Psychologische Betreuung nach Schlaganfalltherapie: Ein umfassender Leitfaden

Ein Schlaganfall kann das Leben eines Menschen schlagartig verändern. Neben den körperlichen Einschränkungen sind viele Betroffene mit emotionalen Belastungen, sozialer Isolation und Unsicherheiten konfrontiert. Die psychologische Betreuung spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen und der Wiederherstellung von Lebensqualität und Selbstständigkeit.

Die Bedeutung der psychosozialen Unterstützung nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall ist es essenziell, sowohl soziale als auch praktische Unterstützung zu erhalten, um die neuen Herausforderungen im Leben zu meistern. Emotionale Unterstützung und professionelle Begleitung sind entscheidend, um den Weg zu mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit zu finden. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr unterstützend wirken.

Depressionen nach einem Schlaganfall (Post-Stroke-Depression, PSD)

Trauer und Niedergeschlagenheit sind kurz nach einem Schlaganfall normale Reaktionen. Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt jedoch eine behandlungsbedürftige Depression, die als Post-Stroke-Depression (PSD) bezeichnet wird. Frauen haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko als Männer, nach einem Schlaganfall eine Depression zu entwickeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Es ist nicht vollständig geklärt, ob Depressionen nach einem Schlaganfall vorwiegend körperliche oder psychische Ursachen haben. Einerseits kann die Schädigung des Gehirns durch den Schlaganfall das Gefühlsleben verändern. Andererseits kann eine Depression eine Reaktion auf die körperlichen und geistigen Einschränkungen und den plötzlichen Verlust der Selbstständigkeit sein (reaktive Depression).

Schwere Schlaganfälle führen häufiger zu Depressionen als leichtere. Auch Menschen, die bereits früher eine Depression erlebt haben, sind stärker gefährdet. Das Ausmaß der Depression hängt oft davon ab, wie stark die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Studien deuten darauf hin, dass auch die soziale Situation und die Wohnverhältnisse eine Rolle spielen können. Eine gute therapeutische und soziale Unterstützung kann das Risiko senken.

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Symptome der Post-Stroke-Depression

Die Symptome der Post-Stroke-Depression ähneln denen einer klassischen Depression und können verschiedene Bereiche betreffen:

  • Niedergeschlagene Stimmung: Ein tiefes Gefühl der Hoffnungslosigkeit und negativer Verstimmung.
  • Interessenverlust: Verlust des Interesses an Hobbys und Aktivitäten.
  • Antriebslosigkeit: Energiemangel und Erschöpfung.
  • Schlafstörungen: Probleme beim Ein- und Durchschlafen.
  • Gewichtsveränderungen: Zunahme oder Abnahme des Gewichts.
  • Konzentrationsprobleme: Schwierigkeiten, Gedanken zu fokussieren.
  • Schuld- und Wertlosigkeitsgefühle: Gefühle der Schuld oder Wertlosigkeit.
  • Negative und pessimistische Gedanken über die Zukunft
  • Selbsttötungsgedanken
  • Körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen oder Magenprobleme.

Wenn mehrere dieser Symptome über mehr als zwei Wochen andauern, sollte man sich ärztlich beraten lassen.

Bedeutung der Früherkennung

Nicht immer werden Depressionen nach einem Schlaganfall erkannt und ausreichend behandelt. Umso wichtiger ist es, Anzeichen dafür ernstzunehmen. Menschen mit einer Depression nach einem Schlaganfall können aufgrund von Sprachstörungen oft nicht selbst auf ihr Befinden hinweisen. Es kann sehr deprimierend sein, sich nicht mehr oder nur eingeschränkt verständlich machen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen um sie herum auf Anzeichen für eine Depression achten - also ärztliches und pflegerisches Personal, aber auch Angehörige, Freundinnen und Freunde.

Auswirkungen einer Depression auf die Genesung

Eine Depression kann nicht nur die Lebensqualität deutlich einschränken, sondern auch die Genesung nach einem Schlaganfall verzögern. Ob sich die krankheitsbedingten Einschränkungen bessern, hängt auch von der aktiven Mitarbeit bei der Therapie ab. Mit einer Depression ist es schwieriger, sich zu motivieren und so intensiv an der Wiederherstellung der eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, wie es nicht depressive Menschen können.

Behandlung von Depressionen nach einem Schlaganfall

Depressionen werden oft mit Medikamenten (Antidepressiva) und/oder psychotherapeutischen Verfahren behandelt. Aber auch die alltägliche Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte kann eine wichtige Rolle im Genesungsprozess oder im Umgang mit bleibenden Einschränkungen spielen. Entscheidend ist eine gut organisierte Behandlung und Rehabilitation, die dazu beiträgt, die krankheitsbedingten Einschränkungen zu bessern.

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Medikamentöse Behandlung

Studien zeigen, dass Antidepressiva Menschen helfen können, die nach einem Schlaganfall eine Depression entwickelt haben. Möglicherweise wirken sie sich auch auf die körperliche Genesung positiv aus. Am besten untersucht sind selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und trizyklische Antidepressiva.

  • Wirkung: Ohne Antidepressiva hatten 71 von 100 Menschen noch eine Depression. Mit Antidepressiva hatten 50 von 100 Menschen noch eine Depression. Die Antidepressiva wirkten also bei 21 von 100 Menschen gegen die Depression.
  • Wirkungseintritt: Die Wirkung der Medikamente setzt nicht sofort ein. Innerhalb der ersten 6 bis 8 Wochen verringern sich die Beschwerden jedoch oft.
  • Nebenwirkungen: Antidepressiva können unter anderem Benommenheit, Zittern und Verdauungsprobleme auslösen. Da nach einem Schlaganfall das Laufen schwerfallen oder nur mit Unterstützung möglich sein kann, ist es besonders wichtig, auf Nebenwirkungen zu achten, die die Koordination beeinflussen. Schwindel und Benommenheit können zum Beispiel das Sturzrisiko erhöhen.

Antidepressiva können zudem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Aus diesen Gründen werden Menschen nach einem Schlaganfall, die Antidepressiva einnehmen, sorgfältig ärztlich überwacht.

Psychotherapie

Psychiatrische und psychologische Fachkräfte können dabei unterstützen, mit der Erkrankung und der veränderten Lebenssituation umzugehen. Im Krankenhaus oder der Rehaklinik gibt es entsprechende Angebote. Die Genesung nach einem Schlaganfall gelingt besser, wenn alle Beteiligten die Behandlung intensiv unterstützen - also Fachkräfte aus Pflege, Physiotherapie und Psychologie, Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige.

Weitere Therapieansätze

  • Ergotherapie: Es ist erwiesen, dass Ergotherapie helfen kann, bestimmte Körperfunktionen wiederzuerlangen. Dabei werden alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen oder Haushaltstätigkeiten geübt.
  • Bewegungs- und Krafttraining: Auch Bewegungs- und Krafttraining ist wichtig und kann sogar dazu beitragen, dass sich depressive Beschwerden bessern.

Eine erfolgreiche Rehabilitation setzt eine hohe Motivation voraus, kann aber den entscheidenden Unterschied für die Lebensqualität nach einem Schlaganfall ausmachen.

Unterstützung für Angehörige

Einen nahestehenden Menschen nach einem Schlaganfall zu betreuen, kann eine große Herausforderung sein und manchmal überfordern. Eine Depression kann sich daher auch bei pflegenden Angehörigen entwickeln. Dann fällt es den Angehörigen schwerer, jemanden nach einem Schlaganfall gut zu unterstützen - was beide Seiten wiederum zusätzlich belasten kann. Auf das Wohl der Helfenden zu achten, ist deshalb nicht nur für diese selbst und andere Familienangehörige wichtig, sondern auch für die Person, die den Schlaganfall hatte. Es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können.

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Die Rolle der Rehabilitation

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle, damit Betroffene ihren Alltag möglichst selbstständig gestalten können. Die Vielfalt der Rehabilitationsmöglichkeiten, wie Akutrehabilitation, stationäre, teilstationäre oder ambulante Rehabilitation, kann für Patienten verwirrend sein. Unabhängig von der Art des Schlaganfalls ist eine frühzeitige Einleitung der geeigneten Rehabilitationsbehandlung entscheidend, da dies die Erfolgsaussichten der Therapie verbessert.

Inhalte der Schlaganfall-Rehabilitation

Die verschiedenen Rehabilitationsmöglichkeiten beinhalten unterschiedliche Angebote im Therapiebereich. Im Bereich der Rehabilitation für noch hilfebedürftige Patienten ist z. B. auch die aktivierende Pflege durch das Pflegepersonal Bestandteil der Therapie. Der behandelnde Arzt legt den individuellen Behandlungsplan für den einzelnen Patienten fest. Im Verlauf der Rehabilitationsbehandlung wird dieser den Möglichkeiten des Patienten immer wieder neu angepasst.

Therapiemöglichkeiten während der Rehabilitation

  • Ergotherapie
  • Physiotherapie (Krankengymnastik)
  • Logopädie
  • Neuropsychologie
  • Ernährungsberatung
  • Wiedererlangung der Alltagskompetenz

Psychosoziale Hilfen während der Rehabilitation

Psychologische und pädagogische Angebote in der Reha-Klinik können helfen, die verfolgten Behandlungsziele zu sichern und Krankheitsfolgen zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten. Bei Bedarf kommen zum Einsatz:

  • Hilfen zur seelischen Stabilisierung und zur Förderung der sozialen Kompetenz, u.a. durch Training sozialer und kommunikativer Fähigkeiten und Umgang mit Krisensituationen
  • Training lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheits- und Behinderungsverarbeitung (z.B. durch professionelle psychologische Hilfe oder in einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe)
  • Hilfen zur Aktivierung von Selbsthilfepotenzialen
  • Information und Beratung von Partnern und Angehörigen sowie von Vorgesetzten und Kollegen
  • Vermittlung von Kontakten zu örtlichen Selbsthilfe- und Beratungsmöglichkeiten

Umgang mit spezifischen Funktionsstörungen

Die neurologische Rehabilitation konzentriert sich auf die Wiederherstellung gestörter motorischer Funktionen, die durch Lähmungen, Spastik, Sprach-/Sprechstörungen, Schluckstörungen, Störungen der Stimmung und des Antriebs, Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses sowie Einschränkungen der Alltagskompetenz verursacht werden können.

Vorbereitung auf die Zeit nach der Rehabilitation

Jede Rehabilitation ist nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu dem endgültigen Ziel: der Entlassung in den Alltag. Nicht bei allen Patienten ist eine Rückkehr in das bisherige Umfeld möglich, bei manchen müssen neue Wohnformen gefunden werden. Bei anderen Patienten muss möglicherweise eine berufliche Umorientierung erfolgen. Für alle diese Fragen werden Patienten und ihre Angehörigen intensiv vor allem durch die Sozialdienstmitarbeiter der MEDIAN Kliniken beraten, die sich eng mit den Ärzten, den Pflegern und den Therapeuten abstimmen.

Wo finden Sie Hilfe?

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Betroffenen und ihren Angehörigen Unterstützung bieten:

  • Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Bietet Informationen, Broschüren und Kontaktdaten zu Selbsthilfegruppen und Regionalbüros.
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Informationen rund um die Pflege.
  • Bundesministerium für Gesundheit: Online-Ratgeber Pflege und Pflegeleistungs-Helfer.
  • Stiftung Warentest: Themenspecial für pflegende Angehörige.
  • BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen): Beratung zu Themen wie „Pflege zu Hause“ und „Pflege im Heim“.
  • Pflegekassen: Gesetzliche Verpflichtung zur persönlichen Pflegeberatung.
  • Pflegestützpunkte: Kombinieren die Beratungsangebote von Kommunen und Pflegekassen.
  • Telefonseelsorge: Rund um die Uhr erreichbar für Menschen in Notsituationen.
  • Psychologische Onlineberatung: Anonyme und kostenfreie Hilfe und Unterstützung für Angehörige.

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