Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die Migräne mit Aura ist eine spezielle Form der Migräne, die durch neurologische Symptome, die sogenannte Aura, gekennzeichnet ist. Diese Aura-Symptome treten meist vor den eigentlichen Kopfschmerzen auf und können vielfältig sein. Es ist wichtig zu verstehen, was eine Migräne mit Aura ist, welche Ursachen und Symptome sie hat und welche Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien zur Verfügung stehen.

Was ist Migräne mit Aura?

Die Migräne mit Aura ist eine von mehreren Migräneformen. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten sind von dieser Form betroffen. Die Aura tritt meist vor der eigentlichen Migräne auf und kündigt verschiedene Symptome an. Die Aura tritt auf unterschiedliche Weise auf und wird von den Betroffenen individuell wahrgenommen. Sie dauert in der Regel höchstens eine Stunde, kann aber auch ohne nachfolgende Migräne auftreten. In Medizinerkreisen wird eine Aura ohne nachfolgenden Kopfschmerz als „Migraine sans migraine“ bezeichnet, dies stellt jedoch eine Ausnahme dar, da meistens auf eine Aura auch ein Migräne-Anfall folgt.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura weist die gleichen Symptome auf wie eine Migräne ohne Aura. Der Unterschied besteht also nur in der Aura selbst. Die „Aura“ entsteht vor der eigentlichen Migräne. Dabei kommt es mitunter zu weiteren Symptomen als Vorboten der Migräne. Zu den Symptomen einer Migräne mit Aura zählen auch die Aura-Symptome selbst. Selbst wenn es nicht nach jeder Aura zu Migräne-Symptomen kommt, handelt es sich dennoch per Definition um eine Migräne mit Aura. Das ist die sogenannte „Migräne ohne Kopfschmerzen“ (Migraine sans migraine).

Die Symptome, die bei der Aura im Rahmen einer Migräne auftreten, lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

  • Kortikale Symptome
  • Hirnstammsymptome

Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, können diese beiden Arten von Aura unterschieden werden. Für alle Symptome gilt, dass mehrere Beschwerden zwar gleichzeitig auftreten können, aber nicht müssen. Manchmal zeigt sich auch nur ein einzelnes Symptom. Außerdem bilden sich alle Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück, sie sind reversibel. Halten die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, handelt es sich per Definition nicht um eine Aura, sondern um eine andere Erkrankung. In dem Fall sollten Sie sich unbedingt umgehend an einen Arzt wenden!

Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie

Kortikale Aura Symptome

Die kortikalen Symptome betreffen vor allem den Kortex des Gehirns. „Kortex“ bedeutet Rinde, hier ist also besonders die Hirnrinde betroffen. Zu den Symptomen der kortikalen Aura gehören:

  • Flimmerskotom: Die Aura beansprucht besonders häufig die Sehrinde. Betroffene sehen ein Flimmern, das von der Mitte des Gesichtsfeldes nach außen wandert. Dadurch beeinträchtigt die Migräne mit Aura das Sehen. Die Wahrnehmung wird besser greifbar, wenn man Betroffene fragt, ob die Abgrenzung des Flimmerns vielleicht gezackt erscheint.
  • Negatives Skotom: Ein negatives Skotom ist ein Gesichtsfeldausfall. Manchmal kann man in bestimmten Bereichen des Blickfeldes gar nichts mehr sehen. In anderen Fällen ist nur eine Seite des Gesichtsfeldes betroffen, also rechts oder links, die verschwommen gesehen wird. Die Grenze zwischen dem verschwommenen und dem klaren Bereich ist deutlich erkennbar für die Patientinnen und Patienten. Die Ausprägung des negativen Skotoms ist sehr individuell.
  • Positives Skotom: Bei einem positiven Skotom nehmen die Betroffenen gezackte Linien wahr, die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen. Das kann für den Patienten oder die Patientin sehr schwierig zu beschreiben sein.
  • Lichtblitze: Lichtblitze (Photopsien) sind unterschiedlich stark ausgeprägt und finden sich im Gesichtsfeld an allen Stellen. Sie erscheinen sehr kurz, verschwinden wieder und tauchen an anderer Stelle erneut auf. Betroffene beschreiben eine Art Blitzregen, da die Lichtblitze während der Aura immer wieder und plötzlich im Gesichtsfeld auftreten.
  • Grelle Farbwahrnehmung: Betroffene sehen Farben plötzlich intensiver und stechender. Die verschiedenen Farben wirken oft so grell, dass diese Farbwahrnehmung als sehr störend empfunden wird.
  • Sensibilitätsstörungen: Sensibilitätsstörungen äußern sich unter anderem als Kribbeln und Taubheit (Parästhesien). Viele Betroffene können die Symptome besonders am Anfang der Erkrankung nicht richtig einordnen. Bei einer Migräne mit Aura treten Sensibilitätsstörungen fast immer auf.
  • Aphasie: Aphasie bedeutet, dass die Patienten und Patientinnen während der Aura nicht richtig sprechen können. Entweder fallen ihnen die Worte nicht ein, sodass ihre Äußerungen keinen Sinn ergeben. Oder die Betroffen wissen zwar, was sie sagen möchten, können die Wort aber nicht aussprechen (artikulieren).

Hirnstammaura Symptome

Eine besondere Auraform ist die Hirnstammaura. Hier ist besonders der hintere Anteil des Kopfes betroffen. Früher bezeichnete man die Migräne mit Hirnstammaura als „Migräne vom Basilaristyp“ oder „Basilarismigräne“, weil im hinteren Teil des Kopfes die Arteria basilaris verläuft. Bei der Migräne mit Hirnstammaura kommt es zu folgenden Symptomen während der Aura-Phase:

  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder: Dieses Symptom betrifft als einziges Symptom der Hirnstammaura das Sehen. Flimmern oder Lichtblitze kommen bei der Hirnstammaura allerdings seltener vor.
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Diese Artikulationsstörung betrifft die Sprechwerkzeuge. Die Betroffenen wissen und verstehen zwar, was sie ausdrücken möchten, wegen einer Koordinationsstörung von Zunge, Lippen oder Kehlkopf kommt aber keine Lautbildung zustande.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Bei einer Ataxie sind die Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten gestört. Den Betroffenen gelingt es dann nicht, sich fortzubewegen oder alltägliche Aufgaben zu erledigen, weil der Körper nicht „gehorcht“.
  • Hörminderung: Einige Betroffene hören während der Aura-Phase schlechter als sonst. Tinnitus, also das Dauerpfeifen im Ohr, und Schwindel können begleitend auftreten. Weil das Vestibularorgan im Innenohr an diesen Symptomen beteiligt ist, gehen sie oft Hand in Hand.
  • Bewusstseinsstörungen: Bei einer Hirnstammaura treten manchmal Bewusstseinsstörungen auf. Das bedeutet nicht immer Ohnmacht: Auch eine verminderte Ansprechbarkeit ist eine Bewusstseinsstörung.
  • Keine motorischen Defekte: Die Ursache dieser Störungen ist nicht in der Motorik zu finden. Vielmehr betrifft das Problem die Koordination der einzelnen Körperteile, die normalerweise im Gehirn stattfindet.

Hemiplegische und retinale Migräne mit Aura

Zwei seltenere Formen der Migräne mit Aura sind die hemiplegische und die retinale Migräne. Bei der hemiplegischen Migräne zeigt sich die Aura vor allem durch eine vorübergehende Muskelschwäche. Die Betroffenen sind während der Aura-Phase in ihren Bewegungen und im Alltag eingeschränkt. Das Kennzeichen der retinalen Migräne sind Sehstörungen, weil die Netzhaut (Retina) betroffen ist. Diese Sehstörungen betreffen allerdings immer nur ein Auge, nicht beide. Während der Aura-Phase sehen die Betroffenen dann einseitig verschwommen, vermindert oder gar nicht.

Ursachen der Migräne mit Aura

Die Ursachen von Migräne mit Aura sind vielschichtig und werden durch eine Kombination von genetischen, persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst. An der Nervenaktivität im Gehirn kann man erkennen, wie die Aura entsteht: Wenn eine Nervenzelle „übererregt“ wird, entsteht eine sogenannte Streudepolarisation. Diese Erregung findet zuerst in nur einem Hirnbereich statt. Von dort aus breitet sich diese Depolarisation wie eine Welle auch in andere Areale des Gehirns aus. Dort nimmt die Nervenaktivität dann ab.

Genetische Faktoren

Genetische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne. Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden hierbei mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht.

Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne

Neurologische und biochemische Mechanismen

Es wird davon ausgegangen, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Die genauen Ursachen der kurzzeitigen Veränderung in der Gehirnaktivität sind noch nicht vollständig verstanden, wobei sich der Erkenntnisstand in den letzten Jahren insbesondere durch moderne bildgebende Untersuchungsmöglichkeiten deutlich erweitert hat. Über eine Aktivierung der schmerzleitenden Nervenfasern und Schmerzzentren im Gehirn werden verschiedene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, ausgeschüttet. Diese sogenannte Schmerzkaskade löst wiederum eine Entzündung der Hirngefäße und damit eine vorübergehende Durchblutungsstörung der Hirnrinde aus. Die Symptome der Migräne-Aura entstehen vermutlich durch eine Erregungswelle, die über die Hirnrinde läuft und zu einer vorübergehenden Störung führt.

Triggerfaktoren

Für viele Betroffene, die an Migräne mit Aura leiden, können bestimmte Triggerfaktoren Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter bzw. Wetterwechsel
  • Bestimmte Lebens- und Genussmittel
  • Unterzuckerung durch unregelmäßige Mahlzeiten
  • Hormonelle Veränderungen
  • Bestimmte Reize wie Flackerlicht oder schlechte Luft in stickigen Räumen
  • Alkohol, z.B. Rotwein, oder bestimmte Nahrungsmittel
  • Intensive Gerüche
  • Grelles Licht
  • Starke körperliche Anstrengung, manchmal sogar Entlastung („Wochenendmigräne“)

Es ist wichtig, die eigenen Triggerfaktoren zu identifizieren, um diese möglichst zu meiden und so Migräneanfälle zu reduzieren. Ein Migräne-Tagebuch kann dabei helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren. Spezielle Nahrungsmittel sind nur selten Auslösefaktoren für Migräne. Früher glaubte man, dass zum Beispiel Schokolade und Käse potente Auslöser der Migräne sind. Heute weiß man, dass der Heißhunger auf hoch kalorienhaltige Speisen oft ein Frühsymptom der Migräne darstellt, also bereits zum Anfall gehört.

Foramen ovale

In seltenen Fällen kann die Migräne mit Aura auch auf einen genetischen Defekt des sogenannten Foramen ovale zurückzuführen sein. Das Foramen ovale ist ein kleines Loch im kindlichen Herz, das während der Schwangerschaft für die Blutversorgung des Ungeborenen sorgt. Normalerweise verschließt sich dieses Loch von alleine nach der Geburt, aber nicht bei allen Menschen. In den meisten Fällen bleibt ein unverschlossenes Foramen ovale im Laufe des Lebens unentdeckt und macht keine Probleme. Trotzdem lohnt es sich, Nachforschungen in diese Richtung anzustellen, wenn keine andere Ursache für die Migräne mit Aura gefunden wird.

Diagnose der Migräne mit Aura

Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose. Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können.

Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?

Behandlung der Migräne mit Aura

Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten. Das Ziel ist, die Anfälle in ihrer Intensität zu mindern und die Häufigkeit einzudämmen. Das lässt sich vor allem erreichen, indem man die Auslöser meidet.

Folgende Maßnahmen können den Krankheitszustand der Betroffenen verbessern:

  • Auslöser der Migräne und/oder der Aura meiden
  • Frühzeitig schmerzlindernde Medikamente einnehmen
  • Medikamentöse Behandlung: Schmerzmittel, Mittel gegen Übelkeit, Triptane, Steroide

Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.

Medikamentöse Behandlung

Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen.

Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Linderung von Migräne beitragen können:

  • Regelmäßiger Ausdauersport: Joggen, Schwimmen, Radfahren
  • Entspannungstechniken: Yoga, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training, Biofeedback-Techniken
  • Psychologische Verfahren: Verhaltenstherapeutische Verfahren, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen
  • Physiotherapie: Passive Dehnübungen im Bereich von Wirbelsäule sowie Rücken-, Hals- oder Kopfmuskulatur, aktive Übungen oder leichter Ausdauersport wie Nordic Walking
  • Ernährungsumstellung: Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln
  • Akupunktur
  • Vermeidung von Stress

Es lohnt sich herauszufinden, ob es spezielle Trigger für die Migräne bei einem selbst gibt, die man dann vermeiden kann. Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Für viele Patientinnen und Patienten hilfreich ist Regelmäßigkeit. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.

Vorbeugung der Migräne mit Aura

Die beste Strategie bei Migräne - egal ob mit oder ohne Aura - ist, die Auslöser zu meiden. Wenn Sie einem Migränefall vorbeugen möchten, sollten Sie Ihre persönlichen Risikofaktoren kennen und sich mit verschiedenen, auch nicht-medikamentösen Maßnahmen auseinandersetzen.

In der Prophylaxe von Migräne mit Aura haben sich vor allem die Medikamente Lamotrigin, Flunarizin und Topiramat bewährt. Lamotrigin ist eigentlich ein Antiepileptikum. Normalerweise wird es Patienten mit Epilepsie oder bipolaren Störungen verordnet. Wird Lamotrigin in der Migräne-Prophylaxe eingesetzt, spricht man von einer sogenannten „off-label“-Anwendung. Das heißt, dass das Mittel zwar ursprünglich nicht für dieses Krankheitsbild vorgesehen war, aber aufgrund seiner Wirksamkeit trotzdem eingesetzt wird. Lamotrigin sorgt dafür, dass die Natrium- und Calciumkanäle von Nervenzellen inaktiviert werden. Diese Inaktivierung führt dazu, dass die Nervenzelle weniger gut erregbar ist. Weil die Aura-Symptome durch übermäßige Erregung der Nerven entstehen, kann Lamotrigin durch die Hemmung der Erregbarkeit diesen Prozess schwächen. Das lindert die Aura-Symptome.

Flunarizin ist ein Calciumantagonist, also ein Gegenspieler von Calcium. Wie genau Flunarizin wirkt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Experten sind sich aber einig, dass Flunarizin die Wirkung von Calcium schwächt. Das wiederum verhindert die Übererregbarkeit der Nervenzellen, die zur Aura-Symptomatik führt.

Topiramat ist ebenfalls ein Antiepileptikum. Zusätzlich wird es vielfach zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt. Topiramat wirkt im Wesentlichen über drei Mechanismen: Es hemmt die Natriumkanäle und senkt so die Erregung der Nervenzellen. Außerdem hemmt Topiramat die AMPA-Typen von Glutamatrezeptoren, was ebenfalls zu einer geringeren Erregbarkeit der Nervenzellen führt. Der dritte Mechanismus besteht in der Stärkung von GABA, einem körpereigenen Hemmstoff, der die Erregbarkeit der Nervenzellen zusätzlich einschränkt. Weil die Aura-Symptomatik auf der übermäßigen Erregung der Nervenzellen beruht, lindert Topiramat die Beschwerden wirksam.

Krankheitsverlauf und Prognose

Migräne mit Aura ist nicht heilbar. Das Therapieziel lautet daher nicht Heilung, sondern Minderung von Intensität und Häufigkeit der Anfälle. Trotz aller Maßnahmen kann die Migräne dennoch immer wieder auftreten. Doch jeder Anfall bildet sich wieder zurück. Das betrifft sowohl die Aura selbst als auch die Migräne. Wie lange ein Anfall andauert, ist unterschiedlich, aber im Allgemeinen sind die Anfälle vorübergehend. Patientinnen und Patienten können die Anfallsphasen mithilfe von vorbeugenden Maßnahmen und einer entsprechenden Behandlung zwar verkürzen, doch auch ohne Behandlung bilden sich die Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück.

Bei einigen Betroffenen nimmt die Häufigkeit der Anfälle mit der Zeit zu oder ab. Diese Phasen sind individuell und je nach Auslöser unterschiedlich: Manche haben im Sommer mehr Anfälle, andere im Winter. Manchmal hängen Häufigkeit und Intensität auch nicht vom Wetter, sondern vom Stress ab. Weil die Auslöser verschieden sind, lohnt sich ein Migräne-Tagebuch. So kann man die persönlichen Trigger identifizieren und versuchen, den Alltag danach auszurichten.

In den meisten Fällen ist Migräne mit Aura nicht gefährlich. Die Erkrankung schränkt allerdings das Leben mitunter sehr ein. Das ist für die Betroffenen oft belastend. Hier lohnt sich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt über sinnvolle Therapieoptionen. Sind die Bewusstseinsstörungen, die während der Aura-Phase auftreten können, stark ausgeprägt, müssen Sie das ernst nehmen. Lassen Sie sich unbedingt ärztlich beraten.

Leben mit Migräne mit Aura

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) rund 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. Die Erkrankung schränkt das Leben mitunter sehr ein. Das ist für die Betroffenen oft belastend. Hier lohnt sich ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt über sinnvolle Therapieoptionen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Migräne keine psychische Erkrankung ist und auch nicht mit einem banalen Spannungskopfschmerz, der viel besser mit Schmerzmitteln kontrolliert werden kann, verwechselt werden sollte. Viele Betroffene spüren jedoch bis heute das Stigma, Migräne sei keine echte Erkrankung, sondern nur eine gelegentlich sogar willkommene Ausrede, die es erlaubt, unangenehme Aufgaben zu vermeiden.

Migräne-Komplikationen

Eine Migränekomplikation kann als migränöser Infarkt bei einer Migräne mit Aura oder der Migraine accompagnée bezeichnet werden. Die Folgen sind Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu einem Schlaganfall führen können.

Wann zum Arzt?

Sollten sich die Aura-Symptome mehrmals täglich häufen, muss auch an andere Krankheiten gedacht werden. Sind die Bewusstseinsstörungen, die während der Aura-Phase auftreten können, stark ausgeprägt, müssen Sie das ernst nehmen. Lassen Sie sich unbedingt ärztlich beraten.

#

tags: #migrane #aura #vergewaltigt