Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, die sich oft schleichend ins Leben einschleicht. Zunächst treten leichte Gedächtnisprobleme und Orientierungsschwierigkeiten auf. Vergesslichkeit kann ein Anzeichen für Alzheimer sein, muss es aber nicht. Es gehört zum Älterwerden dazu, öfter etwas zu vergessen oder sich langsamer zu erinnern. Die Erkrankung ist durch einen fortschreitenden Rückgang der geistigen Fähigkeiten gekennzeichnet. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Alzheimer im Alter von 70 Jahren und geht auf Risikofaktoren, Diagnose und Präventionsmaßnahmen ein.
Was ist Alzheimer?
Demenz ist der schleichende Rückgang der geistigen Fähigkeiten im Alter. Dabei verschlechtern sich Gedächtnis, Denkvermögen, Urteilskraft, Konzentrations- und Lernfähigkeit kontinuierlich. Die Persönlichkeit kann ebenfalls verfallen. Sie ist keine reguläre Begleiterscheinung des Alterns. Bei der Demenz vermindern sich die geistigen Fähigkeiten dramatisch und werden letztendlich ganz abgebaut. Während sich nicht an Demenz erkrankte Menschen mit zunehmendem Alter schlecht an Einzelheiten erinnern, vergessen Demenzkranke kurz zurückliegende Ereignisse möglicherweise vollständig. Man unterscheidet primäre Demenzsyndrome, das heißt ohne zugrunde liegende Erkrankung, von sekundären, die sich als Folgeerscheinung anderer Krankheiten entwickeln.
Die Alzheimer-Demenz ist ein klinisches Syndrom, dem eine primär degenerative zerebrale Krankheit mit charakteristischen neuropathologischen und neurochemischen Merkmalen zu Grunde liegt. Sie beginnt meist schleichend und entwickelt sich langsam, aber stetig über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich mit einem Anteil von 50-70% an allen Demenzen um die häufigste Demenzform.
Ursachen von Alzheimer im Alter
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Allerdings gibt es einige Faktoren, die eine Rolle spielen können.
Ablagerungen im Gehirn
Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Noch ist die Ursache für die Entstehung einer Alzheimer-Demenz nicht gänzlich aufgeklärt. Werden die „Ursachen-Gene“ betrachtet, steht vor allem die Entstehung und Ansammlung von Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn im Mittelpunkt. Es handelt sich dabei um fleckförmige Verklumpungen von Protein-Abbauprodukten, dem Beta-Amyloid, welche die Kommunikation zwischen den Nervenzellen beeinträchtigen. Finden bei bestimmten „Ursachen-Genen“ Mutationen statt, erhöht sich infolgedessen die Bildung von Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn.
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Genetische Faktoren
„Risiko-Gene“ wie zum Beispiel das ApoE-Gen können das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, generell erhöhen. Doch bestimmte Genmutationen, die sogenannten „Ursachen-Gene“, können - in seltenen Fällen - die Erkrankung direkt verursachen. Drei dieser Ursachen-Gene sind wissenschaftlich bereits gut untersucht.
Die familiäre Alzheimer-Demenz ist abhängig von der genetischen Vererbung und entsteht, wenn gewisse Veränderungen im genetischen Material, sogenannte Genmutationen, von den Eltern auf die Kinder „autosomal dominant“ übertragen werden. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass die Genmutation geschlechtsunabhängig ist (autosomal) und es ausreicht, die Genmutation von nur einem Elternteil vererbt zu bekommen, damit es seine „Wirkung“ zeigt (dominant). Auch wenn sich die genetischen Merkmale der familiären Alzheimer-Demenz im Vererbungsvorgang immer durchsetzen, kommt die familiäre Form der Alzheimer-Demenz, bezogen auf alle Alzheimer-Demenzen, mit ein bis fünf Prozent aller Fälle sehr selten vor.
Die Genmutationen, welche die Alzheimer-Demenz verursachen können, liegen auf bestimmten Genen, welche den Bauplan für die Proteine Präsenilin 1 (PSEN 1) und Präsenilin 2 (PSEN 2) sowie das Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) zur Verfügung stellen.
| Protein | Genmutation | Chromosom | Anteil aller familiärer Alzheimer-Demenzen | Auftreten der Erkrankung | Beschreibung des Proteins |
|---|---|---|---|---|---|
| Präsenilin 1 (PSEN 1) | 14 | 30-70 % | i.d.R. unter 60 Jahren | PSEN1 und PSEN2 sind Bausteine des Enzyms ‚Gamma-Sekretase‘, welches das Amyloid-Vorläufer-Protein APP zerschneidet. | |
| Präsenilin 2 (PSEN 2) | 1 | 5 % | i.d.R. unter 60 Jahren | PSEN1 und PSEN2 sind Bausteine des Enzyms ‚Gamma-Sekretase‘, welches das Amyloid-Vorläufer-Protein APP zerschneidet. | |
| Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) | 21 | 10-15 % | i.d.R. unter 60 Jahren | Bei Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) kommt das 21. Chromosom nicht nur zweimal, sondern dreimal vor. Deshalb tragen Menschen mit Down-Syndrom eine zusätzliche Kopie des Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) in sich, wodurch vermehrt Beta-Amyloid-Ablagerungen entstehen. Bei fast allen Erwachsenen mit Down-Syndrom treten etwa ab dem 40. Lebensjahr Alzheimer-Symptome auf. |
Weitere Risikofaktoren
Der Hauptgrund für das Auftreten einer Demenz sind krankhafte Veränderungen des Gehirns, die mit höherem Lebensalter zunehmen. Darüber hinaus gibt es weitere Risikofaktoren, die zum Teil beeinflussbar sind. Dazu gehören:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Erhöhter Blutdruck
- Diabetes
- Übergewicht
- Depression
Symptome von Alzheimer
Bei allen Demenzformen kommt es durch Erkrankungsprozesse im Gehirn zu einem fortschreitenden Verlust von Gedächtnisfunktionen und anderen kognitiven Fähigkeiten wie Konzentrations-, Sprach-, Denk- und Urteilsfähigkeit. Außerdem lässt die Fähigkeit, im Alltag zurechtzukommen, mit der Zeit immer mehr nach. Gleichzeitig treten Störungen im Bereich der Gefühle (zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Ruhelosigkeit, depressive Verstimmungen), des Antriebs und des Sozialverhaltens auf. Im Gegensatz zum Delir ist das Bewusstsein jedoch nicht beeinträchtigt.
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Nach dem international üblichen Klassifikationsschema ICD-10 Statistical Classification of Diseases (ICD-10) müssen die Symptome mindestens sechs Monate lang vorliegen, um die Diagnose einer Demenz zu stellen. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, kommt es häufig zu weiteren, schwerwiegenden Krankheitssymptomen. Dazu gehören Störungen der Sprache und der Bewegungsabläufe, das Nicht-Erkennen von Personen und Gegenständen und ein Verlust der Krankheitseinsicht.
Im Gegensatz dazu lassen sich beim normalen Älterwerden sog. leichte kognitive Beeinträchtigungen beobachten - zum Beispiel leichte Schwierigkeiten, Informationen aus dem Gedächtnis abzurufen oder neue Dinge zu lernen, eine geringere geistige Schnelligkeit und eine geringere Umstellungsfähigkeit auf Neues. Außerdem kann es zu leichten Auffälligkeiten bei der Sprache oder beim planenden Denken kommen. Diese Symptome können auf eine beginnende Demenz hinweisen, müssen es aber nicht: So entwickelt etwa der Hälfte der Betroffenen im Lauf von drei bis vier Jahren eine Demenz - bei der anderen Hälfte bleiben die Symptome jedoch über längere Zeiträume weitgehend gleich.
Diagnose von Alzheimer
Um zu überprüfen, ob eine Demenz vorliegt, wird zunächst die Krankengeschichte des Betroffenen genau erfasst. Dabei ist es oft notwendig, neben dem Patienten auch mit seinen Angehörigen zu sprechen. Weiterhin kann die Symptomatik mithilfe standardisierter Tests und Fragebögen genauer erfasst werden. Dazu gehören zum Beispiel die „Geriatrische Depressionsskala“ (GDS, Skeikh & Yesavage, 1986) und der „Mini Mental Status Test“ (MMST, Folstein et al., 1975).
Um Veränderungsprozesse im Gehirn festzustellen bzw. auszuschließen, werden zusätzlich bildgebende Untersuchungen des Gehirns wie die Computertomographie oder die Kernspintomographie durchgeführt. Eine Analyse der Blutwerte (zum Beispiel Blutbild, Blutzucker, Leberwerte, Schilddrüsenhormone) kann zusätzlich Hinweise darauf geben, ob eine körperliche Erkrankung hinter der Symptomatik steckt.
Nach ICD-10 müssen für die Diagnose einer Alzheimer-Demenz neben den allgemeinen Kriterien für ein Demenzsyndrom (Dauer mind. 6 Monate, Nachweis einer Störung höherer kortikaler Funktion, Ausschluss einer akuten Bewusstseinsstörung im Sinne eines Delirs und Ausschluss einer wesentlichen Einschränkung der Sinnesorgane) folgende Punkte vorliegen:
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- Gedächtnisstörung
- Mindestens eine weitere neurologische Teilleistungsschwäche
- Beeinträchtigung der sozialen Aktivität
- Schleichender Verlauf über Monate bis Jahre
- Ausschluss anderer Demenzursachen
Prävention von Alzheimer
Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Da einige körperliche Erkrankungen das Risiko für eine Demenz erhöhen, ist die Behandlung dieser Erkrankungen eine wichtige Strategie zur Vorbeugung der Demenz. So sollten Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes möglichst frühzeitig behandelt werden, weil sie das Risiko für eine Demenz erhöhen. Maßnahmen, die die Wahrscheinlichkeit solcher Erkrankungen verringern, können wiederum indirekt das Risiko einer Demenz verringern. Dazu gehören vor allem ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung, durch die Übergewicht vermieden oder wirksam reduziert wird.
Um einer Alzheimer-Demenz vorzubeugen, empfiehlt es sich die Prävention der oben genannten Erkrankungen, die in die Ätiologie der Erkrankung einfließen.
Therapie von Alzheimer
Eine „Heilung“, also ein vollständiger Rückgang der Symptome, ist bei einer Demenz nicht möglich. Bei der Therapie wird lediglich versucht, die Symptome etwas zu vermindern und das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.
Pharmakotherapie
Mit so genannten Antidementiva wird versucht, das Fortschreiten der Symptomatik zu verzögern und die Symptomatik etwas abzuschwächen. Antidementiva werden bei mittelschweren und schweren Demenzen - sowohl vom Alzheimer-Typ als auch bei vaskulärer Demenz - eingesetzt. Man unterscheidet zwischen so genannten Cholinesterase-Hemmern und NMDA-Rezeptor-Antagonisten (Memantin). Untersuchungen haben gezeigt, dass Antidementiva den Verlauf der Symptomatik um ein bis zwei Jahre verzögern können. Allerdings sprechen verschiedene Patienten unterschiedlich gut auf die Medikamente an, bei vielen ist die Wirkung nur relativ schwach ausgeprägt. Außerdem haben die Substanzen häufig Nebenwirkungen, die nicht selten zum Abbruch der Behandlung führen.
Stützende Therapieansätze
Mithilfe stützender Therapieansätze wird versucht, die Selbständigkeit und die Fähigkeiten dementer Patienten noch möglichst lange und so weit, wie dies möglich ist, zu erhalten. Beim Training der kognitiven Fähigkeiten werden Übungen durchgeführt, die Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis trainieren sollen. Dieses Training ist allerdings nur in frühen Stadien der Demenz wirksam und hat nur so lange einen Effekt, wie die Übungen kontinuierlich durchgeführt werden. Weiterhin wird häufig das Realitätsorientierungstraining (ROT) eingesetzt, bei dem die Patienten viele Hinweisreize erhalten, um ihre Orientierung zu Ort, Zeit und zur eigenen Person zu verbessern. Bei stärker ausgeprägten Demenzen werden häufig Wahrnehmungsübungen (zum Beispiel Übungen zum Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken und zur Körperwahrnehmung) durchgeführt, um die Sinneswahrnehmung der Patienten mit einfachen Aufgaben zu trainieren. Daneben gibt es zahlreiche psychologische Unterstützungs-Angebote, die sowohl den Patienten als auch ihren Angehörigen helfen sollen, mit der oft schwierigen Situation und den damit verbundenen psychischen Belastungen umzugehen.
Beim Umgang mit dementen Patienten wird häufig die Methode der „Validation“ eingesetzt, die von der Altersforscherin Naomi Feil entwickelt wurde. Sie zielt darauf ab, das Wohlbefinden und die Lebensqualität dementer Patienten zu verbessern. Die Betreuer nehmen dabei dem Patienten gegenüber eine wertschätzende Haltung ein, die sein oft stark verändertes Erleben und Verhalten in den Mittelpunkt stellt und als „für ihn gültig“ akzeptiert.
Andere Demenzformen
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, aber nicht die einzige. Es gibt verschiedene andere Demenzformen, darunter:
- Vaskuläre Demenz - durch Durchblutungsstörungen im Gehirn
- Lewy-Körperchen-Demenz - gekennzeichnet durch Halluziationen und starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit
- Frontotemporale Demenz - führt häufig zu auffälligen Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen
- Demenz bei Parkinson - Gedächtnis- oder Denkstörungen im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium
Im Umgang mit erkrankten Menschen sind die Unterschiede zwischen den Demenzformen oft nicht eindeutig.
Leben mit Alzheimer
Demenzerkrankungen wie Alzheimer selbst sind nicht direkt tödlich, führen jedoch zu einem fortschreitenden Abbau körperlicher und geistiger Funktionen, einschließlich der motorischen Fähigkeiten. Im späten Stadium ist der Körper meist stark geschwächt, sodass das Risiko für Infektionen, wie beispielsweise Lungenentzündungen, steigt.
Die Lebenserwartung bei Alzheimer variiert individuell: Studien zeigen eine durchschnittliche Lebenserwartung nach Diagnosestellung von 4,8 Jahren für Menschen mit Demenz insgesamt. Dieser Durchschnittswert kann individuell stark abweichen.