Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Obwohl Migräne in jedem Alter auftreten kann, tritt sie in der Pubertät häufiger auf, insbesondere bei Mädchen. Dieser Artikel untersucht die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne bei Mädchen in der Pubertät.
Einführung
Kopfschmerzen stellen im Schulalter eine häufige Gesundheitsstörung dar, wobei Migräne mit dem höchsten Leidensdruck verbunden ist. Die Pubertät ist eine Übergangszeit, die von körperlichen, hormonellen und psychosozialen Veränderungen geprägt ist, die Mädchen anfälliger für Migräne machen können. Es ist wichtig, die besonderen Aspekte der Migräne in dieser Lebensphase zu verstehen, um eine frühzeitige Diagnose, angemessene Behandlung und eine verbesserte Lebensqualität zu gewährleisten.
Ursachen von Migräne in der Pubertät bei Mädchen
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und hormonellen Faktoren eine Rolle spielt.
Genetische Veranlagung
Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Mädchen, deren Eltern oder Geschwister Migräne haben, haben ein höheres Risiko, selbst an Migräne zu erkranken. Aktuell sind an die 40 Gene bekannt, die Einfluss auf die Stellschrauben für eine Migräne hätten, erklärt Michaela Bonfert.
Hormonelle Veränderungen
Die Pubertät ist durch erhebliche hormonelle Veränderungen gekennzeichnet, insbesondere durch den Anstieg und die Schwankungen von Östrogen und Progesteron. Diese Hormone können die Schmerzempfindlichkeit beeinflussen und Migräneanfälle auslösen. Bei manchen Mädchen hängt die Migräne auch stark von der Zyklusphase ab. Mädchen mit Migräne haben ihre Menarche bereits mit 11,8 Jahren und damit deutlich früher als ihre Altersgenossinnen ohne Migräne (12,3 Jahre).
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Auslösende Faktoren
Verschiedene Auslöser können Migräneanfälle bei anfälligen Mädchen auslösen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Stress und psychische Belastung: Anspannung, Stress, psychische Belastungen, etwa durch eine Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen. Die Adoleszenz ist eine konfliktgeladene Zeit mit motorischer und innerer Unruhe. Sie ist geprägt durch Gefühle wie innere Unsicherheit und Selbstkritik, die jedoch oft durch aggressives, abwertendes Verhalten nach außen abgewehrt werden. Stimmungen und Verhalten können extrem wechselhaft sein: von betont selbstständig und demonstrativ erwachsen bis kleinkindhaft, hilflos und ängstlich.
- Schlafstörungen: Schlafmangel und unregelmäßige Schlafgewohnheiten können Migräneanfälle auslösen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke, wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol und koffeinhaltige Getränke, können bei manchen Mädchen Migräne auslösen. Auch das Auslassen von Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel können eine Migräne begünstigen.
- Umweltfaktoren: Lärm, grelles Licht, starke Gerüche, Wetterveränderungen und Reisen können Migräneanfälle auslösen.
- Veränderung von Routinen und Gewohnheiten: Die Veränderung von Routinen und Gewohnheiten kann ebenfalls eine Rolle spielen - zum Beispiel durch Reisen und klimatische Veränderungen, Änderungen im Tagesablauf sowie durch unregelmäßige Mahlzeiten.
- Medienkonsum: Erhöhter Medienkonsum wie Musik oder Computerspiele können ebenfalls eine Rolle spielen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Auslöser von Person zu Person variieren können.
Symptome von Migräne in der Pubertät bei Mädchen
Migräne äußert sich in einem starken, attackenartigen Kopfschmerz. Häufig wird dieser von Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit begleitet. Die Symptome der Migräne können von Mädchen zu Mädchen unterschiedlich sein, aber typische Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Heftige, hämmernde oder pochende Kopfschmerzen, die sich bei körperlicher Aktivität verschlimmern. Die Schmerzen treten gerade bei Teenagern oft plötzlich auf. Sie können so schwer werden, dass man meint, der Kopf platzt gleich. Dieser Zustand kann mehrere Stunden bis selten auch Tage andauern, sodass an Lernen, Schule oder Sport nicht zu denken ist. Während Erwachsene oft einen einseitigen Schmerz verspüren, der über Stunden und Tage anhalten kann, ist bei Kindern der Kopfschmerz vorwiegend beidseitig und klingt manchmal schon nach 30 Minuten wieder ab.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleiterscheinungen von Migräne.
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Betroffene sind empfindlich gegenüber hellem Licht und lauten Geräuschen.
- Sehstörungen: Einige Mädchen erleben vor oder während eines Migräneanfalls Sehstörungen wie Flimmern, Blitze oder verschwommenes Sehen (Aura). Einige Attacken kündigen sich mit einer Aura an. Das können Lichtblitze im Gesichtsfeld sein, Zick-Zack-Linien, blendende Kreise oder Vierecke. Sogar die Sehkraft kann nachlassen oder einseitig ganz ausfallen. Auch Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Sprechstörungen sind möglich.
- Weitere Symptome: Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und Nackensteifigkeit können ebenfalls auftreten. Rund 70% der Kinder empfinden während der Migräneattacke sogenannte autonome Symptome. Solche Symptome werden im Erwachsenenalter mehr bei Clusterkopfschmerzen beschrieben. Im Kindesalter können sie auch bei Migräne beobachtet werden. Diese Symptome schließen Gesichtsschwitzen oder Gesichtsröte ein. Das Auge kann gerötet sein oder tränen. Die Nase kann laufen oder verstopft sein. Die Augenlider können angeschwollen sein und auch ein Augenlid kann eine Schwäche aufweisen.
Migräneattacken bei Kindern sind häufiger in stärkerem Ausmaß von Geruchsüberempfindlichkeit, Schwindel und Bauchschmerzen begleitet.
Die Kopfschmerzen während einer Migräneattacke laufen in 4 Phasen ab. In der Phase vor der Kopfschmerzattacke zeigen sowohl Kinder als auch Erwachsene Stimmungsveränderungen wie z.B. Reizbarkeit. Kinder zeigen zudem im höheren Ausmaß Blässe oder entwickeln dunkle Augenränder. Die Kinder berichten dabei auch häufiger Bauchschmerzen, Durchfall oder Verdauungsschwierigkeiten. Auch muskuläre Steifheit, Müdigkeit und Gähnen können auftreten. In der sogenannte Auraphase, können häufig Sehstörungen und andere neurologische Symptome auftreten. Kindern fällt es schwer, diese Veränderungen zu beschreiben. Daher können sie z.B. Zickzacklinien im Gesichtsfeld, Kribbelmissempfindungen, Schwindel oder Sprachstörungen nur sehr schwer kommunizieren. Während der Kopfschmerzphase sind die Kinder auch nur sehr schwer in der Lage, die Schmerzcharakteristika zu beschreiben. Auch hierzu fehlen ihnen noch die Vokabeln, um z.B. einen pulsierenden Schmerz in der Kommunikation mitzuteilen. Auch die Schwere der Schmerzen können sie nur schlecht in Worte fassen.
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Diagnose von Migräne in der Pubertät bei Mädchen
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf den berichteten Symptomen und einer körperlichen Untersuchung. Ein Arzt kann Fragen zu den Kopfschmerzen stellen, einschließlich Häufigkeit, Dauer, Intensität, Lokalisation und Begleitsymptomen. Ein Kopfschmerztagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt den Arzt dabei, die individuellen Stressfaktoren zu erkennen. Das kann zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein, ein ausufernder Medienkonsum oder eine Konfliktsituation in der Familie. Der Arzt bespricht dann mit dem Kind und seinen Eltern geeignete Maßnahmen, die den kindlichen Stress verringern und die seelische Widerstandskraft steigern können.
In einigen Fällen können zusätzliche Tests wie eine neurologische Untersuchung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Behandlung von Migräne in der Pubertät bei Mädchen
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlungsstrategien können in akute und vorbeugende Maßnahmen unterteilt werden.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome eines Migräneanfalls zu lindern, sobald er beginnt. Zu den gängigen Akutbehandlungen gehören:
- Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen sind in erster Linie empfehlenswert.
- Triptane: Bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind Sumatriptan 10 mg und Zolmitriptan 5 mg als Nasenspray zugelassen.
- Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen können helfen, diese Symptome zu lindern. Besteht Übelkeit oder Erbrechen kann Domperidon ab dem 12. Lebensjahr eingesetzt werden.
Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich nach Beginn des Anfalls einzunehmen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
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Vorbeugende Behandlung
Die vorbeugende Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneanfällen zu reduzieren. Sie wird in der Regel in Betracht gezogen, wenn Migräneanfälle häufig auftreten, stark sind oder das tägliche Leben beeinträchtigen. Zu den vorbeugenden Behandlungen gehören:
- Lebensstiländerungen: Regelmäßiger Schlaf, ausreichend Bewegung, Stressmanagement und das Vermeiden von Auslösern können helfen, Migräneanfälle zu reduzieren. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sollte eingehalten werden. Die Einnahme von Mahlzeiten zu festen Zeiten ist ebenfalls wichtig. Insbesondere sollte auf ein ausreichendes kohlenhydratreiches Frühstück in Ruhe geachtet werden. Ausreichendes Trinken im Tagesablauf ist ebenfalls bedeutsam. Insbesondere sollten Kinder Zeit haben für Entspannung und Ruhe am Tag.
- Entspannungstechniken: Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson und Yoga, Kindern dabei, mit Migräne zu leben. Für Heranwachsende, die auf Stress mit Kopfweh oder Migräne reagieren, ist es außerdem wichtig, allgemein auf ausreichend Pausen im Tagesablauf zu achten. Auch Bewegung und Sport können helfen, Stress abzubauen - vorausgesetzt, er macht Spaß und es besteht kein Leistungsdruck.
- Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen.
- Biofeedback: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen.
- Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente wie Betablocker, Kalziumkanalblocker oder Antidepressiva zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen.
Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung sollte in Absprache mit einem Arzt getroffen werden, der die individuellen Bedürfnisse und Risikofaktoren des Mädchens berücksichtigt.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Neben Medikamenten können auch verschiedene nicht-medikamentöse Behandlungen bei der Behandlung von Migräne in der Pubertät hilfreich sein. Zu diesen Behandlungen gehören:
- Akupunktur: Akupunktur kann bei der Reduzierung von Migräneanfällen wirksam sein.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich zu lösen, die eine Migräne ebenfalls triggern könnten.
- Ernährungsumstellung: Einige Mädchen finden, dass bestimmte Ernährungsänderungen, wie z. B. das Vermeiden von Auslösern oder das Einnehmen bestimmter Nahrungsergänzungsmittel, ihre Migräne verbessern können. Hierbei handelt es sich um den Vergleich einer prospektiven Ernährungsanleitung mit Broschüre vs. persönlicher Beratung. Die Studiendauer betrug 12 Wochen bei 117 Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren. Die Diagnosen waren Spannungskopfschmerzen und Migräne. Ziel war eine mindestens 50-prozentige Reduktion von Frequenz, Intensität und Dauer der Kopfschmerzen. Die Besserung stellte sich anhand der Kalenderdokumentation innerhalb von 12 Wochen ein: Objektiv sprachen 57,7 % an (n = 41; persönlich 22, Broschüre 19), subjektiv sogar 83,1 % (n = 59; kein Gruppenunterschied).
Es ist wichtig, alle alternativen Behandlungen mit einem Arzt zu besprechen, um sicherzustellen, dass sie sicher und wirksam sind.
Umgang mit Migräne im Alltag
Migräne kann erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben von Mädchen in der Pubertät haben. Hier sind einige Tipps, wie man mit Migräne im Alltag umgehen kann:
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie sich die Häufigkeit, Dauer, Intensität und Auslöser Ihrer Migräneanfälle.
- Identifizieren und vermeiden Sie Auslöser: Versuchen Sie, die Faktoren zu identifizieren, die Ihre Migräneanfälle auslösen, und vermeiden Sie diese so weit wie möglich.
- Sorgen Sie für einen regelmäßigen Schlafrhythmus: Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende.
- Essen Sie regelmäßig: Überspringen Sie keine Mahlzeiten und essen Sie gesunde, ausgewogene Mahlzeiten.
- Trinken Sie ausreichend: Trinken Sie den ganzen Tag über ausreichend Wasser.
- Bewegen Sie sich regelmäßig: Machen Sie regelmäßig Sport, um Stress abzubauen und Ihre allgemeine Gesundheit zu verbessern.
- Entspannen Sie sich: Nehmen Sie sich Zeit für Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung.
- Suchen Sie Unterstützung: Sprechen Sie mit Ihren Eltern, Freunden oder einem Therapeuten über Ihre Migräne.
- Informieren Sie sich: Informieren Sie sich über Migräne und lernen Sie, wie Sie Ihre Symptome am besten in den Griff bekommen können.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Die Kopfschmerzen plötzlich und heftig auftreten.
- Die Kopfschmerzen von anderen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit, Sehstörungen, Schwäche oder Taubheit begleitet werden.
- Die Kopfschmerzen sich im Laufe der Zeit verschlimmern.
- Die Kopfschmerzen das tägliche Leben beeinträchtigen.
- Die Kopfschmerzen nicht auf rezeptfreie Schmerzmittel ansprechen.