Rezeptfreie Mittel gegen neuromuskuläre Verspannungen: Ein umfassender Überblick

Neuromuskuläre Verspannungen sind ein weit verbreitetes Problem, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von rezeptfreien Mitteln, die zur Linderung dieser Beschwerden beitragen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von neuromuskulären Verspannungen, wobei der Fokus auf rezeptfreien Optionen liegt.

Ursachen von neuromuskulären Verspannungen

Nervenschädigungen können vielfältige Ursachen haben. Ein Schlaganfall stellt einen medizinischen Notfall dar, der eine sofortige Therapie erfordert, beispielsweise mit Medikamenten, die das Blutgerinnsel auflösen. Eine diabetische Neuropathie (Nervenschädigungen infolge von Diabetes mellitus) erfordert eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte. Bei alkoholbedingten Nervenschädigungen ist eine sofortige Alkoholabstinenz erforderlich, wobei bei starker Abhängigkeit ein Entzug unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt wird. Entzugserscheinungen können medikamentös abgemildert werden, und nach der körperlichen Entgiftung folgt in der Regel eine psychische Entwöhnung mit Unterstützung durch Fachkliniken oder Beratungsstellen. Ein Vitaminmangel (z. B. Vitamin B12 oder Vitamin B1) erfordert eine Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Vitaminpräparaten unter ärztlicher Aufsicht. Bei vielen neurologischen Krankheiten wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Multiple Sklerose gibt es bisher keine wirksamen Heilungsmethoden.

Symptome von neuromuskulären Verspannungen

Nervenschädigungen gehen oft mit brennenden, kaum erträglichen Schmerzen einher. Es ist wichtig, frühzeitig mit der Behandlung der Schmerzen zu beginnen, um eine Sensibilisierung des Nervensystems und die Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses zu verhindern.

Rezeptfreie Schmerzmittel

Eine wichtige Säule der Behandlung von Nervenschmerzen ist die medikamentöse Schmerztherapie. Als Orientierungshilfe dient die Einteilung der Schmerzmittel in verschiedene Stufen.

  • Stufe 1: Zu den schwächeren Schmerzmitteln gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure oder Paracetamol, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.
  • Stufe 2: Mittelstarke Opioide (synthetisch hergestellte Arzneimittel aus Opium) werden vom Arzt verschrieben, wenn Schmerzmittel der Stufe 1 nicht mehr ausreichen.
  • Stufe 3: Starke Opioide erfordern eine ärztliche Überwachung der Therapie.

Schmerzmittel sind in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Tabletten, Spritzen, Gels oder Wirkstoffpflaster.

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Weitere rezeptfreie Optionen zur Linderung von Verspannungen

Neben Schmerzmitteln gibt es eine Reihe weiterer rezeptfreier Optionen, die zur Linderung von neuromuskulären Verspannungen beitragen können:

Magnesium

Magnesium ist ein wichtiger Mineralstoff, der für die normale Funktion der Muskeln und Nerven unerlässlich ist. Ein Magnesiummangel kann zu Muskelkrämpfen, Verspannungen und anderen neuromuskulären Beschwerden führen.

Magnesium-Diasporal® 150: Dieses Arzneimittel wird bei Magnesiummangel angewendet, wenn dieser Ursache für Störungen der Muskeltätigkeit (neuromuskuläre Störungen, Wadenkrämpfe) ist. Die empfohlene Dosis für Erwachsene beträgt täglich morgens und abends je 1 Kapsel.

Magnesium Verla Dragees: Diese Dragees versorgen den Körper mit Magnesium und werden eingesetzt, wenn nicht genügend Magnesium über die Nahrung aufgenommen wird. Die empfohlene Dosis beträgt ein- bis drei Mal täglich eine Kapsel.

Biolectra Magnesium: Diese Kapseln enthalten eine hohe Dosis Magnesium und sind besonders für Sportler, Heranwachsende und Schwangere geeignet, die einen erhöhten Magnesiumbedarf haben.

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Doppelherz Magnesium Tabletten: Diese Tabletten enthalten neben Magnesium auch die Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure, die für die normale Funktion der Nerven wichtig sind.

Diasporal Lutschtabletten: Diese Lutschtabletten sind mit reinem Magnesiumcitrat angereichert und sollen besonders schnell wirken.

Wärme- und Kältebehandlungen

Wärme- und Kältebehandlungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und zu Hause durchführen. Bei Entzündungen kann Kälte (z. B. in Form kalter Kompressen) angewandt werden, während in einigen Fällen auch Wärme (z. B. eine Wärmflasche oder ein warmes Bad) als wohltuend empfunden werden kann. Bei Empfindungsstörungen ist jedoch Vorsicht geboten, um Verbrennungen oder Erfrierungen zu vermeiden.

Finalgon Wärmecreme: Diese Creme kann bei Muskelkrämpfen und Verspannungen direkt auf die betroffene Körperstelle massiert werden.

ABC Wärmepflaster: Dieses Pflaster nutzt den natürlichen Wirkstoff der Chilischote und ist für seine durchblutungsfördernden Eigenschaften bekannt.

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Entspannungstechniken

Entspannungstechniken wie Meditation, autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen können zu einer seelischen sowie gleichzeitig körperlichen Beruhigung führen und somit das Wohlbefinden steigern.

Weitere Maßnahmen

  • Krankengymnastik und Sporttherapien: Diese zielen darauf ab, Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu trainieren und nehmen daher vor allem in der Rehabilitation (z. B. nach einem Schlaganfall) einen wichtigen Stellenwert ein. Bewegung stärkt betroffene Muskelgruppen und kann körpereigene Schmerzhemmstoffe (Endorphine) ausschütten.
  • Biofeedback: Hier lernen Betroffene normalerweise unbewusst ablaufende Prozesse (wie die Herzrate oder Hirnströme) des Körpers zu kontrollieren. Beispielsweise sollen Patienten versuchen, die Hauttemperatur und damit einhergehende die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren.
  • Psychologische Betreuung: Nervenschmerzen können eine starke psychische Belastung sein. Um Depressionen oder Angststörungen vorzubeugen, kann daher eine psychologische Behandlung sinnvoll sein.
  • Hilfsmittel für den Alltag: Bei Menschen mit einer diabetischen Neuropathie besteht beispielsweise eine erhöhte Gefahr von Verletzungen oder Druckstellen und damit von Folgeerkrankungen wie einem diabetischen Fußsyndrom. Noch wichtiger sind Hilfsmittel bei einigen bislang nicht heilbaren neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS).
  • Massagen: Sie fördern die Durchblutung und lockern das Bindegewebe und werden daher in einigen Fällen als wohltuend empfunden.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

In einigen Fällen sind neuromuskuläre Verspannungen ein Zeichen für eine ernsthaftere Erkrankung, die eine ärztliche Behandlung erfordert. Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Schmerzen plötzlich und heftig auftreten.
  • Die Schmerzen nicht auf rezeptfreie Mittel ansprechen.
  • Zusätzliche Symptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Muskelschwäche auftreten.
  • Die Verspannungen mit einer Grunderkrankung wie Diabetes oder Multipler Sklerose zusammenhängen.

Verschreibungspflichtige Medikamente

In einigen Fällen kann ein Arzt verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von neuromuskulären Verspannungen verschreiben. Dazu gehören:

  • Antiepileptika: Ursprünglich zur Therapie epileptischer Anfälle entwickelt, werden die Präparate mittlerweile häufig auch bei Nervenschmerzen angewandt. Sie hemmen übererregte Nervenzellen und verhindern dadurch, dass diese ständige Schmerzsignale aussenden.
  • Antidepressiva: Die zur Behandlung von Depression zugelassenen Arzneimittel wirken nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindern und eignen sich deshalb auch bei neuropathischen Schmerzen. Das gilt insbesondere für trizyklische Antidepressiva.
  • Capsaicin: Der natürlich in Chilischoten vorkommende Wirkstoff hat sich ebenfalls bei Nervenschmerzen bewährt. Er deaktiviert hyperaktive Rezeptoren, die Schmerz wahrnehmen, und hemmt somit die Schmerzwahrnehmung.
  • Muskelrelaxanzien: Diese Wirkstoffe führen zur Entspannung der Muskulatur. Zentral wirkende Muskelrelaxanzien wie Methocarbamol, Tolperison oder Baclofen müssen vom Arzt verordnet werden.

Operative Eingriffe

In einigen Fällen kann ein operativer Eingriff erforderlich sein, um die Ursache der neuromuskulären Verspannungen zu beheben. Dies kann beispielsweise bei einem Karpaltunnelsyndrom, einem Bandscheibenvorfall oder Nervenverletzungen der Fall sein. Auch bei einigen Krebserkrankungen kann der Neurochirurg gefragt sein. In sehr seltenen Fällen und bei sehr starken Schmerzen (zum Beispiel Tumorschmerzen) ist auch eine Neurodestruktion möglich, bei der Nerven beziehungsweise Nervengeflechte durch chemische oder thermische Verfahren zerstört werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben den genannten Optionen gibt es auch einige alternative Behandlungsmethoden, die zur Linderung von neuromuskulären Verspannungen eingesetzt werden können:

  • Elektrotherapie: Bei der Elektrotherapie werden elektrische Impulse zur Schmerzlinderung eingesetzt. Die häufigste Methode ist die sogenannte epidurale Rückenmarkstimulation (SCS), bei der Elektroden in den Rücken implantiert werden. Eine nicht-invasive Alternative ist die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation (TENS), bei der Elektroden direkt an den schmerzhaften Hautregionen angeklebt werden.
  • Akupunktur: Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin setzt auf das Einbringen von Nadeln in die Haut an bestimmten Energiepunkten und eine ganzheitliche Sichtweise zur Linderung der Beschwerden. Bisher gibt es jedoch nicht ausreichende Nachweise, die eine Wirkung gegen Nervenschmerzen belegen.
  • Homöopathie: Wissenschaftlich gilt die Homöopathie als nicht ausreichend wirksam, dennoch vertrauen viele Menschen auf die „sanfte Behandlungsmöglichkeit“. Auch hier richtet sich die Wahl der Mittel nach der zugrundeliegenden Ursache.
  • Neuromodulation: Bei der Neuromodulation handelt es sich um eine innovative nicht-medikamentöse, nicht-invasive Methode zur Reduktion von Spastiken bzw. zur Beeinflussung der Nervenaktivität durch elektrische Reize. Ein Beispiel hierfür ist der Exopulse Mollii Suit, ein Ganzkörperanzug mit integrierten Elektroden, der zur Aktivierung und Entspannung der Muskulatur eingesetzt wird.

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