Aktiv bleiben: Beschäftigungsmöglichkeiten für Parkinson-Patienten

Die Diagnose Parkinson muss kein Hindernis für ein erfülltes und aktives Leben sein. Regelmäßige Beschäftigung und gezielte Aktivitäten können wesentlich dazu beitragen, die Lebensqualität zu erhalten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu bewahren. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten für Parkinson-Patienten, von körperlicher Aktivität über geistige Stimulation bis hin zu praktischen Alltagshilfen.

Die Bedeutung von Bewegung bei Parkinson

Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Bestandteil der Parkinson-Therapie. Sie verbessert nicht nur die Beweglichkeit, sondern wirkt sich auch positiv auf Stimmung, Konzentration und Selbstvertrauen aus. Bewegung hilft, Muskelsteifheit und Störungen des Bewegungsablaufs zu vermindern und länger aktiv und selbstständig zu bleiben.

Empfehlungen für körperliche Aktivität

  • Allgemeine Bewegung: Spaziergänge, speziell auf die Krankheit abgestimmte Physio- und Ergotherapie, Schwimmen, Wassergymnastik, Wandern oder Nordic Walking sind gut geeignet. Diese Aktivitäten trainieren Beweglichkeit, Gleichgewichtsvermögen, Kraft, Körperhaltung und Koordination.
  • Häufigkeit und Dauer: Im Allgemeinen werden zwei bis drei Bewegungseinheiten pro Woche empfohlen, je nach Kondition 15 bis 60 Minuten lang.
  • Geeignete Sportarten: Neben Wandern oder Radfahren gibt es spezielle Angebote wie Tischtennis, Bogenschießen oder Karate.
  • Zu vermeidende Sportarten: Sportarten mit hohem Sturzrisiko, wie z.B. durch schnelle Drehbewegungen, sollten vermieden werden. Ebenso Disziplinen, die zu hohe Anforderungen an Schnellkraft und Reaktion stellen - wie zum Beispiel Tennis, Squash oder Ballsportarten wie Volley- oder Basketball.

Praktische Übungen für den Alltag

Die Paracelsus Elena Klinik Kassel hat Parkinson-Übungsvideos entwickelt, die leicht umsetzbare Übungen für den Alltag zeigen:

  • Aktivierende Sitzübungen
  • Stabilisierende Balance- und Kraftübungen
  • Praktische Tipps für mehr Selbstständigkeit

Es ist wichtig, dass die Übungen Freude bereiten und regelmäßig durchgeführt werden können. Wenn Bewegung oder Sport bisher keine große Rolle im Alltag gespielt haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen. Schon kleine Schritte können viel bewirken, wie z.B. einfache Übungen zur Verbesserung der Körperhaltung oder regelmäßige Spaziergänge.

Tipps für die Durchführung von Übungen

  • Bei allen Übungen im Stehen oder Gehen kann man sich an einer Wand oder Stuhllehne abstützen.
  • Musik oder rhythmische Bewegungen können helfen, im richtigen Takt zu bleiben und das sogenannte Einfrieren („Freezing“) zu vermeiden.
  • Wenn man sich unsicher auf den Beinen fühlt, sollte man die Übungen im Sitzen durchführen oder sich an einer Wand oder einem Stuhl abstützen.
  • Sehr hilfreich sind auch Übungen im warmen Wasser.

Bewegungstherapie-Videos

Es gibt verschiedene Videos, die Bewegungstherapeuten bei Übungen begleiten:

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  • Sitzübungen: Leichte Übungen, die man bequem im Sitzen ausführen kann - auf einem Stuhl, Hocker oder im Rollstuhl.
  • Gleichgewichtsübungen: Übungen im Stehen, mit denen man das Gleichgewicht trainieren und die Standfestigkeit verbessern kann.
  • Kraftübungen: Intensivere Kraftübungen im Stehen und Sitzen, um die Muskulatur gezielt zu stärken.
  • Gehübungen: Gezielte Übungen, mit denen man das Gehen stabiler und sicherer machen kann.
  • Beweglichkeits- und Geschicklichkeitsübungen: Einfache, gezielte Übungen, mit denen man die Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Sprechmotorik verbessern kann.

Geistige Stimulation und kognitive Aktivitäten

Neben körperlicher Aktivität ist auch die geistige Stimulation wichtig, um die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern.

Empfehlungen für geistige Aktivität

  • Gedächtnistraining: Gedächtnisübungen, Konzentrationsübungen, Übungen zum logischen Denken und zur Merkfähigkeit.
  • Sprachliche Übungen: Übungen zur Verbesserung der Sprachfähigkeit, des Wortschatzes und der Artikulation.
  • Kreative Aktivitäten: Malen, Schreiben von Kurzgeschichten, Gedichten und Prosa.
  • Spiele: Kartenspiele und Rätselspiele.
  • Kulturelle Aktivitäten: Kino- und Theaterbesuche.

Tipps für geistige Aktivität

  • Das Gehirn-Jogging sollte nicht als Pflichtübung angesehen werden, sondern als eine Herausforderung, der Erkrankung aktiv entgegenzutreten.
  • Viele Betroffene können sich durch Sprichwörter noch gut an Ereignisse und Erlebnisse aus ihrer Kindheit erinnern.

Entspannungstechniken

Parkinson belastet durch die ständige Muskelanspannung und das Zittern den Körper und die Seele. Bewusste Entspannung ist wesentlich, um Phasen der Ruhe und Entlastung in den Alltag einzubauen.

Geeignete Entspannungstechniken

  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen
  • Biofeedback-Verfahren
  • Yoga
  • Atemübungen
  • Warmes Wasser

Biofeedback

Das Biofeedback ermöglicht es, den eigenen Anspannungszustand zu reflektieren und damit einen besseren Zugang zum eigenen Körper zu finden. Über einen Sensor werden die Betroffenen mit dem Biofeedbackgerät verbunden, beispielsweise an den Fingern, denn der Hautwiderstand ist ein guter Indikator für emotionale Spannungszustände. Bei erhöhter Anspannung wird der Hautwiderstand niedriger, bei zunehmender Entspannung erhöht er sich.

Alltagshilfen und Hilfsmittel

Für einen Menschen mit Parkinson können die einfachsten Dinge des Tages zu einem Hürdenlauf werden. Es gibt eine Vielzahl an Hilfsmitteln, um den Alltag so lange wie möglich selbständig bewältigen zu können.

Beispiele für Alltagshilfen

  • EazyHold®: Universal-Manschette, die es Kindern und Erwachsenen ermöglicht, viele Gegenstände mit Leichtigkeit zu greifen, halten und zu benutzen.
  • Schlüsseldrehhilfe: Erleichtert das Öffnen von Türschlössern.
  • Fußbürste mit Saugnäpfen: Erleichtert die tägliche Fußpflege ohne Bücken.
  • Anti-Rutsch Unterlage: Verhindert das Verrutschen von Gegenständen.
  • Rutschfestes Messer mit abgewinkeltem Griff: Ermöglicht eine natürliche Position für Hand und Handgelenk beim Schneiden.
  • Kamm mit extra langem Griff: Ideal für Personen, die Schwierigkeiten haben, die Arme hoch zu heben.
  • Tenura Anti-Rutsch-Set: Hilft beim Öffnen von Gläsern und Flaschen mit Schraubdeckel.
  • Abgewinkelte Bratengabel mit rutschfestem Griff: Eine tolle Küchenhilfe für Senioren und Menschen mit Handicap.
  • Griffverdickung aus Schaumstoff: Sorgt für leichteres Greifen von schmalen Gegenständen.
  • Spielkartenhalter: Ermöglicht das Spielen von Karten ohne Festhalten mit den Händen.
  • Küchenbrett mit hohem Rand: Küchenhelfer für die einhändige Bedienung.
  • Schraubverschlussöffner Multi Grip: Hilft beim Öffnen von Sicherheitsdeckeln.
  • Good Grips Knöpfhilfe: Erleichtert das Schließen von Knöpfen.
  • Anti-Rutsch Verschlussöffner: Für Schraubdeckel auf Gläsern und Flaschen.
  • Bad-Haltegriff Liberty Mobilgrip: Bietet Sicherheit beim Ein- und Aussteigen aus der Badewanne oder Dusche.
  • Küchen-Arbeitsstation: Bietet eine optimale Unterstützung bei der Essenszubereitung.
  • Anti-Freezing-Stock: Hilft, plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.

Tipps zur Auswahl von Hilfsmitteln

  • Beantrage Hilfsmittel frühzeitig und sprich mit dem behandelnden Arzt über medizinische Notwendigkeiten.
  • Viele Hilfsmittel können von der Krankenkasse übernommen werden - Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung.

Weitere Aspekte für ein aktives Leben mit Parkinson

Neben Bewegung, geistiger Stimulation und Alltagshilfen gibt es weitere Aspekte, die zu einem aktiven Leben mit Parkinson beitragen können:

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  • Ernährung: Eine ausreichende Energiezufuhr ist wichtig, da Menschen mit Parkinson unter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit leiden können.
  • Soziale Kontakte: Musik, gemeinsames Musizieren, Singen und Musik hören verbindet Menschen und bringt sie in soziale Kontakte und Interaktion.
  • Reisen: Kein Mensch mit Parkinson muss auf das Verreisen verzichten. Vor der Planung eines größeren Urlaubs sollte man jedoch mit dem Arzt sprechen, damit eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Medikamenten sichergestellt ist.
  • Berufstätigkeit: Grundsätzlich sollten Sie versuchen, Ihre berufliche Tätigkeit möglichst lange fortzusetzen. Die Arbeit darf jedoch durch die Symptome oder durch mögliche Nebenwirkungen der Medikamente nicht beeinträchtigt werden.
  • Fahrtüchtigkeit: Das Wichtigste bezüglich der Einschätzung Ihrer Fahrtauglichkeit ist, dass Sie ehrlich zu sich selbst sind. Wenn Sie jegliche Einschränkungen haben oder sich beim Autofahren unsicher fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

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