Migräne Linderung: Ein Apotheken-Ratgeber

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, oft einseitige Kopfschmerzen von großer Schmerzintensität gekennzeichnet ist. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter diesen pulsierenden Kopfschmerzen, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Die Behandlung von Migräne kann vielfältig sein, und die Auswahl der richtigen Medikamente ist entscheidend für eine effektive Linderung. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die in Apotheken erhältlichen Migräne-Tabletten, sowohl rezeptpflichtig als auch rezeptfrei, und beleuchtet weitere Aspekte der Migränebehandlung.

Was ist Migräne?

Migräne zählt zu den neurologischen Erkrankungen und äußert sich in äußerst starken, anfallsartig auftretenden und wiederkehrenden Kopfschmerzen, die in der Regel nur einseitig auftreten. Einem Migräneanfall geht häufig eine Migräneaura voraus, im Rahmen derer Betroffene unter optischen Wahrnehmungsstörungen leiden. Häufig werden beispielsweise Blitze oder gezackte Linien im Sichtfeld wahrgenommen.

Der Unterschied zwischen Spannungskopfschmerzen und Migräne liegt in erster Linie in der Intensität der Schmerzen. Zwar sind Kopfschmerzen allgemein störend und unangenehm, Migräne jedoch schränkt die Betroffenen im Alltag gänzlich ein. Während Spannungskopfschmerzen meist am gesamten Kopf auftreten, beschränkt sich der Schmerz bei Migräne nicht selten auf eine Kopfhälfte.

Ein Migräneanfall kann unterschiedlich lang dauern, meist zwischen vier und 72 Stunden. Dennoch sind mehrtägige Anfälle eher die Seltenheit. In der Regel ist die Migräneattacke nach einem Tag durchgestanden.

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Rezeptfreie Schmerzmittel

Zur Akutbehandlung von Migräne stehen verschiedene rezeptfreie Schmerzmittel zur Verfügung. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bestimmte Wirkstoffe als Mittel der ersten Wahl.

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  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): NSAR wirken, indem sie die Bildung von Prostaglandinen hemmen, die an der Entstehung von Entzündungen und Schmerzen beteiligt sind. Zu den gängigen NSAR gehören Ibuprofen (400 mg) und Acetylsalicylsäure (ASS; 900 bis 1000 mg).
  • Paracetamol: Paracetamol (1000 mg) wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend. Es gehört nicht zu den NSAR, da es kaum entzündungshemmend wirkt.
  • Kombinationspräparate: Besonders hervorgehoben wird die fixe Kombination aus ASS (250 bis 265 mg), Paracetamol (200 bis 265 mg) und Koffein (50 bis 65 mg). Dank der Kombination wirken diese Schmerzmittel schnell und zudem stärker.

Triptane

Triptane sind speziell für die Behandlung von mittelschwerer bis starker Migräne entwickelt worden. Sie wirken, indem sie die erweiterten Blutgefäße im Gehirn verengen und Entzündungsprozesse hemmen. In Deutschland sind einige Triptane rezeptfrei in der Apotheke erhältlich:

  • Almotriptan
  • Naratriptan
  • Sumatriptan

Die Dosierung von Sumatriptan liegt beispielsweise bei 50 mg oder 100 mg. Naratriptan wird ebenfalls als Mittel der ersten Wahl zur Selbstbehandlung der Migräne eingestuft.

Rezeptpflichtige Triptane

Für stärkere Migräneattacken oder wenn rezeptfreie Mittel nicht ausreichend wirken, können Ärzte rezeptpflichtige Triptane verschreiben:

  • Eletriptan
  • Frovatriptan
  • Rizatriptan
  • Zolmitriptan

Antiemetika

Bei vielen Patienten ist der Migräne-Anfall mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Hier können spezielle Medikamente (Antiemetika) helfen. Sie sollten sie vor dem Schmerzmittel einnehmen. Antiemetika wie Metoclopramid und Domperidon regen die Bewegungen der Magenmuskulatur an.

Weitere Medikamente zur Migränebehandlung

Neben den genannten Akutmedikamenten gibt es auch andere Optionen zur Behandlung von Migräne, insbesondere zur Vorbeugung von Anfällen.

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Migräneprophylaxe

Wenn Migräneattacken häufig auftreten, kann eine Migräneprophylaxe sinnvoll sein. Hier kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Betablocker: Propanolol und Metoprolol
  • Kalziumkanalblocker: Flunarizin
  • Antiepileptika: Valproat und Topiramat

Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit und Intensität der Attacken so weit zu verringern, dass die Migräne künftig mit normalen Akut-Medikamenten behandelt werden kann.

Neue Wirkstoffgruppen

In den letzten Jahren wurden neue Wirkstoffgruppen zur Migränebehandlung entwickelt, darunter Gepante und monoklonale Antikörper. Diese kommen vor allem bei chronischer Migräne zum Einsatz und können die Häufigkeit der Attacken deutlich reduzieren.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Migräne-Tabletten

  • Dosierung beachten: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und beachten Sie die Angaben auf der Verpackung zur Dosierung der Medikamente.
  • Nicht zu häufig einnehmen: Migräne-Tabletten sollten Sie nicht zu oft nehmen, weil eine Überdosierung medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursachen kann. Generell sollten Sie Schmerzmittel, aber auch Triptane nicht häufiger als zehnmal pro Monat einnehmen, maximal an drei Tagen hintereinander.
  • Wirkungsgeschwindigkeit: Wie schnell ein Medikament wirkt, hängt vom Wirkstoff ab. ASS braucht etwa 20 bis 60 Minuten, Paracetamol 30 bis 60 Minuten. Besonders schnell wirkt die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein: Schon innerhalb der ersten Viertelstunde können die Schmerzen nachlassen. Bei Sumatriptan-Tabletten zum Beispiel können Sie schon nach einer halben Stunde eine Besserung spüren. Rizatriptan braucht etwa eine Stunde, bis es seine maximale Wirkung entfaltet.
  • Schwangerschaft: Grundsätzlich werden Schwangeren wegen möglicher Gefahren für das ungeborene Kind von der Einnahme von Schmerzmitteln abgeraten. Falls die Schmerzen sehr stark sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt - einige Mittel gelten zu bestimmten Phasen der Schwangerschaft nach Ansicht von Experten als weitgehend unbedenklich. Das gilt nach Angaben von Embryotox zum Beispiel für Paracetamol.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Linderung von Migräne beitragen können:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Essens- und Schlafenszeiten können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne. Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann einen positiven Einfluss auf die Migräne haben. Bestimmte Lebensmittel wie Rotwein oder Käse können jedoch auch als Trigger wirken.
  • Akupunktur: Manche Betroffene haben mit Akupunktur gute Erfahrungen gemacht.
  • Migräne-Tagebuch: Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, individuelle Auslöser zu identifizieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu dokumentieren.

Migräne in besonderen Lebenssituationen

Migräne bei Kindern

Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein.

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Migräne in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

Wann zum Arzt?

Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Kopfschmerzen sehr stark sind oder plötzlich auftreten.
  • Die Kopfschmerzen von anderen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit oder neurologischen Ausfällen begleitet werden.
  • Die Migräneattacken häufiger werden oder sich die Symptome verändern.
  • Rezeptfreie Medikamente nicht ausreichend wirken.

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