Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. In Deutschland leiden Millionen Menschen unter Migräne, und die Suche nach wirksamen Behandlungen ist für viele eine ständige Herausforderung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Ursachen, Symptome, verschiedene Formen und Behandlungsoptionen, um Betroffenen zu helfen, ein besseres Verständnis für diese Erkrankung zu entwickeln und geeignete Strategien zur Bewältigung zu finden.
Migräne in Deutschland: Eine weit verbreitete Erkrankung
Eine Studie des Journal of Health Monitoring aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Migräne in Deutschland weit verbreitet ist. Beinahe 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer erfüllen die diagnostischen Kriterien für eine Migräne. Rechnet man auch Personen ein, die zumindest drei von vier Kriterien erfüllen, leiden sogar 28,4 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer unter Migräne. Von den diagnostizierten Migräne-Betroffenen leiden 32,1 Prozent der Frauen und 42,9 Prozent der Männer unter einer Migräne mit Aura.
Was ist Migräne? Definition und Symptome
Unter einer Migräne versteht man einen anfallsartigen Kopfschmerz, der meist einseitig auftritt. Die pochenden, pulsierenden oder stechenden Kopfschmerzen kehren in unregelmäßigen Abständen wieder und zwingen Betroffene häufig dazu, ihren Alltag zu unterbrechen und in einem abgedunkelten Raum zur Ruhe zu kommen. Migräneattacken können über mehrere Stunden bis hin zu drei Tage andauern.
Die Symptome von Migräne können vielfältig und teilweise unspezifisch sein, da verschiedene Formen von Migräne bekannt sind. Je nach Form geht eine Migräne mit unterschiedlichen Symptomen einher.
Die verschiedenen Phasen einer Migräne
Grundsätzlich gibt es vier Migräne-Phasen, wobei nicht jeder Patient alle Phasen durchläuft:
Lesen Sie auch: IKK Migrationsinformationen
- Vorbotenphase: Bei einigen Menschen tritt bis zu 48 Stunden vor den Kopfschmerzen die Vorbotenphase auf.
- Auraphase: Bei einer Migräne mit Aura folgt auf die Vorbotenphase die Auraphase. Hier kommt es meist zu Sehstörungen, einer sogenannten visuellen Aura. Eine Migräneaura kann sich aber auch durch Empfindungs-, Sprach-, Orientierungs- oder Gleichgewichtsstörungen sowie durch Lähmungserscheinungen äußern.
- Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzphase betrifft fast jeden Migräne-Patienten. Die Kopfschmerzen sind meist einseitig und betreffen Stirn, Schläfen und Augen. Teilweise treten sie auch am gesamten Kopf auf. Unbehandelt dauert diese Phase mindestens vier Stunden und kann bis zu 72 Stunden andauern. Körperliche Anstrengung verschlimmert die Schmerzen in der Regel, während Ruhe und Dunkelheit zur Linderung beitragen. In dieser Phase können auch Begleitsymptome auftreten, wie z.
- Erholungsphase: Sind die Kopfschmerzen abgeklungen, beginnt die Erholungsphase, die bis zu zwei Tage dauern kann.
Migräne mit Aura: Wenn neurologische Symptome den Schmerz ankündigen
Vor der Kopfschmerzphase tritt bei einigen Betroffenen eine Migräneaura auf. Bei der Migräne mit Aura kündigen sich die Kopfschmerzen mit Anzeichen wie Sehstörungen oder Gefühlsstörungen an den Armen und Beinen an. Medikamente zur Migräne-Behandlung zielen größtenteils darauf ab, die Kopfschmerzen und möglichen Begleiterscheinungen zu lindern. Allerdings ist die Aura in der Regel nach etwa 30 Minuten von allein verschwunden.
Verschiedene Formen der Migräne
Experten unterscheiden verschiedene Migräne-Formen:
- Migräne ohne Aura: Tritt am häufigsten auf und äußert sich durch mäßige bis starke einseitige Kopfschmerzen.
- Migräne mit Aura: Hier treten vor der Kopfschmerzphase neurologische Beschwerden wie Seh- oder Empfindungsstörungen auf.
- Migraine sans migraine (Migräne ohne Kopfschmerzen): Etwa zehn Prozent der Menschen, die unter Migräne mit Aura leiden, entwickeln ab und zu auch eine Aura ohne Kopfschmerzen. Treten neurologische Symptome auf, ohne dass die Kopfschmerzphase folgt, spricht man von Migraine sans migraine, Migräne ohne Kopfschmerzen oder Augenmigräne.
- Hemiplegische Migräne: Eine Unterform der Migräne mit Aura, auch als komplizierte Migräne bezeichnet. Neben den klassischen Symptomen einer Migräne mit Aura treten zusätzlich Bewegungseinschränkungen auf. Häufig fällt es den Betroffenen schwer, ihre Gliedmaßen zu kontrollieren.
- Basiläre Migräne: Eine weitere Unterform der Migräne mit Aura. Vor allem junge Erwachsene spüren die für eine Migräne vom Basilaristyp typischen Schmerzen im Hinterkopf.
- Retinale Migräne: Betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Hier treten ca. eine Stunde vor der Kopfschmerzphase einseitige Sehstörungen bis hin zu Blindheit auf.
- Menstruelle Migräne: Tritt Migräne ausschließlich im Rahmen der Menstruationsblutung auf, spricht man von einer menstruellen Migräne. Sie beginnt frühestens zwei Tage vor dem Einsetzen der Monatsblutung und spätestens zwei Tage danach. Die menstruelle Migräne kann ohne Aura oder mit Aura auftreten, teilweise geht sie auch mit motorischen Beschwerden einher. Meist verläuft diese Migräne-Form wie die klassische Migräne.
- Chronische Migräne: Treten Migräneattacken gefühlt pausenlos auf, könnte sich eine chronische Migräne entwickelt haben. Die Migräne ohne Aura wird öfter chronisch als die Migräne mit Aura. Betroffene leiden über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten an mindestens 15 Tagen pro Monat unter Migräne.
- Abdominelle Migräne: Betrifft nur selten erwachsene Menschen, meist sind Kinder von dieser Sonderform betroffen. Hierbei treten keine Kopfschmerzen, sondern ein dumpfer Schmerz in der Bauchnabelgegend auf.
Ursachen von Migräne: Ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren
Die Ursachen von Migräne sind bisher noch nicht ausreichend geklärt. Nach aktuellen Forschungen ist jedoch davon auszugehen, dass eine Überaktivität von Nerven im Hirnstamm dazu führt, dass dem Gehirn Schmerzsignale gesendet werden. Folglich lassen die Gefäßwände Blutflüssigkeit durch und es werden bestimmte Blutbestandteile, darunter entzündliche Proteine, freigesetzt. Im Hirngewebe und in den Hirnhäuten kommt es zu einer neurogenen Entzündung, die Schmerzimpulse verursacht.
Manche Menschen haben ganz bestimmte Auslöser, die bei ihnen eine Migräneattacke hervorrufen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Alkohol: Alkohol sorgt bekanntermaßen bei vielen Konsumenten für Kopfschmerzen, da er entwässert. Wahrscheinlicher ist aber, dass eine Migräne nach Alkoholkonsum durch die in den alkoholischen Getränken enthaltenen Histamine und Tyramine verursacht wird.
- Lebensmittel mit Aminen: Im Rahmen einer Migräne-Diät wird Betroffenen empfohlen, auf Lebensmittel mit Aminen (Tyramin, Histamin, Serotonin) zu verzichten. Geräuchertes Fleisch, z.
Was hilft bei Migräne? Behandlungsoptionen im Überblick
Betroffene einer Migräne möchten den quälenden Schmerz verständlicherweise so schnell wie möglich loswerden. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Angebote zur Migräne-Behandlung. Was bei Migräne hilft, hängt oftmals stark von der individuellen Situation des Betroffenen sowie der vorliegenden Migräne-Form ab.
Lesen Sie auch: Leben ohne Migräne in Hagen
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Die meisten nicht-medikamentösen Heilmittel haben den Vorteil, dass sie kaum bis keine Risiken und Nebenwirkungen aufweisen. Jedoch ist ihre Wirksamkeit oftmals nicht ausreichend klinisch belegt, um eine Linderung der Beschwerden zu gewährleisten. Zu den nicht-medikamentösen Behandlungen gehören:
- Entspannungsübungen: Oft reicht es, einige Entspannungsübungen zu machen.
- Kalte Umschläge: Vor allem bei Stirnkopfschmerzen. Kaltes Tuch oder Coldpack für eine Minute auf schmerzende Stelle legen, dann drei Minuten Pause.
- Warm-kalte Fußdusche: Duschen Sie Ihre Füße und Unterschenkel drei bis fünf Minuten lang mit warmem Wasser. Danach für etwa zehn Sekunden kalt abduschen.
- Warmes Vollbad: Für zehn bis zwanzig Minuten.
- Ablenkung und Spazierengehen: Können ebenfalls helfen.
- Naturheilkunde: Gerade bei chronischen Kopfschmerzen oder Migräne, bei denen die klassische Schulmedizin nicht immer weiterhilft, eignet sich die Naturheilkunde.
- Ohrkupunktur: Kann bei chronischen Kopfschmerzen und bei Migräne hilfreich sein. Bei einem Teil der Patienten geht die Anzahl der Anfälle zurück, und die Kopfschmerzstärke kann abnehmen.
- Neuraltherapie: Verwendet zur Erzielung Ihrer Heilwirkung Lokalanästhetika wie Procain. Hierbei wird das therapeutische Lokalanästhetikum durch Injektionen und Infiltrationen in das Kopfschmerz auslösende Segment gegeben. Da Schmerzen jedoch nicht nur auf ein Segment lokalisiert, sondern auch durch typische Störfelder verursacht sein können, werden diese in die Therapie mit einbezogen. Störfelder sind Gaumenmandeln, Nasennebenhöhlen, Zahn-Kiefer-Bereich, Prostata, gynäkologischer Raum, Narben aller Art. Durch Ausschaltung eines Störfeldes mittels Lokalanästhetika wird die schädigende Wirkung auf die Regulationsfähigkeit des Organismus unterbrochen und ermöglicht somit die Ausheilung der Erkrankung. Procain hat im Gegensatz zu den meisten Schmerzmitteln keine Abbauprodukte, die die Leber oder Nieren belasten. Im Gegenteil, die Abbauprodukte von Procain sind nützlich und verbessern die Durchblutung sowie den Lymphabfluss. Procain kann deshalb auch als Infusion gegeben werden, z.B. bei generalisierten Schmerzerkrankungen. Auf Grund der o.g. Eigenschaften besitzt das Procain direkte antientzündliche und abschwellende Eigenschaften, was es z.B. bei Schmerzen zum idealen Therapeutikum macht. Ein weiterer wesentlicher Effekt, der für die langanhaltende Wirkung der Schmerzreduktion bzw. Befreiung verantwortlich ist, besteht in dem Löschen des Schmerzgedächtnisses.
Medikamentöse Behandlungen
Bei leichten bis mäßigen Migräneattacken helfen häufig frei verkäufliche Schmerzmittel aus der Apotheke, um die Beschwerden zu lindern. Kommt es häufig zu Migräneattacken oder zu intensiven Migräneanfällen, reichen frei verkäufliche Schmerzmittel nicht mehr aus. Um eine geeignete Behandlung zu finden, ist es wichtig, einen Arzt hinzuzuziehen. Dieser kann - je nach Bedarf - auch rezeptpflichtige Arzneimittel verschreiben.
- Frei verkäufliche Schmerzmittel: Wenn Kopfschmerzmedikamente eingenommen werden, dann sollten beispielsweise Paracetamol (500-1000 mg) oder Acetylsalicylsäure (500-1000 mg) eingenommen werden.
- Spezielle Migränemittel (Triptane): Wenn diese Kopfschmerzmittel nicht wirken oder wenn Sie diese nicht nehmen dürfen, dann sind spezielle Migränemittel („Triptane“) nötig. Die speziellen Migränemittel haben den Vorteil, dass sie auch gegen Übelkeit und Erbrechen nützen. Sie beeinflussen allerdings andere Symptome wie Müdigkeit oder Erschöpfung nicht. Triptane sollten erst eingenommen werden, wenn die Kopfschmerzen auftreten, und nicht schon während der Aura. Sie wirken nur gegen Migränekopfschmerzen und Übelkeit. Spezielle Migränemittel (z. B. Zomig®, Imigran®) nützen beim Spannungskopfschmerz nichts und sollten daher nicht eingenommen werden.
- Medikamente zur Migräneprophylaxe: Betablocker, Kalziumantagonisten, Antidepressiva, Magnesium 400 - 600 mg pro Tag, Vitamin B2, Co-Enzym Q. Man kann bis heute noch nicht zuverlässig voraussagen, welches Medikament bei welcher Person am besten wirkt. Das beste Medikament ist dasjenige, welches Ihnen bei Ihnen wirkt und hilft.
Es ist wichtig zu beachten, dass Kopfschmerzmedikamente und Triptane (Migränemittel) nie länger als drei Tage hintereinander und nie häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden sollten. Andernfalls kann ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz entstehen.
Medikamentenentzug bei Medikamentenkopfschmerz
Wer zu viele oder zu oft Kopfschmerzmedikamente nimmt, wird mit der Zeit von ihnen abhängig. Der Körper gewöhnt sich an die vielen Medikamente und reagiert mit Kopfschmerzen, sobald man keine Tabletten mehr nimmt. Dies verleitet dazu, immer öfter und immer mehr Tabletten einzunehmen. Im Extremfall hat man trotz der Medikamente Kopfschmerzen. Die einzige Möglichkeit, den Medikamentenkopfschmerz zu behandeln, ist der Medikamentenentzug. Dies kann nur unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt werden, entweder ambulant oder stationär in einem Krankenhaus. Jegliche Therapie von Medikamentenkopfschmerzen ist sinnlos, solange noch Schmerzmittel oder Triptane (Migränemittel) eingenommen werden.
Die Migräne-Spritze: Eine neue Hoffnung für Betroffene
Neue Hoffnung schöpfen einige Patienten dank der sogenannten Migräne-Spritze. Dieses neue Medikament enthält den Antikörper Erenumab, der speziell für die Vorbeugung von Migräne entwickelt wurde. Studien zufolge reduziert sich dadurch die Anzahl der Migräne-Anfälle bei einem Großteil der Patienten nach einem Jahr Behandlung um die Hälfte.
Lesen Sie auch: Migräne natürlich behandeln: Iris
Migräne vorbeugen: Strategien zur Reduktion von Anfällen
Migräneanfällen kann man vorbeugen, „geheilt“ wird die Migräne dadurch jedoch nicht. Mit einigen Vorbeugemaßnahmen ist es zudem oftmals möglich, die Intensität und Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Migräneauslöser vermeiden: Finden Sie heraus, was Ihre Migräne auslöst, und versuchen Sie, diese Migräneauslöser zu vermeiden. Ein Kopfschmerzkalender hilft nicht nur bei der Diagnose der Kopfschmerzen, sondern Sie können damit auch Auslöser gezielt erkennen. Fragen, die man sich stellen sollte: Wann traten die Kopfschmerzen auf? Wie lange dauerten sie? Was war vor dem Anfall? Was könnte ihn ausgelöst haben? Haben Sie sich körperlich angestrengt? In welchem Zyklusabschnitt treten die Anfälle auf? Welche Medikamente haben Sie gegen die Schmerzen genommen?
- Regelmäßiger Lebensstil: Tägliche Entspannungsübungen und leichtes Ausdauertraining sind sehr erfolgversprechend.
- Medikamentöse Prophylaxe: Folgende Medikamente helfen vorbeugend: Betablocker, Kalziumantagonisten, gewisse Antidepressiva, Magnesium (400-600 mg pro Tag), Vitamin B2, Co-Enzym Q. Diese Medikamente verringern die Anzahl und die Schwere der Migräneanfälle. Etwa 60 bis 80 Prozent der Patienten haben damit bedeutend weniger Migräneanfälle.
Chronische Kopfschmerzen: Wenn die Schmerzen zum Dauerzustand werden
Die wirksamste Therapie bei chronischen Kopfschmerzen ist eine Kombination aus vorbeugenden Medikamenten, Stressbewältigungstraining und Entspannungsübungen. Dies haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt. Die Therapie der chronischen Kopfschmerzen ist allerdings schwierig und braucht viel Geduld. Erste Erfolge zeigen sich oft erst nach Wochen, und die Kopfschmerzen werden meist nur etwas schwächer, vergehen aber nicht ganz. Als Medikamente werden Antidepressiva eingesetzt. Antidepressiva erhöhen die Schmerzschwelle und verändern die Schmerzempfindung, sodass Kopfschmerzanfälle seltener und weniger stark werden.