Migränebehandlung: Neue Erkenntnisse und Fortschritte

Kopfschmerzen sind in Deutschland weit verbreitet, wobei Migräne mit etwa 10 % der Bevölkerung die häufigste neurologische Erkrankung darstellt. Migräne kann für viele Betroffene mit Schmerzen, einer verminderten Lebensqualität und häufigen Krankheitstagen verbunden sein. Glücklicherweise gibt es jedoch stetige Fortschritte in der Migränebehandlung, sowohl in Bezug auf medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze.

Medikamentöse Fortschritte in der Akuttherapie

Triptane sind nach wie vor die Standardmedikamente zur Behandlung akuter Migräneattacken. Allerdings haben sich die Therapiemöglichkeiten durch die Einführung neuer Wirkstoffe wie Lasmiditan und Rimegepant erweitert. Diese Substanzen bieten insbesondere Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine willkommene Alternative, da sie keine gefäßverengenden Eigenschaften besitzen. Darüber hinaus hat sich die Fixkombination von Sumatriptan und Naproxen als wirksamer erwiesen als die Einzelsubstanzen.

Gepante: Eine neue Wirkstoffklasse

Eine vielversprechende neue Wirkstoffklasse sind die Gepante, auch bekannt als CGRP-Rezeptorantagonisten. Diese Medikamente blockieren den Rezeptor des Neuropeptids Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräneanfällen spielt. Rimegepant ist bereits in der EU zur Akutbehandlung und Prophylaxe von episodischer Migräne zugelassen, während Atogepant zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens vier Migränetagen pro Monat eingesetzt wird.

Vorteile der Gepante

  • Wirksamkeit: Gepante haben in Studien gezeigt, dass sie die Anzahl der Migränetage reduzieren können.
  • Verträglichkeit: Gepante scheinen im Allgemeinen gut verträglich zu sein, wobei Übelkeit und Verstopfung zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen.
  • Anwendung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Gepante können auch bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden, da sie keine gefäßverengenden Eigenschaften besitzen.
  • Schneller Wirkungseintritt: Studien deuten darauf hin, dass die Reduktion der Migränetage durch Atogepant bereits nach vier Wochen eintritt.
  • Wirksamkeit bei Therapieversagen: Atogepant hat sich auch bei Patienten als wirksam erwiesen, bei denen bis zu vier Vortherapien versagt haben.
  • Flexibilität: Im Gegensatz zu Antikörperspritzen kann Atogepant in Tablettenform schneller wieder abgesetzt werden, beispielsweise bei Nebenwirkungen oder einer Schwangerschaft.

Lasmiditan: Eine Alternative für Patienten mit Kontraindikationen gegen Triptane

Lasmiditan ist ein Serotonin-1F-Rezeptoragonist, der sich ebenfalls als wirksam bei der Behandlung akuter Migräneattacken erwiesen hat. Ein wesentlicher Vorteil von Lasmiditan ist, dass es keine vasokonstriktiven Eigenschaften besitzt und daher bei Patienten mit Kontraindikationen gegen Triptane eingesetzt werden kann. Allerdings sind Müdigkeit und Schwindel häufige Nebenwirkungen, die die Fahrtüchtigkeit und die Bedienung gefährlicher Maschinen beeinträchtigen können.

Fortschritte in der Migräneprophylaxe

Neben der Akuttherapie gibt es auch in der Migräneprophylaxe erhebliche Fortschritte. Mit Atogepant und Rimegepant stehen seit kurzem orale CGRP-Rezeptorantagonisten zur Verfügung, die in Studien Wirksamkeit und gute Verträglichkeit gezeigt haben. Diese Medikamente können die Anzahl der Migränetage deutlich reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

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Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor

Eine weitere wichtige Entwicklung in der Migräneprophylaxe ist die Einführung monoklonaler Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor. Diese Antikörper haben sich in Studien als wirksam bei der Reduzierung der Migränefrequenz erwiesen und weisen ein gutes Verträglichkeitsprofil auf. Ein Beispiel ist Erenumab, das in einer Vergleichsstudie mit Topiramat besser wirksam und besser verträglich war. Allerdings sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko für vaskuläre Erkrankungen aufgrund pathophysiologischer Überlegungen noch nicht mit diesen Antikörpern behandelt werden.

Nicht-medikamentöse Verfahren in der Migräneprophylaxe

Neben Medikamenten spielen auch nicht-medikamentöse Verfahren eine wichtige Rolle in der Migräneprophylaxe. Kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen, Biofeedback sowie Ausdauer- und Kraftsport haben nachweislich positive Effekte und sollten fester Bestandteil jeder Migränebehandlung sein.

Digitale Unterstützung und interdisziplinäre Therapie

Digitale Tools können ebenfalls eine wertvolle Ergänzung zur Migränebehandlung darstellen. Digitale Kopfschmerzkalender und -fragebögen erleichtern die Anamnese und Verlaufskontrolle, während Lernplattformen wie MIGRA-MD Wissen in Form von Videos zu medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien vermitteln. Eine interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie (IMST), bei der Fachleute aus Schmerzmedizin, Psychologie, Physiotherapie und Pflege eng zusammenarbeiten, führt nachweislich zu besseren Ergebnissen und verhindert Chronifizierung.

Die Bedeutung der Individualisierung und frühzeitigen Behandlung

Trotz dieser wissenschaftlichen Fortschritte und vielfältigen Therapieoptionen bleibt die Versorgung vieler Betroffener unzureichend. Moderne, spezifische Migräneprophylaktika werden häufig erst spät im Krankheitsverlauf eingesetzt, oft nach Jahren unzureichender Behandlung. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Patientinnen und Patienten frühzeitig wirksame Therapien erhalten, um eine Schmerzchronifizierung zu verhindern. Eine individualisierte Therapie, die Medikamente, digitale Tools und nicht-medikamentöse Verfahren kombiniert, ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Migränebehandlung.

Forschung zu Migräneursachen und -mechanismen

Die Forschung konzentriert sich auch auf die Ursachen und Mechanismen der Migräne. Eine Studie identifizierte Signalproteine, die während der Aura-Phase eines Migräneanfalls freigesetzt werden und sensorische Schmerznerven aktivieren können. Zu diesen Proteinen gehört neben CGRP auch eine Reihe anderer Proteine, die den Weg für neue Behandlungsmöglichkeiten ebnen könnten. Ein weiteres vielversprechendes Ziel für die Migränetherapie sind KATP-Kanäle, die im trigeminovaskulären System weit verbreitet sind und an der Regulierung der Anspannung von Arterien in Gehirn und Hirnhaut mitwirken.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Migräne

Migräne ist nicht nur eine Belastung für die Betroffenen, sondern verursacht auch erhebliche wirtschaftliche Kosten. Studien haben gezeigt, dass Migräne sowohl das Gesundheitssystem als auch die Wirtschaft stark belastet, aufgrund von direkten Kosten für Behandlungen und Medikamente sowie indirekten Verlusten durch reduzierte Arbeitsleistung. Dies unterstreicht die Notwendigkeit besserer Präventions- und Behandlungsstrategien.

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