Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Oftmals geht sie mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit einher, die den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Eine spezielle Migränebrille kann hier Abhilfe schaffen, indem sie bestimmte Lichtfrequenzen filtert und so die Symptome lindert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Migränebrillen, von den Filtertönungen bis hin zur Auswahl des richtigen Modells.
Was ist eine Migränebrille?
Eine Migränebrille ist eine Brille mit speziellen Gläsern, die bestimmte Wellenlängen des Lichts filtern sollen, um die Lichtempfindlichkeit bei Migräne zu reduzieren. Sie unterscheidet sich von einer normalen Sonnenbrille dadurch, dass sie für den Gebrauch in Innenräumen geeignet ist und nur einen Teil des Lichts blockiert. Im Vergleich zu normalen Sonnenbrillen, die bis zu 85 % des Lichts blockieren, blockieren Migränebrillen mit dem FL-41-Filter nur 50 % des Lichts. Generell wird davon abgeraten, eine Sonnenbrille über einen längeren Zeitraum in Innenräumen zu tragen, um der Lichtempfindlichkeit entgegenzuwirken, da die Augen auf diese Weise noch empfindlicher auf helles Licht reagieren können. Diese speziellen Brillen sind jedoch für den Gebrauch in Innenräumen ausgelegt und sorgen dementsprechend nur für moderate Abdunkelung im Raum.
Wie funktioniert eine Migränebrille?
Migränebrillen sind in der Regel mit speziellen Filtertönungen versehen, die bestimmte Wellenlängen des Lichts blockieren. Ein häufig verwendeter Filter ist der FL-41-Filter, der eine rosafarbene Tönung aufweist. Studien haben gezeigt, dass dieser Filter bei Migräne und Blepharospasmus helfen kann, indem er die Häufigkeit und Intensität der Anfälle reduziert. Bei Eschenbach sollen sie insbesondere die Transmission des Wellenlängenbereichs um 484 Nanometer reduzieren, der bei migränebedingter Photophobie als besonders unangenehm empfunden wird und weswegen sich Betroffene meist zügig in Innenräume zurückziehen. Bei Schweizer, einem weiteren Hersteller von Migräne-Gläsern, geht die Range sogar bis 530 Nanometer. Die Gläser veränderten die Wahrnehmung während der Migräne, die von einer erhöhten Blendempfindlichkeit begleitet wurde, mehr als bei den normalen Kopfschmerzen ohne Blendungsempfinden.
Die FL-41-Filtertönung
Die FL-41-Filtertönung ist eine rosafarbene Tönung, die speziell für die Linderung von Migräne entwickelt wurde. Erfahrungsgemäß birgt die rosane Farbgebung der FL-41 eine gewisse Hemmschwelle, die zunächst überwunden werden muss. Hier muss man sich letztenendes vom Effekt einfach selbst überzeugen, denn bringen die Gläser erstmal eine Linderung für dieses lästige Leiden, lässt sich über die Farbe natürlich viel einfacher hinwegsehen. Auch gibt es dunklere Versionen der Tönung für draußen, zusätzlich zu den genannten für den Innenbereich. Die Tönung reduziert die Lichtmenge, die ins Auge gelangt, und filtert bestimmte Wellenlängen heraus, die als besonders belastend für Migränepatienten gelten.
Weitere Filtertönungen
Neben der FL-41-Filtertönung gibt es auch andere Filtergläser mit unterschiedlichen Farbgebungen, die bei Migräne hilfreich sein können. Kantfiltergläser mit ihren speziell getönten Linsen bieten Hilfe für Menschen mit schwerwiegenden Augenerkrankungen und damit einhergehendem Verlust des Großteils ihres Visus. Die Farbgebung der Kantenfiltergläser reicht von Gelb über Rot und Orange bis Braun. Diese Farben filtern das kurzwellige blaue Licht heraus, wodurch der Kontrast erhöht und das Streulicht reduziert wird. Die Hersteller stellen Musterkoffer zur Verfügung, die verschiedene Farbvarianten als Glas oder Vorhalter enthalten. Nicht alle Gläser sind dabei verkehrstauglich.
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Blaulichtfilter-Brillen
Blaues Licht ist in Tageslicht enthalten und sorgt dafür, dass wir wach und leistungsfähig sind. Die Lösung sind Blaulichtfilter-Brillen. Sie halten die kurzwelligen Lichtstrahlen ab und tragen sich dabei so angenehm wie eine herkömmliche Brille.
Hier eine Übersicht von Blaulichtfilter-Brillen:
- Blaulicht-Brille von Horus X: Leichtes Rahmen
- Gaming von Horus X: Gelbglas-Technologie reduziert Blaulicht
- Blaulichtfilter Brille von Firmoo: Vermeidung von Blendung
- OLN-VAR-DE von Horus X: schmale Form & leichtgewichtig
- Blaulichtfilter-Brille von Cyxus: Verschiedene Farben erhältlich
Individuelle Anpassung der Migränebrille
Viele der Migränebrillen sind auch mit Ihrer individuellen Sehstärke verglasbar. Liegt bei Ihnen eine Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung oder Kurzsichtigkeit vor, sollte die richtige Brillenglasstärke in Kombination mit den speziellen Filtern bestellt werden. Generell ist es empfehlenswert, zuerst einen eventuellen Sehfehler zu korrigieren, bevor man verschiedene Filter zur Bekämpfung der Migräne ausprobiert. Dadurch wird sichergestellt, dass beide Augen bestmöglich zusammenspielen können.
Was ist bei der Auswahl einer Migränebrille zu beachten?
Bei der Auswahl einer Migränebrille sollten Sie einige wichtige Punkte beachten:
- Die richtige Filtertönung: Lassen Sie sich von einem Augenarzt oder Optiker beraten, welche Filtertönung für Ihre individuellen Bedürfnisse am besten geeignet ist.
- Die Passform der Brille: Achten Sie darauf, dass die Brille gut sitzt und nicht rutscht. Sie sollte auch nicht zu eng sein, um Druckstellen zu vermeiden.
- Die Qualität der Gläser: Wählen Sie Gläser von hoher Qualität, die eine klare Sicht ermöglichen und keine Verzerrungen verursachen.
- Die Möglichkeit zur individuellen Anpassung: Klären Sie ab, ob die Brille mit Ihrer individuellen Sehstärke verglasbar ist.
Die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Fachleuten
Es ist wichtig, eng mit einem Augenarzt oder Augenoptiker zusammenzuarbeiten, der alle Messungen sorgfältig durchführt. Suchen Sie also besonders bei Migräne nach einem Fachmann mit Erfahrung auf diesem Gebiet.
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Selbsttest mit Acunis-Gläsern
DOZ-Volontärin und Augenoptikermeisterin Lisa Meinl führte einen Selbsttest mit den Acunis-Gläsern durch, die Hersteller Eschenbach Optik zur Anwendung bei extremer Lichtempfindlichkeit entwickelt hat. Dabei sollen die Gläser den Anteil des Lichts filtern, „der als besonders unangenehm empfunden wird“. Die Unterschiede in der Wahrnehmung waren davon abhängig, ob es sich um „normale“ Kopfschmerzen oder Migräne handelte. Der Effekt der Gläser, egal welcher Tönung, war in meinem Fall stärker während der Migräne-Anfälle. Persönlich würde ich die 50-prozentige Tönung wählen: Sie dämpft das Licht stärker, lässt die Umwelt in wärmeren Farbtönen erscheinen und lieferte im Gegensatz zu den leichten Tönungen immer einen positiven Effekt während der Migräne. Die 75-prozentige Tönung hingegen war mir in manchen Situationen zu dunkel und das Sehen wirkte teilweise zu verfälscht oder unwirklich. Die hellste Variante war hingegen in den meisten Fällen zu schwach in der Tönung beziehungsweise hatte keine Wirkung. Jedoch musste ich bei den Tests feststellen, dass die Tönungen an verschiedenen Tagen unterschiedlich auf mich wirkten.
Teilnahme am Straßenverkehr mit Migränebrille
Die Wahrnehmung von Schildern, Ampeln oder auch die anderer Fahrzeuge wurde nicht gravierend verändert oder gestört - auch wenn sich die Farben ins Pink-violette veränderten. Schilder mit helleren Farben wie Gelb oder Weiß wirken mit den beiden starken Tönungen dunkler und kräftiger, waren aber weiterhin gut zu identifizieren. Bei der leichtesten Tönung fand wieder nur eine minimale Veränderung statt. Wichtig an dieser Stelle: Nur die Gläser der Firma Schweizer mit der 22 prozentigen Tönung sind nachtfahrtauglich. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass das Migräne-Comfort-Glas 37 von Schweizer sowie die drei Acunis-Gläser von Eschenbach Optik in 25, 50 und 75 Prozent ausschließlich bei Fahrten am Tag genutzt werden dürfen.
Kundenstimmen und Erfahrungen
„Eine Kundin hat beim Testen der Acunis-Gläser tatsächlich vor Freude geweint, da das Sehen mit den Migräne-Gläsern für sie so viel entspannter war. Und diese Kundinnen und Kunden empfehlen uns weiter“, erzählt Augenoptikermeister und Geschäftsführer Thomas Knapp von Optik Knapp in Gernsbach (Baden-Württemberg). Er ist einer der Augenoptikbetriebe, die Acunis-Gläser verkaufen. In seinem Betrieb seien die Vorhänger sehr beliebt, da die Kundinnen diese bei Bedarf einfach auf ihre Brille setzen können. Christopher Penzel, Augenoptiker und Geschäftsführer des Betriebs Optik Penzel, berichtet: „Nach der Anamnese geben wir unseren Kundinnen und Kunden meist die Acunis-Testbox mit nach Hause. Sie enthält die drei verschiedenen Filterstärken als Vorhänger und so können unsere Kundinnen diese ganz in Ruhe im Alltag testen.“ Schließlich sei der Test unter Realbedingungen mit den verschiedenen Filterstärken entscheidend für den Kunden.
Weitere Optionen zur Linderung von Lichtempfindlichkeit
Neben Migränebrillen gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Lichtempfindlichkeit bei Migräne zu reduzieren:
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Trigger für Migräneanfälle und vermeiden Sie diese so gut wie möglich.
- Anpassung der Beleuchtung: Verwenden Sie in Innenräumen gedämpftes Licht und vermeiden Sie grelle Lichtquellen.
- Verwendung von Vorhängen oder Jalousien: Schützen Sie sich vor direktem Sonnenlicht, indem Sie Vorhänge oder Jalousien verwenden.
- Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation, um Stress abzubauen und Migräneanfälle zu reduzieren.
AMD-Brillengläser
Ein speziell entwickeltes AMD-Brillenglas findet besonderes Interesse bei Betroffenen mit altersbedingter Makuladegeneration. Bester Schutz, vergrößertes Sehen, mehr Kontraste. Die Brillengläser sind als Einstärken-, Bifokal- und Gleitsichtglas erhältlich. AMD-Brillengläser müssen in jedem Fall von den Betroffenen getestet werden. Sie sind in vielen Fällen lichtempfindlicher, eine Migräne-Attacke verstärkt die Lichtempfindlichkeit oftmals überproportional.
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medi-lens MIGRÄNE-Comfort 37
Tests haben ergeben, dass sie besonders sensibel auf Licht zwischen den Wellenlängen 480 nm und 520 nm reagieren. Insbesondere das Spezialbrillenglas medi-lens MIGRÄNE-Comfort 37 hat hier einen Absorptionsschwerpunkt. Es hat somit eine höhere Wirksamkeit als die Variante mit 22 %. Wenn 37 % nicht als zu dunkel empfunden wird, sollte das Spezialbrillenglas MIGRÄNE Comfort 37 die erste Wahl bei der Erprobung sein.
Verlaufstönung und Polarisation
Durch eine zusätzliche Polarisation der Kanten- bzw. Komfortfilter werden Reflexe von horizontalen Flächen, wie z. B. polierten Steinböden, Wasser- oder Schneeflächen und vieles mehr ausgeschaltet.
Phototrope Kantenfilter
Neben der Möglichkeit, Kantenfilter bis 85 % abzutönen, um Lichtblendungen zu reduzieren, bietet SCHWEIZER die Option der phototropen Kantenfilter. Sie sind aus CR39-Material gefertigt, somit sehr leicht und wie jedes andere Kunststoffglas in der Werkstatt zu verarbeiten. Die Grundtönung liegt nur ca. 5 % über den normalen Kantenfiltern. Sie passen sich im Sonnenlicht der jeweiligen Helligkeit an und sind somit vielseitig zu verwenden.
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