Aktivierung und Bewegung für Menschen mit Demenz: Ein umfassender Leitfaden

Einführung

Die Aktivierung und Bewegung spielen eine entscheidende Rolle im Leben von Menschen mit Demenz. Sie tragen nicht nur zur körperlichen Fitness bei, sondern heben auch die Stimmung und verbessern die Lebensqualität. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Bedeutung von Bewegung und Aktivierung bei Demenz, verschiedene Übungen und Aktivitäten, die sich eignen, sowie praktische Tipps für die Umsetzung im Alltag.

Die Bedeutung von Bewegung für Menschen mit Demenz

Auswirkungen auf das Gehirn

Bewegung hält das Gehirn gesund und kann den Krankheitsverlauf von Demenz verlangsamen. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Durchblutung und Versorgung des Gehirns verbessert, entzündungshemmend wirkt und kognitive Funktionen stärkt. Dies ist besonders wichtig, da Demenz oft mit einer verminderten Durchblutung des Gehirns einhergeht.

Körperliche und geistige Vorteile

Bewegung wirkt sich positiv auf verschiedene Aspekte des Lebens von Menschen mit Demenz aus:

  • Verbesserung der Muskelkraft und Balancefähigkeit: Dies reduziert das Sturzrisiko, welches bei Demenzerkrankten erhöht ist.
  • Förderung der Sinneserfahrungen: Bewegung regt die Sinne an und hilft, in Kontakt mit der Umgebung zu bleiben.
  • Stimmungsaufhellung: Bewegung kann depressive Symptome lindern, die oft als Begleiterscheinung einer Demenz auftreten.
  • Soziale Interaktion: Besonders in Gruppen kann Aktivität Lebensfreude schenken und das Gefühl stärken, dazuzugehören.
  • Erhalt kognitiver Fähigkeiten: Kraft- und Ausdauertraining verbessert die Durchblutung des Gehirns und kann helfen, kognitive Fähigkeiten länger zu erhalten.

Bewegung als Therapie

Die neuen Demenz-Leitlinien empfehlen körperliche Aktivität für Menschen mit Demenz und leichten kognitiven Beeinträchtigungen. Bewegung kann als eine Form der Therapie eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Geeignete Bewegungsformen für Menschen mit Demenz

Es gibt keine "beste" Sportart für Menschen mit Demenz. Wichtig ist, dass die Aktivität Spaß macht und regelmäßig ausgeübt wird. Es ist ratsam, an alte Gewohnheiten und Leidenschaften anzuknüpfen. Einige Beispiele für geeignete Bewegungsformen sind:

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  • Ausdauersportarten: Gehen, Radfahren oder Schwimmen sind gut für Herz und Kreislauf.
  • Ganzkörpertrainings: Yoga oder Pilates fördern Beweglichkeit und Balance.
  • Tanzen oder Tai-Chi: Diese Aktivitäten stärken die Koordination und das Gedächtnis.
  • Krafttraining: Krafttraining beugt Muskelabbau und Stürzen vor.
  • Spaziergänge und Ausflüge: Diese regen den Kreislauf an, fördern Sinneserfahrungen und bringen Freude.
  • Rehasport: Speziell für BewohnerInnen und Gäste von Pflegeheimen angebotenes Bewegungstraining in kleinen Gruppen.
  • Tanzcafés: Gemeinsames Tanzen zu altbekannten Rhythmen weckt positive Erinnerungen und bringt Lebensfreude.
  • Sport- und Wandergruppen: Gemeinsame Bewegung in der Natur, geeignet für Menschen in einer frühen Phase der Erkrankung.

Aktivierungsübungen für Menschen mit Demenz

Neben körperlicher Bewegung sind auch geistige und kreative Aktivitäten wichtig, um Menschen mit Demenz zu aktivieren und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Gedächtnisübungen

Gedächtnisübungen können bei einer leichten Demenz noch sinnvoll sein und Spaß bereiten. Erinnerungsalben mit Fotos und Erinnerungsstücken aus dem Leben der demenzerkrankten Person können helfen, Erinnerungen zu wecken und Gespräche anzuregen. Konkrete Fragen zur Kindheit oder Jugend des Demenzerkrankten können ebenfalls hilfreich sein.

Kreative Tätigkeiten

Kreative Tätigkeiten sind zugleich eine aktive Betätigung und eine sinnliche Erfahrung. Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien aus der Natur oder dem Bastelladen kann Demenzerkrankten viel Freude bereiten. Es müssen nicht unbedingt spannende Bastelideen ausgedacht werden, sondern es kann auch einfach so etwas Raum für die kreative Betätigung geschaffen werden. Der Wechsel der Jahreszeiten kann als Anlass genommen werden, um passende Dekoration zu basteln.

Musikalische Aktivitäten

Musikhören ist für viele Menschen mit Demenz ideal, denn bekannte Schlager aus der Jugendzeit stimulieren fröhliche Erinnerungen und können die Stimmung aufhellen. Bekannte Lieder zu singen, dazu zu musizieren oder den Takt zu schlagen funktioniert selbst dann, wenn der Betroffene nicht mehr sprechen kann. Außerdem stellt sich beim Tanzen und gemeinsamen Singen schnell ein Gemeinschaftsgefühl ein.

Spiele

Es gibt Spiele, die speziell für Demenzerkrankte entwickelt wurden. Sie sollen gezielt motorische Fähigkeiten trainieren oder den Spaß am Raten und am Gedächtnistraining bei Demenz wecken. Daneben können auch herkömmliche Spiele wie Würfelspiele oder Mensch ärgere Dich nicht gespielt werden. Wichtig ist, dass das Spielen nicht zu Leistungsdruck führt.

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Vorlesen

Vorlesen kann für Menschen mit Demenz genauso aktivierend sein wie Kopfrechnen für einen gesunden Menschen. Es gibt etliche Bücher, die speziell für Demenzerkrankte geschrieben werden.

Snoezelen

Beim „Snoezelen“ werden gezielt unterschiedliche Sinne aktiviert und stimuliert. Oft haben Demenzerkrankte unruhige Hände, die ständig nach etwas zum Befühlen suchen.

Weitere Aktivierungsmöglichkeiten

  • Kleinere Arbeiten in Haus oder Garten: Diese sind leicht umsetzbar und naheliegend, wenn der Angehörige sich schon früher gerne mit solchen Aufgaben beschäftigt hat.
  • Betrachtung von Kunst: Der Umgang mit Kunst schafft Raum für Kommunikation und kann das Selbstbewusstsein stärken.
  • Besuch von Treffpunkten für Menschen mit Demenz: Viele Sozialverbände und kirchliche Träger bieten regelmäßige Treffpunkte für Menschen mit Demenz an.

Tipps für die Durchführung von Aktivitäten mit Menschen mit Demenz

  • Beachten Sie das Stadium der Demenz: Überforderung bewirkt negative Reaktionen.
  • Gehen Sie auf persönliche Vorlieben und Abneigungen ein: Die Beschäftigung sollte Spaß machen.
  • Respektieren Sie die Entscheidung des Demenzerkrankten: Lassen Sie es zu, wenn der Erkrankte nicht selbst aktiv werden möchte, sondern lieber beobachtet.
  • Tolerieren Sie „Fehler“: Schimpfen Sie auf keinen Fall, wenn etwas nicht funktioniert.
  • Schaffen Sie eine ruhige und vertraute Umgebung: Chaotische, laute Umgebungen sind ungeeignet, weil sie zu Verwirrung und Stress führen.
  • Nehmen Sie sich Zeit und setzen Sie sich keine großen Arbeitsziele: Akzeptieren Sie die nachlassenden Fähigkeiten des Demenzerkrankten.
  • Passen Sie die Aktivitäten an die individuellen Fähigkeiten an: Variieren Sie die Spielregeln lieber, als zu konsequent auf deren Einhaltung zu achten und den Demenzerkrankten damit zu verunsichern.
  • Ermutigen Sie zur Teilnahme, aber drängen Sie nicht: Es sollte nicht das Ziel sein, Menschen mit Demenz durch die Beschäftigung herauszufordern und sie vor schwierige Aufgaben zu stellen.

Bewegung im Alltag integrieren

Auch kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, die körperliche Aktivität zu erhöhen:

  • Öfter zu Fuß gehen oder das Rad nehmen: Kurze Strecken aktiv zurücklegen hält in Schwung.
  • Die Treppe nehmen statt den Aufzug: Das kräftigt Muskeln und verbessert das Gleichgewicht.
  • Freizeit aktiv gestalten: Mit Freunden spazieren, im Garten werkeln oder draußen Zeit verbringen.

Spezielles Trainingsprogramm für Menschen mit Demenz

Am Agaplesion Bethanien Krankenhaus, dem Geriatrischen Zentrum des Klinikums der Universität Heidelberg, wurde ein körperliches Trainingsprogramm speziell für Menschen mit Demenz entwickelt. Es hat sich in der Praxis gezeigt, dass dieser Personenkreis in vergleichbarer Weise Trainingserfolge erzielen konnte wie nicht demenziell Erkrankte.

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