Akupunktur zur Migränebehandlung: Eine umfassende Betrachtung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland rund 18 Millionen Menschen betroffen sind. Charakteristische Symptome sind starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie zur Linderung der Symptome während einer Attacke als auch die Prophylaxe zur Reduktion der Häufigkeit und Intensität der Attacken. Neben medikamentösen Optionen rücken zunehmend auch nicht-medikamentöse Verfahren in den Fokus, darunter die Akupunktur.

Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist ein traditionelles chinesisches Heilverfahren (TCM), das seit etwa 4.000 Jahren praktiziert wird. Sie basiert auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie (Qi) in bestimmten Bahnen, den Meridianen, durch den Körper fließt. Durch das Setzen feiner Nadeln in spezifische Akupunkturpunkte entlang dieser Meridiane sollen Blockaden gelöst und der Energiefluss harmonisiert werden.

Die Theorie hinter der Akupunktur

Laut TCM sind die Akupunkturpunkte im Körper mit Meridianen verbunden. Das sind laut TCM Leitbahnen, die durch deinen Körper laufen. Durch sie fließt laut der traditionell chinesischen Medizin die Lebensenergie, die auch Qi genannt wird. Bei der Akupunktur werden die Meridiane stimuliert und Blockaden gelöst. Die Stimulation durch die Nadeln soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen - chinesische Gelehrte sprechen vom inneren Gleichgewicht Ying und Yang. Gestaute Energie wird wieder ins Fließen gebracht, was Überschüsse und Mängel ausgleicht.

Wissenschaftliche Erklärungsansätze

Obwohl die traditionelle Erklärung auf dem Konzept des Qi basiert, gibt es auch wissenschaftliche Erklärungsansätze für die Wirkung der Akupunktur. Eine Theorie besagt, dass die Nadelstiche die Ausschüttung von Endorphinen, körpereigenen Schmerzmitteln, stimulieren. Auf biochemischer Ebene wird angenommen, dass Akupunktur die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzmitteln, stimuliert.

Akupunktur in der Migräneprophylaxe

Die Akupunktur wird hauptsächlich zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt. Hierbei soll die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken reduziert werden.

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Studienlage zur Wirksamkeit

Eine Übersichtsarbeit des angesehenen Forschungsnetzwerks aus dem Jahr 2016, die 22 Studien mit knapp 5000 Teilnehmenden auswertete, zeigte, dass Betroffene seltener Kopfschmerzen hatten, wenn sie zusätzlich zur Therapie von Migräneattacken Akupunktur erhielten. „Die Daten zeigen, dass Akupunktur eine wirksame Option sein kann, um Migräneattacken ohne Medikamente vorzubeugen“, sagt der Leiter der Studie, Professor Klaus Linde von der Technischen Universität München. Neuere Studien würden das bestätigen. Linde sagt deshalb: „Akupunktur ist eine ernst zu nehmende Alternative zu Medikamenten.“ Auch bezüglich der Spannungskopfschmerzen kommen zahlreiche Studien zu dem Schluss, dass Akupunktur eine wirksame und sichere Methode zur Behandlung chronischer Spannungskopfschmerzen darstellt, wobei die Behandelten sowohl eine Reduzierung der Häufigkeit als auch der Intensität der Schmerzen berichteten. Menschen, die unter immer wiederkehrenden und schweren Kopfschmerzattacken leiden, können durch regelmäßige Akupunktursitzungen auch langfristig eine signifikante Besserung erfahren.

Der Placebo-Effekt

Es ist wichtig zu erwähnen, dass einige Studien darauf hindeuten, dass ein Teil der Wirkung der Akupunktur auf einem Placebo-Effekt beruhen könnte. Bei diesen Studien wurden Behandlungen an unwirksamen Punkten statt Akupunkturpunkten durchgeführt. Und die Patientinnen und Patienten berichteten dennoch von einem lindernden Effekt. Ganz gleich, ob Placebo oder Einfluss auf die Energieströme: Studien haben gezeigt, dass Akupunktur im Vergleich zu bewährten medikamentösen Behandlungen eine ähnliche Linderung von Migräneschmerzen bietet.

Akupunkturpunkte bei Migräne

Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen. In der folgenden Abbildung siehst du Stellen, an denen Nadeln bei Migräne gestochen werden können - das betrifft immer beide Körperseiten, da die Akupunkturpunkte symmetrisch auftreten.

Vergleich mit medikamentösen Therapien

Linde möchte den Effekt vorbeugender Therapien generell nicht überschätzen: „In Studien hilft Akupunktur etwa der Hälfte der Patientinnen und Patienten - bei Standardmedikamenten ist das ähnlich.“ Gaul schätzt, sie würden besser wirken als Akupunktur - räumt jedoch ein: „Es gibt keine Studie, die diese Medikamente und Akupunktur vergleicht.“

Akupunktur als Teil eines multimodalen Therapieansatzes

„Besonders wirksam ist es, wenn Kopfschmerzpatientinnen und -patienten Entspannung, Sport, Medikamente und eine Anpassung des Lebensstils - zum Beispiel genug Schlaf - kombinieren“, sagt Gaul. So können bei Migräne Akupressur, verschiedene Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training helfen, Spannungszustände im Körper zu lindern, die Migräne und andere Kopfschmerzen begünstigen können. Eine regelmäßige sportliche Betätigung fördert Durchblutung und Stressabbau. Nicht zuletzt sorgt ausreichender und vor allem regelmäßiger Schlaf für die nötige Regeneration. Wichtig ist es auch, die Triggerfaktoren zu kennen, die Migräne oder Spannungskopfschmerzen auslösen. Häufig sind es Schlafmangel, Stress, Verspannungen evtl.

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Durchführung einer Akupunkturbehandlung

Eine Akupunktursitzung beginnt typischerweise mit einer gründlichen Anamnese, bei der der Therapeut Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, Lebensstil und spezifischen Symptomen stellt. Die Nadeln, die in der Akupunktur verwendet werden, sind sehr dünn und Sie werden diese in der Regel kaum spüren. Die Nadeln bleiben für 20 bis 30 Minuten im Körper. Die Häufigkeit und Anzahl der Behandlungen variieren je nach Beschwerdebild. In der Anfangsphase sind häufig 1-2 Sitzungen pro Woche empfehlenswert. Im Schnitt sind 15 Behandlungen notwendig. Mit fortschreitender Besserung kann die Frequenz reduziert werden. Es kann sein, dass Sie nach einer initialen Serie von Behandlungen regelmäßige Auffrischungssitzungen benötigen, um die Ergebnisse aufrecht zu erhalten. Bei der Akupunktur der Migräne wird in der Regel zweimal in der Woche therapiert. Eine Sitzung dauert 20 bis 30 Minuten. Im Durchschnitt sind rund 15 Akupunktur-Behandlungen erforderlich, wobei erste Erfolge meist nach der Hälfte der Sitzungen eintreten. In extremen Einzelfällen kann es erst nach 30 bis 40 Behandlungen zu einer dauerhaften Besserung kommen. Einige Monate nach Beendigung der Therapie sollte eine Auffrischungsbehandlung mit wenigen Akupunktur-Sitzungen erfolgen, um den Langzeiterfolg zu sichern.

Was gilt es im Vorfeld einer Akupunkturbehandlung zu beachten?

Bevor du einen Akupunkteur aufsuchst, solltest du folgende Dinge klären: Diagnose: Du hast die Bestätigung, dass du an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest, von einem Arzt erhalten. Das ist wichtig, denn wenn du beispielsweise Cluster-Kopfschmerzen hast, kann eine Akupunktur sogar auslösend wirken. Innere Haltung: Am besten ist es, du glaubst an die Effekte einer Akupunktur. Wenn du hingegen der Meinung bist, dass es sowieso nichts bringt, wird sich eventuell kein Erfolg einstellen. Experten finden: Bei der Akupunktur kann viel falsch gemacht werden. Such dir daher einen Fachmann, der sich mit TCM nachweislich auskennt, also eine Weiterbildung oder ein Diplom vorweisen kann. Für dich als Laie ist es schwer nachvollziehbar, ob du wirklich richtig akupunktiert wirst.

Risiken und Nebenwirkungen

Akupunktur gilt im Allgemeinen und auch bei Migräne und Spannungskopfschmerz als nebenwirkungsarm. Dennoch können einige Begleiterscheinungen auftreten. Dazu gehören z. Nebenwirkungen sind auch bei der Akupunktur möglich, etwa ein blauer Fleck oder Schmerzen beim Einstich mit der feinen Nadel. Zudem könnte der Stich eine Infektion begünstigen. Wird die Nadel im Brustkorb zu tief eingestochen, kann sie die Lunge oder schlimmstenfalls das Herz verletzen. Aber: „Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten“, sagt Neurologin Theis.

Kosten und Erstattung

Akupunktur ist eine Selbstzahlerleistung. Sie wird also nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sondern muss aus eigener Tasche gezahlt werden. Viele Betroffene greifen daher oft auf kostengünstigere Alternativen zurück. Laut Deutscher Ärzte­gesellschaft für Akupunktur kostet eine Akupunktur-Behandlung je nach Dauer circa 30 bis 70 Euro. Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Nichtbehandlung zwar nachgewiesen, gegenüber einer Scheinakupunktur jedoch nicht bestätigt ist. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen. Einige gesetzliche Krankenkassen erkennen die Akupunktur als therapeutisch sinnvolle, alternative Behandlungsmethode an und beteiligen sich anteilig an den Kosten.

Akupunktur als Akuttherapie?

Akupunktur ist keine Akuttherapie. Zur Linderung akuter Migräne-Attacken eignet sich Akupunktur hingegen nicht, da der Effekt nur sehr gering ist. Zudem ist es für Betroffene schwer umzusetzen, bei plötzlich auftretenden Beschwerden umgehend eine Akupunktur wahrzunehmen. Um Schmerzen akut, also direkt, zu lindern, helfen häufig nur Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane. Das sind spezielle Migräne-Medikamente.

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