Tätowierungen sind längst kein Randphänomen mehr. Sie haben sich von den traditionellen Trägern wie Seefahrern, Gangs und Gefängnisinsassen in die Mitte der Gesellschaft bewegt. In den USA ist etwa jeder Vierte tätowiert, in Deutschland jeder Zehnte, wobei Männer häufiger als Frauen tätowiert sind. Doch mit der wachsenden Popularität rücken auch die psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte von Tätowierungen stärker in den Fokus.
Psychologische Aspekte von Tätowierungen
Motive für Tätowierungen
Warum lassen sich Menschen überhaupt tätowieren? Verschiedene Befragungen, unter anderem in Deutschland, haben ergeben, dass Menschen mit einer Tätowierung vor allem ihre Individualität und Einzigartigkeit betonen möchten. US-Amerikaner, Brasilianer und Polen glauben zudem häufig, dass eine Tätowierung sie sexuell anziehender macht. Jeder dritte Amerikaner mit Tattoo hegt diese Erwartung.
Die Psyche von Tätowierten
Studien offenbaren jedoch auch, dass Menschen, die sich tätowieren lassen, experimentierfreudiger und abenteuerlustiger sind, aber auch zu einem riskanteren Lebensstil neigen. Im Durchschnitt rauchen Tätowierte häufiger, trinken mehr Alkohol, konsumieren häufiger Cannabis und wechseln ihre Sexualpartner öfter als Menschen ohne Tätowierungen.
Wahrnehmung durch Mitmenschen
Tätowierte werden auch von ihren Mitmenschen anders beurteilt. Obwohl Tattoos im Mainstream angekommen sind, zeigen Studien, dass Tätowierte oft mit einem unsteten Lebensstil in Verbindung gebracht und als weniger vertrauenserweckend eingeschätzt werden. Besonders bei Frauen wird die Erwartung, durch das Tattoo anziehender zu wirken, häufig nicht erfüllt. Studien zeigen, dass Teilnehmer Frauen ohne Körperschmuck oft attraktiver finden als tätowierte Frauen.
Gesellschaftliche Aspekte von Tätowierungen
Tattoos und Kriminalität
Bei der Auswahl des Motivs ist Vorsicht geboten, um nicht in den Verdacht krimineller Aktivitäten zu geraten. Bestimmte Bilder sind unter Gefängnisinsassen stark verbreitet. US-Forscher fanden unter Strafgefangenen vor allem Abbildungen von Gittern, Uhren und Spinnenweben, die als Symbole für die Gefängnisstrafe interpretiert werden. Auch vor Stacheldraht-Tattoos und drei, vier oder fünf Punkten auf der Hand wird gewarnt, da diese ebenfalls eine Haftstrafe symbolisieren können. Besonders berüchtigt sind Tränen am Augenrand, die von Mördern zur Kennzeichnung ihrer Opfer verwendet werden können.
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Das Tattoo als Initiationsritus
Einige Psychologen sehen das Tätowieren, insbesondere bei jungen Erwachsenen, als eine Art Übergangs- oder Initiationsritus. Es könnte einen Wendepunkt im Leben markieren und die Abgrenzung vom Elternhaus symbolisieren.
Das Tattoo als Ausdruck von Schmerz und Willensstärke
Ursprünglich war das Tätowieren ein Signal der Stärke und Willensstärke. Wer sich tätowieren lässt, sollte sich bewusst sein, dass es wehtut. Der Schmerz kann jedoch auch als Teil des Prozesses und als Ausdruck der eigenen Willenskraft wahrgenommen werden.
Medizinische Risiken von Tätowierungen
Neben den psychologischen und gesellschaftlichen Aspekten gibt es auch medizinische Risiken, die vor einer Tätowierung bedacht werden sollten.
Qualität und Verträglichkeit von Tattoo-Farben
Die Qualität und Verträglichkeit von Tattoo-Farben wird nicht systematisch kontrolliert, obwohl diese in die Haut eingebracht werden. Zwar gibt es seit 2009 eine Verordnung für Tattoo-Farben, die eine Ausschlussliste mit 39 Substanzen enthält, die nicht enthalten sein dürfen. In der Praxis werden jedoch oft Pigmente verwendet, die nicht explizit für den Gebrauch in Tattoos hergestellt wurden, sondern beispielsweise für industrielle Lacke oder Farben. Diese Farben können Schwermetalle wie Arsen, Chrom, Quecksilber, Kobalt oder Nickel enthalten, die zu Kontaktallergien führen können.
Einstichtiefe und ihre Folgen
Eine zu hohe Einstichtiefe kann nicht nur zu unscharfen Linien führen, sondern auch dazu, dass die Farbpigmente in tiefere Hautschichten gelangen und sich in den Lymphknoten und der Leber anreichern. Die langfristigen Auswirkungen dieser Anreicherung sind noch nicht ausreichend erforscht.
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Beeinträchtigung der Hautkrebsfrüherkennung
Tätowierungen können die Hautkrebsfrüherkennung erschweren, da Veränderungen von Leberflecken auf tätowierter Haut schwieriger zu erkennen sind. Auch das Entstehen neuer Pigmentmale ist auf tätowierter Haut schwerer zu erkennen. Menschen mit vielen Muttermalen oder einer familiären Vorbelastung für Hautkrebs sollten daher von Tätowierungen absehen.
Beeinträchtigung der Schweißproduktion
Die Tattoofarbe wird in die mittlere Hautschicht eingebracht, wo sich auch die Schweißdrüsen befinden. Studien haben gezeigt, dass tätowierte Haut weniger Schweiß produziert als untätowierte Haut. Dies kann insbesondere für Sportler problematisch sein, da eine gute Temperaturregulation des Körpers wichtig ist. Zudem wurde in Schweiß von tätowierter Haut eine höhere Konzentration von Natrium festgestellt, was darauf hindeutet, dass Tätowierungen die Natriumresorption der Haut beeinträchtigen können.
Entfernung von Tattoos
Die Entfernung von Tattoos ist oft ein langwieriger und kostspieliger Prozess. Eine gängige Methode ist die Laserentfernung, bei der das Laserlicht die Farbpigmente aufspaltet. Dabei können jedoch toxische Spaltprodukte entstehen, die Zellschäden verursachen können. Auch die chirurgische Entfernung birgt Risiken, insbesondere die Gefahr von Infektionen. Von der Anwendung flüssiger Tattoo-Entferner wird abgeraten, da diese unerwünschte Wirkungen haben können.
Pflege von Tattoos
Damit das Tattoo schnell heilt und nicht mehr schmerzt, ist die richtige Pflege wichtig. Die Stelle sollte regelmäßig mit lauwarmem Wasser und milder Seife gereinigt und dünn eingecremt werden. Es gibt spezielle Cremes in der Apotheke, die für die Pflege von Tattoos geeignet sind. Ein guter Tätowierer gibt eine schriftliche Anleitung mit, wie das Tattoo zu pflegen ist.
Vermeidung von Trends und Klischees
Spätestens seitdem Menschen auf Pinterest und Instagram nach "Inspiration" für ein Tattoo suchen, häufen sich die immer gleichen Motive. Unendlichkeitszeichen, Traumfänger, Vogel-Silhouetten, Mandalas, 08/15-Sprüche und alles rund um Astrologie sind Beispiele für Motive, die Tätowierer nicht mehr sehen können. Wer ein individuelles Tattoo möchte, sollte sich von diesen Trends fernhalten und stattdessen ein Motiv wählen, das eine persönliche Bedeutung hat.
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