Menstruelle Migräne: Dauer, Behandlung und was Frauen wissen sollten

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Europa etwa 16 % aller Frauen im Alter von etwa 40 Jahren betroffen sind. Besonders belastend ist die menstruelle Migräne, eine Form, die eng mit dem weiblichen Zyklus verbunden ist. Dieser Artikel beleuchtet die Dauer, Behandlungsmöglichkeiten und wichtige Aspekte, die Frauen im Zusammenhang mit menstrueller Migräne kennen sollten.

Was ist Menstruelle Migräne?

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. geht davon aus, dass etwa sieben Prozent aller Migränepatientinnen an einer sogenannten menstruellen Migräne leiden. Man spricht von menstrueller Migräne, wenn die Attacken vorwiegend in einem bestimmten Zeitfenster auftreten: zwei Tage vor bis drei Tage nach Beginn der Periode - und das in mindestens zwei von drei Zyklen. Häufiger ist jedoch die menstruationsassoziierte Migräne. Diese Form tritt ebenfalls im gleichen Zeitfenster wie die reine menstruelle Migräne auf, jedoch zusätzlich auch zu anderen Zeiten des Zyklus.

Ursachen und Auslöser

Ursächlich für die rein menstruelle Migräne scheint der natürliche prämenstruelle Abfall der Serum-Östrogen- und Serum-Gestagen-Spiegel als Trigger zu fungieren. Initial hohe Östrogenspiegel sind vermutlich eine Voraussetzung für die Entstehung der Migräneattacken. Forscher der Charité in Berlin haben herausgefunden, dass Migräne-Patientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als migränefreie Probandinnen. CGRP steht für Calcitonin Gene-Related Peptide, eine körpereigene Substanz, die auch bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.

Weitere Auslösende Faktoren (Trigger) für eine Migräneattacke können sein:

  • Stress/Anspannung
  • Depression, Angsterkrankungen
  • Alkohol (Rotwein)
  • Rauchen
  • Medikamente (bestimmte Herzmedikamente, orale Kontrazeptiva)
  • Bewegungsmangel
  • Exzessiver Schlaf oder Schlafmangel
  • Unregelmäßige Mahlzeiten bzw. Fasten
  • Wetterwechsel
  • Kältereize
  • Sehr helles oder fluoreszierendes Licht
  • Koffein, künstliche Süßstoffe, Glutamat sowie bestimmte Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte, reifer Käse und Fleisch

Symptome der Menstruellen Migräne

Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:

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  • Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
  • Oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
  • Mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen

Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.

Dauer der Menstruellen Migräne

Die rein menstruelle Migräne gilt hinsichtlich Attacken-Dauer und -Intensität als die am schwersten zu therapierende Variante. Migräneattacken dauern definitionsgemäß mindestens 4 Stunden, können aber auch bis zu drei Tage lang anhalten. Die Kopfschmerzphase (inkl. Von den Vorboten bis zur Erholungsphase kann die Migräne-Dauer eine Woche betragen.

Diagnose

Oft kann anhand der geschilderten Symptome bereits eine Migräne diagnostiziert werden, wenn keine anderen neurologischen Auffälligkeiten bestehen. Bei unklarer Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen kann ein Kopfschmerzkalender hilfreich sein. Es kann hilfreich sein, einen Zykluskalender zu führen, um festzustellen, ob die Migräne menstruell bedingt ist.

Differentialdiagnose

Es ist wichtig, andere Kopfschmerzarten auszuschließen:

  • Spannungskopfschmerz: Der Kopfschmerz tritt im Bereich des gesamten Kopfes auf, ist drückend-ziehend, jedoch nicht pulsierend. Vegetative Begleitsymptome treten in der Regel nicht auf.
  • Cluster-Kopfschmerz: Der Kopfschmerz ist streng einseitig und zeichnet sich durch in Attacken auftretende „extremste Kopfschmerzen“ im Bereich von Schläfe und Auge aus. Die Attacken dauern meist zwischen 15 und 180 Minuten und treten unvermittelt vornehmlich aus dem Schlaf heraus auf.

Behandlung der Menstruellen Migräne

Ziele der Behandlung sind das Beenden der akuten Migräneattacke sowie die Verhinderung erneuter Attacken.

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Akutbehandlung

Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken.

  • Leichte bis mittelschwere Migräne: Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (200-600 mg), Naproxen (500-1000 mg) oder Diclofenac (50-100 mg) kombiniert mit einem Antiemetikum (z. B. 10-20 mg Metoclopramid).
  • Stärkere Migräne: Triptan-Präparat (z. B. Rizatriptan in Form von Maxalt Lingua 10 mg® oder 50-100 mg Sumatriptan). Bei Migräne mit Aura soll mit der Einnahme von Triptanen gewartet werden, bis die Aura vorbei ist, da diese ansonsten unwirksam sind. Bei Migräne ohne Aura kann die Einnahme sofort mit Beginn des Migräneanfalls erfolgen.

Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten.

Vorbeugende Behandlung

Eine wichtige Säule in der Behandlung von hormonellen Kopfschmerzen ist die vorbeugende Behandlung.

  • Kurzzeit-Prophylaxe: Naproxen (2x 500 mg/Tag 3-4 Tage vor bis 3 Tage nach der Periode) oder mit einem Triptan (z. B. Frovatriptan 2,5 mg 2x tgl.). Auch kann bei Sumatriptan-Einnahme die gleichzeitige Gabe von Naproxen die Rate von Wiederkehr-Kopfschmerzen signifikant senken.
  • Hormonelle Langzeitprophylaxe: Ziel ist, Fluktuationen oder das Absinken des Östrogenspiegels zu verhindern. Dazu eignet sich etwa eine monophasische Kombinationspille mit mittlerer Östrogendosis. Gute Erfahrungen haben Frauen in Studien mit der kontinuierlichen Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Kombi über 84 oder sogar 168 Tage mit einer anschließenden siebentägigen Pillenpause gemacht.

Orale Kontrazeptiva

Die protektive Effizienz von oralen Kontrazeptiva (Antibabypillen) ist individuell auszutesten: Sie können die Migräne verbessern, verschlechtern oder auch unbeeinflusst lassen. Grundsätzlich ist die geringst mögliche Estradiol-Dosis anzustreben. Kombinations-Mikropille als Langzeiteinnahme ohne jede Pillenpause kann dann bei einigen Migränevarianten zur Option der Wahl werden. Bei Patientinnen mit Migräne mit Aura ist allerdings Vorsicht geboten, da östrogenhaltige Präparate das Schlaganfallrisiko erhöhen können.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Den wichtigsten Teil der Behandlung leisten Sie selbst durch die Vermeidung derjenigen Trigger, die bei Ihnen Migräneattacken auslösen. Dazu gehören:

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  • Stressvermeidung
  • Regelmäßige Mahlzeiten
  • Entspannungsmethoden
  • Biofeedbackverfahren
  • Regelmäßige körperliche Bewegung/Ausdauersport
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Achten Sie darauf, genug zu trinken.

Tritt dennoch eine Migräneattacke auf, kann lokale Kühlung des Kopfes, z. B. durch einen Eisbeutel, körperliche Ruhe und eine Reizabschirmung durch den Aufenthalt an einem dunklen, ruhigen Ort Abhilfe schaffen.

Was können Sie selbst tun?

  • Kopfschmerztagebuch führen: Notieren Sie Trigger und Prodrom-Symptome, um Muster zu erkennen.
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
  • Stress vermeiden: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
  • Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
  • Ernährung: Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.

Migräne und Schwangerschaft

Die Migräne ist von besonderer Bedeutung für eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft. Während einer Schwangerschaft sind, wenn möglich, nichtmedikamentöse Therapiemethoden wie Reizabschirmung und Ruhe vorzuziehen. Im 1. und 2. Trimenon können bei Bedarf Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen verabreicht werden. Triptane sind für Schwangere nicht zugelassen, eine Off-Label-Anwendung besonders von Sumatriptan kann bei Schwangeren, die lediglich auf Triptan ansprechen, jedoch erwogen werden. Es ist wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen, um die sicherste Behandlungsstrategie zu finden.

Menstruelle Migräne in den Wechseljahren

Für viele Frauen sind die Jahre um die Wechseljahre herum mit einer vorübergehenden Verschlimmerung der Migräne verbunden. Nach der Menopause schwächt sich die Migräne bei vielen Frauen ab oder verschwindet ganz. Treten bei oraler Östrogensubstitution täglich migräneartige Kopfschmerzen auf, ist das ein Hinweis darauf, dass die Hormone in der Leber schnell verstoffwechselt werden (fast metabolizer). Dann sind transdermale oder vaginale Darreichungsformen sinnvoll.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

  • Wenn Kopfschmerzen im höheren Lebensalter erstmals auftreten, ist es besonders wichtig, ärztliche Beratung zu suchen, um andere Ursachen auszuschließen.
  • Ist die Diagnose Migräne gestellt, aber Ihre Kopfschmerzen ändern sich innerhalb kurzer Zeit oder verstärken sich unverhältnismäßig, sollten Sie erneut ärztliche Hilfe suchen.
  • Bei häufiger Einnahme von Schmerzmitteln (an mehr als 10 Tagen pro Monat) sollte ein Arzt konsultiert werden, um einen Medikamentenübergebrauch zu vermeiden.

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