Migräne mit Aura und ihre Auswirkungen auf die Gehirngefäße

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, oft sehr heftige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen werden typischerweise durch Bewegung und körperliche Aktivität verstärkt, was sie von anderen primären Kopfschmerzarten unterscheidet. Begleitende Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Konzentrationsstörungen sind häufig. Ein besonderer Aspekt der Migräne ist das Auftreten einer Aura, insbesondere bei der Migräne mit Aura, die im Folgenden näher betrachtet wird.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine idiopathische Kopfschmerzerkrankung, die sich durch starke, einseitige, rezidivierende, pulsierende Schmerzen auszeichnet. Die Schmerzen halten in der Regel mehrere Stunden bis Tage an und werden oft von vegetativen Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Hinzu kommt eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen. Migräne kann sowohl mit als auch ohne Aura auftreten. Die Diagnose erfolgt hauptsächlich symptomatisch durch Patientenbeschreibung.

Formen der Migräne

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne, darunter:

  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • Chronische Migräne
  • Migränekomplikationen

Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten und halten vier bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.

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Migräne mit Aura

Bei etwa 10% der Migräne kommt es zu einer Migräne mit Aura. Die Aura bezeichnet neurologische Symptome, die der Kopfschmerzphase vorausgehen oder zusammen mit dieser auftreten können. Gelegentlich kann eine Migräneaura auch ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine) auftreten.

Die Aura: Ein neurologisches Vorzeichen

Teilweise geht den Kopfschmerzen eine sogenannte Aura voraus. Am häufigsten finden sich Sehstörungen (z.B. Flimmern, Flackern, Zackenmuster, wandernde Skotome, verzerrt Sehen). Es können aber auch Kribbelmißempfindungen, Taubheit, Lähmungen, Schwindel oder Sprachstörungen vorkommen.

Symptome der Aura

Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.

Dauer der Aura

Eine typische Migräne-Aura dauert 5 bis 60 Minuten, seltener auch mal etwas länger. Etwa 15 bis 25 Prozent der Patientinnen mit Migräne kennen Aura-Symptome. Die meisten Patientinnen mit einer Migräne mit Aura kennen Migräne-Anfälle mit und ohne Aura-Symptomen. Häufig tritt die Aura vor Beginn der Kopfschmerzen auf, sie kann aber auch währenddessen oder danach auftreten. Bei Vielen tritt die Aura manchmal auch ganz ohne Kopfschmerzen auf. Das nennt man dann eine „isolierte Aura“.

Migräne mit Hirnstammaura (früher Basilarismigräne)

Vor 40 Jahren wurde die Migräne mit Hirnstammaura das erste Mal beschrieben. Damals war noch von Basilarismigräne die Rede. Bis zu diesem Zeitpunkt standen Mediziner vor einer großen diagnostischen Herausforderung. Auch heute werden die Symptome oft nicht sofort einer Migräne mit Hirnstammaura zugeschrieben. Hörminderung, Doppeltsehen oder Taubheitsgefühle sind nur Beispiele für typische Anzeichen der besonderen Migräne-Form.

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Symptome der Migräne mit Hirnstammaura

Die Migräne mit Hirnstammaura ist eine sehr seltene Form der Migräne mit Aura. Sobald Patienten an einer Aura leiden, kommt es generell zu neurologischen Ausfällen oder Reizungen, die von den kortikalen (die Großhirnrinde betreffenden) Arealen im Gehirn ausgehen. Im Gegensatz dazu treten die Durchblutungsstörungen bei dieser Unterform im Hirnstamm auf. Daher betreffen die Beschwerden auch die Bereiche, die im Hirnstamm gesteuert werden, zum Beispiel die Motorik.

Folgende, beidseitig auftretende Symptome sind bei der Migräne mit Hirnstammaura möglich:

  • Sprachstörung
  • Schwindel (vestibuläre Migräne)
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Hörminderung
  • Doppeltsehen
  • beidseitige Sehstörung
  • Ataxie (Koordinationsstörung)
  • Störung des Bewusstseins
  • auf beiden Seiten gleichzeitig auftretendes Taubheitsgefühl (simultane bilaterale Parästhesie) zum Beispiel der Arme

Die Taubheitsgefühle breiten sich häufig allmählich in die Arme oder Beine aus, sodass Patienten beispielsweise nicht mehr in der Lage sind, zu laufen oder zu stehen. Kopfschmerzen stehen bei einer Migräne mit Hirnstammaura nicht im Mittelpunkt - viele Betroffene entwickeln auch gar keine. Für die Patienten ist eine Migräne mit Hirnstammaura belastend: Viele berichten, dass sie nach einer Attacke müde und erschöpft sind und manchmal noch tagelang wackelige Beine haben. Noch dazu sind die Symptome beängstigend, da sie Parallelen zu einem Schlaganfall aufweisen.

Ursachen der Migräne mit Hirnstammaura

Die ursrpünglich für Migräne mit Hirnstammaura verwendeten Begriffe Basilarismigräne oder basiläre Migräne sind auf eine anatomische Struktur zurückzuführen: Die sogenannte Arteria basilaris ist eine Schlagader, die den Hirnstamm mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Bei einer Migräne mit Hirnstammaura liegen funktionelle Störungen im Bereich dieser Arterie vor beziehungsweise kommt es zu Durchblutungsstörungen im Hirnstamm. Neben dem Hirnstamm, der unter anderem Atmung, Herzschlag, Sehen, Hören und Tasten reguliert, versorgt die Arteria basilaris auch das Hinterhirn.

Diagnose der Migräne mit Hirnstammaura

Für die Diagnosestellung wird von der International Headache Society (IHS) als Kriterium angegeben, dass mindestens zwei der oben genannten Symptome auftreten, sie wieder vollständig verschwinden und keine motorische Schwäche (zum Beispiel Lähmung der Arme oder Beine) vorkommt - erst dann kann von einer Migräne mit Hirnstammaura ausgegangen werden. Taubheitsgefühle zählen zu den sensiblen Störungen und fallen somit nicht unter motorische Symptome.

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Ein intensives Arztgespräch, bei dem die Patienten ihre Symptome genau schildern, steht am Anfang der Diagnosestellung. Hilfreich ist es, sich schon vorher Gedanken zu machen und diese am besten schriftlich festzuhalten. Dazu empfiehlt sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs über einige Zeit. Trotz der Vorgaben ist die Diagnose einer Migräne mit Hirnstammaura eine Herausforderung.

Therapie der Migräne mit Hirnstammaura

Migräne ist eine vielschichte Erkrankung, die noch nicht vollständig verstanden ist. Deswegen ist eine Behandlung, die sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt, die beste Option. Dazu gehört zunächst, persönliche Auslöser zu erkennen und, wenn möglich, zu vermeiden. Weiterhin können Schmerzmittel (Analgetika) die Kopfschmerzen lindern.

Triptane, Schmerzmittel, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden, sind bei der Migräne mit Hirnstammaura allerdings nicht empfohlen. Der Grund: Die Medikamente bewirken eine Verengung der Arterien im Gehirn. Da nach derzeitigem Wissensstand eine eingeschränkte Blutzufuhr die Ursache für eine Migräne mit Hirnstammaura ist, wird befürchtet, dass eine zusätzliche Verengung durch Arzneimittel die Beschwerden noch mehr verstärkt.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie einer Migräne mit Hirnstammaura sind prophylaktische Maßnahmen. Diese haben sich besonders bewährt:

  • regelmäßiger Ausdauersport
  • Erlernen von Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken
  • Biofeedback (gezieltes Entspannen von Muskeln)

In einer Ergotherapie kannst du zudem lernen, wie du mit den Beschwerden am besten umgehst. Du musst Migräne-Schmerzen nicht einfach aushalten.

Ursachen und Auslöser der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch von einer genetischen Veranlagung aus. Triggerfaktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Enteicklung von Migräne. Diese können dann zu einer Überaktivität eines als „Migränegenerator“ bezeichneten Areals des Hirnstamms (Formatio reticularis) führen. Es entseht eine neuronale Funktionsstörung, die sich dann über den Kortex ausbreitet („spreading depression“) und eine Gefäßerweiterung der Gehirngefäße.

Genetische Veranlagung

Migräne ist vererbbar - diese Art des Kopfschmerzes kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden. Oft handelt es sich um ähnliche Formen der Migräne, aber nicht immer. Es kann also sein, dass die Migräne bei Kindern mit Übelkeit, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit einhergeht, die ebenfalls betroffenen Eltern oder Großeltern aber keine dieser zusätzlichen Symptome aufweisen.

Nach Expertenmeinung liegt Migräne eine polygenetische Veranlagung zugrunde: Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt.

Auslöser (Trigger)

Verschiedene Trigger können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall „triggern“, ist individuell verschieden. Einige Beispiele:

  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter/Wetterwechsel
  • Bestimmte Lebensmittel
  • Unregelmäßige Mahlzeiten
  • Hormonelle Veränderungen

Migräne und Gehirngefäße

Offenbar sind bei der Migräne die kleinen Blutgefäße des Gehirns (Arteriolen) entzündlich verändert. Es gibt zahlreiche Trigger Faktoren die Migräneattacken auslösen können.

Elektrochemische Wellen und Hirngefäße

Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass Migräne und Schlaganfall einen zentralen Mechanismus gemeinsam haben: Elektrochemische Wellen enormen Ausmaßes, die von Nervenzelle zu Nervenzelle über weite Teile des Hirngewebes wandern.

Prof. Dr. Jens Dreier, Leiter der Arbeitsgruppe „Translation in Stroke Research“ am Centrum für Schlaganfallforschung der Charité, erklärt: „Bereits vor mehr als 70 Jahren postulierte der brasilianische Neurobiologe Aristides Leão, dass der Migräneaura eine Riesenwelle im Gehirn zugrunde liegt, die mehr als fünfmal größer als die Nervenzellentladung während eines epileptischen Anfalls ist.“

Im Unterschied zu Migränepatienten kann diese Riesenwelle bei anderen Erkrankungen ein Signal an die Hirngefäße senden, sich extrem zu verengen. Dann steigt der Blutfluss nicht an, sondern versiegt. Auf diese Weise provoziert die Riesenwelle den massenhaften Untergang von Hirngewebe.

Durchblutung und Sauerstoffversorgung

Speziell bei Migräne mit Aura kommt es während der Kortikalen Erregungswelle zur Beeinträchtigung der Durchblutung einzelner Hirnareale. Dies führt zu einer Minderversorgung mit Sauerstoff.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose der Migräne erfolgt durch die Anamnese und die unauffällige neurologische Untersuchung. Hilfreich kann ein Kopfschmerztagebuch sein. Dort wird eingetragen, wann und unter welchen Umständen die Kopfschmerzen jeweils auftreten und wie lange sie anhalten. Hinweise auf die Art der Schmerzen sind ebenfalls wichtig. Um andere Kopfschmerzarten auszuschließen, ist es manchmal notwendig, bildgebende Verfahren zu nutzen und zum Beispiel eine Computertomografie des Kopfes durchzuführen.

Behandlung der Migräne

Die Behandlung hängt von der Schwere und Häufigkeit der Anfälle ab. Es gibt Ansätze zur akuten Behandlung während eines Anfalls und präventive Maßnahmen, um die Anzahl und Schwere der Anfälle zu reduzieren.

Akutbehandlung

Im akuten Migräneanfall mit leichten bis mittelschweren Symptome können verschiedene Schmerzmittel eingesetzt werden (z.B. Ibuprofen, Paracetamol, ASS, Naproxen, Novalgin). Die Wirksamkeit ist am besten wenn das Medikament frühzeitig und in ausreichender Dosierung eingenommen wird. Kau- oder Brausetabletten werden am schnellsten vom Körper aufgenommen während Paracetamol am besten als Zäpfchen wirkt.

Bei stärkeren oder schwereren Symptomen der Migräne können Triptane eingesetzt werden. Auch Triptane helfen am besten wenn sie frühzeitig eingenommen werden. Triptane gibt es auch als Schmelztablette um einen möglichst schnellen Wirkungseintritt zu erzielen, dieses ist vor allem bei Übelkeit zu empfehlen, denn hier ist die Aufnahme über den Magendarmtrakt verlangsamt oder reduziert.

In der Attacke hilft es den Betroffenen meist, sich in einen dunkeln und ruhigen Raum zurückzuziehen. Schlaf wirkt häufig erleichternd.

Migräneprophylaxe

Bei häufigen und auch schweren Migräneattacken ist eine Migräneprophylaxe ratsam. Eine medikamentöse Prophylaxe ist zu empfehlen ab 5-10 Kopfschmerztagen oder wiederholten Migräneattacken von 72 Std. Hier empfiehlt sich dann eine medikamentöse Prophylaxe mit einem Beta-Blocker, Flunarizin, Topiramat oder Amitriptylin über einen Behandlungszeitraum pro Medikament von mindestens 3 Monate, bis eine Bewertung der Wirkung auf die Migräne möglich ist. Limitierend können Nebenwirkungen sein, so dass eine Ausdosierung manchmal nicht möglich ist.

Bei Versagen oder Nebenwirkungen dieser Therapien können Antikörper gegen den Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP)-Rezeptor (Erenumab) oder monoklonale Antikörper gegen CGRP selbst (Galcanezumab und Fremanezumab) zur medikamentösen Prophylaxe der episodischen sowie der chronischen Migräne eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um Präparate, die monatlich in das Unterhautfettgewebe injiziert werden, alternativ Rimegepant als orale Migräneprophylaxe. Bei chronischer Migräne ggf. Behandlungsversuch Botox nach vorheriger Ausschöpfung der o.g.

Zur nicht medikamentösen Prophylaxe ist die positive Wirkung von aeroben Ausdauersportarten wie Schwimmen, Joggen, Walken oder Fahrradfahren sowie die die progressive Muskelentspannung belegt.

Migräne und Demenzrisiko

Es zeigte sich, dass insbesondere Migräneerkrankungen mit Aura (d. h. Solche Auffälligkeiten im Hirngewebe sind wiederum mit einem erhöhten Risiko kognitiver Störungen assoziiert, woraus sich die Frage ergibt, ob eine Migräne selbst auch einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenzerkrankung darstellt. Die Diagnose Demenz wurde anhand von kognitiven Tests, neuropsychologischen Untersuchungen und der klinischen Beurteilung von Verdachtsfällen gestellt. Es wurden 12 495 Teilnehmer, darunter 1397 Migränepatientinnen und -patienten, im Alter zwischen 51-70 Jahren analysiert, die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 21 Jahre. Insgesamt gab es statistisch keine Assoziation zwischen Migräne und der Demenz-Inzidenz [HR 1,04]. Es wurden außerdem Kovariablen erfasst und überprüft, die einen Einfluss auf die Ergebnisse haben könnten (z. B. Es fand sich auch keine statistisch bedeutsame Interaktion zwischen Migräne, Demenz und den einzelnen Kovariablen. „Trotz der Tatsache, dass Migränepatienten in seltenen Fällen Veränderungen im Hirngewebe aufweisen, haben die Betroffenen kein höheres Risiko, eine Demenz zu entwickeln“, so Professor Dr. med. Allerdings weist der Experte darauf hin, dass die Betroffenen, vor allem Frauen, die an einer Migräne mit Aura leiden, hinsichtlich ihres Schlaganfallrisikos überwacht und zusätzliche Gefäßrisiken (z. B.

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