Die Frage, warum verheiratete Frauen konkurrieren, ist komplex und vielschichtig. Sie berührt Aspekte der gesellschaftlichen Erwartungen, der individuellen Unsicherheiten, der Beziehungsdynamiken und der tief verwurzelten Ängste. Es ist ein Thema, das oft von Klischees und Vorurteilen geprägt ist, aber eine differenzierte Auseinandersetzung verdient.
Der Mythos der ewigen Rivalität
Oft wird behauptet, dass Frauen von Natur aus eifersüchtig aufeinander sind. Dieses Bild der neidischen "Furie", die ihren Konkurrentinnen das Leben zur Hölle macht, ist jedoch ein patriarchales Konstrukt, das Frauen gegeneinander ausspielen soll. Es lenkt von den eigentlichen Ursachen der Konkurrenz ab, die oft in gesellschaftlichen Normen und Erwartungen liegen.
Die Angst vor dem Verlust
Ein wichtiger Faktor ist die Angst vor dem Verlust des Partners. Das "ungeschriebene Gesetz", dass eine gebundene Person nicht angerührt werden darf, nährt sich aus den Verlustängsten der Partner, die keine Lust haben, sich ins Zeug zu legen und mit irgendwem zu konkurrieren. Diese Angst kann besonders stark sein, wenn eine Frau das Gefühl hat, dass ihre Beziehung nicht mehr so lebendig ist wie früher.
Die Rolle der "Geliebten"
Die "Geliebte" wird oft als Bedrohung wahrgenommen. Aus gesellschaftlicher Sicht ist es das Verwerflichste, was eine Frau tun kann. Im Coaching erklärte mir kürzlich eine wütende Ehefrau, dass die blöde Sekretärin an allem schuld sei und dass sie niemals in die Krise geschlittert wären, wenn „das Miststück“ nur die Finger von ihrem Mann gelassen hätte. Doch die Schuld liegt nicht allein bei der Geliebten. Jede Affäre hat vielfältige Gründe, und die Verantwortung liegt bei allen Beteiligten zu 100%. Die Geliebte hat sehr wohl das Recht, um einen Mann zu kämpfen, den sie liebt.
Die Dynamik der Dreiecksbeziehung
In einer Dreiecksbeziehung fühlen sich die meisten Männer ganz wohl. Wenn sich ein Mann trennt, dann relativ schnell. Nach drei oder mehr Monaten schwindet die Chance, von der Zweitfrau zur Erstfrau zu werden. So schön und leidenschaftlich eine Affäre auch beginnen mag, nach einigen Monaten verliert diese Art von Beziehung ihren Zauber. Natürlich gibt es auch Zweitmänner. Allerdings ist eine Frau schneller bereit, sich für ihren Geliebten zu trennen und ein Mann nicht so leicht bereit, über einen langen Zeitraum ein Schattendasein zu führen.
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Die Rolle der Gesellschaft und der Medien
Die Gesellschaft und die Medien verstärken oft das Bild der konkurrierenden Frauen. Filme, Fernsehsendungen und Zeitschriften präsentieren Frauen oft als Rivalinnen, die um Männer, Schönheit oder Erfolg konkurrieren. Dies kann dazu führen, dass Frauen sich unter Druck gesetzt fühlen, sich ständig mit anderen zu vergleichen.
Das Ideal der "perfekten" Frau
Ein weiterer Faktor ist dasIdeal der "perfekten" Frau, dem viele Frauen nacheifern. Sie sollen erfolgreich im Beruf sein, eine glückliche Familie haben, gut aussehen und immer perfekt gestylt sein. Dieser Druck kann dazu führen, dass Frauen sich unsicher und unzulänglich fühlen und in Konkurrenz zu anderen treten, um sich selbst zu beweisen.
Der Einfluss der Herkunftsfamilie
Prof. Dr. Paarbeziehungen stehen lebenslang unter dem Einfluss der Herkunftsfamilien. als primäre Bezugssysteme meist lebenslang enger Kontakt der Angehörigen v.a. Herkunftsfamilien geben ihr genetisches Erbe an die nächste Generation weiter. Dies bezieht sich auf viele Anlagen für körperliche Merkmale, aber auch auf die neuropsychischen Grundlagen von Persönlichkeitseigenschaften und anderen psychischen Merkmalen1 und gilt auch dann, wenn sich Eltern und Kinder nicht kennen, wie dies z.B. bei Samen- oder Eizellenspenden die Regel bildet2. Dabei ist zu bedenken, dass genetische Anlagen nur selten eindeutige Konsequenzen für konkretes Verhalten haben. Gene steuern, wie Nervenzellen sich entwickeln und miteinander "verschalten". Ob die für die Verschaltungen im Gehirn entscheidenden Synapsen durch Gene oder die Umwelt beeinflusst werden, ist dabei gleichgültig3. Manche Menschen, z.B. mit einem kurzen Allel des Serotonintransporter-Gens, sind leichter erregbar und schwerer zu beruhigen. Das Serotonin-Transporter-Gen kann durch Sinneserfahrungen wie z.B. Stress an- oder abgeschaltet werden (Genexpression); die Nervenenden produzieren dann weniger Serotonin, womit dessen ausgleichende, beruhigende Wirkung entfällt.
Modellvorstellungen und Schemata
Mit ihrer Lebenspraxis und ihrem Lebensstil vermitteln Familien ihren Kindern detailreiche Modellvorstellungen über sich selbst, die Umwelt und das Zusammenleben in den einzelnen Lebensbereichen. Daraus werden Erwartungen und Bewertungskriterien über Interaktionspartner und Situationen abgeleitet. Diese Modellvorstellungen, auch innere Arbeitsmodelle, Scripts oder Lebenskonzepte genannt, wirken wie Regieanweisungen und werden im Laufe der Zeit automatisiert und als Schemata abgespeichert. Die Bedeutung von Modellvorstellungen und den damit verbundenen Schemata im Gehirn besteht darin, dass sie als Lebenskonzepte die Grundlage für die eigene Lebensgestaltung und zur Beurteilung von Personen und Situationen bilden und z.B. bestimmen, welche Emotionen ausgelöst werden. Von ihrer Realitätsnähe, Widerspruchsfreiheit und Konsensfähigkeit hängen Erfolg und Wohlbefinden wesentlich ab. Schemata kommen u.a. im Bindungs- und Beziehungsstil17, in Habitus18 ("wie man sich gibt"), Traditionen, die regeln, was wie wann zu geschehen hat, und Ritualen19 zum Tragen. Die automatisierte Schemasteuerung20 hat den Vorteil, im Alltag ohne Nachdenken flüssig und verlässlich handeln zu können und ist daher ein wesentliches Element partnerschaftlicher wie familialer Vertrautheit und Stabilität. Dieses familiale Erbe führt aber zu Problemen, wenn das schematische Verhalten nicht (mehr) den Anforderungen entspricht, vor allem wenn die Schemata der Beteiligten inkompatibel sind.
Neid unter Frauen: Mehr als nur ein Klischee?
Eine Freundin und ich hatten vor Kurzem einen Streit, der damit geendet hat, dass wir uns beide missverstanden gefühlt und uns für eine Weile zurückgezogen haben. Als ich mit einer anderen mir nahestehenden Person über die Situation sprach, war für sie der Fall klar. Der Grund für das mir unerklärliche Verhalten meiner Freundin war Neid: “Ich will es fast nicht sagen, aber sie war schon immer neidisch auf dich”, schlussfolgerte sie. Aus all den anderen guten, triftigen Gründen, aufgrund derer man sich durch jemanden vor den Kopf gestoßen fühlen kann, soll das die Erklärung sein? Frauen, die neidisch aufeinander sind, klingt für mich nach Kindern, die sich gegenseitig im Sandkasten die Schaufel entreißen und sich bockig auf den Boden werfen, nach Teenagern, die sich um einen Schwarm kloppen, aber doch nicht nach erwachsenen Frauen. Diesen patriarchalen Bullshit lasse ich so nicht stehen.
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Das Märchen von "der einen"
Das letzte Mal neidisch auf eine andere Frau oder, besser gesagt, ein anderes Mädchen war ich in der achten Klasse. Sie war eine Mitschülerin und hatte für unser Alter verhältnismäßig große Brüste. Ich hingegen war flach wie ein Brett, das ist immer noch so. Wenn ich heute eine andere Frau sehe, die etwas hat, das ich nicht habe, seien es unfassbar tolle Brüste, eine bemerkenswerte Karriere oder eine wundervolle Partnerschaft, freue ich mich für sie, bewundere sie oder versuche, von ihr zu lernen, und stehe nicht mucksch in der Ecke herum und spinne Intrigen, um ihr das Leben zur Hölle zu machen. Das wäre schließlich mehr als lächerlich. Doch genau dieses lächerliche, irrationale Verhalten wird erwachsenen Frauen permanent unterstellt. Und das Schlimmste daran ist, wir halten dieses Vorurteil selbst am Leben.
Frauensolidarität ist allgegenwärtig
Überall in meinem Umfeld unterstützen sich Frauen untereinander, sei es privat oder beruflich. Kurzfristig auf die Kinder einer Freundin aufpassen, weil sie auf einen wichtigen Termin muss? Kein Problem. Eine Kollegin für einen tollen Job weiterempfehlen? Selbstverständlich. Zusammen zum Arzt oder zur Ärztin fahren, wenn nichts mehr geht? Immer. Ich erlebe jeden Tag die Solidarität unter Frauen in großen und kleinen Gesten, ohne die ich nicht da wäre, wo ich heute bin. Die Frauen in meinem Umfeld unterstützen mich nicht nur, sie stützen mich, wenn ich mal aus eigener Kraft nicht weiterkomme, treten mir in den Arsch, wenn es sein muss, und bauen mich auf. Sie preisen meine Arbeit an, wenn ich mich unter Wert verkaufe, und freuen sich mit mir, wenn etwas Großartiges passiert. Dieser Zusammenhalt ist keine Ausnahmeerscheinung. Darauf sollten wir uns konzentrieren und uns nicht an schwachen Momenten aufhängen, die im Übrigen zutiefst menschlich sind.
Neid und Eifersucht sind menschlich
Gibt es neidische Frauen? Mit Sicherheit. Ebenso gibt es Männer, die eifersüchtig auf andere Männer sind. Ebenso gibt es Frauen, die anderen Männern ihren Erfolg nicht gönnen. Ebenso gibt es Männer, die Frauen gerne ein Bein stellen würden. Neid und Eifersucht sind Minderwertigkeitsgefühle, die wir alle kennen. Es ist normal, sie hin und wieder zu empfinden. Das ist keine große Sache.
Patriarchale Strukturen als Ursache
Wir müssen uns öfter ins Gedächtnis rufen, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft sozialisiert wurden, die viel mehr davon hat, wenn wir uns als Konkurrentinnen betrachten, anstatt uns als Verbündete zu sehen. Das Vorurteil der neidischen Frau erfüllt einen Zweck, und es erfüllt ihn gut. Es bremst uns aus, weil es dafür sorgt, dass wir uns gegenseitig herunterziehen. Es stempelt uns als anstrengende, schwierige, irrationale Zicken ab, die einen Zwist als Bitch-Fight austragen und kindische Gründe dafür finden, jemanden nicht zu mögen. Wie oft habe ich Frauen schon sagen hören, sie würden besser mit Männern klarkommen, weil die nicht so schwierig wären? Ebenso oft wie meine Mutter dafür bemitleidet wurde, drei Töchter großziehen zu müssen. Was zeichnet das für ein Bild von Frauen? Was zeichnen wir damit für ein Bild von Frauen?
Die Wut der Frauen: Ein unterschätztes Gefühl
"Sie wollen den ganzen Artikel downloaden? hält (…) vor allem Frauen davon ab, sich ihrer Wut bewusst zu werden und ihr offen Ausdruck zu geben.“ Das schreibt die amerikanische Therapeutin Harriet Lerner in Wohin mit meiner Wut?, einem Bestseller aus den 1970er Jahren.Und noch Anfang 2016 hieß es im Nachrichtenmagazin Der Spiegel: „Es stimmt, dass viele Frauen sich nicht trauen, wütend zu sein, und stattdessen die Schuld für alles bei sich suchen.“Man findet viele solcher Aussagen in allen möglichen Quellen. Sie sind Ausdruck dessen, was wir in unserem Alltagsverständnis für wahr halten. Wir denken, Wut sei eine eher männliche Emotion. Dass Gene und Hormone dafür verantwortlich seien. Dass Frauen ihre Wut eher für sich behalten, seltener aggressiv werden und so weiter.All das klingt einleuchtend. Trotzdem ist es nicht gerade die genaue Wahrheit. Studien über Studien haben in den vergangenen Jahren die Wut der Frauen untersucht - und dabei einige weitverbreitete Annahmen als Irrtum entlarvt.
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Irrtum 1: "Frauen empfinden weniger Wut als Männer"
Die forschende Psychologie hat erst in den 1980er Jahren begonnen, Gefühle systematisch mithilfe von Fragebögen zu untersuchen, und widerlegte fast durchgehend das Vorurteil von der Wut als „männlicher“ Emotion. „Wenn es um die empfundene Wut geht, können wir im Wesentlichen keine Unterschiede zwischen den Geschlechter feststellen“, schreiben die US-Psychologen Catherine Stoney und Tilmer Engbretson in ihrem Forschungsbericht. Zum selben Ergebnis kommt die Metastudie des britischen Aggressionsforschers John Archer: „Wut kennt keine Geschlechterunterschiede.“ Anders gesagt: Frauen werden genauso oft und genauso sehr wütend wie Männer. In manchen Situationen ist ihre Wut sogar größer. Etwa dann, wenn sie gerade versuchen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Experten sehen darin gar den wichtigsten Grund dafür, dass weibliche Raucher häufiger rückfällig werden als ihre männlichen Schicksalsgenossen.
Irrtum 2: "Frauen unterdrücken ihre Wut - Männer lassen sie raus"
Zurückgehaltene Wut ist schwer zu beobachten. Psychologen arbeiten deshalb auch hier mit Fragebögen: Man lässt die Leute einfach selbst erzählen, was sie fühlen und wie es ihnen geht. Dabei zeigt sich etwas Erstaunliches: Sobald man größere Bevölkerungsgruppen untersucht, sind es gar nicht die Frauen, die ihre Wut für sich behalten - sondern eher die Männer. Dass das aus gesundheitlicher Perspektive keine gute Idee ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Unterdrückte Wut fördert Herzinfarkte. Wer sich ärgert und das für sich behält, schneidet in Verhandlungen schlechter ab - weil er aufhört, sich auf sein Verhandlungsziel zu konzentrieren. Wütende Menschen sprechen auch schlechter auf Schmerztherapien an. Sie leiden besonders stark, wenn sie chronisch krank werden. Unterdrückte Wut erhöht im Übrigen das Risiko, depressiv zu werden - zumindest in westlichen Industriegesellschaften (der Effekt fällt in fernöstlichen Ländern erheblich schwächer aus).
Irrtum 3: "Wütende Männer schlagen ihre Frauen - aber nicht umgekehrt"
Aus Wut wird manchmal Gewalt. Wer bekommt sie zu spüren? In den meisten Fällen: die Familienangehörigen - vor allem die jeweiligen Partner. Viele Forscher, die sich mit häuslicher Gewalt befassen, bekommen ihre Zahlen von dort, wo man die Opfer findet: aus Frauenhäusern, aus den Akten der Polizei, von Ärzten, Zahnärzten, aus der Notaufnahme des Kreiskrankenhauses. Die Tendenz ist in all diesen Studien dieselbe: In den allermeisten Fällen schlagen die Männer ihre Ehefrauen. Eine kriminalstatistische Auswertung des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2016 zeigt: 81,8 Prozent der Opfer waren Frauen. Das Klischee vom aggressiven Mann und der deutlich weniger aggressiven Frau scheint sich also zu bestätigen.
Irrtum 4: "Es liegt an der Biologie - an den Hormonen und den Genen"
Klar: Biologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern existieren. Und zumindest in der Alltagserfahrung scheint es Frauen zu geben, bei denen der Zyklus Einfluss auf ihre Wut hat, ihren Ärger, ihre Reizbarkeit. Die Wissenschaft hat diese Beobachtung überwiegend bestätigt - und das nicht nur in westlichen Industrienationen. Die Ursache für die erhöhte Reizbarkeit in den Tagen vor den Tagen sehen viele Mediziner im schwankenden Serotoninhaushalt der betroffenen Frauen. Mit anderen Worten: Hormone spielen eine Rolle.
Irrtum 5: "Krieg und Terror sind Männersache"
„Männer führen Kriege“, singt Herbert Grönemeyer seit vielen Jahren. Frauen, so glauben wir, tun das eher nicht. Und doch hat es seit je weibliche Kämpfer und weibliche Terroristen gegeben. Wie verhalten sich Frauen, wenn sie Waffen tragen oder Teil des Terrors werden? In den frühen 1990er Jahren erschien ein Sachbuch, das sich in mehreren ausführlichen Interviews mit den Motiven von Terror-Aktivistinnen auseinandersetzte. Die Autorin Eileen MacDonald sprach dabei auch mit Vertretern staatlicher Anti-Terror-Einheiten. Zum Beispiel mit Christian Lochte, dem damaligen Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes. Über den Umgang mit gemischtgeschlechtlichen Terrorgruppen verriet er ihr: „Für jeden, dem sein Leben lieb ist, ist es eine ausgesprochen gute Idee, sich die Frauen zuerst vorzunehmen. Meiner Erfahrung nach haben Terroristinnen einen stärkeren Charakter, mehr Durchsetzungskraft, mehr Energie. Es gibt Beispiele dafür, dass Männer einen Moment zögerten, ehe sie schossen, während Frauen sofort abdrückten. Das ist ein allgemeines Phänomen bei Terroristen.“ MacDonald benannte ihr Buch nach einem Motto, das damals angeblich als Grundsatz bei der GSG 9 galt: Shoot the women first (Erschießt zuerst die Frauen).
Berufliche Konkurrenz und die "schwer vermittelbare" Frau
„Eine Körbchengröße zu wenig und mindestens 15 IQ-Punkte zu viel“, war die spontane Antwort, die meine Freundin Kathrin von ihrem Karrierecoach bekam, als sie ihn „nur mal so“ fragte, was mit ihr verkehrt sein könnte. Zwei Jahre nach ihrer Scheidung hatte sie noch immer keinen Mann kennengelernt, der nach einem ersten gemeinsamen Abend ein zweites Mal angerufen hätte. Zuweilen hatte schon das einfache Überreichen ihrer Visitenkarte ihre Verehrer in die Flucht geschlagen. „Das meinen Sie jetzt nicht ernst?“, fragte sie resigniert nach. „Und ob“, gab der Coach zurück. Ihr Coach bescheinigt Kathrin „beträchtliches berufliches Potenzial“, hält sie privat aber für „schwer vermittelbar“. Ein Modell von Frau, „für das sich nicht so leicht eine Verwendung finden lässt“. So hatte Kathrin die Sache freilich noch nie betrachtet. Eine Beziehung zu einem Mann hat für sie in erster Linie mit Liebe und Partnerschaft zu tun und weniger mit „es mit ihr aufnehmen“, also mit Konkurrenz und Wettstreit. Oder - so fragte sie sich - stehe ich mit dem eigenen Mann womöglich tagtäglich im Boxring, wo sich stets aufs Neue entscheidet: Wer ist der Stärkere? Wer pariert schneller? Die Meinung des Karriere-Coach verrät dabei mehr über unsere Gesellschaft als über meine Freundin Kathrin. Wo sich „Weiblichkeit“ nicht mehr in einem niedrigen, sondern sogar höherem Rang manifestiert - Kathrin ist Abteilungsleiterin in einem großen Industrieunternehmen -, da fordert er - der Mann - eine gesteigerte Weiblichkeit als Zeichen der Unterwerfung ein: mehr Rundungen, weniger Intelligenz.
Dating Down als Lösung?
So praktisch es ist, dass es sogleich ein Wort für diese Sache gibt, eine Antwort auf die Frage, wie man kluge Frauen weniger „schwer vermittelbar“ macht, ist es sicher nicht. Vielleicht rettet ein solches Beziehungsmodell Frauen kurzfristig vor der Einsamkeit, aber eine dauerhafte Lösung dürfte es kaum sein.
Der Wunsch nach "normalen Verhältnissen"
Ich kann mich noch genau daran erinnern, als mein Mann mich nach einem Jobwechsel mit seinem neuen Gehalt weit hinter sich gelassen hatte. Einerseits war ich erstaunt, dass noch nie jemand auf die Idee gekommen war, mir so viel Geld für meine Arbeit zu bezahlen, andererseits war ich aber auch erleichtert: Die „normalen Verhältnisse“ waren endlich auch zwischen uns beiden hergestellt. Zugleich war ich froh, dass ein Konfliktherd damit beseitigt worden war. Jährlich wächst die Kluft zwischen unseren beiden Gehältern, und ich lehne ich mich entspannt zurück, denn kein Mensch kommt jetzt mehr - wie noch vor zehn Jahren - auf die Idee, dass ich meinen Mann finanziell aushalten könnte.