Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 12 % der deutschen Bevölkerung betroffen sind. Sie äußert sich nicht nur durch Kopfschmerzen, sondern kann auch von einer Vielzahl anderer Symptome begleitet sein, darunter Nackenschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Migräne mit Aura in Verbindung mit Nackenschmerzen, die verschiedenen Symptome und die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten.
Was ist Migräne mit Aura?
Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Die Anfälle können mit schwerwiegenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit einhergehen. Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen erleben eine sogenannte Aura, die sich durch neurologische Störungen äußert, die der Kopfschmerzphase vorausgehen können. Diese Aura dauert in der Regel zwischen fünf Minuten und einer Stunde.
Symptome der Migräne mit Aura
Die Symptome einer Migräne mit Aura können vielfältig sein und hängen von der jeweiligen Migräneform ab. Typische Symptome sind:
- Visuelle Störungen: Flimmern, Lichtblitze, Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Gesichtsfeldeinschränkungen oder vorübergehende Erblindung. Betroffene sehen oft Zickzack-Formen, Blitze oder Sterne vor den Augen.
- Sensorische Auren: Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen und Beinen.
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, Taubheitsgefühle bis hin zur halbseitigen Lähmung.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder sich auszudrücken.
- Weitere Symptome: Übelkeit und Erbrechen, Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Gerüchen und Licht, Schwindel oder Tinnitus (Ohrgeräusche).
Es gibt auch atypische Migräneanfälle mit Aura, die sich durch neurologische Störungen wie Tinnitus und Schwindel äußern können. In seltenen Fällen kann es zum sogenannten Alice-im-Wunderland-Syndrom kommen, bei dem vornehmlich Kinder und Jugendliche während einer Migräne Wahrnehmungsstörungen des Gehirns erleben, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann.
Nackenschmerzen als Begleiterscheinung der Migräne
Nackenschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von Migräne. Zugleich können Verspannungen im Nacken auch Trigger (Auslöser) einer Migräneattacke sein. Viele Menschen, die unter Migräne leiden, haben auch sogenannte Triggerpunkte in der Nackenmuskulatur. Die Kopfschmerzen beginnen oft im Nacken und wandern von dort über die Schläfen bis zu den Augen.
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Ursachen von Migräne mit Aura und Nackenschmerzen
Die genauen Ursachen von Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt.
- Genetische Faktoren: Das Risiko, an Migräne mit oder ohne Aura zu erkranken, ist erhöht, wenn Verwandte ebenfalls unter Migräne leiden.
- Biochemische und neurologische Faktoren: Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnte als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich sein.
- Hormonelle Faktoren: Hormonelle Veränderungen, insbesondere bei Frauen, können Migräneattacken auslösen.
- Umweltbedingte Faktoren:
- Stress: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne.
- Schlafmangel: Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus oder Schlafmangel können Migräneattacken begünstigen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke wie Käse, Alkohol, Kaffee und Schokolade können Migräne auslösen. Auch das Auslassen von Mahlzeiten kann ein Trigger sein.
- Sinnesüberreizung: Helles oder flackerndes Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können Migräneattacken provozieren.
- Wetterumschwünge: Wetterumschwünge und Klimawechsel können ebenfalls Migräne auslösen.
- Körperliche Anstrengung: Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit kann eine Migräne-Attacke begünstigen.
- Nervenreizungen: Die Nerven, die die Kopfhaut versorgen, verlaufen zum Teil durch den oberen Bereich der Halswirbelsäule.
- Fehlhaltung: Eine unnatürliche Haltung des Kopfes, wie sie beispielsweise beim Telefonieren oder Radfahren eingenommen wird, kann zu Verspannungen im Nacken und somit zu Migräne führen. Viele Kopfschmerz-Patienten schieben exzessiv ihr Kinn nach vorne, was zu einer Einengung und Verspannung der Strukturen im Nacken führt.
Diagnose von Migräne mit Aura
Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte von einem Arzt oder einer Ärztin gestellt werden. Die Diagnose basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten und einer neurologischen Untersuchung. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie CT oder MRT eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.
Behandlungsmöglichkeiten von Migräne mit Aura und Nackenschmerzen
Migräne mit Aura ist nicht heilbar, aber die Symptome können mit verschiedenen Maßnahmen gelindert und die Häufigkeit der Attacken reduziert werden.
- Akutbehandlung:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen, ASS oder Paracetamol eingenommen werden.
- Triptane: Bei schweren Migräneattacken können Triptane eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Begleitsymptome zu lindern.
- Kälteanwendungen: Ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage können bei akuter Migräne helfen.
- Ruhe und Dunkelheit: Viele Betroffene ziehen sich während eines Anfalls in einen abgedunkelten, stillen Raum zurück.
- Vorbeugende Maßnahmen:
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren. Auch bestimmte verhaltenstherapeutische Ansätze können das Auftreten und die Stärke von Migräne-Anfällen reduzieren. Diese Verfahren verbinden Entspannungstechniken mit Stress- und Reizverarbeitungstrainings und können Migräne abwenden, die durch Stress und Anspannung hervorgerufen wird.
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten.
- Ernährung: Auslöser in der Ernährung vermeiden und regelmäßig essen.
- Körperliche Aktivität: Regelmäßiges körperliches Training kann eine Migräne sehr positiv beeinflussen.
- Physiotherapie: Physiotherapie und gezielte Trainingspläne können dabei helfen, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich. Eine Verbesserung von HWS-Beschwerden insbesondere der Segmente C1 und C2 habe einen positiven Effekt auf die Migräne. Entsprechend sollten diese Symptome im Rahmen der multimodalen Physiotherapie bei Migräne berücksichtigt werden.
- Kopfschmerztagebuch: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
- Technische Geräte: Inzwischen können auch Geräte, die am Handgelenk, der Stirn oder am Hinterkopf bestimmte Nerven stimulieren, Migräneanfälle lindern oder verhindern.
- Medikamentöse Prophylaxe: Bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker, bestimmte Antidepressiva oder Antiepileptika wie Topiramat oder Lamotrigin. In Zukunft wird möglicherweise eine neue Generation von Substanzen, so genannte monoklonale Antikörper, für die Migränetherapie zur Verfügung stehen.
Leben mit Migräne mit Aura und Nackenschmerzen
Migräne mit Aura kann eine starke Belastung für die Betroffenen im Alltag darstellen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, die eigenen Auslöser zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um mit den Anfällen umzugehen. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin sowie mit Familie und Freunden kann helfen, Verständnis und Unterstützung zu erhalten.
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