prophylaktische Paracetamolgabe wird empfohlen, um Fieber nach Impfung zu reduzieren
Trumenba® Injektionssuspension in einer Fertigspritze
- ab zehn Jahren zugelassen
- empfohlen für Personen mit erhöhtem Risiko
- enthält rekombinante Faktor-H-bindende Proteine in zwei Varianten
- bewährte Immunogenität in Studien mit robusten Antikörpertiter-Erhöhungen
Gegen Serogruppe C (Monokomponenten-Impfstoffe)
- MENJUGATE® 10 Mikrogramm Injektionssuspension, Fertigspritze
- NeisVac-C® European Injektionssuspension
- alle ab zwei Monaten zugelassen, in Deutschland ab zwölf Monaten standardmäßig empfohlen
- Konjugatimpfstoffe gegen Serogruppe C
- Bestandteil der Standardimpfung in Deutschland
Gegen Serogruppen A, C, W, Y (Konjugat-Impfstoffe)
Menveo® Pulver und Lösung zur Herstellung einer Injektionslösung
- ab zwei Jahren zugelassen (teilweise ab elf Jahren für bestimmte Altersanpassungen)
- Konjugatimpfstoff mit CRM197-Proteinträger
- für Risikopersonen, Reisende in Endemiegebiete und bestimmte Berufsgruppen empfohlen
Nimenrix® - Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung in einer Fertigspritze
- ab sechs Wochen in der EU zugelassen, in Deutschland ab sechs Monaten eingesetzt
- Konjugation an Tetanustoxoid
- geeignet für Kleinkinder, Kinder und Erwachsene
MenQuadfi®, Injektionslösung
- ab zwölf Monaten zugelassen
- Tetanustoxoid-konjugiert
- für Grundimmunisierung und Auffrischimpfung geeignet
Alle in Deutschland zugelassenen Meningokokkenimpfstoffe sind für die intramuskuläre Anwendung vorgesehen.
STIKO-Empfehlungen im Überblick
Die STIKO unterscheidet bei der Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen zwischen Standard- und Indikationsimpfungen.
Standardimpfungen umfassen die einmalige MenC-Impfung ab dem zwölften Lebensmonat sowie die im Jahr 2025 neu eingeführte MenB-Impfung im 2+1-Schema ab dem zweiten Lebensmonat. Da MenB-Erkrankungen bereits in den ersten Lebensmonaten gehäuft auftreten, soll die Impfserie zum frühestmöglichen Zeitpunkt im Alter von zwei Monaten begonnen werden. Zusätzlich werden Nachholimpfungen bis zum vollendeten 5. Lebensjahr empfohlen, wenn das Schema nicht vollständig durchgeführt wurde.
Indikationsimpfungen richten sich an definierte Risikogruppen, darunter Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Asplenie, Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren, exponiertes Laborpersonal sowie bestimmte Reisende. Für diese Gruppen empfiehlt die STIKO eine kombinierte Impfung mit MenB- und ACWY-Konjugatimpfstoffen.
Für Reisende nach Mekka (Hadj, Umrah) besteht die Pflicht zum Nachweis einer gültigen ACWY-Impfung, wobei Konjugatimpfstoffe einen Schutz von fünf Jahren bieten.
Impfschemata und Immunogenität
MenB:
- Grundimmunisierung: 2+1-Schema bei Säuglingen
- Nachholimpfungen bis zum vollendeten 5. Lebensjahr empfohlen (zwei Dosen ≥ 2 Monate Abstand)
- Studien zeigen robuste bakterizide Antikörperantworten mit hohen Seropositivitätsraten (> 90 % für mehrere Antigene)
- Statistisch signifikante Reduktion invasiver Erkrankungen um 75 % im britischen Impfprogramm (IRR 0,25; 95 %-KI 0,19-0,36)
MenC:
- einmalige Dosis ab zwölf Monaten gemäß STIKO-Standardimpfkalender
- Nachholimpfungen bei älteren Kindern ohne dokumentierte MenC-Impfung möglich
- Konjugatimpfstoffe induzieren eine T-Zell-abhängige Immunantwort
- langjährig etablierte Wirksamkeit mit deutlicher Reduktion der Krankheitslast in Deutschland
MenACWY:
- Einzeldosis oder altersgerechte Schemata gemäß Fachinformation
- evidenzbasierte Schutzwirkung gegen invasive Erkrankungen der Serogruppen A, C, W und Y
- geeignet für Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene mit Risikoprofil
Nebenwirkungen
Proteinbasierte Impfstoffe gegen Serogruppe B
- In klinischen Studien traten bei Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig lokale Reaktionen wie Druckschmerzen, Erytheme, Schwellung und Verhärtung an der Injektionsstelle auf. Systemische Nebenwirkungen umfassten sehr häufig Fieber ab 38 °C, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen sowie gastrointestinale Symptome wie Diarrhö und Erbrechen. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Routineimpfstoffen wurde eine höhere Fieberrate beobachtet, die sich jedoch durch prophylaktische Gabe von Paracetamol verringern ließ.
- Bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Myalgie und Arthralgie als sehr häufige unerwünschte Wirkungen dokumentiert.
- Insgesamt zeigten die Studien keine Zunahme der Häufigkeit oder Schweregrad von Nebenwirkungen bei nachfolgenden Dosen der Impfserie.
Monokomponentenimpfstoffe gegen Serogruppe C
- Auch diese zeigen in klinischen Studien ein gutes Verträglichkeitsprofil. Sehr häufig treten lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Rötung und Schwellung auf. Häufig werden Fieber, Reizbarkeit und Appetitlosigkeit beobachtet. Die meisten Reaktionen sind mild bis moderat ausgeprägt und klingen innerhalb weniger Tage ab. Das Sicherheitsprofil ist über langjährige Anwendung im Kindesalter sehr gut dokumentiert.
ACWY-Impfstoffe
- In klinischen Studien wurden bei Kindern zwischen zwei und zehn Jahren sehr häufig lokale Reaktionen wie Schmerzen, Erythem und Verhärtung an der Injektionsstelle sowie Reizbarkeit und allgemeines Unwohlsein beobachtet. Systemische Nebenwirkungen umfassten sehr häufig Kopfschmerzen und Schläfrigkeit sowie häufig gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Fieber ab 38 °C und Schüttelfrost traten häufig auf, hielten gewöhnlich ein bis zwei Tage an und waren nicht schwerwiegend.
- Bei Jugendlichen und Erwachsenen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Myalgie, Übelkeit und allgemeines Unwohlsein sehr häufig. Arthralgie, Hautausschlag, Fieber und Schüttelfrost wurden häufig dokumentiert.
- Die Häufigkeit und der Schweregrad unerwünschter Wirkungen waren über alle Altersgruppen hinweg vergleichbar. In klinischen Prüfungen wurde keine klinisch relevante Beeinträchtigung der Immunantwort auf gleichzeitig verabreichte Impfstoffe festgestellt.
Kontraindikationen
Für alle in Deutschland zugelassenen Meningokokkenimpfstoffe gelten einheitlich folgende Kontraindikationen:
- bekannte Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Impfstoffs
- Vorliegen einer akuten schweren, fieberhaften Erkrankung, bei der die Impfung verschoben werden sollte
Impfschutz
Die Immunisierung gegen Meningokokken stellt die zentrale präventive Maßnahme zur Vermeidung invasiver Meningokokken-Erkrankungen dar. Die MenB-Impfung zielt auf einen umfassenden Schutz gegen Serogruppe B ab und induziert eine robuste bakterizide Antikörperantwort gegen mehrere Antigene. Beobachtungsstudien belegen eine signifikante Reduktion invasiver Erkrankungen nach Einführung der Säuglingsimpfung im 2+1-Schema.
Die ACWY-Konjugatimpfstoffe bieten einen breiten Schutz gegen Serogruppen A, C, W und Y. Sie induzieren eine T‑Zell-abhängige Immunantwort mit nachgewiesener hoher Immunogenität und werden für Risikopersonen, Reisende in Endemiegebiete und bestimmte Berufsgruppen empfohlen.
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