Migräne durch Parfum: Ursachen, Auslöser und was man dagegen tun kann

Viele Menschen nutzen Parfums, um sich und anderen etwas Gutes zu tun. Düfte können das Wohlbefinden steigern und eine persönliche Note verleihen. Doch für einige Menschen kann Parfum zur Belastung werden und Kopfschmerzen oder sogar Migräne auslösen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für diese Reaktionen, gibt Tipps zur Vorbeugung und stellt parfumfreundliche Alternativen vor.

Ursachen für Migräne durch Parfum

Geruchsempfindlichkeit und Reizüberflutung

Menschen mit Geruchsempfindlichkeit reagieren stärker auf Düfte. Manche Parfums sind für diese Menschen einfach "too much". Eine zu hohe Duftkonzentration, eine starke Sillage (Duftwolke) oder eine schlechte Duftqualität können Auslöser sein. Es ist ein bisschen wie bei Wein: Sind die Zutaten hochwertig und das Getränk sorgsam hergestellt, sinkt das Kopfschmerzrisiko. Bei Parfums ist das ähnlich. Billige Inhaltsstoffe gehen Deinen Sinnen schnell auf die Nerven.

Physische Faktoren

Nicht immer ist das Parfum der Grund für eine Reizüberflutung. Auch bestimmte physische Faktoren tragen dazu bei, dass Menschen auf Gerüche sensibler reagieren:

  • Stress und Schlafmangel: In stressigen Situationen oder bei Schlafmangel reagiert der Körper empfindlicher auf äußere Reize.
  • Migräne- und Kopfschmerzempfindlichkeit: Kopfschmerzen oder Migräne-Attacken werden häufig von äußeren Reizen ausgelöst - beispielsweise von Gerüchen.
  • Hochsensibilität und Neurodivergenz: Für neurodivergente Personen kann es schneller zu einer Reizüberflutung kommen.

Inhaltsstoffe

Ein häufiger erster Anhaltspunkt sind schädliche Inhaltsstoffe wie Phthalate und Parabene. Sie werden in Parfüms verwendet, um die Haltbarkeit zu verlängern. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass die Marke, die Sie kaufen, frei von diesen Chemikalien ist.

Bestimmte synthetische Duftstoffe, wie Ambroxan, können ebenfalls Kopfschmerzen oder Migräne verursachen. Auch eine präsente Jasmin-Note kann bei manchen Menschen Kopfschmerzen auslösen.

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Riechstörungen

Im Allgemeinen ist es nicht ungewöhnlich, bestimmte Düfte als unangenehm zu empfinden. Es gibt aber auch Menschen, die grundsätzlich überempfindlich auf Gerüche reagieren und Düfte, auch wenn sie eigentlich angenehm sind, sehr intensiv und als unangenehm wahrnehmen. Ursachen für eine Hypersomie können z.B. Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Schwellungen der Nasenschleimhäute oder neuronale Erkrankungen sein.

Riechstörungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Ist das Riechempfinden bei einer kompletten Anosmie vollkommen verschwunden, kann der Patient keine Duftstoffe mehr wahrnehmen. Im Falle eines partiellen Verlustes des Riechvermögens löst ein ganz bestimmter Duftstoff keine Reize mehr an den Sinneszellen der Riechschleimhaut aus und kann in Folge nicht mehr wahrgenommen werden. Bei der vor allem im Alter häufig auftretenden Hyposmie ist das Riechvermögen mehr oder weniger stark vermindert. Der Verlust der Geruchswahrnehmung ist dabei von Patient zu Patient sehr verschieden. Einige der Betroffenen sind auch übermäßig geruchsempfindlich. Bei der vergleichsweise selten auftretenden Hyperosmie reagieren die Riechsinneszellen des Betroffenen übermäßig stark auf Geruchsreize. Jedweder Duftstoff, angenehm oder eklig, wird deutlich intensiver wahrgenommen. Dieses Phänomen tritt z.B. im Rahmen von Migräne-Anfällen auf. Patienten mit qualitativen Riechstörungen nehmen Gerüche anders wahr als gesunde Personen. Geruchsillusionen können im Zuge von psychiatrischen Erkrankungen, wie beispielsweise schizophrenen Psychosen auftreten. Allerdings sind diese Riechstörungen sehr selten. Das gilt auch für das Phänomen, dass der Patient Duftstoffe wahrnimmt, die seine Riechschleimhaut jedoch nie erreicht haben.

Riechstörungen sind ebenso wie Schmeckstörungen alles andere als eine Bagatelle, sondern eine große Beeinträchtigung. Die Betroffenen haben auf Grund ihrer eingeschränkten Riechwahrnehmung ganz entscheidende Einbußen in ihrer täglichen Sinneswelt und damit auch in ihrer Lebensqualität. So viele Düfte und Gerüche sind ihnen vorenthalten: Zum Beispiel der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, vom noch warmen Apfelkuchen vom Bäcker nebenan, von dem wunderschönen Rosenbukett auf dem Tisch, aber eben auch der eigentlich vertraute Geruch des Partners oder des Kindes. Sind Riechen und Schmecken nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich, bedeutet das allerdings weit mehr als weniger Genusserlebnisse. Riechstörungen sind noch mehr als Schmeckstörungen leider auch ein großes, allgegenwärtiges Risiko für die Patienten.

Wie Parfums Migräne auslösen können

Die Wahrnehmung von Gerüchen hat einen Einfluss auf unser Schmerzempfinden. Für unsere Geruchswahrnehmung sind spezielle Riechzellen in der Schleimhaut der Nasenhöhle zuständig, die eine unmittelbare Verbindung zum sogenannten Riechkolben im Gehirn haben. Gerüche wirken nicht nur auf die Sinneszellen der Riechschleimhaut, sondern reizen auch den Trigeminusnerv, der Teile des Gesichts versorgt und eng in das Schmerzgeschehen eingebunden ist. Zwischen Riechzellen und Trigeminusnerv bestehen außerdem eigene Nervenverbindungen.

Osmophobie und Migräne

Für die Angst vor (bestimmten) Geruchssignalen hat die Wissenschaft den Begriff der „Osmophobie“ geprägt. Man hat festgestellt, dass die Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen bei Migräne mit Aura besonders ausgeprägt ist.

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Riechschwelle und Riechtraining

In einer Untersuchung zeigten Migränebetroffene durchweg eine höhere sogenannte „Riechschwelle“ als Menschen ohne Migräne. Dies galt besonders für Patinent:innen mit Aura. In früheren Forschungen wurde gezeigt, dass bei vielen Migränebetroffenen der Riechkolben etwas kleiner ist als bei der Normalbevölkerung. Dies wird auf die Geruchs-Vermeidungs-Strategie von Migränebetroffenen zurückgeführt: Weil Betroffene versuchen, Attacken-auslösende Geruchserlebnisse zu vermeiden, verkleinert sich das Nervenareal, das für die Verarbeitung der Riechsignale zuständig ist, weil die entsprechenden zu verarbeitenden Informationen - quasi der „Input“ für die Nerven - ausbleiben.

Um herauszufinden, ob man auf diese Veränderungen einwirken kann, wurde mit Migränepatient:innen Riechtrainings durchgeführt. Dabei wurden die Betroffenen über vier Wochen hinweg mehrmals täglich Düften ausgesetzt, die sie als angenehm empfanden, mithilfe von sogenannten Riechstiften, die zum Beispiel den Duft von Rose, Vanille, Pfirsich oder Lavendel enthielten. Es konnte gezeigt werden, dass sich infolge des Trainings die Riechwahrnehmung der Betroffenen verbesserte und gleichzeitig die Schmerzschwelle im Vergleich zur Kontrollgruppe nachweislich anstieg - die Behandelten empfanden einen herbeigeführten Schmerzreiz als weniger stark.

Tipps für duftsensible Menschen

Parfumauswahl

Trotz Geruchsempfindlichkeit müssen Menschen nicht auf Parfums verzichten. Es gibt verschiedene Parfums, die für Duftsensible leichter verträglich sind:

  • Parfums mit weniger Duftölen: Diese verfliegen schneller und entfalten ihren Duft subtiler.
  • Parfums mit geringer Sillage: Düfte, die nah an der Haut bleiben und nur dezent wahrnehmbar sind.
  • Leichte Duftnoten: Blumige, zitrische oder aquatische Düfte sind oft besser verträglich als schwere, orientalische Düfte.
  • Klare Duftstrukturen: Düfte mit einem klar strukturierten Aufbau sind besser geeignet als komplexe Duftpyramiden.
  • Personale Hautdüfte: Düfte, die auf der Haut haften und subtil wirken. Beispiele hierfür sind Düfte mit Iso E Super.

Anwendung

Auch die Art der Anwendung kann einen Unterschied machen:

  • Im Freien oder am offenen Fenster auftragen: So vermeidet man eine zu hohe Duftkonzentration in geschlossenen Räumen.
  • Weniger ist mehr: Nur 1-2 Sprühstöße auf den Handgelenken auftragen.
  • Auf Kleidung testen: Manche Menschen vertragen den Duft besser auf Kleidung als direkt auf der Haut.
  • Wärme vermeiden: Wärme verstärkt die Projektion von Duftmolekülen.

Alternativen

  • Ätherische Öle: Natürliche ätherische Öle können eine gute Alternative zu synthetischen Parfums sein.
  • Duftneutrale Produkte: Verwenden Sie duftneutrale Duschgels, Bodylotions und Shampoos, um die Duftbelastung zu reduzieren.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräne durch Gerüche

  • Migränetagebuch führen: Um die Faktoren einer Migräne durch Reizüberflutung herauszufinden, empfiehlt sich das Führen eines Migränetagebuchs. So erhälst du einen Eindruck, ob Licht, Lärm oder Gerüche eine Attacke ausgelöst haben.
  • Auslösenden Gerüchen fernbleiben: Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollten einer Migräne durch Gerüche vorbeugen, indem sie auslösenden Gerüchen fernbleiben.
  • Stress reduzieren und ausreichend schlafen: Stress und Schlafmangel können die Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen erhöhen.
  • Regelmäßig trinken: Zu den klassischen Maximen der Kopfschmerzprävention gehört der Aufruf zum regelmäßigen Trinken.
  • Reizüberflutung vermeiden: Achte beispielsweise darauf, deinen Schreibtisch so zu positionieren, dass er nicht in direkter Sonneneinstrahlung steht. Ein Platz fern vom Fenster ist dabei empfehlenswert. Auch das Abdunkeln von Räumen kann dazu beitragen, eine Attacke zu vermeiden. Um einer Migräne vorzubeugen, solltest du also möglichst eine laute Umgebung vermeiden.

Mythen rund um Parfums

  • Mythos: Parfum im Badezimmer gut aufgehoben ist. Falsch! Wärme und Feuchtigkeit lassen die Duftstoffe schneller zerfallen.
  • Mythos: Duft riecht auf Haut und Teststreifen gleich. Falsch! Ein Parfum riecht mit 100%iger Sicherheit anders auf einem Teststreifen, als auf der Haut.
  • Mythos: Man soll sein Parfum in die Luft versprühen und anschließend durchläuft, um ein ideales Dufterlebnis zu haben. Falsch! Man sollte Duft direkt auf der Haut auftragen.
  • Mythos: Man soll seinen Duft auf der Haut verreiben. Falsch! Das Reiben zerstört die Duftmoleküle und minimiert so die Lebensdauer des Duftes.
  • Mythos: Ein Duft riecht den ganzen Tag über gleich. Falsch! Düfte verändern ihren Charkater im Laufe des Tages.

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