Die Meningokokken-Erkrankung ist eine gefürchtete Infektionserkrankung, die vor allem das Gehirn und die Hirnhäute (Meningitis) betrifft. Sie wird durch Bakterien verursacht und kann besonders bei Säuglingen innerhalb von Stunden zu schwerster Krankheit führen. Die Erkrankung hat eine hohe Sterblichkeitsrate und hinterlässt bei vielen Überlebenden schwere Langzeitschäden. Dieser Artikel beleuchtet die Meningokokken-Impfung, insbesondere in Bezug auf Italien, und gibt einen Überblick über Empfehlungen, Impfstoffe und den Kontext der Corona-Pandemie.
Meningokokken und ihre Serogruppen
Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis, die beim Menschen schwere Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis) oder Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen können. Es gibt verschiedene Untergruppen, sogenannte Serogruppen, von Meningokokken - insgesamt 12. Gegen die 5 wichtigsten Serogruppen (A, B, C, W und Y) gibt es Impfstoffe. In Deutschland werden Erkrankungen vor allem durch die Gruppen B, C, W und Y verursacht. Die meisten (60-70%) Meningokokkenerkrankungen in Deutschland sind auf Meningokokken vom Typ B zurückzuführen. Die restlichen verteilen sich auf die Meningokokken Typen A,C,W,Y.
Impfempfehlungen in Deutschland
Aktuell besteht eine STIKO Routine-Empfehlung für die Impfung gegen Meningokokken C, die aber nur 12% aller Erkrankungen verursachen. Die Men-C-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder im Alter von zwölf Monaten empfohlen und als Pflichtleistung von den Krankenkassen bezahlt. Gegen den mit Abstand häufigsten Erreger im Säuglings- und Kleinkindalter - Serogruppe B - gibt es seit 2013 eine Impfung; die STIKO empfiehlt sie bisher nicht. Die Impfquoten sind niedrig.
Obwohl es seit 2013 einen zugelassenen und wirksamen Impfstoff gegen Meningokokken B in Deutschland gibt, empfiehlt die STIKO diese Impfung nur als sogenannte Indikationsimpfung - also als Impfung in spezifischen Situationen und eben nicht für alle Kinder. Das gleiche gilt für einen ebenfalls zugelassen Kombinationsimpfstoff gegen die Meningokokken Typen A,C,W,YIm Gegensatz dazu haben bereits verschiedene Industrieländer die Meningokokken B Impfung für alle Säuglinge in ihren Impfprogrammen erfolgreich etabliert. Ebenso gibt es Impfempfehlungen von Vertretern pädiatrischer Fachgesellschaften in Deutschland sowie einzelner Bundesländer.
Neue Impfvereinbarung in Berlin
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin hat zum 1. Juni 2025 eine neue Impfvereinbarung zur Meningokokken-B-Impfung abgeschlossen. Dies bedeutet, dass die Impfung über die Krankenkasse abgerechnet werden kann. Wichtig in der Übergangszeit: Impfstoff, der vor dem 1. Juni 2025 in einer Apotheke gekauft wurde, wird von der gesetzlichen Krankenkasse nach Einreichung der Rechnung in voller Höhe erstattet.
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Nachholimpfungen
Für Kinder, die im Säuglingsalter nicht geimpft wurden, werden Nachholimpfungen bis zum Alter von 5 Jahren empfohlen (ab dem 2. Lebensjahr). Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen oder in besonderen Lebenssituationen (z. B. in Gemeinschaftseinrichtungen) sollten ebenfalls geimpft werden.
Meningokokken-Impfstoffe
Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen Meningokokken, die sich in den Serogruppen unterscheiden, gegen die sie wirken:
- Bexsero®: Ein Impfstoff gegen Meningokokken B, der seit 2013 in Europa zugelassen ist. Die Sicherheit von Bexsero® wurde in 17 Studien bewertet. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber und Reizbarkeit bei Säuglingen.
- Menjugate und Neis-Vac-C: Impfstoffe gegen Meningokokken C.
- Nimenrix, Menveo und MenQuadfi: Quadrivalente Impfstoffe, die gegen die Serogruppen A, C, W und Y wirken.
Meningokokken B: Daten aus Spanien zeigen hohe Wirksamkeit
In Europa (s. Karte) sind es mittlerweile 14 Länder, in denen die MenB-Impfung Teil des offiziellen Säuglingsimpfprogramms ist. Als letztes hat sich Spanien dafür entschieden; dort wurde die Vakzine bisher nur in ausgewählten Regionen empfohlen. Gerade erst im New England Journal of Medicine veröffentlichte Daten aus einer vergleichenden Analyse aus Spanien zeigen, dass der 4-Komponenten-Impfstoff 4CMenB effektiv vor Erkrankungen schützt; bei vollständiger Impfung liegt die Wirksamkeit bei 71 Prozent. Daten, die die hohe Wirksamkeit der 4CMenB-Vakzine belegen, gibt es auch aus Italien, England, Australien, Kanada und Portugal.
Die Situation in Italien
In Italien ist die MenB-Impfung seit 2017 Teil des nationalen Immunisierungsprogramms. Die Impfung wird Säuglingen empfohlen und hat zu einer deutlichen Reduktion der Meningokokken-B-Erkrankungen geführt.
Meningokokken und COVID-19
Die Anzahl der gemeldeten Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland war während der COVID-19-Pandemie deutlich rückläufig - ein Effekt, der vor allem mit den Kontaktbeschränkungen und reduzierten sozialen Interaktionen erklärt wird. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Meningokokken-Erkrankung weiterhin eine Bedrohung darstellt und die Impfung ein wichtiger Schutz ist.
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Reiseimpfungen und Italien
Sollte man ohne Impfungen reisen? Nein, dies ist nicht empfehlenswert. Vor einer Reise sollten die Standardimpfungen für Deutschland überprüft und ggfs. nachgeholt werden. Zum Beispiel hier nachschlagen, welche Impfungen für das entsprechende Land zusätzlich empfohlen sind. Außerdem ist eine Mücken- und ggfs.
Für Italien kommen möglicherweise weitere Impfungen und Vorsorgemaßnahmen in Frage. Dies ist abhängig von der Art und Dauer der Reise sowie den Bedingungen während des Aufenthalts (z.B. Freizeitaktivitäten, Unterbringung, medizinische Versorgung vor Ort, Kontakt zu Tieren).
Die STIKO empfiehlt die Standardimpfungen für Deutschland und darüber hinaus je nach Reiseziel und Reisestil die Impfungen für die Reise gegen Hepatitis A und Hepatitis B, FSME, Polio, Meningokokken ACWY und Meningokokken B, Influenza, Tollwut, Typhus, Cholera, Gelbfieber und Japan Enzephalitis. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Dengue-Fieber nur Personen, die anamnestisch bereits eine laborbestätigte Dengue-Infektion durchgemacht haben.
Klima in Italien
Im Norden kalte Winter und warme Sommer, in der Mitte und im Süden milde Winter und heiße, trockene Sommer. Die durchschnittliche Temperatur in Rom beträgt 6,9 °C im Januar und 24,7 °C im Juli. Die Hauptniederschläge fallen während der Wintermonate. Ein erhöhtes Infektionsrisiko ohne Impfmöglichkeit besteht u.a.
Reiseapotheke
Häufige Reise-Erkrankungen und kleinere Verletzungen sollten Sie auf Ihrer Reise mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke selbst behandeln können. Weitere Medikamente können sinnvoll sein - dies sollten Sie mit einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt besprechen.
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Müssen Sie auch während Ihrer Reise Medikamente einnehmen, sollten Sie diese in ausreichender Menge in Ihrem Handgepäck mitführen. Dabei ist - je nach Medikament - bei der Einreise eventuell auch eine Bestätigung über die Notwendigkeit der Einnahme dieser Medikamente notwendig. Diese erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt.
Mückenschutz
Je weniger Stiche, desto geringer ist Ihr Infektionsrisiko! Schützen Sie sich mit ein paar einfachen Maßnahmen:
- Verwenden Sie auf unbedeckter Haut ein wirksames Moskitomittel - passend zu Ihrem Reiseziel.
- Wenn Sie auf Ihrer Reise nicht nur in klimatisierten Räumen übernachten, schlafen Sie unter einem Moskitonetz.
- Wollen Sie sich auch unterwegs vor lästigen Moskitos schützen, tragen Sie möglichst lange, helle Kleidung. In Risikogebieten sollten Sie imprägnierte oder stichfeste Kleidung tragen.
- Wählen Sie Ihren Schlafplatz sorgfältig aus: Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Matratze oder Bettwäsche evtl. Bettwanzen, Zecken oder Flöhe beherbergen, empfiehlt sich die Verwendung eines insektenabweisenden Schlaf-Inletts.
Sonnenschutz
Aufgrund der erhöhten UV-Strahlung am Reiseziel besteht ein Risiko für Sonnenbrand und andere UV-Schäden. Schützen Sie sich und Ihre evtl. mitreisenden Kinder daher gut vor der Sonne und vermeiden Sie so einen Sonnenbrand:
- Benutzen Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF/SPF 30-50) auf der unbedeckten Haut.
- Tragen Sie wenn möglich UV-geschätzte, hautbedeckende Kleidung, eine Kopfbedeckung sowie eine Sonnenbrille.
- Insbesondere Kinder sollten sich zwischen 12-15:00 Uhr im Schatten aufhalten und nicht direkt der Sonne ausgesetzt sein.
Corona-Impfstoffe in Italien
Die staatliche italienische Arzneimittelbehörde Aifa hat den Coronaimpfstoffen der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna ein „gutes Sicherheitsprofil“ bescheinigt. Im ersten Monat nach dem Start der Impfungen habe es bei mehr als 1,5 Millionen gespritzten Dosen etwa 7.330 Meldungen über vermutete Nebenwirkungen gegeben, teilte die Behörde gestern in Rom mit. Mehr als 92 Prozent beträfen „nicht schwerwiegende“ Folgen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Die Daten wurden zwischen dem 27. Dezember und 26. Januar gesammelt. Von Beginn an wird in Italien der Impfstoff von Biontech/Pfizer gespritzt, seit 14. Januar auch das Moderna-Präparat. Die Berichte beträfen hauptsächlich die erste Dosis des Stoffs von Biontech/Pfizer, so die Behörde. Sie sprach von 469 Meldungen pro 100.000 Dosen, überwiegend am Tag der Impfung oder am Tag danach. 7,6 Prozent der Berichte wurden als „schwerwiegend“ eingestuft. Davon hätten drei von vier keine besonderen Eingriffe im Krankenhaus erfordert.
Impfen ja oder nein?
Die individuelle Impfberatung ist generell etwas anderes, als eine nationale Impfempfehlung auszusprechen. Diese berücksichtigt weniger das einzelne Schicksal, sondern achtet mehr auf die gesellschaftliche Bedeutung. Bei der Entscheidung der STIKO ist ist/ war entscheidend, dass der Impfstoff im Wesentlichen den Geimpften schützt, aber nicht alle anderen. Eine nachgewiesene Herdenimmunität wäre einer offiziellen Empfehlung sicherlich dienlich.
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