Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, und die Suche nach den Ursachen kann oft eine Herausforderung darstellen. Ärzte in Dresden schildern den Fall einer jungen Frau mit heftigen Schmerzen im Gesichtsbereich, die zunächst Rätsel aufgaben. Dieser Fall verdeutlicht, wie vielfältig die Ursachen von Kopfschmerzen sein können und wie wichtig eine sorgfältige Diagnose ist.
Der Fall einer Patientin mit ungewöhnlichen Kopfschmerzen
Die Patientin klagte über heftigste Schmerzen in der linken Wange, im Augen- und Stirnbereich. Die Attacken traten nachts auf und wiederholten sich in den folgenden Nächten, wenn auch weniger intensiv. Begleitet wurden die Schmerzen von einer Schwellung im Bereich der Augenhöhle (periorbital). Nach Abklingen der Schwellung und einer unauffälligen neurologischen Untersuchung, inklusive normaler Pupillenreaktionen, Augenbewegungen und Sehschärfe, offenbarte die Anamnese gelegentliche Migräneattacken mit Aura.
Die Diagnose: Eine Mukozele als Ursache?
Das Ärzteteam um Meier führte eine MRT-, CT- und nasal-endoskopische Untersuchung durch. Dabei zeigte sich im Computertomogramm eine deformierte und teilweise ausgedünnte mediale Orbitalwand. Die Endoskopie bestätigte Atrophien, die auf eine Mukozele hindeuteten. Obwohl die Patientin viele Kriterien für Clusterkopfschmerz erfüllte, wurde die Mukozele als wahrscheinliche Ursache identifiziert. Mukozelen verlaufen häufig asymptomatisch, können aber auch zu Augenschwellungen und lokalen Kopfschmerzen führen.
Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzarten
Es ist wichtig, Kopfschmerzen genau zu identifizieren und zu klassifizieren, um eine spezifische Behandlung zu ermöglichen. Der sogenannte Sinusitis-Kopfschmerz, der durch Entzündungen der Nase und der Nasennebenhöhlen verursacht wird, wird in der Praxis häufig mit Migräne oder Spannungskopfschmerzen verwechselt. Klinische Symptome, die auf eine Entzündung der Nase oder der Nasennebenhöhlen hindeuten, sind insbesondere Eiteransammlungen in der Nasenhöhle, eine Verlegung der Nase, Fieber, eine Reduktion des Geruchssinns oder eine komplette Unfähigkeit zu riechen.
Migräne und Spannungskopfschmerzen können aufgrund der Übereinstimmung der Schmerzlokalisation mit einem Sinusitis-Kopfschmerz verwechselt werden. Eine Untergruppe von Patienten, die die Kriterien der Migräne ohne Aura erfüllen, weist auch zusätzlich Zeichen wie Gesichtsschmerz, verstopfte Nase oder Auslösen von Attacken durch Wetterwechsel auf. Wichtigste Unterscheidungsgrundlage sind daher Hinweise für eine akute Rhinosinusitis wie eitrige Sekretion aus der Nase, Halsschmerzen, Fieber und Husten. Außerdem werden Sinus-Kopfschmerzen in der Regel nicht von Übelkeit oder Erbrechen begleitet und werden auch nicht durch Lärm oder Licht verstärkt, besitzen also nicht die typischen Begleitsymptome von Migräneattacken.
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Rhinosinusitis: Eine häufige Ursache von Kopfschmerzen
Die Rhinosinusitis ist weit verbreitet. Pro Jahr wird die Diagnose „akute Sinusitis” über 6 Millionen Mal gestellt, die Diagnose „chronische Sinusitis” rund 3 Millionen Mal. Es handelt sich um eine Erkrankung mit hoher und ansteigender Häufigkeit. Eine Rhinosinusitis kann durch virale Infekte, Allergien, bakterielle Infekte, einer reduzierten Immunabwehr oder bei strukturellen Veränderungen der Nasenhöhle verursacht werden. Lokale Entzündungen und Veränderungen der Druckverhältnisse in der Nase und den Nasennebenhöhlen können Kopfschmerzen bedingen. Gesichert ist die Entstehung von Kopfschmerzen bei einer akuten Rhinosinusitis. Bei einer chronischen Sinusitis ist dagegen die Entstehung von Kopf- oder Gesichtsschmerzen nicht eindeutig, es sei denn, es handelt sich überlagernd um einen akuten Ausbruch.
Diagnose und Behandlung von Sinusitis-Kopfschmerzen
Bei der Untersuchung auf Sinusitis-Kopfschmerzen können sich Hinweise auf eine schmerzempfindliche Stirn- und Kieferhöhlenregion ergeben. Eine endoskopische Untersuchung analysiert eine Verengung der Nasenpassage. Belege für eine bakterielle oder Pilzinfektion können durch Schleimhautabstriche erhoben werden. Im Einzelfall können auch bildgebende Untersuchungen wie ein Computertomogramm oder ein Magnetresonanztomogramm erfolgen. In aller Regel benötigt die Diagnose keine apparativen Zusatzuntersuchungen.
In gesunden Nasennebenhöhlen wird Sekret und Schleim abdrainiert und die Atemluft kann durch die Nasenpassage frei zirkulieren. Wenn die Nasennebenhöhlen jedoch akut entzündet sind, werden diese Bereiche verengt und blockiert, wodurch Sekret und Schleim nicht abtrainiert werden können. Bakterien, Viren und Pilze können sich im Nasenschleim ausbreiten und schnell vermehren. Bei akuter bakterieller Rhinosinusitis können vom Arzt Antibiotika verordnet werden. Die akuten Kopfschmerzen können zusätzlich durch Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Die Behandlung sollte zur Therapie der Verursachung und zur Vermeidung einer chronischen Sinusitis auf eine Verflüssigung des Schleims (Sekretolyse) und auf die Mobilisierung des Schleims durch Reduktion der Schleimviskosität (Mukolyse) basieren. Zusätzlich sollte durch eine Aktivierung der Flimmerhaarbewegung ein verbesserter Abtransport des Schleims ermöglicht werden.
Präventive Maßnahmen gegen Sinusitis
- Häufig Hände waschen: Händewaschen nach häufigem Kontakt mit vielen anderen Menschen kann helfen, akute Infekte der Nasennebenhöhlen zu reduzieren.
- Reizungen der Nasennebenhöhlenschleim vermeiden: Nicht rauchen! Aufenthalt in Umgebungen vermeiden, in denen geraucht wird. Für frische Luft sorgen und häufig lüften.
- Auf ausreichende Luftbefeuchtung achten: Der Zusatz von Feuchtigkeit zur Raumluft durch Luftbefeuchtungsmaßnahmen kann in der Vorbeugung einer Sinusitis wirksam sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
- Bei neu aufgetretenen Kopfschmerzen im Lebensalter über dem 50. Lebensjahr.
- Bei Kopfschmerzen, die von Begleitstörungen wie Gedächtnisreduktion, Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Veränderungen der Sprache, Sehstörungen, Schwäche etc. begleitet werden.
- Wenn die Kopfschmerzen ganz plötzlich auftreten, sehr stark sind oder mit hohem Fieber, einem steifen Nacken und Schmerzen beim Vorbeugen des Kopfes verbunden sind (Verdacht auf Meningitis).
Weitere Ursachen für Kopfschmerzen im HNO-Bereich
Kopf- und Gesichtsschmerzen können auch durch andere Störungen im HNO-Bereich hervorgerufen werden, wie z.B.:
- Infektionen der äußeren Nase (Furunkel, Erysipel etc.)
- Infektionen der inneren Nase (Schnupfen, Abszess im Bereich der Nasenscheidewand)
- Störungen der Belüftung der Nasennebenhöhlen
- Nasennebenhöhlenentzündungen
- Tumoren
- Irritationen oder Entzündungen des äußeren Ohres bzw. des Mittelohres (Knorpelentzündung, Gehörgangsentzündungen, Mittelohrentzündungen)
- Erkrankungen der Mundhöhle, des Schlundes sowie des Kehlkopfes (akute Mandelentzündung, Kehldeckel-/kopfentzündung, bösartige Tumoren)
- Erkrankungen in den Nachbargebieten:
- Augen (Winkelblockglaukom, Hornhautulkus, nicht korrigierte Sehschwäche)
- Zähne/Kiefergelenk (Karies, Druckschmerz im Kiefergelenk)
Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig, andere Ursachen für Kopfschmerzen auszuschließen, wie z.B.:
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- Migräne
- Spannungskopfschmerz
- Zervikogener Kopfschmerz
- Clusterkopfschmerz
- Gefäßerkrankungen
- Kopfschmerz durch Pharmaka
- Neuralgien (N. trigeminus, N. glossopharyngeus, N. laryngeus sup., N. nasociliaris)
- Otalgie (Schmerzsensation im Bereich des Gehörganges sowie des Mittelohres ohne nachweisbare krankhafte Veränderung im Ohr)
Kopfschmerzen nach Nasenoperationen
Nach einer Nasenkorrektur (Rhinoplastik) oder Nasenscheidewand-OP (Septumplastik) klagen manche Patienten über Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl im Gesicht. Diese sind in der Regel vorrübergehend und harmlos. Mögliche Ursachen sind:
- Schwellung und Druck in der Nase: Nach der OP sind die Schleimhäute gereizt und geschwollen.
- Veränderung der Nasenatmung: Durch die Korrektur der Nasenscheidewand oder der äußeren Nasenstruktur verändert sich der Luftstrom in der Nase.
- Heilungsprozess und Nachwirkungen der Nasenoperation: Der Körper arbeitet intensiv an der Wundheilung und an der Geweberegeneration.
- Verspannungen durch Schonhaltung: In den ersten Tagen nach der Rhinoplastik oder Septumplastik schlafen viele Patienten mit leicht erhöhtem Kopf, um Schwellungen zu reduzieren.
- Nasentamponaden oder Schienen: Falls nach der Nasenkorrektur Tamponaden oder Silikonschienen in der Nase platziert wurden, kann dies Druck auf die Nasennebenhöhlen ausüben.
Was kann man gegen Kopfschmerzen nach einer Nasen-OP tun?
- Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt: Empfohlene Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können eingenommen werden. Wichtig ist jedoch, dass keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden.
- Kühlen hilft fast immer: Eine sanfte Kühlung im Stirn- und Wangenbereich kann abschwellend wirken und Druckgefühle lindern.
- Ausreichend Flüssigkeit & gesunde Ernährung: Viel Wasser trinken hilft, den Heilungsprozess zu unterstützen und Kopfschmerzen zu reduzieren.
- Schlaf & Entspannung: Ein operativer Eingriff ist für den Körper immer anstrengend. Viele Schlaf- und auch Ruhephasen helfen, sich schneller zu regenerieren. Versuchen Sie Verspannungen zu vermeiden, indem Sie eine entspannte Nackenposition einnehmen.
Persönliche Erfahrungen und Fragen
Viele Menschen mit Nasenproblemen und Migräne suchen nach Lösungen, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine Betroffene schildert ihre Erfahrungen mit einer verstopften Nase, die seit ihrer Kindheit besteht, und wiederkehrenden Migräneanfällen. Sie berichtet von einer Nasenscheidewand-OP, die zunächst Besserung brachte, aber das Problem kehrte zurück. Sie fragt sich, ob weitere operative Maßnahmen helfen könnten, um die Nase dauerhaft frei zu bekommen und die Migräneanfälle zu reduzieren.
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